Archiv der Kategorie: In eigener Sache

Erinnerungen an Reinhold Wittig (1937 – 2026)

Ich habe früher bei der Volkshochschule Göttingen gearbeitet. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, pro Semester einen kostenlosen Volkshochschulkurs zu besuchen. 2007 fiel mein Blick auf einen Kurs namens „Spiele erfinden – wie geht das?“ von Reinhold Wittig. Ich kannte seinen Namen und seine ikonische Spielepyramide „Spiel“ seit den Achtzigern, und hatte mit anderen Leuten zusammen auch schon hier und da an Spielideen herumgebastelt, also schien das für mich das perfekte Angebot zu sein.
Der Kurs fand ungewöhnlicherweise in Reinholds Wohnung statt, die wohl jeden, der je dort war, in ihren Bann gezogen hat. Jeder Winkel war voll mit Marionetten, selbstgebauten Möbeln, anderen Kunstwerken von ihm, Kunst aus Afrika, Büchern, Dokumenten zur Spielgeschichte und was nicht noch alles. Die Empore in seinem Keller bestieg man über eine Flugzeug-Gangway, sein Spieltisch stand felsenfest auf großen Schiffsturbinen, und so weiter und so weiter. Und mittendrin war Reinhold, der aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz erzählte.

Reinhold Wittig vor einem seiner Kunstwerke

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Der Drude am Dienstag

Hier kommt ein Hinweis in eigener Sache. Ich arbeite ja beim frechverlag in der Abteilung Spiele & Rätsel. Seit kurzem hat unsere Abteilung einen eigenen Instagram-Kanal. Als da die Planung für Inhalte und Programm gemacht wurde, haben meine geschätzten Kolleg:innen immer mal von einem wöchentlichen Video namens „Der Drude am Dienstag“ gesprochen. Ich habe ein bisschen mitgeblödelt, bis mir aufging: Die meinen das ernst. Aber da es keine anderen Freiwilligen gab, ist das jetzt tatsächlich in die Tat umgesetzt worden. Jede Woche (ratet selbst, an welchem Tag) erzähle ich für eine Minute oder so aus meinem Leben als Produktmanager. Eigentlich sind Videos ja gar nicht so mein Metier, und diese Minifetzen auch nicht, aber so ist halt die moderne Welt.

Screenshot aus meiner Videokolumne "Der Drude am Dienstag" auf Instagram.
Vielleicht interessiert es ja die eine oder den anderen, was ich da so mache. Dann findet Ihr das Ganze hier. Falls Ihr bestimmte Themenwünsche haben solltet, könnt Ihr Euch natürlich vertrauensvoll an mich wenden. Und wir freuen uns natürlich, wenn Ihr uns folgt, das ist nämlich bisher noch etwas schleppend losgegangen. Danke!

Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon?

Stichspiele erleben zu meiner Freude in letzter Zeit eine Renaissance. Japan hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt, aber auch an anderen Orten ist das nicht zu übersehen. Daher trage ich mich seit einer Weile mit dem Gedanken, mal einen kleineren Con zu organisieren, bei dem sich alles um diese Art von Spielen dreht. Die Definition von Stichspiel sehe ich dabei nicht so eng, alles, was man im Englischen als Shedding Games oder Ladder Climbing Games bezeichnen würde, rechne ich mit ein (eine Liste mit Beispielen aus meiner Sammlung folgt ganz unten).

So Sachen halt.

