Globale Politik und lokale Bilder

Während einer Überlandtour von Indien nach Deutschland habe ich Anfang 1995 auch den Iran durchquert. Von den vielen Ländern, die ich bereist habe, gehörte der Iran dabei sicher zu denjenigen, die mich am meisten überrascht haben. Überrascht nicht nur, weil er sich so enorm von dem Bild unterschied, das man zu dieser Zeit gemeinhin in Deutschland hatte (und vielleicht heute noch hat), sondern auch von dem Iran, das in unserem damals knapp zwei Jahre alten Reiseführer beschrieben war. Vor allem aber, weil ich beim Übergang aus Pakistan nach Iran so ein ganz klein wenig das Gefühl hatte, von Asien nach Europa zu kommen (sicher mehr als später irgendwo in Istanbul).
Im Iran fiel es uns damals im Großen und Ganzen leicht, mit fremden Leuten in Kontakt zu kommen (auch deshalb, weil recht viele Leute gut Deutsch konnten). Aber es waren natürlich Zufallsbegegnungen. Wie gern hätte ich damals schon die Gelegenheit gehabt, einfach in ein Spielecafé zu gehen und mit den Einheimischen zu spielen! Im unwahrscheinlichen Fall, dass ich in meinem Leben noch einmal in den Iran reisen kann, werde ich das aber ganz sicher nachholen wollen, denn mittlerweile sind solche Cafés offenbar einigermaßen verbreitet.

Wie ich darauf komme? Das liegt an Bruno Faidutti und Alireza Lolagar. Bruno Faidutti dürfte hier den meisten ein Begriff sein, eventuell wegen seines Blogs, zumindest aber für seine Spiele, und davon sicherlich zuallererst für Ohne Furcht und Adel (international als Citadels bekannt). Vor einigen Wochen hatte Faidutti angekündigt, dass dieses legendäre Spiel nun im Iran mit neuer Grafik aufgelegt würde.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, November 2018

Zurück in der Normalität – während ich die ersten Messe-Neuheiten ausprobiere, haben sich wieder ein paar Lateinamerika-Nachrichten angesammelt. Viel Spaß beim Lesen.

Argentinien

Dragqueens hatte ich als Spielthema noch nicht gesehen, glaube ich. Das hat sich vor Kurzem geändert, denn zur Zeit läuft eine Crowdfunding-Kampagne für Las Divas von Mariano Medina Gouguet (im Selbstverlag). Laut Cover geht es nicht darum, eine Dragqueen zu sein… sondern die BESTE. Es gibt verschiedene Dragqueens mit verschiedenen Zielen, von denen man eine verdeckt zieht. Die eine möchte viele Kameras auf sich gerichtet sehen, eine andere Ruhm, wieder eine andere möchte die anderen schlecht machen. Es gibt eine kleine Zahl von verschiedenen Karten mit unterschiedlichen Funktionen, die man zieht und ausspielt. Wer zuerst sein persönliches Ziel erreicht, gewinnt. Illustriert wurde Las Divas von David Salamanca R.. Weiterlesen

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Drei Tage im Oktober – ein kurzer Messerückblick auf Essen 2018

So kurz nach der Messe bin ich noch nicht in der Lage, größere Artikel zu verfassen. Daher nur mal eben ein kurzer Rückblick, bevor es dann nächste Woche wie gewohnt weitergehen soll.

Die drei Tage, die ich dieses Jahr zur Verfügung hatte, waren pickepackevoll. Ich hatte nur sehr wenig Gelegenheit, einfach so zu stöbern, aber das kann ich angesichts der wunderbaren Begegnungen und Eindrücke einigermaßen verschmerzen. Es entgehen einem ja immer einige Perlen, aber ich glaube, ich war auf die Sachen, die mir wirklich wichtig waren, einigermaßen vorbereitet. Also habe ich eine Menge Spiele mitbringen können – hier ein paar Bilder:

Das waren die Spiele, die ich ganz normal neu gekauft habe.

