Nachdem der letzte Artikel sehr umfangreich geworden ist, habe ich beschlossen, von nun an eine feste Rubrik „Neue Spiele aus Lateinamerika“ einzurichten (es ist ja doch immer viel Recherche dabei). Bis auf Weiteres ist jetzt der erste Montag im Monat dafür reserviert. Ob das gut klappt, wird sich zeigen, wahrscheinlich werden die Artikel sehr unterschiedlich lang werden, je nachdem, was mir so vor die Füße fällt. Da bin ich selbst gespannt. Aber jetzt fange ich erstmal so an.
Vorweg ein Hinweis darauf, dass ich eine Übersichtsseite über die lateinamerikanischen Verlage eingerichtet habe. Das war eine ziemliche Arbeit, aber wer zufällig nach Lateinamerika unterwegs sein sollte, kann sich ja die Verlage aus dem enstprechenden Land vorher mal genauer ansehen und überlegen, wonach es sich Ausschau zu halten lohnt. Ergänzungen und Korrekturen sind willkommen, wenn jemand noch was weiß, aber ich finde auch selbst ständig noch was.
Archiv der Kategorie: Neues aus Lateinamerika
Auf dem Blätterpfad durch den Mülldschungel
Die drei R („Reduce, Reuse, Recycle“ / Reduzieren, Wiederverwenden, Recyclen) sind ja so ein Motto für den sparsamen Umgang mit den knappen Ressourcen unserer Erde. Auf politischer Ebene habe ich eher das Gefühl, dass eine aktuelle Sau durchs Dorf getrieben wird, die es ganz bequem macht, die anderen Probleme zu ignorieren. Hier und da wird ein bisschen rumgedoktert, was vielleicht auch besser ist als nichts, aber ein ganzheitliches Konzept scheint es nicht zu geben. Am Ende kommt es dann doch stark auf jeden und jede Einzelne/n an. Manche Menschen bemühen sich redlich und mehr oder weniger erfolgreich darum, andere ordnen es anderen Interessen unter und wieder andere sind sich des Problems und seiner Lösungen vielleicht gar nicht bewusst. Ob Letzteres in Kolumbien stärker ausgeprägt ist als hierzulande, vermag ich nicht zu beurteilen, aber zumindest erschien es für Mariacaro Aldana ein drängendes Problem zu sein, sodass sie ein Spiel namens Eco-Marketing entwickelt hat, das eine größere Souveränität im Umgang mit Abfällen vermitteln soll. Sie hat es mir letztes Jahr zur Messe in Essen zukommen lassen, und ich möchte jetzt ein bisschen darüber erzählen.

Die eiserne Krone des Königs Alfonso
Einer der Gründe, warum mich Spiele aus anderen Kontinenten so faszinieren, ist, dass ich völlig neue Themen, Gestaltungen und Perspektiven sehe. Dafür kann ich mich immer begeistern, auch wenn mich manche Spiele ansonsten wenig ansprechen (und ich in den meisten Fällen ja auch gar nicht die Gelegenheit habe, sie selbst zu spielen). Unter diesem Gesichtspunkt hätte mich Corona de Hierro (Eiserne Krone) eigentlich gar nicht so sehr interessieren müssen: Es ist ein größeres Brettspiel, das im mittelalterlichen Europa spielt und das auch äußerlich sofort zeigt. Was hatte das also mit mir zu tun?
Dann aber häuften sich die Stimmen, die das Spiel sehr lobten, und noch besser, ein netter Bote brachte es mir als Geschenk des Verlags nach Essen. Also wurde ich doch ein bisschen neugierig. Es dauerte dann noch ein bisschen, bis ich es wirklich spielen konnte, weil es ein paar spanische Karten enthält und ich dann doch lieber gewartet habe, bis ein fließend Spanisch sprechender Freund mit den Regeln helfen konnte. Inzwischen habe ich ein paar Partien hinter mir und einen guten Anlass, mal ein bisschen mehr drüber zu schreiben: Corona de Hierro hat Ende April den Premio Alfonso X gewonnen, den wichtigsten argentinischen Spielepreis (ich hatte ja schon hier und hier darüber berichtet).

(Foto: JugarTeAyuda. Mit freundlicher Genehmigung)
Worum geht’s?
Im Norditalien des späten 9. Jahrhunderts liegt die Karolingerdynastie in ihren letzten Zügen. Der kranke König hat keine Nachkommen, und die Adelsfamilien in der Region sind bestrebt, das Vakuum zu füllen. Das Regelwerk ist umfangreich, daher hier nur in aller Kürze: Die Spieler/innen beginnen mit je einer Burg in einer Spielplanecke (bei fünf Leuten startet eine/r in der Mitte) und breiten von dort aus ihren Einflussbereich aus. In jedem Spielzug haben sie zwei Aktionen zur Verfügung, und für jede davon 12 Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Truppe aus einer Burg rekrutieren, eine Truppe in eine Nachbarstadt ziehen, kämpfen, einen Diplomaten aussenden, eine Karte ziehen oder eine ausspielen.
Burgen kann man auf zwei Weisen einnehmen: Durch einen militärischen Angriff, der für die angreifende Truppe risikolos, aber nicht immer erfolgreich ist, oder durch die Initiative eines dorthin entsandten Diplomaten. Der Erfolg dieser Aktionen wird durch einen von drei verschiedenen Würfeln bestimmt. Welchen davon man nehmen kann, hängt von der Truppenstärke (bei militärischen Angriffen) beziehungsweise den eigenen Legitimitätspunkten (bei diplomatischen Initiativen) ab. Truppen können sich auch auf freiem Feld bekämpfen, das geht immer so lange, bis eine komplett vernichtet wurde. Mit Karten kann man Konflikte manipulieren, Barbareneinfälle auslösen oder um die Unterstützung der Kirche buhlen. Erfolgreich ausgetragene Kämpfe geben Legitimitätspunkte, und irgendwann erreicht ein/e Spieler/in die höchste Legitimitätsstufe und setzt sich die eiserne Krone aufs Haupt. Dann wird abgerechnet. Je mehr Burgen mit dem gleichen Wappen man hält, desto mehr Punkte bekommt man. Hohe Legitimität gibt ebenfalls viele Punkte, aber zu Beginn hat man auch ein verdecktes Ziel, bei dem es darum geht, eine andere Partei zu unterstützen. Wenn die dann den König stellt, profitiert man mit, und so gewinnt nicht automatisch die Partei des neuen Königs (zumal es noch zwei andere Endbedingungen gibt, wenn es niemand schafft, nach der Krone zu greifen.

Und? Macht das Spaß?
Ich bin kein Historiker, aber man stellt sich das Mittelalter ja gern mal ein bisschen rau und freudlos vor. Man werkelt so vor sich hin und denkt sich nichts Böses, aber wenn man mal was gegen die Obrigkeit sagt, zack, Kopf ab und Schluss. War das nicht so oder so ähnlich? Ein bisschen besser ging es wahrscheinlich denen, die Burgen oder Städte ihr Eigen nennen durften. Aber auch die wurden regelmäßig in irgendwelche Konflikte noch Höhergestellter verwickelt, und da konnte sich das Glück schnell wandeln.
So ähnlich muss man sich Corona de Hierro vorstellen. Man sitzt in seiner Burg herum und denkt sich: Ach, sone Zweitburg wäre fein, und ne dritte schadet vielleicht auch nicht. Wenn man schon mal dabei ist, könnte eine vierte Burg… he Moment mal, wieso ziehen hier eigentlich so viele Truppen durchs Land, kaum, dass ich meine eigenen woanders hin verschickt habe? Man muss wirklich unheimlich vorsichtig vorgehen, um nicht zwischen den verschiedenen Interessen zerrieben zu werden. Blindes Losstürmen funktioniert kaum, man besetzt ein paar neutrale Burgen, und wenn dann der Spielplan so flickenteppichmäßig aufgeteilt ist, versuchen alle erstmal, ihre Grenzen zu sichern. Das ist aber gar nicht so einfach, weil man nicht sehr viele Truppen auf dem Feld hat und die immer gerade gern woanders sind als da, wo man sie braucht. Die Wege sind weit und der Transport langsam. Das passt atmosphärisch schon. Und wenn man dann tatsächlich mal in eine offene Feldschlacht gerät und ein paar Truppen verliert, stellt man fest, dass es sehr schwierig ist, neue zu bekommen. Die einzige Möglichkeit ist nämlich, neue Burgen zu erobern, aus denen man wieder jeweils eine Truppe rekrutieren kann. Das ist aber natürlich schwierig, wenn man keine Truppen mehr hat, um neue Burgen zu erobern. Corona de Hierro ist ein ziemlich erbarmungsloses Spiel, das wenig verzeiht. Wenn man wirklich im Hintertreffen ist, kann es sein, dass man da nicht mehr heraus kommt. Und natürlich ist manchmal der Würfel daran schuld. Man muss dem Spiel zwar zugute halten, dass es auch bei mäßigen Würfelergebnissen Wege gibt, erfolgreich zu sein: geschickte Bündnisse, passende Karten, Zurückhaltung im richtigen Moment, Offensive im anderen. Wer allerdings ständig schlecht würfelt, wird es am Ende darauf schieben. Wer dem Spiel eine weitere Chance gibt, wird seine weiteren Möglichkeiten dann aber meist auch erkennen können.