Ich denke da an ein Wochenende mit vielleicht 20 bis 50 Personen. Stattfinden würde es in Göttingen, und terminlich habe ich Februar 2025 im Auge. Ich würde dann hier Räumlichkeiten organisieren und die Kosten auf alle umlegen (der Anteil an der Raummiete sollte 10 Euro pro Person nicht übersteigen). Übernachtungen kann ich nicht stellen, darum müssten sich alle selbst kümmern (aber ich helfe natürlich gern dabei, wo ich kann). Verpflegung, ebenfalls auf Selbstkostenbasis, könnten wir organisieren, darüber würde ich mir etwas später Gedanken machen beziehungsweise das mit denen besprechen, die dabei sein wollen. Es wäre also kein Con der Art, wo ich morgens die Tür aufmache und hoffe, dass jemand kommt, sondern einer mit vorheriger Anmeldung (vermutlich auch mit einer Vorabüberweisung, das würde ich dann rechtzeitig ankündigen). In jedem Fall geht es mir nicht drum, damit Geld zu verdienen, ich will nur ohne Minus rauskommen. Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon? weiterlesen

Ich habe einen Vogel.

Dieses Blog war eine Weile online – ich muss mir dringend einen neuen Anbieter suchen, Midphase ist mittlerweile wirklich schlecht geworden. Besonders schade, dass das gerade jetzt passiert ist, denn es gibt etwas Schönes zu erzählen, und das hätte ich auch vorher schon machen können.

Letztes Wochenende fand nämlich das 42. Spieleautor:innentreffen in der Stadthalle statt. Ich habe hier ja schon verschiedentlich darüber berichtet; es gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen in der Spielewelt (obwohl ich natürlich auch gern mal an der UKGE oder gar an DOFF teilnehmen würde, die zeitgleich stattgefunden haben). Für mich war es diesmal aber vor allem deshalb eine besondere Veranstaltung, weil dort jedes Jahr der Göttinger Spatz verliehen wird, eine Auszeichnung der Stadt Göttingen für besondere Verdienste und das Spiel als Kulturgut. Und den habe dieses Jahr ich bekommen. Das hängt nicht ausschließlich, aber doch in hohem Maße mit diesem Blog zusammen – und damit mit Euch allen.

Göttinger Spatz 2024
Der Göttinger Spatz mit mir, der SAZ (Christian Beiersdorf und Hartmut Kommerell) und dem Bürgermeister (Ehsan Kangarani). Foto: Rita Modl

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Blockits – das erste argentinische Spiel auf dem deutschen Markt

Hier kommt mal wieder eine kleine Werbung in eigener Sache. Etwas, das ich an meinem Job mag, ist, dass ich Spiele aus fernen Ländern nach Deutschland bringen kann. Im Januar hatte ich das schon mit Drachentanz und Veggie Crash aus Taiwan machen können, und Mitte April erstmals mit einem Spiel aus Lateinamerika, nämlich mit Blockits von Alejandra Pini. Das ist zuerst 2022 unter dem Titel Juanito Blockits in Argentinien erschienen und war auch auf meiner Reise nach Chile schon überall zu sehen. Warum Juanito? Es gibt ein argentinisches Videospiel namens Juanito Arcade Mayhem, in dem eine Figur namens Juanito unter anderem Tetris-Blöcke abschießt. Die Leute dahinter waren mit dem Verlag El Dragón Azul befreundet, der nach einer passenden Einbettung für ihr Spiel Blockits suchten und dann die Optik des Videospiels übernommen haben (Illustrationen von María Paolo). Wir haben den Namen Juanito nicht mit nach Deutschland gebracht, sondern es bei Blockits belassen (wie übrigens auch der chilenische Verlag Salta pal lao).

Blockits - deutsche und argentinische Ausgabe
Links die argentinische, rechts die deutsche Ausgabe.

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Eine Spielereise nach Chile, Teil 4

Teil 1 war hier, Teil 2 hier, Teil 3 hier.

Bis hierhin war es eine wirklich schöne Reise mit tollen Begegnungen gewesen. Aber der Kongress in Valdivia wurde dann noch mal zu einem besonderen Höhepunkt. Die Organisatoren hatten mir einen weiteren Flug von Santiago nach Valdivia gebucht, obwohl ich auch mit dem Bus hätte fahren können. Aber ich sollte mich schon während des Fluges mit zwei weiteren ausländischen Gästen treffen und ein bisschen einstimmen.