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Landwirtschaft im Ruhrgebiet

Ja ja, ich weiß, Ihr assoziiert den Ruhrpott eher mit rauchenden Schloten und kohleverschmierten Bergarbeitern. Aber an diesem Wochenende lohnt sich ein Besuch dort vielleicht auch mal für die Leute, die mehr auf Viehzucht als auf Schwerindustrie stehen. Denn auf der Messe in Essen wird Blöde Kuh von Florian Racky der Öffentlichkeit vorgestellt, bei dem man sich mit Nutztieren herumplagt. Da mir die Drei Hasen in der Abendsonne schon vor einigen Wochen ein Exemplar zugeschickt hatten, hatte ich die Gelegenheit, das immer mal wieder zu spielen und möchte es Euch noch mal ans Herz legen. Weiterlesen

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Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 5)

Ich hatte eigentlich wirklich nicht vorgehabt, meine Vorschau auf fünf Artikel ausdehnen zu müssen. Aber als die Ausstellerliste online ging, waren natürlich sämtliche Pläne wieder über den Haufen geworfen, denn da standen noch eine Menge asiatischer Verlage drin, die mir bisher nirgends über den Weg gelaufen waren.

Ich fange jetzt aber trotzdem mit einem Spiel aus Europa an, das mir wegen seiner frischen Thematik ins Auge gesprungen ist, und zwar mit First Contact von Damir Khusnatdinov. Da sind nämlich Aliens im alten Ägypten gelandet und wollen gern landestypische Souvenirs erwerben. Leider gibt es dabei ein Problem, nämlich das der Verständigung. Die Einheimischen sind durchaus hilfsbereit, aber unsicher, was diese fremden Götter gern haben wollen. Die Spieler*innen teilen sich auf die beiden Parteien auf. Nun lernt jede Partei die Hieroglyphen der anderen (die in jedem Spiel neu verteilt werden). Als Alien versucht man, zuerst drei begehrte Gegenstände zu erhalten, als Erdling versucht man, den Aliens möglichst viele passende Gegenstände zu geben. Am Ende gewinnt aus jedem Team ein*e Spieler*in. Das ganze hat einen kleinen Codenames-Touch und klingt wunderbar schräg. Das möchte ich mir gern mal in Aktion ansehen – und das mache ich bei Cosmodrome am Stand 4-G114. Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Oktober 2018 (Teil 2)

Durch die viele Arbeit, die ich in die Vorschau-Artikel zu Essen gesteckt habe, sind meine Recherchen über lateinamerikanische Spiele ein bisschen zu kurz gekommen. Aber ein paar Sachen habe ich doch gefunden, und falls mir was durchgerutscht ist, versuche ich, es dann im November nachzureichen.

Mexiko

Aus Mexiko kommt ein aktuelles Kickstarter-Projekt namens Weapon Wars, das das Finanzierungsziel schon erreicht hat, aber noch eine Weile läuft. In Weapon Wars bekämpfen sich Cosplayer*innen mit ikonischen Waffen, vom Löffel übers Kopfkissen bis zu Nerf Guns bis hin zu was weiß ich. Man greift immer die Person zur Linken an und hofft, dass diese den Angriff nicht abwehren kann und man ein verpixeltes Herz von ihr bekommt. Wer zuerst drei Herzen gesammelt hat, gewinnt die Partie. Natürlich gibt es einen Haufen Sonderkarten, mit dem man den Ablauf manipulieren kann. Das Video zur Kampagne fand ich ziemlich lustig. Vielleicht habt Ihr ja Lust, mal reinzugucken. Der Autor heißt Carlos David Perez Tovar, der Verlag ist Lodus Games und die Illustrationen stammen von Rodrigo Gil.  Weiterlesen

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Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 4)

Vielleicht habe ich mich mit meinem Plan, zumindest die Spiele vorzustellen, die aus Asien und Lateinamerika kommen, ein bisschen übernommen. Jedes Mal, wenn ich denke, jetzt sollte ich alles erwischt haben, finde ich weitere Verlage. Ich komme kaum noch hinterher. Ich werde auf jeden Fall noch einen fünften Teil nachschieben müssen… der kommt dann irgendwann nächste Woche, mit den noch fehlenden Verlagen aus der offiziellen Ausstellerliste (zumindest denen, bei denen mir eine Kontaktaufnahme gelingt).