Wenn man wenige Truppen zur Verfügung hat, warum igelt man sich dann nicht ein einer Ecke des Spielfelds ein und versucht, seine Grenzen so kompakt wie möglich zu halten? Weil die wichtigste Siegbedingung die Kontrolle über Burgen mit dem gleichen Wappen ist. Von jedem Wappen gibt es drei Burgen, zwei in einer Ecke, die man sich für gewöhnlich gefahrlos schnappen kann, und eine dritte irgendwo am anderen Ende des Spielplans, die man dann unheimlich gern auch noch haben möchte. Dort mit Truppen hinzuziehen, ist eine weite Reise, die viele Aktionspunkte aufbraucht und Gefahren birgt. Also versucht man, die dritte Burg per Diplomatie zu übernehmen. Das klappt auch in der Regel ganz gut, aber dann hat man eben einen isolierten Vorposten, der schlecht zu verteidigen und den anderen ein Dorn im Auge ist. So wird durch die Siegbedingungen sichergestellt, dass eine passive und letztlich langweilige Spielweise nicht belohnt wird und auch kaum zum Sieg führen kann. Auch dass man nicht einfach endlos Truppen aus einer Burg rekrutieren kann, sondern für einen Ausbau seiner Armee neue Burgen erobern muss, fördert die Konfrontation, und so ist Corona de Hierro überhaupt nichts für Leute, die gern unbehelligt vor sich hinspielen wollen. Wer keine Skrupel hat, auch mal auszuteilen, ist hier dagegen sehr gut aufgehoben.

Das Regelwerk ist zwar für meine Verhältnisse umfangreich, aber nach ein paar Spielzügen ist die Liste von 12 Aktionsmöglichkeiten verinnerlicht, weil die gut ineinandergreifen. Auch die Karten hat man schnell verstanden (sie sind auf Spanisch, aber es sind nicht so viele verschiedene, dass man sich nicht mit einer Übersetzungsliste behelfen könnte). Ich bin ja sonst eher so ein Regelmuffel, ich will kurze, knackige Regeln und dann zügig loslegen, aber solange ich nicht das Gefühl habe, ständig was nachschlagen zu müssen, sind auch komplexere Regelwerke in Ordnung. Einige Dinge hätte man grafisch vielleicht ein bisschen übersichtlicher lösen können, insbesondere die Allianzenleiste – die ist nicht in den Farben der Spielfiguren gehalten, sondern zeigt die Wappen der Ausgangsburgen (die man ja unter Umständen gar nicht mehr kontrolliert). Aber da auf dem Spielplan nicht fürchterlich viel herumsteht, kriegt man den Überblick schon noch hin.
Lediglich die Siegpunkte sind schwer zu überschauen, dafür braucht man schon einiges an Erfahrung mit dem Spiel, denn während der Partie werden nur vereinzelt Punkte vergeben, in der Endabrechnung dagegen eine ganze Menge.
Corona de Hierro bietet also nicht unbedingt thematische Innovation, aber auf jeden Fall eine spannende Mischung aus Strategie, Verhandlung und Glück, bei der sich niemand seiner Sache je zu sicher sein kann. Wer auf etwas komplexere Spiele steht und die Chance hat, das mal irgendwo zu spielen, sollte sie ergreifen. Vielleicht fühlt Ihr Euch dann am Ende so:

Corona de Hierro
für 3 bis 5 skrupellose Adelige
von Franco Toffoli
Illustrationen von Luis María Dumont, Emiliano Mariani und Guillermo H. Nuñez
El Dragón Azul, 2017
Karten auf den Tisch spucken
Was gibt es im Sommer Schöneres, als hemmungslos erfrischende Wassermelonen in sich hineinzustopfen? Ich für meinen Teil habe dafür jedenfalls eine Schwäche. Aber hinterher hat man einen Haufen Biomüll über – die Schalen und die Kerne müssen ja irgendwo hin. Die kolumbianischen Autoren Maikol Homero Bello und Juan Pablo Alzate schmeißen das Zeug einfach auf den Tisch, und zwar in Form eines kleinen Kartenspiels namens SandíaMix.

Worum geht’s?
Man hat auf der Hand drei Melonenkarten. Wer dran ist, zieht eine vierte Karte und spielt dann eine der vier Karten in die Mitte. Nach der ersten Karte müssen dabei folgende Regeln beachtet werden: Die Zahl der offen liegenden Melonenkerne muss sich ändern, mindestens ein Kern muss abgedeckt werden und die neue Karte darf nicht alle Kerne einer anderen Karte abdecken. Wenn anschließend die Zahl der sichtbaren Melonenkerne mit der Zahl der Kerne auf der Hand übereinstimmt, bekommt man einen Punkt, egal ob man gerade an der Reihe war oder nicht. Wenn auf der gespielten Karte ein Stern war, gibt es einen Sonderpunkt (aber nur für die Person, die die Karte gespielt hat). Wer gepunktet hat, wirft die Handkarten ab und zieht drei neue. Wenn der Stapel zweimal durchgespielt wurde, endet das Spiel und es gewinnt, wer am meisten Punkte ergattert hat.
Ein wichtiger Punkt fehlt in den Regeln (den habe ich erst später erfahren): Die Zahl der sichtbaren Kerne auf dem Tisch darf 25 nicht überschreiten.

Und? Macht das Spaß?
Das kommt wie üblich auf die Zielgruppe an. An und für sich geht es bei SandíaMix um ein bisschen Rechnen, etwas räumliches Denken und eine gehörige Portion Kartenglück. Langfristige Strategien kann man nicht aufbauen; man trifft zwar Entscheidungen, um der für sich selbst optimalen Auslage näherzukommen, aber wenn man punktet, wirft man alle Handkarten ab und zieht neue – und die passen dann vielleicht gar nicht mehr zu dem, was auf dem Tisch liegt. Auch die Sternchenkarten sind nicht schwieriger einzubauen als andere, daher ist es einfach Glückssache, ob man solche Karten zieht oder eben nicht. Insgesamt ist das also eher nichts für die Hardcore-Strategiespieler/innen unter Euch. Leute mit mittelalten Kindern hingegen könnten Gefallen dran finden – bei meinen Kindern jedenfalls kam es sehr gut an. Aus Kolumbien hörte ich auch, dass Erwachsene SandiaMix dort mit Sanduhr spielen. Das kann sicher auch ganz lustig sein, aber für mich war es eher nicht so nötig, da ich es meistens eben mit den Leuten von der Lockerspielfraktion gespielt habe.

SandíaMix ist letztlich ein Brettspiel ohne Brett, ohne Spielfelder oder sonstige Vorgaben. Es kann sich wirklich ganz beliebig entwickeln, was ich sehr mag, aber selten in Spielen sehe. Meist legt man Karten oder Plättchen ja doch in einer bestimmten Ausrichtung oder innerhalb einer Begrenzung oder sonstwie organisiert ab. Bei SandíaMix entsteht dagegen etwas ganz Lebendiges, und das funktioniert insgesamt sehr gut. Leider ist es im späteren Spielverlauf aber oft schwierig, eine Auslage mit vielen Kernen wieder auf eine deutlich geringere Zahl zu reduzieren, da die Kerne in der Auslage nicht mehr so nahe zusammenliegen und man mit einer einzelnen Karte nicht so viele abdecken kann. Eine Möglichkeit, mal Handkarten auszutauschen, anstatt etwas auszulegen, gibt es nicht, und so muss man manchmal einfach zugucken, wie die anderen Punkt um Punkt einheimsen, während man selbst lauter kleine Karten auf der Hand hält und die Versuche, die Zahl der Kerne zu verringern, von den anderen zunichte gemacht werden. Aber wie gesagt, so tragisch ist das nicht, zumal eine Partie oft in 15 Minuten vorbei ist.
Die Kartenqualität ist nicht ganz so, wie man es von den einschlägigen Produzent/innen hierzulande gewohnt ist – die Oberfläche ist glatt, worunter die Griffigkeit leidet, und die Zahlen sind nicht ganz gleichmäßig gedruckt (und nur in der oberen linken Ecke, was Linkshänder/innen oft vor Probleme stellt). Trotzdem wirken die Karten als Haufen auf dem Tisch prima, das ist schon sehr angemessen.
SandíaMix übt auf mich eine seltsame Faszination aus, und ich bin damit noch nicht durch. Gerade als kleines Rechenspiel mit Kindern hat es sich bei uns sehr bewährt, und ich hoffe, es kommen noch diverse Partien dazu.
