Mazescape: Verloren im gläsernen Labyrinth

In Pandemiezeiten habe ich vielleicht mehr Solospiele gespielt als in meinem restlichen Leben zusammen. Ich mache sowas eigentlich nur, wenn mir derlei Spiele mehr oder weniger zufällig in die Hände fallen, da Interaktion für mich zu den wichtigsten Qualitäten von Spielen gehört. Andererseits bin ich ein neugieriger Mensch und probiere gern neue Sachen aus. In den letzten Monaten, in denen meine gewohnten Spielerunden nahezu gar nicht stattfinden konnten und meine Familie das nicht völlig auffangen konnte, trug es sich nun zu, dass mir einige Solospiele zukamen. Zuletzt waren das die ersten beiden Ausgaben von Mazescape von Pablo Céspedes und Victor Hugo Cisternas. Die beiden sind in der chilenischen Spieleszene ziemlich sichtbar, ich hatte schon ein paar ihrer Spiele ausprobieren und sie vor einigen Jahren auch in Essen kennenlernen können. Victor war so freundlich, mir die Spiele frisch aus der Druckerpresse zuzuschicken. Was ich damit erlebt habe, erzähle ich Euch jetzt.

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Kickstarter-Kampagne für den 5. ABCon

(English below)

In Nigeria steht wieder mal ein großer Spielecon an, und es werden über eine Kickstarterkampagne noch Spenden dazu gesammelt. Moment mal, spenden, damit sich Leute in einem weit entfernten Land einen schönen Tag machen können? Was ist mit den Flutopfern in Westdeutschland, den Ärzten ohne Grenzen, dem WWF, hungernden Kindern? Sind das nicht wichtigere Dinge, für die wir spenden könnten? Klar, das ist eine nachvollziehbare Haltung, und ich will Euch auch wirklich nicht davon abhalten, auch anderswo Hilfe zu leisten (mache das selber, so gut es geht). Aber ich möchte trotzdem eine Lanze dafür brechen, vielleicht auch ein paar Euro in den ABCon zu stecken, wenn Ihr könnt. Es geht nämlich mitnichten um einen kurzfristigen Spaß. Als ich hier 2017 erstmals über KC und sein ehrgeiziges Vorhaben berichtet habe, eine Spieleindustrie in Nigeria aufzubauen, war ich besonders beeindruckt, dass er dabei nicht nur sein eigenes Fortkommen im Auge hatte, sondern von Anfang an weitergedacht hat. An einer florierenden lokalen Spieleindustrie hängen eben weitere Arbeitsplätze, und die werden in Nigeria dringend gebraucht. Dass sein Plan aufgegangen ist, wird in der Kampagne gut beschrieben. Aber in einem Riesenland wie Nigeria ist da auch noch viel Potential, und ich glaube, ein weiterer großer Con kann dazu beitragen, dieses Potential auszuschöpfen (ganz abgesehen davon, dass das auch über die nigerianischen Grenzen hinaus wirkt). Dafür spende ich gern eine Kleinigkeit. Wer das nicht selbst kann, darf diesen Aufruf sehr gern weiter verbreiten. Vielen Dank.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 12/2021

Die letzte Runde musste aus Zeitmangel ausfallen. Ich versuche, das zu vermeiden, will mich mit meinem Blog allerdings auch nicht stressen, sonst verliere ich die Lust. Auch heute mache ich es nicht am gewohnten Montag, sondern am Dienstag. Während der Verleihung der Spiel-des-Jahres-Preises haben die Leute eh andere Sachen im Kopf als Neuerscheinungen auf fremden Kontinenten.

Argentinien

Bei Gualicho geht es darum, zuerst die eigenen Karten loszuwerden. Ihr spielt dazu Zauberspruchkarten aus, mit denen Ihr die anderen angreift. Wer Angriffe nicht abwehren oder auf andere weiterleiten kann, erhält Schadenspunkte. Wenn jemand alle Karten losgeworden ist und eine neue Runde beginnt, bekommt Ihr zusätzlich zu Eurer normalen Kartenhand so viele Strafkarten, wie Ihr in der letzten Runde Schadenspunkte hattet, fangt dann also schon mit einem Handycap an – das klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Uno und Der Große Dalmuti, wobei die Person, die als erste fertig war, zwar einen Siegpunkt bekommt, aber auch ebensoviele Strafkarten wie diejenige mit dem höchsten Schaden. Gualicho stammt von Ariel Morita und Sebastián Fontes (letzterer hat es auch gestaltet). Der Verlag heißt GG Juegos de Mesa.

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Spieleentwicklung in der Demokratischen Republik Kongo

Einige von Euch warten vielleicht noch auf den zweiten Teil meines Kamerun-Artikels – das tue ich auch, mir fehlt aber noch Bildmaterial (und ein paar Details), bei dem ich auf andere angewiesen bin. Das wird eher noch ein paar Wochen dauern. Naja, eilt ja nicht. Dafür habe ich jetzt den Spieleautor Rabin Koko Lomami aus der Demokratischen Republik Kongo aufgetan und mich mit ihm in Verbindung gesetzt. Er war so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten.1

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Mein Beitrag zum Beeple-DSP-Turnier

Peer Sylvester von Spielbar kam vor einiger Zeit auf die Idee, alle Spiele, die im Laufe der Jahrzehnte mal den Deutschen Spielepreis (beziehungsweise dessen Hauptkategorie) gewonnen haben, in einem Turnier gegeneinander antreten zu lassen. Dieses Turnier läuft gerade, und zwar in einem KO-System, bei dem jeweils ein:e Juror:in entscheidet, welches Spiel weiterkommt. Die Entscheidungskriterien sind völlig frei, es geht also vor allem um persönliche Präferenzen. In der ersten Runde sind 15 Beeple-Mitglieder als Juror:innen im Einsatz. Ab dem Achtelfinale übernehmen auswärtige Gäste, bevor dann das Finale in einer gemeinschaftlichen Abstimmung entschieden wird.

