Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 13/2021

Meinen alten Rhythmus mit einem Neuheitenüberblick alle zwei Wochen halte ich derzeit nicht durch. Ich poste jetzt was, wenn’s passt.

Brasilien

Die größte reine Spieleveranstaltung Lateinamerikas heißt Diversão Offline (DOFF), also Offline-Spaß. Was macht man aber nun, wenn das Ganze pandemiebedingt nicht offline stattfinden kann? Klar, man verlegt es ins Netz. Also Offline-Spaß online. Das Ganze nannte sich dann DOFF Day und fand am vorletzten Wochenende statt. Vor allem war da eine längere Reihe von Video-Liveschaltungen (vor allem Diskussionen und Ankündigungen), für die mein portugiesisches Hörverstehen leider nicht ausreichte. Deshalb habe ich mich im anderen Teil umgesehen, nämlich einem kleinen, aber feinen Discord-Kanal, in dem sich einige Verlage präsentiert haben. Ich bin dann bei TGM Editora gelandet, einem Verlag, der Euch aus diesem Blog schon bekannt sein könnte. Dort konnte ich auf Tabletopia zwei Spiele ausprobieren, die mich ohnehin interessiert hatten, nämlich Dogodash von Talita Rhein und Sirvam o Rei von Joshua Kritz. Beide haben mir Spaß gemacht.
Talita Rhein, die Autorin von Dogodash, lebt in Deutschland und hat letztes Jahr die erste Auflage hierzulande mit einer Kickstarter-Kampagne finanziert. Jetzt ist es erstmals auch in Brasilien erschienen. Es ist ein sehr simples Kartenspiel, bei dem man gleichzeitig Karten auslegt und je nachdem, wie gut man die anderen einschätzen kann, die ausgespielten Karten als Punkte einsammelt. Viel Strategie gibt es nicht, das spielt man so locker runter (live sicher noch besser als auf Tabletopia).

Sirvam o Rei basiert auf dem traditionellen Kartenspiel Golf, wie auch Cabo, Skyjo, Allegra und viele andere. In jeder Runde bedient man eine neue Königskarte mit neuen Anforderungen. Besonders schön gelöst ist das Wertungssystem, denn es gibt für das Gewinnen einer Runde keine feste Punktzahl. Stattdessen geben vor der Wertung jeweils eine Punktekarte aus dem eigenen Vorrat in den Wertungsstapel. Dann darf, wer am besten abgeschnitten hat, zuerst eine der Punktekarten aussuchen. Das führt zu spannendem Pokern. Sirvam o Rei gehört für mich dadurch zu den besseren Spielen des Genres.

Der Umfang des DOFF Day war im Vergleich zur Originalveranstaltung sicherlich noch ausbaufähig, aber natürlich hoffen alle, dass eine Wiederholung nicht nötig ist und Diversão Offline nächstes Jahr wieder offline stattfinden kann.

Chile

Von Fractal Juegos war hier schon oft die Rede. Von diesem Verlag gibt es gleich diverse neue Ankündigungen. Für nächstes Jahr zum Beispiel Amazonas von Claudio Soto und Paulo González (illustriert von Humberto Quimey). Wie Sirvam o Rei gehört es zur Golf-Familie, und wie auch dort gibt es die Möglichkeit, auf eine abgelegte Karte schnell eine eigene der gleichen Höhe draufzulegen, um die eigene Auslage zu reduzieren. Mehr weiß ich über die Regeldetails noch nicht.


Diego Burgos gehört zu dem Team, das das grandiose Tough Calls: Dystopia erschaffen hat. Ebenfalls 2022 tritt er mit seiner ersten Soloveröffentlichung auf, die Alakablast heißt. In diesem Kartenspiel treten die schlechtesten Schüler*innen einer Magieschule gegeneinander an, um nicht sitzen zu bleiben. Sie fordern andere zu Duellen auf, ohne aber wirklich zu wissen, wie die Zaubersprüche funktionieren, die sie aufeinander loslassen. Man kann jeweils entscheiden, ob man versucht, weitere Informationen über die eigenen und gegnerischen Handkarten zu sammeln, oder ob man sich lieber gleich ins Duell stürzt. Wer zuerst eine bestimmte Zahl an Duellen für sich entscheiden kann, gewinnt. Illustriert wurde Alakablast von Orlando Ohmke.

Noch für dieses Jahr ist Simplicity von David Brain angekündigt. Das ist ein Plättchenlegespiel, bei dem man eine Stadt aufbaut. Ähnlich wie bei Kingdomino ist die Auswahl der Plättchen, die man legen will, mit der Zugreihenfolge für die nächste Runde verzahnt. Anders als dort bauen bei Simplicity allerdings alle an der gleichen Stadt. Ziel ist es, im Verlauf von fünf Runden zusammenhängende Gebiete zu bauen, aber auch von lukrativen Gebäuden umgebene Parks einzusetzen. Ihr könnt Simplicity jetzt schon auf Boardgamearena ausprobieren.

Tori-Tori habe ich hier schon vor zwei Jahren erwähnt, nachdem ich in Essen einen Prototypen mit der Autorin Laura Mena spielen konnte. Der hatte mir sehr gut gefallen, und ich bin gespannt auf das endgültige Spiel, das bereits in diesen Tagen mit Illustrationen von Andrea Trewhela erscheint. Tori-Tori ist ein kooperatives Spiel, bei dem wir versuchen, das ökologische Gleichgewicht auf einer Insel zu bewahren. Wir sind für mehrere Tier- und Pflanzenarten zuständig, von denen keine aussterben darf. Leider möchten einige Tiere gern andere Arten auffressen. Wir müssen dann dafür sorgen, dass nicht alle Tiere einer Art gefressen werden, auf der anderen Seite aber auch aufpassen, dass die Raubtiere genug zu fressen haben. Außerdem müssen wir uns invasiver Arten erwehren, die nicht ins Ökosystem passen, und darauf achten, dass der Lebensraum nicht von der Industrie verseucht wird. Damit haben wir alle Hände voll zu tun. Auch wenn ich das finale Produkt noch nicht kenne, würde ich mal vermuten, dass Tori-Tori auch in Europa eine Fangemeinde finden könnte.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber:innen.

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