SandíaMix
für 2 bis 6 Melonenfans
von Maikol Homero Bello und Juan Pablo Alzate
Illustriert von Nancy Zapata
Creo mi Juego, 2017
Neue Spiele aus Lateinamerika, April 2018
Willkommen zu einer neuen Ausgabe meiner Lateinamerika-Nachrichten. Wie immer kann ich schwer einschätzen, wie viele Leute sowas wirklich interessiert. Aber hey, mich selbst ganz bestimmt, daher mache ich damit auch weiter, zumal ich davon überzeugt bin, dass die lateinamerikanischen Spiele in den nächsten Jahren stärker in den internationalen Markt integriert sein werden als jetzt. Das haben viele asiatische Spiele ja auch geschafft. Also: Viel Spaß beim Lesen.
Argentinien
Noch zwei Wochen, dann ist es so weit: In Buenos Aires findet zum vierten Mal das Geek Out Fest statt. Zum dritten Mal wird dabei der König-Alfonso-Preis verliehen. Über die Kandidatenspiele hatte ich ja hier schon berichtet. Nun sind die Finalisten bekannt gegeben worden. Da ich selbst ja nur ein einziges der Spiele gespielt hatte, war es für mich natürlich ein bisschen schwer, mich da auf Favoriten festzulegen, aber ich hatte meine Lauscherchen natürlich ein bisschen aufgestellt. In der Endrunde vertreten sind nun also Corona de Hierro von Franco Toffoli, was nach allem, was ich gehört hatte, keine Überraschung war. Ich hoffe, dass ich das Spiel nächste Woche endlich spielen kann, dann kann ich auch selbst was dazu sagen. Außerdem sind in der Endrunde noch Geek Out! Masters von Matías Saravía, das ich hier ja schon besprochen hatte, sowie Magus: Aura Mortis von Martin Oddino.
Während die Spannung beim Premio Alfonso also auf ihren Höhepunkt zuläuft, tut sich natürlich auch außerhalb davon einiges. Mandalas von Mauro Guarino ist schon einmal in einer Mini-Auflage erschienen, befindet sich aber derzeit in einer Neubearbeitung, um demnächst in besserer Materialqualität zu erscheinen. Es geht bei diesem Spiel darum, aus 13 Puzzleteilen je ein Mandala zu legen, in dem passende Muster und Farben möglichst aneinander grenzen sollen. Auch ohne Spanischkenntnisse kann man aus diesem kurzen Erklärvideo einiges herauslesen, glaube ich. Der Verlag heißt Old Skull Ideas.
Bolivien
Leider habe ich noch keine Verlage oder Autor/innen aus Bolivien ausfindig machen können. Aber dafür habe ich die Nachricht gefunden, dass das Goethe-Institut in La Paz seit dem 3. März 2018 auch über eine Ludothek verfügt, in der man sich europäische Spiele ausleihen kann. Das finde ich ja eine sympathische Idee. Wer sich also mal in La Paz langweilen sollte, weiß, wo er oder sie Abhilfe finden kann. Hier ist der Katalog., der leider eine Menge Tippfehler enthält – was bei einem Bibliothekskatalog natürlich ein Problem sein kann. Da hat das Goethe-Institut noch Nachbesserungsbedarf.
Brasilien
Ein ganz wunderbares Projekt gibt es hier zu bestaunen. Der Clube do Tabuleiro de Campinas (Brett(spiel)club aus (der Stadt) Campinas) entwickelt Spiele für diejenigen, die sich normalerweise keine Spiele leisten könnten. Es ist geradezu eine neuartige Form des Print-and-Play-Konzepts, denn die Spiele sind so gemacht, dass man sie aus Dingen selbst bauen kann, die normalerweise im Müll landen. Sie stellen sie entsprechend kostenlos zur Verfügung. Das aktuelle Spiel heißt Batalha espacial (Raumschlacht) und ist von Wagner Gerlach. Neben ein paar Ausdrucken braucht man noch den Deckel einer in Brasilien offenbar handelsüblichen Butterdose. Im Spiel bekämpfen sich zwei Raumschiffe, die von zwei Spielfeldrändern aufeinander schießen. In der Mitte liegt aber der beklebte Deckel, den man drehen kann. Dann haben die Schüsse, je nachdem, was für ein Feld auf dem Deckel man trifft, verschiedene Auswirkungen.
Spielentwicklung als Hilfe zur Teilhabe ist ein tolles Konzept, finde ich. Und ein Beitrag zum Recycling ist es auch noch. Toll!
Weiß es jemand noch nicht? Seit dem 27. März gibt es eine Kickstarter-Kampagne für Arena – the Contest von Alexandre Aboud und Danilo de Alcantara. In diesem Spiel befinden wir uns in einer fernen Zukunft, wo Krieg verboten ist und bewaffnete Konflikte nur in speziellen Arenen stattfinden. Sie werden von speziell ausgebildeten Miniaturen, äh, Heldinnen und Helden durchgeführt, die man in den Arenen aufeinander hetzen kann. Natürlich gibt es jede Menge Kombinationen aus Waffen, Fähigkeiten und Situationen, und wer auf Spiele mit großem Materialaufkommen steht, wird hier sicherlich fündig. Folgerichtig wurde das Spiel auch in Nullkommanichts finanziert und ist jetzt schon ein reichlicher Erfolg. Die Kampagne läuft noch bis zum 27. April und der Verlag heißt Dragori Games.
Neu bei Mandala Jogos ist Covil: Mestres das Trevas (Covil: Meister der Dunkelheit) von Luís Brüeh (der es auch illustriert hat). Dunkle Meister sammeln morgens ihre Truppen, prügeln sich tagsüber und gucken nachts, wer gewonnen hat. Das Ganze geht über vier Tage, und wer dann der dunkelste aller Meister ist, gewinnt. Die Mandala-Ausgabe ist auf Portugiesisch, aber im kanadischen Verlag Vesuvius Media ist auch eine englischsprachige Ausgabe erschienen. Da die meisten Leute hierzulande des Portugiesischen nicht mächtig sein dürften, ist das vielleicht eine beruhigende Nachricht.
Außerdem ist in Brasilien der Prêmio Ludopedia wieder vergeben worden (rückblickend für das Jahr 2017). Bei diesem Preis gibt es mittlerweile sechs Kategorien.
Für Expert/innen, für Familien und für Kinder (dass das auf der Ludopedia-Webseite in dieser Reihenfolge aufgeführt wird, finde ich interessant – ein deutlicher Unterschied zur Spiel-des-Jahres-Tradition), und beides jeweils für internationale und einheimische Spiele. Mich interessieren natürlich vor allem die einheimischen. Gewonnen hat bei den Expert/innen Os Reinos de Drunagor (Die Reiche von Drunagor) von Daniel Alves und Eduardo Cavalcante, erschienen bei HISTERIA GAMES. Das ist ein aufwendiges Miniaturenspiel mit allem Drum und Dran, das über die brasilianische Crowdfunding-Plattform Kickante finanziert wurde. Schon bemerkenswert – man würde annehmen, dass Crowdfunding-Projekte nur weltweit funktionieren, aber dem ist offenbar nicht so.
Bei den Familienspielen ging der Preis an Dwar7s: Outono (Zwerge: Herbst) von Luís Brüeh, verlegt bei Mandala Jogos (als Dwar7s Fall auch schon außerhalb Brasiliens erschienen). In diesem Worker-Placement-Spiel versuchen ein paar Zwerge mit Rechtschreibschwäche, Vorräte für den Winter anzulegen, indem sie möglichst viele Juwelen sammeln, die sie dann gegen Essen eintauschen können.
Bei den Kinderspielen hat das sehr hübsche Belo Jardim von Marta Giardini gewonnen, das im Verlag Mitra erschienen ist. Ich glaube, es geht darum, einen besonders schönen Garten zu bauen, denn das ist es, was der Name auf Deutsch bedeutet. Wenn ich das Material sehe, kriege ich gleich Lust zu spielen, obwohl meine eigenen Kinder aus dem reinen Kinderspielalter ja schon seit einer Weile raus sind (Belo Jardim ist ab 5).
