Über den Wolken…

… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. So sang einst Reinhard Mey, und so sah es offenbar auch Andrew Miller und nahm sich sehr viele Freiheiten bei der Erschaffung seines Spiels The Cloud Dungeon (Das Wolkenverlies).

Wie wahrscheinlich eine Menge anderer Leute hier habe ich in meiner Jugend gelegentlich so Solo-Abenteuer-Bücher gelesen, wo man hier und da Entscheidungen trifft, die einen dann auf eine bestimmte andere Seite führen, sodass man gegebenenfalls immer wieder eine andere Geschichte erleben kann. Weil diese Art von „Choose your own Adventure“-Büchern in letzter Zeit wieder populärer zu werden scheinen, hatte ich mir vor ein paar Monaten mal zwei davon bestellt. Nachdem ich das erste durchgespielt hatte, war ich doch arg ernüchtert – das war stinklangweilig, atmosphäre- und spannungsfrei. Von sowas wie sprachlicher Finesse konnte erst recht keine Rede sein. Die Vorstellung, das dann noch mal anzufangen, um eine andere Variante der Geschichte zu erleben, lag mir fern. Das zweite habe ich noch gar nicht ausprobiert und bin auch nicht mehr so sehr sicher, ob ich das überhaupt tun sollte.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Juli 2018

Argentinien

Die erste Auflage des Spiels Bariesus von Marcos Mignola erschien bereits 2014, jetzt gibt es eine zweite Auflage bei juegosdemesa.com.ar. Die Bariesus sind mächtige Magier, die die Elemente manipulieren können. Sie versuchen, eine bestimmte Zahl von Gebieten zu erobern, indem sie Armeen von Wasser, Feuer, Luft und Erde heraufbeschwören und aufeinanderhetzen, was durch das Ausspielen von Karten geschieht. Aus den eroberten Landstrichen ziehen sie nun Steuern, mit denen sie weitere Söldner anheuern können. Wenn niemand den Kampf innerhalb von 20 Runden entscheiden kann, zerstört der Gott Kasdail das Universum, was sich eher unvorteilhaft auswirkt. Illustriert hat diese Vorstufe der Apokalypse Samanta Armonelli. Weiterlesen

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Kaum Hoffnung für die Eisbärbabys

Meine letzten Besuche in Zoos sind einige Jahre her, aber ich erinnere mich sehr gut an eine Fahrt in den Zoo in Hannover, bei dem mir vor allem ein Eisbär in Erinnerung geblieben ist. Man kann da in einen Raum gehen, der teilweise unter der Wasseroberfläche liegt und den Eisbären beim Schwimmen zusehen. Dieser eine Eisbär kam gelegentlich an die Scheibe, und seine enorme Pranke hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Das hat mein Bild von Eisbären seither ziemlich dominiert. In der Öffentlichkeit scheinen dagegen zwei andere Blickwinkel vorzuherrschen: der vom süßen Eisbärbaby und der von der durch abschmelzende Polkappen bedrohten Tierart. Von Pranken ist in Rescue Polar Bears – Data & Temperature denn auch wenig zu sehen, stattdessen tun sich die Spieler/innen zusammen, um den Fortbestand der süßen Eisbären in einer schmelzenden Umgebung zu sichern.
Eine erste Version des Spiels namens Rescue Polar Bears erschien 2016 im chinesischen Verlag Boxed Lightning Games. 2017 wurde das Spiel bei TwoPlus in Taiwan überarbeitet und unter anderem in Essen verkauft. Im Frühjahr gab es dann noch eine Kickstarter-Kampagne bei Mayday Games in den USA, die das Spiel ungefähr jetzt ausliefern dürften. In Deutschland ist es beim Nicegameshop erhältlich.

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Twixt ist allen Ernstes auf Kickstarter gelandet.

Gestern ist eine Kickstarter-Kampagne für eine Neuauflage von Alex Randolphs Klassiker Twixt gestartet. Das könnte man begrüßen, denn einige alte Spiele sind bis heute gut und man würde sich wünschen, sie wären weiterhin erhältlich. Leider ist das hier aber alles andere als ein gewöhnlicher Fall. Der neue Verleger, Wayne Dolezal, hat nämlich ein Schlupfloch im amerikanischen Rechtssystem ausgenutzt und sich Copyright- und Trademark-Rechte1  für Twixt gesichert. Es gibt also keine Einigung mit dem Erben von Alex Randolph, Michael Katz. Das Thema hatte im letzten Jahr schon längere Diskussionen ausgelöst, und ich gehörte zu den Leuten, die sich dachten, dass Dolezal einen Rückzieher machen könnte, sobald klar genug wäre, dass die internationale Spieleszene so etwas nicht goutiert. Nun scheint es aber so zu sein, dass Dolezal sich darum in keiner Weise schert. Wäre er von Anfang mit dem Angebot an Michael Katz herangetreten, eine Neuauflage des Spiels zu verlegen, hätte es womöglich eine Einigung geben können. Nun aber stehen sich die beiden Lager unversöhnlich gegenüber, was teilweise zu bizarren Konstruktionen geführt hat: Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Juni 2018 (Teil 2)