Der Flug ging morgens, und ich wollte möglichst früh los, um nicht in den Berufsverkehr zu geraten. Ich hatte mir eine Busfahrkarte von einer U-Bahnstation zum Flughafen gekauft; die Fahrt sollte 40 Minuten dauern und ich musste vorher ja noch U-Bahn fahren. Die U-Bahn in Santiago öffnet um sechs, und um kurz nach sechs war ich da. Sehr voll war es um diese Zeit noch nicht, und ich bin gut durchgekommen. Für die Flughafenbusse gab es lange Schlangen, aber da ich meine Fahrkarte vorab gebucht hatte, wurde ich durchgewinkt und es ging bald los. Zu meinem nicht geringen Erstaunen dauerte die Fahrt auch keineswegs 40, sondern weniger als 20 Minuten. Offenbar hatten auch die Busgesellschaften mehr Verkehr eingeplant. Eine Spielereise nach Chile, Teil 4 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 3

Der erste Teil des Reiseberichts war hier, der zweite hier.

Am Sonnabend bin ich schon früh ins Goethe-Institut aufgebrochen, denn da sollte eine kleine Veranstaltung zu Plan Ferpecto stattfinden. Plan Ferpecto ist die chilenische Ausgabe von Mission Impractical. Meine  Verlegerin Cami hatte die Veranstaltung organisiert, und wir hatten gemeinsam so um die 15 Leute dazu eingeladen. Zum ersten Mal stand ich vor der Herausforderung, mein eigenes Spiel auf Spanisch zu spielen. Das war gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall auch sehr lustig. Leider hatten wir nur für anderthalb Partien Zeit, sodass ich nicht mit allen Anwesenden spielen konnte – schade. Das würde ich gern irgendwann mal nachholen. Zu den schöneren Komplimenten, die ich so bekommen habe (auch diesmal wieder), gehört, dass mein Spiel ja so richtig lateinamerikanisch sei. 😊 Eine Spielereise nach Chile, Teil 3 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 2

Teil 1 war hier.

Am Dienstag bin ich dann mein Tourismusprogramm angegangen und habe mich in meinen (von Deutschland aus gebuchten) Bus nach La Serena gesetzt. Diese Stadt liegt rund 450 Kilometer nördlich von Santiago an der Pazifikküste und der Bus von Santiago braucht so 6 bis 7 Stunden. Das ist aber nicht so wild, denn wenn man für einen geringen Aufpreis die gehobenere Kategorie im unteren Busteil bucht, ist es wirklich recht bequem.

Die Sitzlehnen lassen sich sehr weit zurückklappen. Ziemlich bequem.

Eine Spielereise nach Chile, Teil 2 weiterlesen

Eine Spielereise nach Chile, Teil 1

Jetzt schreibe ich nach längerer Pause doch mal wieder was. Es gibt nämlich was zu erzählen. Diese Geschichte fing Mitte April an, als ich aus heiterem Himmel die Anfrage kriegte, ob ich mir vorstellen könne, Ende des Jahres als Redner an einem Kongress von LudiChile teilzunehmen. LudiChile ist der Verband der chilenischen Spieleverlage. Es sei noch nicht alles fest, weil sie noch auf die Freigabe von Fördergeldern warteten, aber sie wollten halt schon mal anfragen.

Uff. Rund sechs Jahre hatte ich in diesem Blog über lateinamerikanische Spiele berichtet, aber immer aus der Ferne. Meine Informationen stammten aus Internetrecherchen und unzähligen Nachrichten, die ich mit Spieleschaffenden in Lateinamerika ausgetauscht hatte, dazu ein paar Begegnungen in Essen. Ich hatte es kaum mal ernsthaft in Betracht gezogen, an die Quelle zu reisen – ich fliege ausgesprochen ungern, und hätte mir das Ganze auch nicht wirklich leisten können. Auch wäre es mir schwergefallen, mich für ein Land zu entscheiden, denn ich hatte ja Kontakte überall hin aufgebaut. Aber nun stand plötzlich eine Einladung im Raum, mit Flug und ein paar Übernachtungen. Ich habe tatsächlich einen Moment gezögert, aber das hat mir meine Göttergattin dann schnell ausgetrieben (danke!). Ich habe also zugesagt.