Über einen brasilianischen Stand hatte ich ja schon berichtet, aber es wird noch einen weiteren geben, nämlich den von Conclave Editora (4-I103). Die kommen vor allem mit dem Spiel Gnomopolis von Igor Knop and Patrick Matheus (€40). Hier bauen die Spieler*innen eine Gnom-Siedlung. Die Gnome ziehen sie in Form von Gnomeeples aus einer Tasse und setzen sie ein, um Gebäude zu aktivieren, neue Gebäude zu errichten oder die Zusammensetzung des Tasseninhalts zu verändern. Wer am Ende die am besten funktionierende Siedlung errichtet hat, gewinnt das Spiel, das von Marcelo Bastos und Patrick Matheus illustriert wurde. Vorbestellen könnt Ihr es hierNeben Gnomopolis bringt Conclave noch mindestens drei weitere Spiele als Demo-Exemplare mit, nämlich das von mir schon mal angekündigte A Fuga da Torre von Daniel Alves und Eurico Cunha Neto, Soberano von Lincoln Castro, ein minimalistisches Deckbauspiel, bei dem man Einfluss auf zwei mächtige Familien zu erlangen sucht, um den vakanten Königsthron besteigen zu können, sowie die erfrischend kurze Fußballsimulation Revanche von Ron Halliday, die dieser in Brasilien schon in Kleinstauflage im Selbstverlag herausgebracht hat und die nun endlich in einem größeren Rahmen erscheinen soll. Ich habe von einer Reihe Leute viel Lob darüber gehört, darum bin ich darauf sehr neugierig. Das Bild stammt noch von der Erstauflage, ein neues Cover gibt es noch nicht. Weiterlesen

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Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 3)

In diesem dritten Teil schreibe ich noch mal was über weitere Stände aus Asien, die mich interessieren. Einen vierten und wahrscheinlich fünften Teil wird es auch noch geben, denn gerade asiatische Stände entdecke ich immer noch am laufenden Band. Aber danach wird es auch irgendwann mal Zeit, sich einfach nur noch auf die Messe zu freuen. 🙂

Den indonesischen Pavillon, der unter dem Namen Archipelageek an Stand 3-Q106 zu finden sein wird, hatte ich ja hier im Blog schon angekündigt. Dort sind so viele Spiele zu finden, dass es mir ganz schwer fällt, eine enge Auswahl zu treffen. Da ich Bluffspiele mag, interessiert mich Bluffing Billionaires von Darwin, Desyanto Lie, und Nata Chen (€20), bei dem Superreiche mit ihrem Reichtum einerseits angeben, ihn andererseits aber auch mehren wollen. Mittlerweile habe ich das Spiel übersetzt, das wird es also auch auf Deutsch geben. Math Cat (€10) stammt von Senno Adi und Ergiena Tria Siani, ist bei Hompimpa erschienen und könnte was für meine Kinder sein, aber da muss ich mir erst mal den Schwierigkeitsgrad angucken. Aus irgendeinem Grund zieht mich auch Flipeek: Medieval (€20) an, das von Lovita Darwin und Febndy Kwik entwickelt wurde und bei Coralis erschienen ist. Es ist ein sehr kurzes Memory-Spiel, bei dem man jeweils Aufträge erfüllen muss. Kurze Spiele sind bei mir ja ohnehin immer willkommen. Es gibt übrigens auch einen Solitärmodus. Flipeek: Medieval kann man hier vorbestellen.  Weiterlesen

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Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 2)

Im zweiten Teil meiner Essen-Vorschau geht es um Spiele aus Taiwan. Zu Taiwan habe ich eine besondere Beziehung, da gucke ich besonders genau hin. „Leider“ kommen mittlerweile viel zu viele Spiele aus Taiwan, als dass ich alle ausprobieren könnte. Auch  mischen sich die Nationalitäten längst – es kommen Spiele von Autor*innen aus anderen Ländern aus Taiwan – nicht mehr nur aus Japan. Aber interessant finde ich trotzdem vieles, und ich habe zumindest versucht, mir einen Überblick zu verschaffen. Also, auf geht’s:

