Ich habe einen Vogel.

Dieses Blog war eine Weile online – ich muss mir dringend einen neuen Anbieter suchen, Midphase ist mittlerweile wirklich schlecht geworden. Besonders schade, dass das gerade jetzt passiert ist, denn es gibt etwas Schönes zu erzählen, und das hätte ich auch vorher schon machen können.

Letztes Wochenende fand nämlich das 42. Spieleautor:innentreffen in der Stadthalle statt. Ich habe hier ja schon verschiedentlich darüber berichtet; es gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen in der Spielewelt (obwohl ich natürlich auch gern mal an der UKGE oder gar an DOFF teilnehmen würde, die zeitgleich stattgefunden haben). Für mich war es diesmal aber vor allem deshalb eine besondere Veranstaltung, weil dort jedes Jahr der Göttinger Spatz verliehen wird, eine Auszeichnung der Stadt Göttingen für besondere Verdienste und das Spiel als Kulturgut. Und den habe dieses Jahr ich bekommen. Das hängt nicht ausschließlich, aber doch in hohem Maße mit diesem Blog zusammen – und damit mit Euch allen.

Göttinger Spatz 2024
Der Göttinger Spatz mit mir, der SAZ (Christian Beiersdorf und Hartmut Kommerell) und dem Bürgermeister (Ehsan Kangarani). Foto: Rita Modl

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Blockits – das erste argentinische Spiel auf dem deutschen Markt

Hier kommt mal wieder eine kleine Werbung in eigener Sache. Etwas, das ich an meinem Job mag, ist, dass ich Spiele aus fernen Ländern nach Deutschland bringen kann. Im Januar hatte ich das schon mit Drachentanz und Veggie Crash aus Taiwan machen können, und Mitte April erstmals mit einem Spiel aus Lateinamerika, nämlich mit Blockits von Alejandra Pini. Das ist zuerst 2022 unter dem Titel Juanito Blockits in Argentinien erschienen und war auch auf meiner Reise nach Chile schon überall zu sehen. Warum Juanito? Es gibt ein argentinisches Videospiel namens Juanito Arcade Mayhem, in dem eine Figur namens Juanito unter anderem Tetris-Blöcke abschießt. Die Leute dahinter waren mit dem Verlag El Dragón Azul befreundet, der nach einer passenden Einbettung für ihr Spiel Blockits suchten und dann die Optik des Videospiels übernommen haben (Illustrationen von María Paolo). Wir haben den Namen Juanito nicht mit nach Deutschland gebracht, sondern es bei Blockits belassen (wie übrigens auch der chilenische Verlag Salta pal lao).

Blockits - deutsche und argentinische Ausgabe
Links die argentinische, rechts die deutsche Ausgabe.

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Was kosten Spiele in der spanischsprachigen Welt?

Neulich habe ich auf Instagram ein paar interessante Zahlen zum Spielemarkt in einigen spanischsprachigen Ländern gefunden. Dort wurden nämlich nicht nur die absoluten Preise einiger ausgewählter Spiele verglichen, sondern diese auch in Relation zum Mindestlohn gesetzt. Und das sind ziemlich beeindruckende Zahlen, wie ich finde.

Wer kein Spanisch beherrscht, kann sich einfach mal zur dritten Folie durchklicken. Da sind die absoluten Preise für sechs ausgewählte Spiele (Terraforming Mars, Catan, Zug um Zug, Monopoly, Uno und Exploding Kittens) in Argentinien, Chile, Kolumbien, Spanien, Mexiko und Peru aufgeführt, umgerechnet in US$. Es geht dabei nicht um Importspiele, sondern um die spanischsprachigen Ausgaben. Argentiniens Krise wird einem dabei deutlich vor Augen geführt: Da wird man plötzlich ziemlich still, wenn man sieht, dass Terraforming Mars dort umgerechnet 206 Dollar kostet, mehr als das Vierfache des Preises in Spanien.

Noch wesentlich dramatischer ist der Anblick 2 Folien weiter. Dort wird der Gesamtpreis der sechs Spiele nämlich mit dem einheimischen Mindestlohn verglichen. Wer in Spanien den Mindestlohn verdient, muss 5 Tage lang schuften, um sich das ganze Spielepaket kaufen zu können. Wer mit dem argentinischen Mindestlohn gestraft ist, braucht hingegen 144 Tage dafür.