Tja, da hatte ich mir gerade selbst auf die Schulter geklopft für meine gute Idee, doch ab jetzt monatlich solche Überblicksartikel herauszubringen, da muss ich schon wieder feststellen, dass nicht mal das ausreicht. Mittlerweile finde ich derartig viele Spiele, dass die Artikel endlos zu werden drohen. Und erstens liest sie dann niemand mehr ganz, und zweitens frisst das auch so viel Zeit, dass ich erheblich gestresst wäre, wenn ich zwischendurch noch sinnvolle andere Dinge schreiben wollte. Daher sieht es so aus, als würde ich meine „Neue Spiele aus Lateinamerika“-Artikel von nun an am 1. und am 3. Montag im Monat veröffentlichen. Also unter anderem heute. Mal sehen, ob sich das bewährt.

Argentinien

Maipú 1818Ich hatte hier schon verschiedentlich angemerkt, dass ich durch Spiele so einiges über südamerikanische Geschichte erfahren habe. In diese Kategorie gehört auch die Schlacht von Maipú, in der 1818 die spanischen Kolonialtruppen gegen ein chilenisch-argentinisches Heer verloren und sich anschließend aus Chile zurückziehen mussten. Die Umarmung der beiden siegreichen Heerführer gilt als Geburtsstunde des unabhängigen Staates Chile. Zum 200. Jubiläum der Schlacht gibt es nun auch die spielerische Simulation Maipú 1818 von Miguel García und Gerardo Montenegro, die bei Alquimia Creativa erschienen ist. Die Spieler*innen mit verschiedenen Truppen durch die Gegend und bekämpfen sich dann mit 2d6, wobei sie je nach Art der Truppe und je nach Befehlshaber verschiedene Modifikationen bekommen. Die Gestaltung stammt von Sabina Mangiavacchi. Weiterlesen

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Göttinger Spieleautorentreffen 2018 – ein Rückblick

Unter den sehr vielen guten Spieleveranstaltungen eines Jahres gibt es für mich drei Fixpunkte, die ich nur im äußersten Notfall verpasse. Die Spielwarenmesse in Nürnberg im Februar und die Spiel in Essen im Oktober verstehen sich von selbst. Der dritte Fixpunkt ist das Göttinger Spieleautorentreffen, das seit Urzeiten am ersten Juni-Wochenende stattfindet. Ich habe hier im Blog schon mal was drüber geschrieben, das will ich jetzt nicht alles nochmal aufwärmen. Aber diese älteste und wohl immer noch weltweit größte Veranstaltung ihrer Art war mit rund 350 Leuten am Samstag sensationell besucht (die Tische waren erstmals ausgebucht, auch wenn am Ende durch einige Absagen doch ein paar Tische leer blieben). Die Stadthalle stößt an ihre Kapazitätsgrenze, aber die wird im nächsten Jahr ohnehin grundsaniert, sodass wir in die wesentlich größere Lokhalle umziehen müssen (und deshalb das Treffen auch in den Juli hineinverlegt wird – immerhin ist dann die UK Games Expo vermutlich nicht parallel dazu, was sicherlich diesmal einige Verlage zu einem ziemlichen Spagat gezwungen hat). Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Juni 2018

Nachdem der letzte Artikel sehr umfangreich geworden ist, habe ich beschlossen, von nun an eine feste Rubrik „Neue Spiele aus Lateinamerika“ einzurichten (es ist ja doch immer viel Recherche dabei). Bis auf Weiteres ist jetzt der erste Montag im Monat dafür reserviert. Ob das gut klappt, wird sich zeigen, wahrscheinlich werden die Artikel sehr unterschiedlich lang werden, je nachdem, was mir so vor die Füße fällt. Da bin ich selbst gespannt. Aber jetzt fange ich erstmal so an.
Vorweg ein Hinweis darauf, dass ich eine Übersichtsseite über die lateinamerikanischen Verlage eingerichtet habe. Das war eine ziemliche Arbeit, aber wer zufällig nach Lateinamerika unterwegs sein sollte, kann sich ja die Verlage aus dem enstprechenden Land vorher mal genauer ansehen und überlegen, wonach es sich Ausschau zu halten lohnt. Ergänzungen und Korrekturen sind willkommen, wenn jemand noch was weiß, aber ich finde auch selbst ständig noch was.