Taiwan Boardgame Design (TBD) ist, wie das auch bei Japon Brand der Fall ist, ein Zusammenschluss von taiwanischen Verlagen, die einen gemeinsamen Stand in Essen betreiben (5-C122). Aus diesem Stand sind in den letzten Jahren immer wieder Perlen hervorgetreten, und ein genauerer Blick lohnt allemal. In diesem Jahr sind gefühlt mehr große Spiele dabei als in den letzten (ich selbst stehe ja mehr auf kleinere Sachen, und mein Budget reicht auch kaum dafür, mehrere größere Sachen zu kaufen). Aber auch für die großen Schachteln finden sich ja immer viele Interessent*innen, also wollen wir mal gucken:
Am meisten lockt mich persönlich Dice Fishing (€18) von Satoru Nakamura, obwohl ich ja eigentlich gar kein so großer Würfelspieler bin. Es gibt eine Art Versteigerungsmechanismus, bei der man damit bietet, mit wie wenigen Würfeln man ein bestimmtes Ergebnis erreichen zu können glaubt. Bei Push Your Luck werde ich leicht schwach, solche Spiele mag ich einfach. Dice Fishing erscheint bei Homosapiens Lab. Cat Rescue von Ta-Te Wu erscheint bei Sunrise Tornado Studio und ist in zwei Versionen erhältlich, einer kompakt eingetüteten für €8 und einer schicken mit Schachtel für €13. Es ist ein kooperatives Spiel, bei dem man streunende Katzen versorgt, in ein Tierheim bringt und dann zur Adoption vermittelt. Wer es vorbestellt, bekommt noch einen rosa Katzenmeeple dazu. Auch Zong-Hua Yangs Spiel mit dem schlichten Namen Taiwan (Good Game Studio, €42) zieht mich an, obwohl es mir am Ende wahrscheinlich zu groß sein wird. Aber immerhin geht es um die Entwicklung Taiwans nach dem zweiten Weltkrieg, und ein Spiel aus Taiwan über Taiwan finde ich natürlich spannend, weil ich selbst mal zwei Jahre dort gewohnt habe. Das sind so die Sachen, die mich am meisten interessieren, aber das ist noch lange nicht alles, was es am TBD-Stand zu entdecken geben wird. Wer mehr über die vielen anderen Spiele wissen will, kann sich auf der Vorbestellungsseite umsehen, wo es auch noch ein paar Spiele aus dem letzten Jahr zu ergattern gibt. Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika – Oktober 2018

Argentinien

Das Autorenkollektiv Maldón ist für die oft ziemlich spektakuläre Gestaltung seiner Spiele bekannt, die es im gleichnamigen Verlag herausbringt. Also werde ich gleich hellhörig, wenn es bei Maldón was Neues gibt. Da wundert es mich fast, dass ich im Sommer das Erscheinen von El Camarero verpasst habe – das muss ich hier gleich mal nachreichen. In diesem Spiel hat jede*r Spieler*in einen Satz Karten und macht daraus mit lauter Stimme die Bestellung eines Fünf-Gänge-Menüs. In der Tischmitte liegen dann acht Karten aus, und reihum ist man Kellner und muss entweder Karten den Gästen zuordnen, die das Entsprechende bestellt haben, oder aber Dinge in die Küche zurücktragen, die niemand haben möchte. Allerdings steht da auch noch eine Tischklingel, und wer einen Fehler bemerkt, haut unerbittlich drauf, sodass der Kellner einen Beschwerdechip erhält. Am Ende gibt es Punkte, wenn die eigene Bestellung erfüllt wurde (wurde sie in die Küche gebracht, hätte man sich beschweren müssen) und Abzüge für unerfüllte Bestellungen und Beschwerdechips. Klingt nach einem stimmungsvollen Partyspiel. Hier gibt’s die Anleitung als Video.  Weiterlesen

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