Als ich letztes Jahr in Chile war, kamen mir die Spiele, die ich dort gekauft habe, weder sonderlich teuer noch besonders billig vor. Im Vergleich zum deutschen Mindestlohn haben wir es aber in jedem Fall hier einfacher, selbst im Vergleich zu Chile, das innerhalb Lateinamerikas noch am besten abschneidet.

 

Beeple-Osterauktion für einen guten Zweck

Liebe Alle,
im Beeple-Netzwerk gibt es seit heute wieder eine Auktionswoche. Aus dem Fundus der Beeple-Mitglieder sowie aus Spenden von Verlagen werden vor allem Spiele und Spiele-Pakete versteigert, darunter auch einige Besonderheiten, die Ihr sonst nicht so einfach kaufen könnt. Der Erlös fließt dieses Jahr wieder an die Deutsche Kinderkrebsstiftung.

Ich selbst habe diesmal auch etwas beigetragen, nämlich ein gut erhaltenes Exemplar von Erwin Gloneggers Das Spiele-Buch, das von elf Leuten signiert ist, die in dem Buch erwähnt werden. Die meisten Signaturen waren schon drin, als ich es vor Jahren von Reinhold Wittig geschenkt bekommen haben, ich habe nur noch eine weitere aufgetan. Signiert haben:

Werner Hodel
Reiner Knizia
Max Kobbert
Wolfgang Kramer
Michel Matschoss
David Parlett
Alex Randolph
Hans Rüttinger
Klaus Teuber
Karin und Reinhold Wittig

Alex Randolph und Klaus Teuber sind bereits verstorben, einige der anderen altersbedingt nur noch selten auf Veranstaltungen anzutreffen. Ist also eine ziemlich einmalige Gelegenheit, würde ich sagen. Vielleicht interessiert es ja jemanden von Euch.

Aber auch die anderen 37 Versteigerungsposten sind nicht zu verachten, da gibt es einiges zu entdecken. Den direkten Link zur Auktion findet Ihr hier.

Die Sache mit dem Rechtsextremismus

Wer die letzten Monate und Jahre nicht unter einem Stein zugebracht hat, weiß, dass es in Deutschland ein Problem mit erstarkendem Rechtsextremismus gibt. Das macht mir Sorge. Einmal, weil es uns allen Sorge machen sollte. Dann ganz konkret, weil es in meinem unmittelbaren Umfeld Menschen gibt, die von vielen Rechtsextremen als fremdartig angesehen werden, und um die ich Angst habe. Schließlich auch, weil ich Spieler bin. Als solcher habe ich immer wieder erfahren, was für ein integratives Hobby das Spielen sein kann. Als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache in der Erwachsenenbildung habe ich immer wieder Spiele in und neben dem Unterricht eingesetzt und gesehen, wie sehr das Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammengebracht hat. Auf meinen Reisen nach Italien, Polen, Taiwan und zuletzt Chile war ich trotz Sprachbarrieren in der örtlichen Spieleszene immer willkommen und brauchte mich nicht fremd zu fühlen. Als ich (per Teilzeit) nach Stuttgart gezogen bin, wo ich kaum jemanden kannte, wer hat mich dort mit offenen Armen empfangen? Die Spieleszene. Das ist eine großartige Sache und steht dem Rechtsextremismus, dessen zentrale Ziele Ablehnung, Ausgrenzung und eine Erhöhung der einen über die anderen sind, diametral entgegen.

Natürlich mache ich mir keine Illusionen: Auch in der Spieleszene gibt es Menschen, die rechtsextremem Gedankengut nahestehen. Zum Glück ist das in meinem persönlichen Umfeld zumindest nicht öffentlich sichtbar. Und ich möchte weiterhin mein Möglichstes dafür tun, dass das Spielen seine integrative Kraft behält und Menschen aus aller Welt zusammenbringt anstatt sie zu trennen. Das wird leider nicht von allein passieren, sondern ist eine herausfordernde Aufgabe für alle, denen daran liegt. Ich freue mich über alle, die das ähnlich sehen wie ich.

