In Quarantänezeiten fehlt mir ja die Möglichkeit, viel außer Haus zu spielen. Deshalb gibt es heute auch keine Rezension zu einem obskuren Spiel aus Lateinamerika zu lesen, sondern zu unserem aktuellen Familiendauerbrenner: Heul doch! Mau Mau von Leo Colovini. Nach über 50 Partien, meist in der Familie, habe ich jetzt das Bedürfnis, meiner Wertschätzung für dieses Spiel Ausdruck verleihen.
Archiv der Kategorie: Rezension
Katteni Shiyagare: Wenn Vornüberkippen die einzige Hoffnung ist
Eric Martin, ein von mir besonders geschätzter Spielejournalist, prägte 2015 in seinem Bericht über seinen Besuch auf dem Tokyo Games Market den Begriff „sexy games“, und dabei bezog er sich explizit auf Spiele des vierköpfigen japanischen Autor*innenkollektivs team SAIEN. Leider hat sich der Begriff nicht auf breiter Front durchgesetzt, aber ich gehöre immerhin zu den Leuten, die ihn noch hier und da benutzen. Gemeint sind Spiele, die einen durch ihr Spielmaterial einfach magisch anziehen, auch wenn man noch gar nicht weiß, worum es dabei geht. Das mag jede*r ein bisschen anders interpretieren, aber viele SAIEN-Spiele gehören allemal dazu. So auch Katteni Shiyagare, eigentlich ein Mikrospiel, das aus nur zehn Elementen besteht. Da das aber zehn massive Holzklötze sind, ist der Holzkasten, in dem es geliefert wird, nicht mehr unter Mikrospielen einzuordnen. Im Herzen ist es trotzdem eins.

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Gefangen in der Endlosschleife
Ich hatte mich hier ja neulich recht angetan von Loup Garou gezeigt, einem Abenteuerbuch im Graphic-Novel-Format. In der Reihe, in der das erschienen ist, gibt es eine ganze Menge solcher Bücher, von verschiedenen Autor*innen und mit verschiedenen Themen. Nach der positiven Erfahrung habe ich mich dann mal an eine deutsche Ausgabe eines solchen Buches gewagt, nämlich an Gefangen!, das mir allenthalben sehr empfohlen worden war. Ob ich die Begeisterung teilen konnte, erfahrt Ihr sogleich.
Noch eine taiwanische Perle: Guess Club
Wie kann man diesen Zeiten, in denen jährlich tausende von Neuheiten erscheinen, auch nur die Hoffnung haben, das Richtige für sich zu finden? Es gibt so viele Rezensionen auf allen Kanälen – auch das sind mehr, als ein Mensch auch nur ansatzweise sichten kann. Ich tue (gerade vor der Messe) mein Bestes, um mich umfassend zu informieren. Aber mein Budget ist sehr begrenzt, sodass ich nicht auf jede Empfehlung reagieren kann. Zum Glück gibt es eine kleine Handvoll Leute, deren Tipps ich fast blind vertraue, weil unser Geschmack doch große Überschneidungen aufweist. Aus einer solchen Quelle erfuhr ich vor der Messe 2019 von einem Spiel namens Guess Club von Sky Huang, das bei Broadway Toys in Hongkong erschienen war. Das klang so attraktiv, dass ich dann in Essen zugeschlagen habe, was eine gute Wahl war – Guess Club ist eins unserer Highlights von der Messe geworden.

Worum geht‘s?
Werwölfe in Nöten
Vor einer Weile hatte ich bei Boardgamegeek mal ein Spielebuch namens Loup Garou gewonnen. Es ist so ein Spielbuch, bei dem man von Szene zu Szene selbst entscheiden kann, wo man hin will. Allerdings in Form einer Graphic Novel. Ich muss dazu sagen, dass ich mir vor ein paar Jahren mal eine Handvoll solcher Fantasy-Spielbücher antiquarisch gekauft hatte, um zu sehen, ob die heute noch was taugen. Was ich da in die Finger kriegte, war allerdings (mit Ausnahme eines lustigeren Werks) nicht nur literarisch übel, sondern auch so strunzlangweilig, dass mir die Vorstellung, nach bestandenem „Abenteuer“ einen andere Weg ausprobieren zu wollen, völlig aberwitzig vorkam. Ich hatte mit dem Genre also schon ein bisschen abgeschlossen (ohne zu wissen, welche Highlights ich da möglicherweise noch verpasst haben könnte), als mir Loup Garou in die Hände fiel. Für diejenigen, deren Schulfranzösisch sich in anderen Themen erschöpft hat: Das ist die französische Bezeichnung für Werwolf. Und obwohl mir auch diese Thematik erstmal eher fremd ist: Das hat sich gelohnt.