Es ist ein klein wenig frustrierend für mich, die sonstige Empfehlungsliste durchzulesen, denn von den dort aufgeführten weiteren zehn Spielen hatte ich bisher nur von dreien etwas gehört. Ich habe noch viel zu tun und zu lernen…
Chile
In diesem Blog habe ich ja zwei regionale Schwerpunkte, nämlich Lateinamerika und Asien. Wenn ich dann von einem Spiel höre, das sozusagen aus beiden gleichzeitig kommt, ist das für mich natürlich ein besonderes Fest. Demnächst gibt es eine Crowdfunding-Kampagne für die Spielesammlung Primar, für die Hacko Games aus Taiwan und Ludoismo aus Chile zusammenarbeiten. Sie enthält Primar Yellow von Victor Hugo Cisternas und Pablo Céspedes (über deren Los Tesoros del Rey Pirata ich hier schon berichtet hatte), Primar Blue von Martin Windischer und Primar Red von Odd Hackwelder, der auch für den Druck und die Crowdfunding-Kampagne verantwortlich ist. Alle drei Spiele sind Mikrospiele, für die man jeweils nicht mehr als 18 Karten braucht (das ganze Set enthält 50 Karten). Die Gestaltung hat Pablo Céspedes übernommen. Regeln in verschiedenen Sprachen sollen enthalten sein, darunter auch Deutsch. Ich habe eine Vorabversion schon spielen können und sie gefällt mir sehr gut. Eine ausführlichere Rezension folgt.
Gleich fünf Mathematikspiele für Kinder hat Victor Ponce 2017 bei Langley herausgebracht. Die Mitarbeiter/innen seines Lernzentrums waren frustriert über die schlechte Qualität der zur Verfügung stehenden Lernmittel, und der Direktor gab ihm den ambitionierten Auftrag, gleich 100 Mathespiele zu entwickeln. Aus den 100 Ideen wurden dann tatsächlich (vorerst) fünf Spiele, wobei weitere folgen könnten. Ein wichtiges Element dieser Spiele ist, dass die Kinder für sich selbst lernen können, dass also keine Lehrkraft nötig ist. Das heißt, dass jedes Spiel ein Kontroll- beziehungsweise Korrekturement enthalten muss. Die bisherigen Spiele heißen Cuncuna Friends 1, Cuncuna Friends 2, MatematiKart, Treasure Times!! und The Tricky Turtles und wurden von Paula „Supergato“ Cortés illustriert (nur bei MatematiKart stammen die Illustrationen von Claudia Zavala).
Kolumbien
Ich muss gestehen, dass mir der Name Nairo Quintana bis vor Kurzem noch nichts gesagt hatte. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Fahrrad für mich ein reines Transportmittel ist und ich mich für Radsport nie großartig interessiert hatte. Quintana ist ein kolumbianischer Radrennfahrer, der schon einige internationale Erfolge feiern konnte, und das hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass Radsport in Kolumbien sehr populär ist. Da liegt es doch nahe, dass dort auch Brettspiele zu dem Thema erscheinen. Wie zum Beispiel La Vuelta – una clásica mundial, das im Verlag Board and Chips erschienen ist (ein/e Autor/in ist nicht angegeben. Die Illustrationen stammen von Jhon Cardenas). Es handelt sich dabei um ein Würfelspiel, bei dem man seine drei Würfel möglichst sinnvoll auf seine beiden Fahrer und das Begleitfahrzeug aufteilen muss, damit man bei den vier Rennen in verschiedenen Ländern am Ende die Nase vorn hat. Ein spanisches Regelvideo in vier Teilen gibt es hier.
Manche Verlagsnamen sind einfach cooler als andere. Drei Hasen in der Abendsonne zum Beispiel, oder Wattsalpoag („With All That Talent Sitting Around, Let’s Put Out A Game“). Noch so ein Fall ist der kolumbianische Verlag Creo Mi Juego, von dem in diesem Blog schon hier und da die Rede war. Der Name heißt eigentlich „Ich erschaffe mein Spiel“, kann aber auch als „Ich glaube meinem Spiel“ verstanden werden. Bei diesem Verlag sind derzeit diverse Spiele in Arbeit und zum Teil schon weit fortgeschritten. Bereits erschienen ist Flynn’s Scape, das sich an die Serie TRON: Der Aufstand anlehnt. Es ist eine aufgepumpte Variante des Klassikers Mille Bornes (in Deutschland auch als 1000 Kilometer bekannt), wobei die Fahrer/innen in dieser Version verschiedene Spezialfähigkeiten haben. Offenbar gibt es auch wesentlich mehr verschiedene Karten als bei Mille Borne. Autor ist Carlos Reyes.
Mexiko
Eine recht erfolgreiche Kickstarter-Kampagne hat das Kartenspiel Cooks & Crooks von Luis Muñoz (der es auch illustriert hat) und Andrés Novelo kürzlich hingelegt. Die Spieler/innen sind Köch/innen, die in einer Fernsehshow gegeneinander antreten. Dabei wollen sie nicht nur die Jury beeindrucken, sondern auch dafür sorgen, dass die Konkurrenz durchfällt. Also klauen sie fleißig Zutaten oder lassen irgendwas Ekliges in die Töpfe der Andern fallen. Motto: Experience the satisfaction of ruining food (Erlebe, wie befriedigend es ist, Essen zu ruinieren). Erschienen ist es bei Detestable Games (wobei die Kickstarter-Kampagne unter dem Label La Caravana lief).
Uruguay
Und noch einmal betrete ich in diesem Artikel Neuland – aus Uruguay hatte ich auch noch nichts berichtet. Aber wie überall gibt es dort natürlich Leute, die gern spielen, und einen Verlag habe ich auch aufgetan, nämlich Arnár Estudios. Sie haben schon einige Spiele herausgebracht, unter anderem Anfang 2017 das sehr ansprechend gestaltete Warnimal. Neu ist jetzt Undead Road von Federico Franco, ein endloses Zombie-Spiel. Endlos heißt, dass es kein fest definiertes Spielziel gibt. Man kämpft sich kooperative durch Welle auf Welle von Zombies. Jede Welle entspricht dem Durchspielen des Kartenstapels, der eben Zombies, aber auch Waffen und sonstige Ausrüstung enthält. Immer, wenn man den Stapel durch hat, hat man eine Welle überstanden und es beginnt die nächste. Man versucht also, möglichst viele Wellen durchzustehen, bevor es einen doch erwischt. Bei der nächsten Partie kann man dann versuchen, sein letztes Ergebnis zu überbieten.
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung durch die Rechteinhaber/innen. Danke!
König Alfonso blickt wieder nach Argentinien
Auch wenn die Zugriffszahlen auf mein Blog massiv drunter leiden, dass ich dauernd über so exotisches Zeugs schreibe, kann ich nicht umhin, wieder einen Blick auf den König-Alfonso-Preis in Argentinien zu werfen. Schließlich gibt es in kaum einem Land so systematische und ehrenwerte Bestrebungen, die einheimische Spieleszene aus ihrem Schattendasein herauszuheben, wie in Argentinien. Und auch dieses Jahr sind wieder interessante Sachen dabei. Genau wie im letzten Jahr nehmen 2018 erneut neun Spiele am Wettbewerb teil, die ich Euch hier kurz vorstellen möchte. Leider ist es mir dieses Mal nicht gelungen, mit allen Autor/innen und Verleger/innen in Kontakt zu treten. Daher konnte ich nicht für alle Spiele Bilder bereitstellen. Viele der Verlage haben auch keine Webseite, sondern nur eine Facebook-Präsenz, auf die ich dann entsprechend verlinkt habe.
Also, hier kommen in alphabetischer Reihenfolge die neun Spiele, die sich um den König-Alfonso-Preis beworben haben:
Bienaventurados
Bienaventurados (Die Gesegneten) ist ein Kartenspiel mit christlichem Thema. Solche Spiele sind in aller Regel Ladenhüter, aber die vier Autoren (Federico Acien, Germán Cuesta, Nicolás Passarino und Franco Toffoli) haben sich bei der Spielmechanik offenbar an Spielen wie 7 Wonders oder Sushi Go orientiert, und sowas kann ja erfahrungsgemäß durchaus erfolgreich sein. Es geht also darum, Karten herumzureichen und zu draften und damit eine möglichst punkteträchtige Auslage zu erstellen, wobei auch hier wieder die Punkte verschiedener Kartentypen voneinander abhängen. Nebenbei soll man etwas über ein gutes christliches Leben dabei lernen. Erschienen ist das Ganze bei Tëkun und es passt in eine kleine Kartenspielbox. Illustriert wurde es von Carlos Julio Sánchez Suau.
Contame
Contame (Sag es mir) ist ebenfalls ein ganz kleines Spiel. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, indem man von verschiedenen Stapeln Karten zieht und die Bilder beziehungsweise Wörter in eine Geschichte aus einem vorgegebenen Genre einbaut. Man kann es kooperativ spielen oder auch gegeneinander (dann bekommt man Punkte, je nachdem, wie schwierig die entsprechenden Dinge in die Geschichte einzubauen waren). Zielgruppe sind offenbar vor allem Schulen und Bibliotheken, wo es ganz gut anzukommen scheint. Der Verlag Tinkuy, der aus Gloria Claro, Ariel Marcel, Daniela Azulay and Rocío Gil besteht, hat schon eine ganze Reihe kleiner Kartenspiele herausgebracht, in denen es um Poesie, Literatur und überhaupt die analoge Unterhaltung geht. Das von Pablo Patini illustrierte Contame wird da wahrscheinlich nicht das Letzte in der Reihe sein.