Argentinien

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Auf dem Blätterpfad durch den Mülldschungel

Die drei R („Reduce, Reuse, Recycle“ / Reduzieren, Wiederverwenden, Recyclen) sind ja so ein Motto für den sparsamen Umgang mit den knappen Ressourcen unserer Erde. Auf politischer Ebene habe ich eher das Gefühl, dass eine aktuelle Sau durchs Dorf getrieben wird, die es ganz bequem macht, die anderen Probleme zu ignorieren. Hier und da wird ein bisschen rumgedoktert, was vielleicht auch besser ist als nichts, aber ein ganzheitliches Konzept scheint es nicht zu geben. Am Ende kommt es dann doch stark auf jeden und jede Einzelne/n an. Manche Menschen bemühen sich redlich und mehr oder weniger erfolgreich darum, andere ordnen es anderen Interessen unter und wieder andere sind sich des Problems und seiner Lösungen vielleicht gar nicht bewusst. Ob Letzteres in Kolumbien stärker ausgeprägt ist als hierzulande, vermag ich nicht zu beurteilen, aber zumindest erschien es für Mariacaro Aldana ein drängendes Problem zu sein, sodass sie ein Spiel namens Eco-Marketing entwickelt hat, das eine größere Souveränität im Umgang mit Abfällen vermitteln soll. Sie hat es mir letztes Jahr zur Messe in Essen zukommen lassen, und ich möchte jetzt ein bisschen darüber erzählen.

Eco-Marketing

Das Spiel kommt in einer ungewöhnlichen Verpackung daher, nämlich einer zugeknöpften Tasche. Mal was anderes.

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Weiß statt Rosa

Als ich 2005 unverhofft die Gelegenheit bekam, von Taiwan aus mal nach Japan zu reisen, fiel das auch noch mit der berühmten Kirschblütenzeit zusammen. Zumindest soweit, wie man die vorhersagen konnte. Es handelt sich bei dieser ganzen Geschichte nämlich um ein Naturereignis, das man nicht so gut Monate im Voraus im Kalender eintragen kann. Aber ich war guter Dinge. Und dann sah ich sie tatsächlich vor mir, eine einzige weiße Pracht… Moment mal, sollten diese Blüten nicht eigentlich eher rosa sein? Das ist ja Schnee! In einem Meter hohen Verwehungen! Wie sollen denn da die Kirschbäume blühen?
Nun ja, haben sie auch nicht – noch nicht. Ich war einerseits zu früh dran und andererseits vielleicht zu viel in den Bergen unterwegs, wo es eher kälter sein dürfte als anderswo. Toll war die Reise trotzdem, auch wenn ich nicht die volle Punktzahl einstreichen konnte.

Punkte? Was denn für Punkte? Nun ja, die Japaner/innen verteilen für das Erblicken besonders schön blühender Bäume Punkte. Zumindest im Kartenspiel Sakura Hunt von Yu Maruno, das letztes Jahr in Essen den Weg in meine Sammlung fand. Man versucht darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und das sogenannte Hanami zu feiern, das ist so eine Art Picknick mit Kirschblütenbetrachtung. Jede/r Spieler/in kann das an vier verschiedenen Orten tun und das möglichst zur idealen Zeit, denn stehen die Bäume noch nicht in voller Blüte, taugt das Ganze noch nicht viel, sind sie schon verblüht, auch nicht.

Sakura Hunt

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Spieleautorentreffen 2018

Am 2. und 3. Juni ist in Göttingen ja wieder das Göttinger Spieleautorentreffen. Satte 180 Tische für Autorinnen und Autoren sind gebucht, damit ist die Kapazitätsgrenze erstmals erreicht. Wunderbar, ich freue mich schon riesig drauf, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen und neue kennenzulernen.

Für den Sonntag, den öffentlichen Teil, hat mein Freund Till Teenck ein (wie ich finde) sehr schönes Plakat entworfen. Wer aus Göttingen oder der näheren Umgebung kommt, ist sehr willkommen. Eine Reihe Autorinnen und Autoren ist zwar nur am Samstag da, aber da in den letzten Jahren die Vertreter/innen einiger Verlage nur sonntags gekommen sind, wird sich das hoffentlich irgendwann auch ändern. In jedem Fall dürfte es noch eine Menge zu sehen geben.

Spieleautorentreffen 2018

 

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