Diesen kurzen Text habe ich auf Anregung des Beeple-Netzwerks geschrieben. Meine Mitgliedschaft im Netzwerk ruht zwar (und ich schreibe hier ohnehin nur noch selten was, wie Ihr wisst), aber gute Initiativen unterstütze ich gern, wo ich kann. 

Eine Spielereise nach Chile, Teil 4

Teil 1 war hier, Teil 2 hier, Teil 3 hier.

Bis hierhin war es eine wirklich schöne Reise mit tollen Begegnungen gewesen. Aber der Kongress in Valdivia wurde dann noch mal zu einem besonderen Höhepunkt. Die Organisatoren hatten mir einen weiteren Flug von Santiago nach Valdivia gebucht, obwohl ich auch mit dem Bus hätte fahren können. Aber ich sollte mich schon während des Fluges mit zwei weiteren ausländischen Gästen treffen und ein bisschen einstimmen.

Der Flug ging morgens, und ich wollte möglichst früh los, um nicht in den Berufsverkehr zu geraten. Ich hatte mir eine Busfahrkarte von einer U-Bahnstation zum Flughafen gekauft; die Fahrt sollte 40 Minuten dauern und ich musste vorher ja noch U-Bahn fahren. Die U-Bahn in Santiago öffnet um sechs, und um kurz nach sechs war ich da. Sehr voll war es um diese Zeit noch nicht, und ich bin gut durchgekommen. Für die Flughafenbusse gab es lange Schlangen, aber da ich meine Fahrkarte vorab gebucht hatte, wurde ich durchgewinkt und es ging bald los. Zu meinem nicht geringen Erstaunen dauerte die Fahrt auch keineswegs 40, sondern weniger als 20 Minuten. Offenbar hatten auch die Busgesellschaften mehr Verkehr eingeplant. Eine Spielereise nach Chile, Teil 4 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 3

Der erste Teil des Reiseberichts war hier, der zweite hier.

Am Sonnabend bin ich schon früh ins Goethe-Institut aufgebrochen, denn da sollte eine kleine Veranstaltung zu Plan Ferpecto stattfinden. Plan Ferpecto ist die chilenische Ausgabe von Mission Impractical. Meine  Verlegerin Cami hatte die Veranstaltung organisiert, und wir hatten gemeinsam so um die 15 Leute dazu eingeladen. Zum ersten Mal stand ich vor der Herausforderung, mein eigenes Spiel auf Spanisch zu spielen. Das war gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall auch sehr lustig. Leider hatten wir nur für anderthalb Partien Zeit, sodass ich nicht mit allen Anwesenden spielen konnte – schade. Das würde ich gern irgendwann mal nachholen. Zu den schöneren Komplimenten, die ich so bekommen habe (auch diesmal wieder), gehört, dass mein Spiel ja so richtig lateinamerikanisch sei. 😊 Eine Spielereise nach Chile, Teil 3 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 2

Teil 1 war hier.

Am Dienstag bin ich dann mein Tourismusprogramm angegangen und habe mich in meinen (von Deutschland aus gebuchten) Bus nach La Serena gesetzt. Diese Stadt liegt rund 450 Kilometer nördlich von Santiago an der Pazifikküste und der Bus von Santiago braucht so 6 bis 7 Stunden. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man für einen geringen Aufpreis die gehobenere Kategorie im unteren Busteil bucht, ist es wirklich recht bequem.

Die Sitzlehnen lassen sich sehr weit zurückklappen. Ziemlich bequem.

Eine Spielereise nach Chile, Teil 2 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 1

Jetzt schreibe ich nach längerer Pause doch mal wieder was. Es gibt nämlich was zu erzählen. Diese Geschichte fing Mitte April an, als ich aus heiterem Himmel die Anfrage kriegte, ob ich mir vorstellen könne, Ende des Jahres als Redner an einem Kongress von LudiChile teilzunehmen. LudiChile ist der Verband der chilenischen Spieleverlage. Es sei noch nicht alles fest, weil sie noch auf die Freigabe von Fördergeldern warteten, aber sie wollten halt schon mal anfragen.