Worum geht’s?
Gone Fishing – ein Angelspiel im 21. Jahrhundert
Magnetische Angelspiele, bei denen man mit seiner Angel hinter einem Sichtschirm versteckte, mehr oder weniger wertvolle Fische herausholt, gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Spielerisch sind sie langweilig, ihr Spannungslevel ist nicht höher, als wenn man Lose zieht. Sie leben allein von ihrem Spielmaterial. Das sich aus dieser Grundidee auch noch wesentlich mehr herausholen lässt, beweist Gone Fishing von Happy Baobab, und das ganz ohne Magnete. Der Verlag hatte mir im letzten Jahr in Essen netterweise ein Rezensionsexemplar überlassen. Der (koreanische) Autor von Gone Fishing nennt sich Ehail und ist zuvor nur durch zwei Sportspiele in Erscheinung gestreten.
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Reist gemeinsam zum 50. Level
Ich hatte ja in meinem Messerückblick schon Die Crew erwähnt, das die Fairplay-Scoutwertung gewonnen hatte und sicherlich zu den aufsehenerregendsten Spielen des Jahrgangs gehört. Mittlerweile habe ich es so oft gespielt, dass ich mir eine Rezension zutraue, wenn auch mit einer Einschränkung: Ich habe es nicht zu fünft ausprobiert. Normalerweise versuche ich für eine Rezension, alle möglichen Besetzungen zumindest einmal zu spielen, aber für Die Crew mache ich eine Ausnahme: Ich erzähle hier fast ausschließlich etwas über das Spiel zu dritt, und vielleicht noch darüber, warum es mir ein bisschen egal ist, wie es sich zu mehr Leuten spielt.

Worum geht’s?
Die Crew ist ein kooperatives Stichspiel, bei dem man sich durch 50 Missionen Reist gemeinsam zum 50. Level weiterlesen
Saturn ist nicht der einzige Himmelskörper mit Ringen
Jedes Jahr erscheinen in Japan Hunderte von neuen Spielen – die meisten allerdings in sehr kleiner Auflage, sodass normalerweise bestenfalls eine Handvoll Exemplare außer Landes gelangen. Einige wenige Spiele werden außerhalb Japans bekannt, aber nur ein japanischer Verlag dürfte Spielefans, die sich nicht speziell mit der dortigen Spieleszene beschäftigen, durch seinen Stil aufgefallen sein, nämlich Oink Games, die mit ihren kompakten Schachteln und klaren Farben mittlerweile sehr bekannt geworden sind. Mit itten hat in meinen Augen nun ein zweiter Verlag das Potential dazu, einen solchen Status zu erreichen. Vor drei Jahren hatte er mit Tokyo Highway viel Aufsehen erregt, einem Spiel, das sich der Frage entzog, ob es nun mehr ein Taktik- oder mehr ein Geschicklichkeitsspiel sein sollte. Und so habe ich den Eindruck, dass itten immer wieder versucht, solche Grenzen zu überschreiten und mit schönem und ungewöhnlichen Spielmaterial besondere Spielerlebnisse zu ermöglichen. Eine Ausnahme bildet allenfalls das Legespiel Hatsuden. So war ich auch gleich interessiert, als ich gefragt wurde, ob ich in diesem Jahr für itten Regeln ins Deutsche übersetzen würde.
Eins der Spiele, das ich auf diese Weise bearbeiten soll, heißt Moon Base und ist wie alle itten-Spiele von Naotaka Shimamoto. Ich habe es bereits vom Verlag bekommen und ausprobieren können. Hier kommt meine Einschätzung dazu.

Worum geht’s?
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Sherlock: Morde auf dem Wohnzimmertisch
Durch Zufall bin ich an vier Fälle aus der Sherlock-Reihe von Martí Lucas Feliu und Josep Izquierdo Sánchez geraten, die auf Deutsch bei Abacus erschienen sind. Das erscheint mir ausreichend, um mal was über die Reihe zu schreiben. Da man die einzelnen Fälle jeweils nur einmal spielen kann, entfällt das Ausprobieren mit verschiedener Spieler*innenanzahl und verschiedenen Leuten, was für eine Rezension ungewöhnlich ist, aber das liegt nun mal in der Natur der Sache. Ich schreibe also über die Reihe aus der Perspektive von jemandem, der vier Fälle zu zweit gespielt hat (eine Liste findet Ihr unten).
Souvenire vom anderen Stern
Ich unterrichte im Hauptberuf Deutsch als Fremdsprache. Wenn neue Kurse beginnen und die Teilnehmer*innen noch kein Wort Deutsch können, geht es mit dem Lernen meist sehr schnell, weil fast alle schon eine europäische Sprache sprechen und sich viele Wörter über andere Sprachen herleiten können. Das macht den Start ziemlich einfach. Anders sieht es aus, wenn jemand noch gar keinen Kontakt mit einer dem Deutschen verwandten Sprache hatte. Dann muss ich mich als Lehrer ziemlich verrenken, um den Start gut hinzubekommen. So etwas Ähnliches simuliert das Spiel First Contact von Damir Khusnatdinov, das ich letztes Jahr in Essen erstanden habe und das uns seither eine Menge Spaß bereitet hat.
Worum geht‘s?