An jedem Tag im Juli wird dabei eine Entscheidung bekanntgegeben (wenn wir mal von einem Freilos absehen, das angesichts von bisher nur 31 Deutschen Spielepreisen nötig war). Heute war mein Tag als Juror. Falls Ihr herausfinden wollt, ob ich mich für Modern Art oder für Terraforming Mars entschieden habe (und mich nicht gut genug kennt, um das ohnehin schon zu wissen), findet Ihr meinen kurzen Text dazu hier. Von da aus führen dann auch Links zu den anderen Entscheidungen. Wer über die Entscheidungen diskutieren möchte, kann das auf unserem Discord-Server tun, der dort auch verlinkt ist.

P.S.: Modern Art hatte ich hier vor ein paar Jahren mal rezensiert.

Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 11/2021

Argentinien

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig das Spiel KINMO von Bruss Brussco für dieses Blog war. Hätte mir das nicht 2016 ein netter Mensch nach Essen mitgebracht und mir damit eine neue Spielewelt eröffnet, wäre ich vielleicht irgendwann in der Masse der reinen Rezensionsblogs untergegangen. Ich hatte hier schon vor einem Jahr berichtet, dass eine neue Auflage des seit längerem vergriffenen Spiels geplant sei. Die ist nun beim deutlich reichweitenstärken Verlag Ruibal erschienen, in einer für argentinische Verhältnisse sehr imposanten Auflage. Ich habe bisher auch nur die offiziellen Fotos und kann die Karten nicht im Detail beurteilen, aber die Originalillustratorin Juliana Bernabeu war wieder federführend, was ein gutes Zeichen ist. Wer bei der nächsten Argentinienreise ein schönes Souvenir sucht, sollte hier reichhaltig zuschlagen. Meine Meinung zu KINMO habe ich hier aufgeschrieben (wenn ich diese Rezension heute lese, muss ich ein bisschen schmunzeln. Damals habe ich paar Sachen kritisiert, die mich heute gar nicht mehr stören. Und es kommt in unserer Familie immer noch des Öfteren auf den Tisch – es hat sich also gut gehalten).

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 10/2021

Heute mache ich es kurz, weil ich mit anderen spannenden Spieleprojekten ausgelastet war. Bald hoffentlich mehr dazu.

Brasilien

Erê – O Jogo dos Orixás stammt von Raphael Carmo. Es geht darin um Yoruba-Elemente in der brasilianischen Kultur (die Yoruba sind eine afrikanische Ethnie, die vor allem in Nigeria und Benin lebt). Die Orixás sind Gottheiten der Yoruba. In Westafrika werden viele Orixás verehrt, in Brasilien offenbar 16. Im Spiel draftet man Orixá-Karten und spielt diese nach und nach vor sich aus. Manche ausgespielten Karten haben besondere Effekte, mit anderen versucht man einfach, allgemeine oder persönliche Zielkombinationen zu erreichen, für die es dann Punkte gibt. Wer nach drei Runden die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt. Erê steht hier als Print & Play zum Download bereit.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 9/2021

Argentinien

In Spaghetti Western spielt Ihr jeweils eine Bande Gesetzloser und versucht, die Ordnungskräfte zu überlisten. Neben legalen Geschäften überfallt Ihr auch Banken und begeht andere Straftaten, alles mit dem großen Ziel vor Augen, am Ende eines Tages über die imposante Summe von 50 Dollar zu verfügen und damit das Spiel zu gewinnen. Um das zu erreichen, müsst Ihr neue Outlaws anwerben und aufpassen, dass Ihr keine wieder verliert, was im Wilden Westen leicht mal vorkommt. Denn überall warten Sheriffs, die Galgenschlinge oder auch Duelle mit Mitgliedern anderer Banden. Autor und Illustrator von Spaghetti Western ist Facundo „MrExes“ Velilla, und es erscheint bei Cuis.

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Das Spiel-des-Jahres-Nominierungskommentarbingo

Am kommenden Montag werden die Nominierungen zum Spiel des Jahres bekanntgegeben. Natürlich kann ich nicht vorhersagen, welche Spiele auf den Listen landen werden. Dafür weiß ich schon, wie die anschließenden Diskussionen ablaufen werden. Da kommen nämlich jedes Jahr die gleichen Kommentare. Um die Lektüre wenigstens einigermaßen unterhaltsam zu gestalten, präsentiert Du bist dran! dieses Jahr das Spiel-des-Jahres-Nominierungskommentarbingo. Einfach in den einschlägigen Internetforen die Kommentare zu den Nominierungen lesen und wenn etwas von der Bingotafel auftaucht, das entsprechende Feld durchstreichen. Wer zuerst eine waagerechte, senkrechte oder diagonale Viererreihe voll hat, gewinnt. Sollte nicht allzu lange dauern. Viel Spaß!

English version here.

 

Paleo: Auf der Jagd nach Mammuts (und nach den benötigten Regeln)

Komplexere Spiele kommen bei mir ja eher selten auf den Tisch. Das liegt einerseits an den Spielgruppen, mit denen ich normalerweise spiele, andererseits daran, dass sie mich meist nicht so lange fesseln können wie gute simple Spiele. Die Ablehnung ist aber eher keine prinzipielle, und so bin ich vor einer Weile tatsächlich mal in den Spieleladen meines Vertrauens gestiefelt und habe mir Paleo zugelegt, um es mit meiner am Thema interessierten Tochter zu spielen. Und ich habe das fast gar nicht bereut.

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