Uff. Rund sechs Jahre hatte ich in diesem Blog über lateinamerikanische Spiele berichtet, aber immer aus der Ferne. Meine Informationen stammten aus Internetrecherchen und unzähligen Nachrichten, die ich mit Spieleschaffenden in Lateinamerika ausgetauscht hatte, dazu ein paar Begegnungen in Essen. Ich hatte es kaum mal ernsthaft in Betracht gezogen, an die Quelle zu reisen – ich fliege ausgesprochen ungern, und hätte mir das Ganze auch nicht wirklich leisten können. Auch wäre es mir schwergefallen, mich für ein Land zu entscheiden, denn ich hatte ja Kontakte überall hin aufgebaut. Aber nun stand plötzlich eine Einladung im Raum, mit Flug und ein paar Übernachtungen. Ich habe tatsächlich einen Moment gezögert, aber das hat mir meine Göttergattin dann schnell ausgetrieben (danke!). Ich habe also zugesagt.

Obwohl die Finanzierung noch gar nicht geklärt war, wusste ich, dass ich sofort mit den Vorbereitungen würde beginnen müssen. Ich konnte zwar einigermaßen passabel spanische Regeln lesen, aber mit den mündlichen Kenntnissen sah es doch noch ziemlich dürftig aus. Zwar hatte Victor Hugo Cisternas, der Präsident von LudiChile, mir angeboten, dass ich auf Englisch sprechen könnte und eine Übersetzung zur Verfügung gestellt werden könnte, aber das kam für mich nicht in Frage. Ich war als einziger Gast aus dem nicht-spanischsprachigen Ausland eingeladen, und ohne fortgeschrittene Spanischkenntnisse würde ich das kaum genießen können. Also habe ich mir sozusagen ein neues Hobby zugelegt und jeden Tag eine bis zwei Stunden Spanisch gelernt – mit Duolingo, mit Podcasts, mit Videos und möglichst viel Lesen und Schreiben. Eine Spielereise nach Chile, Teil 1 weiterlesen

Neu ab 9. August: Verplant & Zugestellt

Ich hab hier erwartungsgemäß lange nichts mehr geschrieben, aber ich freu mich gerade darüber, dass am 9. August Verplant & Zugestellt erscheint. Ich war zwar nicht der Produktmanager des Spiels (das schon vor meiner Zeit im frechverlag angenommen worden war), aber konnte hier und da dazu beitragen. Und ich glaube, ganz und gar nicht neutral, dass es richtig gut geworden ist und ein bisschen Aufmerksamkeit gebrauchen könnte.

Verplant & Zugestellt

Verplant & Zugestellt ist ein Spiel von Steffen Hacker, in dem Ihr Räume, Wohnungen oder ganze Gebäude einrichten sollt. Ihr habt jeweils einen Auftrag, den es zu erfüllen gibt. Aber leider will die Kundschaft meistens viel zu viel, und das passt alles gar nicht zusammen. Da heißt es Kompromisse schließen und auch mal einen Wunsch zu ignorieren, damit das Gesamtbild stimmt. Die Kunst dabei ist es, die nötigen Freiflächen (also die Bereiche, die frei bleiben müssen, damit alle Möbel erreichbar sind) möglichst gut einzusetzen.

Auslage für das Szenario „Der Proberaum im alten Schuppen“

Reihum deckt Ihr Möbelkarten auf, von denen Ihr zunächst nur eine grobe Beschreibung habt, so wie „großer Schrank“ oder „kleiner Tisch“ oder sowas. Auf der Rückseite gibt es dann verschiedene Formen, und wer dran ist, bestimmt, welche Form in den vor Euch liegenden Grundriss eingetragen werden muss. Besonders gern werden da solche gewählt, die ausgerechnet in Deine Planung nicht mehr reinpassen.

Die dazu passende Seite aus dem Auftragsbuch

Im Spiel gibt es 25 Aufträge mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen, von denen jeweils ein paar durch eine kleine Geschichte verbunden sind. Die Aufträge sind auch alle mehrfach spielbar, das ist also kein einmaliger Spaß.
Wer sowas wie Flip-&-Write-Spiele mag, ist hier gut aufgehoben, weil es thematischer ist als die meisten Spiele des Genres. Ich hoffe, Ihr guckt es Euch mal an. 🙂

Ich war leider nicht skrupellos genug, um den Einbau der Musikanlage in den Schuppen meiner Tochter zu verhindern… so hat es nur zu einem Gleichstand gereicht.