Corona de Hierro
Corona de Hierro (die Eisenkrone) liegt bei mir schon seit der Messe in Essen ungespielt herum, und es ist auch nicht so ganz einfach, das auf den Tisch zu bekommen, da es Karten mit spanischem Text darauf gibt. Da muss ich mal den richtigen Besuch haben, um das ausprobieren zu können. Jedenfalls geht es hier darum, im Italien des 9. Jahrhunderts der mächtigste Adlige zu werden, indem man sich mit anderen Adeligen oder dem Papst arrangiert, Burgen belagert und Schlachten gewinnt. Nebenbei hat jede/r noch ein verdecktes Ziel, und nicht unbedingt gewinnt, wer selbst neuer König wird. Corona de Hierro stammt von Franco Toffoli (der auch bei Bienaventurados die Finger im Spiel hat), ist von Luis María Dumont, Emiliano Mariani und Guillermo H. Nuñez illustriert worden und bei El Dragón Azul erschienen.
El Delirio
El Delirio (Das Delirium) von Daniel Martín ist ein abstraktes Zweierspiel, bei dem man mit pyramidenförmigen Steinen umherzieht und die Pyramiden des Gegners oder der Gegnerin einfängt. Dabei gibt es verschiedene Spielziele, aber in der Regel geht es offenbar darum, eine oder mehrere der gegnerischen schwarzen Pyramiden einzufangen. Das Spiel ist im Eigenverlag erschienen.
Epidemia
Ebenfalls im Selbstverlag ist Jonathan Agustinis Epidemia erschienen. Hier geht es darum, als letztes zu überleben. Dazu muss man seine fünf Organe schützen und die der anderen Spieler/innen angreifen, Immunsysteme manipulieren oder auch mal ein Organ austauschen. Wer fünf beschädigte Organe hat, kann nicht mehr gewinnen, aber weiterhin die anderen ärgern.
Futbolmesa
Futbolmesa (Fußballtisch) ist eine Fußballsimulation, wie der Name schon sagt. Auch hier habe ich nur wenige Informationen, aber in jedem Fall hat man Spieler mit verschiedenen Werten und bewegt mit deren Hilfe den Ball auf den Kreuzungspunkten des Spielplans entlang. Es scheint auch ein Glückselement zu geben, aber in welcher Form, habe ich nicht herausgefunden. Autor Pablo D’Andrea hat es in seinem Verlag Apóstrofe herausgebracht.
Geek Out! Masters
Von Matias Saravias schönem kleinem Würfelspiel hatte ich hier ja schon berichtet. Kurz gesagt geht es darum, möglichst oft die Zahl 42 zu würfeln. Dazu muss man die anderen Würfel drehen, neu würfeln oder abschießen, aber keinesfalls mit Drachen allein lassen. Ein kleines, handliches Spiel, das in einem Land mit ziemlich hohen Spielepreisen wahrscheinlich auch durch seinen Preis schon Pluspunkte sammeln kann. Erschienen ist es ebenfalls bei El Dragón Azul, mit Illustrationen von Gabriel Pintueles.
Magos & Tabernas
Wenn es in der Lieblingskneipe nicht mehr genug Bier gibt, ist es sicher von Vorteil, wenn man zaubern kann. Dann kann man nämlich sein eigenes Bier herzaubern sich mit den anderen Gästen um das letzte Glas Bier prügeln, indem man ihnen Feuerbälle an den Kopf wirft und sowas. So geschieht es in Adrián Novells Kartenspiel Magos & Tabernas, erschienen bei Ludocracia mit Illustrationen von Matias Pan. Leider ist auch dieses Spiel sprachabhängig, sodass es hierzulande ohne eine Übersetzung kaum große Aufmerksamkeit finden dürfte. Aber so eine Übersetzung kann ja noch kommen, wenn sich das Spiel in Argentinien durchsetzen sollte.
Magus: Aura Mortis
Magus: Aura Mortis ist eine Weiterentwicklung von Magus: Fortuna et Nostis, das Martin Oddino vor drei Jahren erstmals veröffentlicht hatte. Es ist eins der größeren Spiele im Wettbewerb. Die Spieler/innen dringen in das Schloss eines Zauberers ein und versuchen, dort verschiedene Missionen zu erfüllen. Dabei können sie zaubern, angreifen, sich bewegen und gar die ganze Struktur des Schlosses verändern (es besteht aus einem variabel aufbaubaren Spielplan). Auch ein kooperativer Modus ist dabei, bei dem alle gemeinsam gegen den bösen Erzmagier kämpfen. Illustriert wurde es von Lucas Charra und María Luz Cantisani Rovasio. Erschienen ist es bei RunDOS – ja, das heißt wirklich das, wonach es klingt, der Verlag macht auch Videospiele.
Der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs wird am 28. April auf dem Geek Out Festival in Buenos Aires gekürt. Ich werde dann sicherlich drüber berichten.
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber/innen.
Neue Spiele aus Lateinamerika, Januar 2018
Es gibt wieder einiges über neue Spiele aus Lateinamerika zu berichten. Ich bekommen mittlerweile immer mehr mit, und trotzdem habe ich das Gefühl, auch immer mehr zu verpassen. Hinweise auf weitere Neuerscheinungen werden daher weiterhin gern genommen.
Über den diesjährigen Premio Alfonso X berichte ich demnächst separat, da muss ich noch weiter recherchieren.
Chile
In Essen hatte ich mich mit einer Vertreterin von Niebla Games getroffen und mir einen Prototypen von Hegemony: Shadows of Power ansehen können, das 2018 erscheinen soll. Es ist ein Kartenspiel um wechselnde Allianzen, bei dem man versucht, möglichst oft auf der siegreichen Seite zu stehen. Niebla hatte im letzten Jahr Careta herausgebracht, über das ich hier schon einmal berichtet hatte (mittlerweile habe ich es auch gespielt, es ist ein cleveres Bluffspiel). Hegemony soll das zweite Tischspiel sein, das in der Welt von Causa spielt, zu der sie auch an einem Computerspiel arbeiten. Ebenso wie Careta stammt es aus der Feder von Nico Valdivia Hennig.
Mexiko
Kürzlich erfolgreich zu Ende gebracht hat Aether Tower eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für Andres Ayalas Spiel Seat Wars. Seinen Worten zufolge entstand die Idee, als ihm in einem vollen Bus niemand einen Sitz anbot, obwohl er seinen zweijährigen Sohn auf dem Arm hielt. In Seat Wars streitet man sich um die Sitze in einem Bus. Man hat Karten auf der Hand, von denen die meisten Passagiere zeigen. Diese platziert man auf die Sitze eines Bus-Spielplans und hofft, dass sie da noch sitzen, wenn man erneut an der Reihe ist. Dann bekommt man nämlich Punkte. Leider haben die anderen Spieler/innen etwas dagegen und versuchen, die sitzenden Figuren zu verdrängen und durch eigene zu ersetzen.
Ich war 1989 mal in Mexiko unterwegs, zwar vor allem mit dem Zug, aber dabei erinnere ich mich durchaus besonders an den Kampf um Sitzplätze. Das scheint also immer noch aktuell zu sein. 🙂
Zufällig stieß ich außerdem auf eine mexikanische Firma mit dem schönen deutschen Namen Märchen-Atelier. Sie stellt Miniaturen für Brettspiele (und anderes) her. Hier lesen ja sicherlich einige Fans von Scythe mit – die Figuren Eurer Erweiterungen kommen aus Guadalajara. Hättet Ihr’s gewusst? Auch The Grimm Forest werden einige von Euch vielleicht kennen, die Figuren hat ebenfalls das Märchen-Atelier gemacht.
Peru
In den diversen Autor/innenforen im Netz findet man immer mal wieder Leute, die eine Idee für ein Sammelkartenspiel haben und herumfragen, was sie jetzt damit machen sollten. Die Antworten lauten in der Regel ungefähr: „Nichts. Vergiss es, das klappt nie!“ Ich weiß nicht, ob Jorge Tello Aliaga irgendwo herumgefragt hat, bevor er sein Sammelkartenspiel Blobbiemundo auf den Markt gebracht hat, aber es scheint in Peru immerhin so gut anzukommen, dass es Erweiterungen gibt. Man sollte vielleicht dazusagen, dass er mit seinem Verlag Pers schon 2003 ein Kinderbuch namens Here Come the Blobbies herausgegeben hat. Daran schloss sich dann eine mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Reihe von Plüsch-Blobbies an, die laut Verlag vor Jahren auch in Deutschland mal erhältlich gewesen sein müssten. Man beachte diese wunderbare Szene aus einem amerikanischen Werbespot, in dem zwei Kinder ihre Mutter mit subtiler Überzeugungskraft und rationalen Argumenten davon überzeugen, ihnen doch bei Gelegenheit und ganz ohne Eile solche Blobbies zu bestellen.