Obwohl die Finanzierung noch gar nicht geklärt war, wusste ich, dass ich sofort mit den Vorbereitungen würde beginnen müssen. Ich konnte zwar einigermaßen passabel spanische Regeln lesen, aber mit den mündlichen Kenntnissen sah es doch noch ziemlich dürftig aus. Zwar hatte Victor Hugo Cisternas, der Präsident von LudiChile, mir angeboten, dass ich auf Englisch sprechen könnte und eine Übersetzung zur Verfügung gestellt werden könnte, aber das kam für mich nicht in Frage. Ich war als einziger Gast aus dem nicht-spanischsprachigen Ausland eingeladen, und ohne fortgeschrittene Spanischkenntnisse würde ich das kaum genießen können. Also habe ich mir sozusagen ein neues Hobby zugelegt und jeden Tag eine bis zwei Stunden Spanisch gelernt – mit Duolingo, mit Podcasts, mit Videos und möglichst viel Lesen und Schreiben. Eine Spielereise nach Chile, Teil 1 weiterlesen

Neu ab 9. August: Verplant & Zugestellt

Ich hab hier erwartungsgemäß lange nichts mehr geschrieben, aber ich freu mich gerade darüber, dass am 9. August Verplant & Zugestellt erscheint. Ich war zwar nicht der Produktmanager des Spiels (das schon vor meiner Zeit im frechverlag angenommen worden war), aber konnte hier und da dazu beitragen. Und ich glaube, ganz und gar nicht neutral, dass es richtig gut geworden ist und ein bisschen Aufmerksamkeit gebrauchen könnte.

Verplant & Zugestellt

Verplant & Zugestellt ist ein Spiel von Steffen Hacker, in dem Ihr Räume, Wohnungen oder ganze Gebäude einrichten sollt. Ihr habt jeweils einen Auftrag, den es zu erfüllen gibt. Aber leider will die Kundschaft meistens viel zu viel, und das passt alles gar nicht zusammen. Da heißt es Kompromisse schließen und auch mal einen Wunsch zu ignorieren, damit das Gesamtbild stimmt. Die Kunst dabei ist es, die nötigen Freiflächen (also die Bereiche, die frei bleiben müssen, damit alle Möbel erreichbar sind) möglichst gut einzusetzen.

Auslage für das Szenario „Der Proberaum im alten Schuppen“

Reihum deckt Ihr Möbelkarten auf, von denen Ihr zunächst nur eine grobe Beschreibung habt, so wie „großer Schrank“ oder „kleiner Tisch“ oder sowas. Auf der Rückseite gibt es dann verschiedene Formen, und wer dran ist, bestimmt, welche Form in den vor Euch liegenden Grundriss eingetragen werden muss. Besonders gern werden da solche gewählt, die ausgerechnet in Deine Planung nicht mehr reinpassen.

Die dazu passende Seite aus dem Auftragsbuch

Im Spiel gibt es 25 Aufträge mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen, von denen jeweils ein paar durch eine kleine Geschichte verbunden sind. Die Aufträge sind auch alle mehrfach spielbar, das ist also kein einmaliger Spaß.
Wer sowas wie Flip-&-Write-Spiele mag, ist hier gut aufgehoben, weil es thematischer ist als die meisten Spiele des Genres. Ich hoffe, Ihr guckt es Euch mal an. 🙂

Ich war leider nicht skrupellos genug, um den Einbau der Musikanlage in den Schuppen meiner Tochter zu verhindern… so hat es nur zu einem Gleichstand gereicht.