Mit derartigen Erfolgen im Rücken gab es natürlich eine gute Basi
s für das Sammelkartenspiel. In diesem verwandeln sich die Blobbies in verschiedene Tiere (und in der Erweiterung auch in andere Dinge), um Kämpfe auszuführen. Dabei kommt es darauf an, in den richtigen Umgebungen zu kämpfen (Haie haben in der Wüste nun mal ein Handycap, und einem Löwen nutzt bei einem Angriff auf einen Adler seine ganze Stärke wenig), und die verschiedenen Stärken der verschiedenen Tiere optimal einzusetzen.
Ziel des Verlages ist es natürlich, das Ganze eines Tages international bekannter zu machen (bisher ist das Spiel auf Spanisch). Das Spiel scheint auch bei auswärtigen Verlagen gut anzukommen, die aber den Bekanntheitsgrad der Blobbie-Welt noch nicht ausreichend finden, um sich da in irgendwelche Abenteuer hineinzustürzen. Vielleicht hören wir in der Zukunft ja noch mehr von den Blobbies.
Ansonsten macht man sich in Peru Sorgen um das Ende der Welt. Also jetzt vielleicht nicht so sehr die Menschen (oder gar die Blobbies), aber auf alle Fälle die Llamas, die das Llamageddon fürchten. Wer das nachspielen möchte, kann auf das Kartenspiel Llamagedón zurückgreifen, das bei Endemic Games erschienen ist. Konkret geht es darum, dass die Llamas sich Unterstände bauen, um für die Apokalypse gewappnet zu sein. Es ist ein „Take that!“-Spiel – man versucht, anderen ihre Unterstände streitig zu machen und seine eigenen zu schützen. Die Autoren sind Jose Deza, Luis Raygada und Gonzalo Márquez. Spanische und englische Regeln für das Spiel findet Ihr hier.
Man muss hierzulande im Geschichtsunterricht wahrscheinlich überdurchschnittlich gut aufgepasst haben, um schon mal was vom Salpeterkrieg gehört zu haben. Diesen fochten Peru (zunächst gemeinsam mit Bolivien) und Chile zwischen 1879 und 1884 aus. Da liegt es doch nahe, daraus ein Brettspiel zu machen, und das ist schon 2013 geschehen. Guerra en el Pacifico heißt es („Krieg im Pazifik“), und es stammt von Andrés Paredes (erschienen bei navespacial). Das hat sich über die Jahre so gut verkauft, dass es nun eine Erweiterung gibt: Zombies en el Pacifico. Im viktorianischen England hat die Zombie-Apokalypse begonnen und sich von dort aus ausgebreitet, und nur in Südamerika stellen sich ihr noch Menschen entgegen. Dafür haben sich die drei alten Feinde zusammengetan. Politik und Diplomatie aus dem alten Spiel sind weggefallen. Stattdessen führt ein/e Spieler/in die Zombies, die anderen gehen kooperativ gegen deren Vormarsch an. Wie es ausgegangen ist, muss ich bei Gelegenheit mal in einem Geschichtsbuch nachlesen.
Neue Spiele aus Lateinamerika – November 2017
Wer meinen kleinen Messebericht gelesen hat, weiß, dass ich ein paar schöne Kontakte nach Lateinamerika pflegen konnte. Da wird es doch höchste Zeit, mal wieder einen Überblick zu geben, was sich dort so getan hat. Einige der Sachen, die ich in Essen bekommen habe, sind schon einen Moment älter – hier beschränke ich mich wie gewohnt auf den 2017er-Jahrgang und das, was demnächst kommen soll.
Argentinien
In Buenos Aires findet am kommenden Wochenende Innovando el Juego 2017 statt,ein größerer Con für Spieleautor/innen und solche, die es werden wollen. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Spieleindustrie und -szene. Ich wäre liebend gern dabei (wenn ich vernünftig Spanisch könnte, natürlich). Die Finalisten eines Prototypenwettbewerbs werden vorgestellt und am Ende der Veranstaltung ein Gewinnerspiel gekürt, das dann bei El Dragón Azul veröffentlicht werden soll. Dass mich das, was in den letzten Jahren in Argentinien auf die Beine gestellt worden ist, beeindruckt, habe ich ja schon mehrfach geschrieben. Am Jahresende ist auch wieder der Abgabeschluss für den Premio Alfonso X. Dann werde ich mich sicherlich wieder an die Tastatur setzen. Ein paar der Kandidat/innen kenne ich schon, aber ich bin gespannt, was da noch Tolles kommt.
Brasilien
In Brasilien habe ich noch lange keinen Überblick darüber, was sich alles tut. Gefunden habe ich aber eine Crowdfunding-Kampagne für das Spiel Overdrive von Moisés Pacheco de Souza und Bianca Melyna, bei dem Würfel Musiker/innen einer Band repräsentieren. Diese muss man offenbar auf einem Spielfeld möglichst vorteilhaft platzieren, um am Ende des Spiels bei einem großen Band-Wettbewerb zur besten Band der Welt gekürt zu werden. Wer Lust hat, sich auf Portugiesisch anderthalbstündige Videos über das Spiel anzusehen, wird auf der Crowdfunding-Seite gleich mehrfach fündig.
Vom gleichen Verlag (Sherlock S.A.) ist noch ein weiteres Spiel in Vorbereitung, nämlich Fábrica dos Sonhos („Traumfabrik“) von Thiago Ferri und Renato Morroni, ansprechend illustriert von Nicoly Boaventura. Dabei geht es darum, durch bestimmte Bewegungs- und Austauschaktionen in einer Auslage von 4 x 4 Karten die richtige Anordnung zu erzielen (wobei die anderen Spieler/innen eine andere Vorstellung davon haben, was als richtig gelten sollte).
In Essen habe ich außerdem Medievalia von Fel Barros (ACE Studios) bekommen können, ein Stichspiel, in dem Nachwuchsmagier/innen versuchen, immer größere Kreaturen zu beschwören, um als erste keine Handkarten mehr übrig zu haben. Das gehört zu den im Moment noch zahlreichen Spielen aus Essen, die ich noch nicht ausprobieren konnte. Ich versuche mal, mich durch die Regeln zu kämpfen und hinterher noch ein paar gezielte Fragen zu stellen; ich denke, dann sollte ich damit zurechtkommen.
Wenige Tage vor dem Abschluss einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne liegt Die die DIE von Carlos Couto und Romulo Marques. ACE Studios wird es in Zusammenarbeit mit Redbox Jogos veröffentlichen. Es ist ein Area-Control-Spiel, bei dem man von einem erhöhten Punkt aus Würfel auf eine Landkarte schnippt und damit versucht, Mehrheiten in einzelnen Gebieten zu erzielen. Das geht natürlich am besten, wenn man dabei die Würfel der anderen aus dem Weg schnippt. Das Spiel erscheint erstmal auf Portugiesisch. Ich habe mir das Video zur Kickstarter-Kampagne angeguckt, was mir einen gewissen Eindruck verschafft, auch ohne Portugiesisch zu können. Besonders schön fand ich diese Sequenz ohne Worte.
Costa Rica
Yo Leiten und sein Spiel There She Is!! hatte ich in einem früheren Artikel schon einmal erwähnt. Mit seinem Verlag iN’sanity Games greift er nun erneut ein echtes Geek-Thema auf, nämlich die Youtube-Serie Animator vs Animation von Alan Becker (hier ein Beispiel). Die Spieler/innen statten Strichmännchen mit allerhand Ausrüstung aus, tänzeln um andere Strichmännchen herum und hauen sich gegenseitig auf die Fresse. Morgen beginnt eine kurze Kickstarter-Kampagne. Spoiler: Es wird lustige kämpfende Meeple geben (siehe Foto).
Ecuador
Ecuador war mit Spielen bislang überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten, soweit ich das überblicke. Wie in vielen anderen Ländern ohne ausgeprägte Spieleszene gibt es aber auch hier ein paar Unbeirrbare, die das ändern wollen. Diego Abuja Ortiz und Carlos Soto Power haben einen Verlag namens Juegos Misi aus dem Boden gestampft und 2015 ein Kartenspiel namens MISI herausgebracht, in dem es um das Retten heimatloser Katzen ging. Im Video zu dem Spiel heißt es am Ende: „Wer sagt eigentlich, dass man, wenn man ein exzellentes Brettspiel haben will, es aus Europa importieren muss?“ Ja, wer eigentlich?
In diesem Jahr hat MISI nun eine Erweiterung bekommen, in der auch Hunde auftreten.
Außerdem gibt es ein weiteres Spiel namens SOS Galapagos. Dabei handelt es sich um ein Set-Collection-Spiel, bei dem man durch geschicktes Einsetzen seiner Würfel versucht, bedrohte Tierarten zu retten. Die Galapagosinseln gehören zu Ecuador, und so liegt das für ein ecuadorianisches Spiel als Thema nahe. Autor Carlos Soto Power hat auf Boardgamegeek einen kleinen Artikel dazu veröffentlicht und freut sich dort über Feedback (also auf!). Er hat auch angekündigt, demnächst Print-and-Play-Dateien dazu bereitzustellen. So kann man sich das Spiel dann selbst basteln, um einen Eindruck davon zu bekommen, ohne seine kompletten Ersparnisse für Portokosten aufwenden zu müssen.
Kolumbien
In Kolumbien hat sich in diesem Jahr einiges getan, und ich hatte das Glück, dass ich einige der Spiele von dort auf der Messe in Essen schon in die Finger bekommen konnte. Wie neulich schon gesagt: Aus Kolumbien kommen die coolsten Schachteln! Ich habe noch lange nicht alles spielen können, aber einen kleinen Einblick will ich schon mal geben. Ich beginne mit gleich drei Spielen vom Verlag Creo mi Juego:
Pesadilla en R’lyeh (Alptraum in R’lyeh) von Maikol Homero Bello und Juan Pablo Alzate Granados ist wohl mein erstes Spiel in einer fünfeckigen Schachtel. Was zunächst unpraktisch klingt (wie will man das verstauen?), entpuppt sich als pfiffiges Design. Der Schachtelboden faltet sich nämlich zu einem Spielplan aus. Das zumindest ist schonmal innovativ. Im Spiel geht es darum, seine Alptraumkarten loszuwerden. Dazu würfelt man und kann nach bestimmten Regeln seine Karten auf dem Spielfeld ablegen oder muss neue aufnehmen. Davor schützen kann man sich mit Verstand-Karten, die andere Spieler/innen ins Unglück reißen. Ziel ist es, als erstes keine Karten mehr zu haben. Das probiere ich bei Gelegenheit mal aus (bisher habe ich von den zugrundeliegenden Lovecraft-Geschichten noch gar nicht viel Ahnung).
Vom gleichen Autorengespann stammt ein Spiel mit einem wesentlich familienfreundlicheren Thema, nämlich SandiaMix. Das kommt zwar in einer gängigeren Metallschachtel daher, ist aber ebenfalls auf seine Weise innovativ, wie ich mich bei einigen ersten Partien schon überzeugen konnten. Man legt seine Wassermelonenkarten in einer wüsten Auslage so auf den Tisch, dass einige Melonensamen abgedeckt werden und andere neu dazukommen. Wenn man anschließend genauso viele Samen auf der Hand hält wie auf dem Tisch zu sehen sind, punktet man. Es ist an und für sich simpel, erfordert aber ein bisschen räumliches Denken (und man kann es auch auf Zeit spielen). Mir hat’s schonmal gefallen.
Ebenfalls in einer Metalldose gibt es Pyramidice von Carlos Reyes, das, wie der Name schon sagt, vor allem aus Würfeln besteht, aus denen man Pyramiden bauen muss. Eine Pyramide besteht aus sechs Würfeln, wobei man immer mit der Sechs beginnt und dann jeweils den nächst kleineren Würfel einbaut. Die Würfel nimmt man aus einem Pool in der Mitte. Wenn man keinen Würfel legen kann oder will, kann man Karten spielen, um Würfel zu manipulieren, oder einen eigenen Würfel aus einer Pyramide herausnehmen und alle Würfel in der Mitte erneut würfeln. Punkte macht man dadurch, dass man in einzelnen Pyramiden die Farbmehrheit ergattert. Wer zwei Pyramiden kontrolliert, gewinnt das Spiel.
Eco-Marketing von Mariacaro Aldana kommt gar nicht erst in einer Schachtel daher, sondern in einer Art Stoff-Mappe, die tatsächlich mit einem Knopf verschlossen werden kann. Das gibt’s auch nicht oft. Es ist ein edukatives Spiel, in dem Kinder und Erwachsene etwas über Recycling lernen können. Man handelt mit Müll/Rohstoffen in allerlei Varianten, von Eierschalen über Plastiktüten bis zu Autoreifen. Punkte bekommt man zum Beispiel, wenn man aus weggeworfenen Dingen etwas Neues produzieren kann. Die Regeln gibt es im Moment nur auf Spanisch, aber das erklärte Ziel ist, dass das Spiel über Kolumbien hinaus eine Inspiration darstellen soll.

Die spektakulärste Verpackung hat wohl Victor Duartes Spiel Sacrificio. Leider hat sie den Transport aus Essen nach Göttingen nicht ganz ohne Dellen überstanden (die Pappe ist dann doch dünn), aber ein Spiel in Form einer Stufenpyramide habe ich auch noch nicht gesehen. Als Aufbewahrungsort für ein Kartenspiel ist es auch sehr gut geeignet (wäre aber eventuell stabiler, wenn die Karten bis zum Rand gehen und damit die Schachtel abstützen würden). Auch die Außengestaltung zieht mich magisch an, das sieht einfach toll aus. Dabei hat das Spiel ein sehr düsteres Thema, es geht um Menschenopfer, und die Spieler/innen sind Priester/innen nahegelegener Tempel, die möglichst viele menschliche Herzen gewinnen müssen. Ein Spiel mit diesem Thema würde ich jetzt nicht unbedingt mit meinen Kindern spielen wollen, aber sehr gespannt drauf bin ich allemal schon. Englische Regeln sind in Vorbereitung, die warte ich noch ab, bevor ich mich durch die spanischen kämpfe.
Schließlich habe ich noch Neuro Match von Andrea Ángel und Guillermo Solano bekommen, eins von diesen Spielen, bei denen man schneller reagieren muss, als das menschliche Gehirn eigentlich vorgesehen hat. Zu Beginn legt man einige Paare aus Anweisungskarten und Zahlen-/Buchstabenkarten aus. Dann deckt man reihum Karten von einem Stapel auf, und wenn man eine Zahl oder einen Buchstaben hat, der zu einem der Paare gehört, muss man die Geste machen, die auf der Anweisungskarte abgebildet ist (oder den Satz sagen, der da auch noch draufsteht. Oder in der höchsten Schwierigkeitsstufe beides). Wer das zuletzt macht, muss alle ausgespielten Karten einsammeln – wer keine Karten mehr hat, gewinnt. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass nicht alle Paare offen liegen, einige werden auch verdeckt, sodass man sich die auch noch merken muss. Genug Möglichkeiten also, einen in den Wahnsinn zu treiben – aber sowas macht ja manchmal süchtig. Ich habe es nur auf der Messe kurz mit den Autor/innen angespielt, aber das kommt sicher nochmal auf den Tisch. Erschienen ist es bei RingBrain.
Mexiko
Kickstarter ist noch gar nicht so lange in Mexiko aktiv, aber natürlich haben das auch gleich ein paar Leute für Spieleprojekte genutzt. Das erste mexikanische Spiel, das letztes Jahr finanziert wurde, kam vom Verlag Aether Tower und hieß Tricksters (von William Burgos und Juan Ramos), Aether Tower hat nun ein zweites Projekt erfolgreich finanziert, das offenbar kurz vor der Auslieferung steht (und noch bestellt werden kann), nämlich Cooking Rumble von Emilio Gerardo Estrada Lucero, ein kurzes Bluffspiel für zwei Personen, bei dem man mehrere Gerichte-Karten vor sich liegen hat, die verschiedene Zutaten benötigen. Abwechselnd legt man nun eine Zutat verdeckt aus. Wenn der/die Gegenspieler/in nicht erraten kann, welche Zutat es ist, kann man sie auf ein Gericht legen (dafür gibt es eine bestimmte Reihenfolge auf jedem Gericht). Wer auf diese Weise zuerst sechs Gerichte fertig kocht, gewinnt das Spiel.
Ebenfalls aus Mexiko kommt TerroriXico von Gener Escalante Hernandez. Ich weiß jetzt nicht, wer die peinliche Idee gehabt hat, 61 Zehnerbewertungen auf Boardgamegeek abgeben zu lasen, überwiegend von Leuten, deren einzige Bewertung das ist, aber der BGG-Algoritmus fängt sowas souverän ab und lässt das Spiel in den Tiefen des Rankings herumdümpeln. Es geht in diesem kooperativen Kartenspiel wohl um den Kampf gegen Monster aus den Tiefen der mexikanischen Mythologie. Das passt dann ja.
Soviel für heute. Schon jetzt zeichnet sich Material für die nächste Ausgabe ab, aber die Recherche ist dann doch so aufwendig, dass ich das besser in kleinere Stücke zerlege.
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber/innen.
Neue Spiele aus Lateinamerika, August 2017
Es sind wieder ein paar Sachen hereingekommen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte: Spiele und sonstige Neuigkeiten aus Lateinamerika.
Argentinien
Letztes Jahr hatte Fabian Martinez Torre in mehreren argentinischen Städten einen Game Jam ins Leben gerufen. Für die, denen das noch nichts sagt: Man trifft sich für ein Wochenende und versucht, in einer kleinen (oft zufällig zusammengewürfelten Gruppe) ein Spiel zu entwickeln. Von der ersten Idee bis zum spielbaren Prototypen. So etwas hat schon einige erfolgreiche Spiele hervorgebracht. Nach der ersten Runde 2016 wurde das Konzept dann gleich auf weitere Länder ausgebreitet, und am gleichen Wochenende Anfang Juli fanden unter dem Namen Zapada Ludica Veranstaltungen in vier argentinischen Städten sowie jeweils eine in vier weiteren Ländern (Chile, Kolumbien, Mexiko und Paraguay) statt. Aus Paraguay hatte ich bisher noch gar Spielerisches nichts gehört, aber auch da gibt es natürlich Leute, die gern spielen. Ich denke, auch das zeigt, wieviel Potential noch in Lateinamerika steckt.
Brasilien
Vor einiger Zeit hatte ich hier eine Rezension zum brasilianischen Stichspiel Sapotagem von Warny Marçano und Fel Barros veröffentlicht. Da habe ich wohl den richtigen Riecher gehabt – es ist eine Neuausgabe angekündigt, mit veränderter Grafik, die ein internationaleres Publikum ansprechen soll. Erscheinen soll es jetzt unter dem Namen Pot de Vin bei ThunderGryph Games in Spanien, mit neuer Gestaltung von Weberson Santiago und Luis Francisco, die schon bei „Die blutige Herberge“ zusammengearbeitet hatten. Wer sich neulich gefragt hatte, wie man an das Spiel wohl rankommen könnte, kann sich jetzt auf die Messe in Essen freuen. Mit einer angekündigten Startauflage von 10000 Stück in sechs Sprachen meint der Verlag es offenbar ernst. Auf der verlinkten Seite kann man auch ein Exemplar des Spiels gewinnen.

Außerdem hatte ich im Mai über einige Redbox-Spiele geschrieben. Eins davon hat nun eine neuen Namen und ein neues Aussehen bekommen. Weil der Name Micropolis offenbar mit etwas schon Existierendem kollidierte, wurde eine Abstimmung über einen neuen Namen abgehalten. Dabei setzte sich Papertown durch.
Chile
Im März hatte ich über D.50 berichtet, ein Spiel aus Chile über die Jagd nach Nazi-Spionen im zweiten Weltkrieg. Damals hatte ich auch versucht, im Netz ein bisschen was über die historischen Hintergründe zu recherchieren, hatte aber nicht viel gefunden. Daher war es spannend, irgendwann auf Spiegel Online auf diesen Artikel zu stoßen, in dem das alles ein bisschen genauer beleuchtet wurde. Was hier in Deutschland eher nur eine Randnotiz war, hat in Chile mehr Wellen geschlagen. Keine schlechte Verkaufshilfe für das Spiel, schätze ich.
Kolumbien
Yombembo Games ist ein relativ junger Verlag aus Kolumbien, der in diesem Jahr mehrere Spiele auf den Markt gebracht hat:
WOSOM von Ricardo Gonzalez spielt in einer postapokalyptischen Zukunft. Ein paar überlebende Clans prügeln sich um die letzten Vorkommen wertvoller Metalle. Zu dem Spiel gehört auch eine App – ein spezieller QR-Code auf einer Karte lässt sich einlesen und verschafft Vorteile im Spiel. Eine Beta-Version ist schon 2015 erschienen, im Herbst erscheuint dann die Vollversion.
Ciudád de Cartón (Stadt aus Pappe) von Maikol Homero Bello und Juan Pablo Alzate hat nichts weiter mit dem oben erwähnten Papertown zu tun. Die Spieler/innen bauen eine Stadt aus Karten, für die sie Ressourcen bezahlen müssen. Die Ressourcen erhalten sie von speziellen Würfeln, mit denen sie während ihres Zuges würfeln, und zu denen sie gegebenenfalls Boni von schon ausgelegten Karten bekommen. Allerdings treten auch ab und zu Katastrophen auf, die Gebäude zerstören können.
Das war’s für heute. Wenn jemand von weiteren neuen lateinamerikanischen Spielen erfährt, freue ich mich immer über einen Hinweis.
New games from Latin America, July 2017
(Slightly updated translation of an older article of mine, originally planned for BGG news where it remains in the queue/leicht aktualisierte Übersetzung eines älteren Artikels, die ursprünglich auf BGG News erscheinen sollte, dort aber noch immer in der Warteschleife steht)
Argentina
The third „Geek Out!“ Festival was celebrated in Buenos Aires in early May, and from what I read, it seems to have been great. Anyone who has ever organized a con like this will probably know that 2400 people the third time around are a huge success, especially when they are the first in their country trying something like this at all. I assume that many people who were there are looking forward to the 2018 event already.
For the second time, the King Alfonso Award was handed out. The winner is Conejos en el Huerto (Rabbits in the Orchard) by Luis Marcantoni, published by Ruibal Hermanos. Congratulations! While at it, the game also won „Best overall presentation“ (gotta love the letter „J“ in the title. Congratulations to artist Celeste Barone as well). I am curious whether we will hear from the rabbits outside of Argentina in the future. I just got a copy of the game on Friday and hope to be able to write more about it in the future. Co-finalist Mutant Crops has an upcoming English edition already.
In the small print run category, the winner was Star Warships by Gabriel Isaac Jalil. Again: Congratulations.

A candidate for next year’s award is scheduled for release in July. It’s Magos & Tabernas (Mages & Tavern) by Adrián Novell. Three thirsty mages enter a pub which only has one beer left. Unsurprisingly, fireballs start flying. Players are working their way towards said beer by removing obstacles on the way. Why can’t there be a good brewing spell instead?
Brazil
Brazil seems to have the largest gaming and publishing scene in Latin America by far – that’s not too surprising, I guess. I have a feeling that I am still just scratching at the surface. But I am planning to explore more of it, and am always happy to discover new things.
Still rather new on the boardgame scene is publisher Redbox from Rio de Janeiro. After a couple of fairly successful RPG publications, they started localizing foreign publications and are publishing four Brazilian games this year:
In the short economic card game Tsukiji by Leandro Pires you are a fish trader and try to manipulate the Tokyo fish market prices in a way that lets you earn more money than the other traders.
Labyrinx by Daniel Braga and Thiago Matos just finished its crowdfunding campaign. As the name suggests, you move through a labyrinth. The labyrinth is created from cards during the game and you have to make sure to remember your way home, as there is a fog of war mechanism that obscures most of the labyrinth. While you are trying to remember which way was the way out, you collect treasure, dodge traps and mess with the other players.
Micropolis by Rodrigo Rego is a tile laying game with rhombic tiles. All players try to expand a city by adding houses, parks, factories and so on. When placing certain special buildings into the city, you can add influence markers on them. The goal is to be the first player to put all your influence in.

Copacabana is by Rodrigo Rego as well. At the beginning of the 20th century, players transform the sleepy beach into the mixture of glamour and chaos it is known as today. Achieve this by placing tiles and getting into the most valuable streets to build the most valuable buildings.
In March I had mentioned Space Cantina by Fel Barros and Warny Marcano. Fel Barros now works for CMON which just released a new edition of Gekido: Bot Battles, a game that he had designed (together with Romulo Marques) and that was first published in 2014. With the new edition, this should become a lot more available outside Brazil. Gekido is a dice roller, in which robots smash each other in an arena.
Pablo by Marcos Mayora is one of those rather unusual games, it seems. There are 140 cards with words and categories (in various difficulty levels). Some you hold in your hand, some are on the table. One player starts to sing any song and tries to insert as many words or categories from their cards, for which they get points according to the difficulty. When someone else has a card which might fit the current song, they can start to sing along and push in their own words. You can also throw tomatoes (in the form of cardboard counters) if someone sings wrongly. If you want to have an impression how such a game works, you can see it (in Portuguese) here. Pablo is published by Mandala Jogos, and there are promo packs for different musical styles. It was named after a Brazilian music show of the Eighties and sounds like one of those games which gets you kicked out of your appartment if you play it too often.
Colombia
Colombian publisher Azahar Juegos had released the well-noticed game Xanadú in 2012, which was re-published by Quined games three years later. Now there are two new games by Azahar:
FocusX by Guillermo Solano is a card game in which you try to find matching characteristics between three cards (there are animal categories, numbers and colors). You can play it by speed or more quietly, and according to the publisher, it is suitable for players five years and up.
Hot-Pota-toH! is from Xanadú designer Javier Velasquez. A stack of cards makes the rounds, and you either have to draw a card from this stack or play a card. While doing this, you try to get certain cards and avoid drawing the exploding potato. While this description might sound similar to Exploding Kittens, Hot-Pota-toH has no player elimination, but a round ends when someone explodes and everyone else then counts their points. Therefore there is a motivation to take a risk and draw cards, or sacrifice expensive carsds to avoid losing everything.

