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Fotos vom Spieleautorentreffen in Göttingen 2017

Eigentlich hoffe ich ja, dass Ihr vernünftig genug seid, hier nicht nur wegen meiner Fotografierkünste hereinzuschauen. Die sind nämlich eher von bescheidener Qualität. Aber an diesem Wochenende war in Göttingen mal wieder das Spieleautorentreffen, und da das unter den großen jährlichen Fixpunkten Nürnberg – Göttingen – Essen das Ereignis ist, das vielleicht die wenigsten von Euch schon mal persönlich besucht haben, kommen hier ein paar Eindrücke. Die meisten Fotos habe ich gelöscht, weil sie zu schlecht waren, aber ein paar Bilder kommen jetzt doch.

Spieleautorentreffen Göttingen 2017
Die Stadthalle war angemessen beflaggt.

Los ging es am Freitag Abend mit der Mitgliederversammlung der Spieleautorenzunft. Mit rund fünfzig Anwesenden war sie gut besucht. Wie alle zwei Jahre standen Vorstandswahlen an. Marco Teubner (Stone Age Junior) und Arve Fühler (El Gaucho), die in den letzten Jahren Vorstandsarbeit gemacht hatten, standen nicht wieder zur Wahl. Hartmut Kommerell (Finito!), der zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt wurde, stehen jetzt Stefan Kloß (Beasty Bar) und Markus Hagenauer (Cairo Corridor) zur Seite.

Spieleautorenzunft - Vorstand
Stefan Klos, Hartmut Kommerell und Markus Hagenauer

Natürlich gab es auch andere interessante Diskussionen, zum Beispiel über Verträge und die Arbeit der SAZ insgesamt. Schließlich wurde Wolfgang Kramer zum Ehrenmitglied ernannt, der seit der Gründung der SAZ aktives Mitglied ist.

Am Samstag bildete sich dann erstmal eine ziemliche Schlange, aber mittlerweile geht es am Einlass wesentlich schneller als früher.

Spieleautorentreffen 2017

Die Halle füllte sich entsprechend zügig. Es ist ein bisschen schwierig, das angemessen einzufangen. Es gibt kein Gedränge wie in Essen, aber es ist trotzdem viel los – Zeit für Langeweile blieb jedenfalls nicht.

Spieleautorentreffen 2017

Es war nicht so dunkel, wie es auf diesen Fotos aussehen mag – das liegt nur an mir. 🙂

Ich habe auch nicht so viele einzelne Prototypen fotografiert, obwohl viele es wert gewesen wären. Für diesen mache ich eine Ausnahme: Das Zwei-Personen-Spiel Fish n’ Ships von Antoine Noblet hatte im Januar 2017 bereits einen Autorenpreis gewonnen und war in den Medien schon aufgetaucht, daher gebe ich hier keine Geheimnisse preis. Ich hatte selbst die Gelegenheit, es zu spielen und habe gut nachvollziehen können, warum es die Jury überzeugt hat. Es arbeitet mit einfachen Regeln und bietet dennoch eine erhebliche Spieltiefe und die Gelegenheit, spannende Spielzüge vorauszuplanen.

Fish n' Ships
Fish n’ Ships von Antoine Noblet

Heute war das Autorentreffen dann für ein interessiertes Publikum geöffnet. Schon früh morgens wurde der Gewinner des Stipendiums für Nachwuchsautoren von der Jury Spiel des Jahres vergeben. Diese Jahr gewann Paul Schulz aus Greifswald, der mit den Spielen Sunset und Silly Space Adventure angetreten war. Sunset war mir am Samstag schon aufgefallen, da geht es darum, Fotos vom Sonnenuntergang zu machen, auf denen Windmühlen, Bäume, Tiere und so weiter abgebildet sind. Die Fotos setzt man aus transparenten Folien zusammen, was einen tollen Gesamteindruck ergibt. Silly Space Adventure ist ein Partnerspiel, bei dem jeweils zwei Leute ein Raumschiff durch’s Weltall lotsen. Das funktioniert ähnlich wie bei Lucky Lachs oder so, man muss koordinierte Bewegungen machen, um dem Raumschiff die entscheidenden Impulse zu geben.

Dann füllte sich die Halle so langsam mit spielinteressierten Göttinger/innen, die spielten, probierten, diskutierten und einen schönen Einblick in die Arbeit der SAZ bekamen. Viel zu früh war dann wie immer um 14 Uhr die Veranstaltung beendet.

Obwohl ich in diesem Jahr an meinem Tisch gar keine neuen Prototypen präsentiert habe, war es ein tolles Treffen für mich. Ich konnte einigen Verlagsleuten lateinamerikanische Spiele näherbringen und auch Mission Impractical weiterverbreiten. Und auch sonst konnte ich vermitteln, kennenlernen, spielen, lachen und alles, was sonst noch dazugehört. Ich freue mich schon wieder sehr auf das nächste Jahr.

Diesen Artikel kann ich natürlich nicht beenden, ohne ein paar Worte zu Reinhold Wittig zu verlieren, der das Treffen 1983 ins Leben gerufen hatte und sich wahrscheinlich auch nicht hat träumen lassen, dass eines Tages mal fast 200 Autorinnen und Autoren teilnehmen würden. 2017 hat er sich erstmals nicht mehr selbst an der Organisation beteiligt, war aber natürlich immer präsent. Dieses Jahr wurde er dann konsequenterweise mit dem Preis Göttinger Spatz geehrt, der von der Stadt Göttingen jährlich für besondere Verdienste um das Kulturgut Spiel verliehen wird. Ich habe kein gutes Foto von ihm bei seiner inspirierenden Dankesrede machen können. Daher stattdessen ein Bild von der Perlhuhn-Feder, bei der die Anwesenden sich verewigen konnten.

Mein Spiel, das hat fünf Ecken

Ich habe eigentlich nur einen Spielpartner, mit dem ich öfter mal abstrakte Zweierspiele spiele. Mittlerweile sind aber meistens auch noch andere Leute dabei, wenn ich mich mit ihm treffe, daher ist das seltener geworden. Daher freut es mich, dass meine sechsjährige Tochter gerade ein ziemliches Interesse an solchen Spielen entwickelt, denn ich habe doch eine Reihe davon zu Hause und es ist schön, wenn die auch ab und zu gespielt werden. Die schwerere Kost halte ich noch ein bisschen zurück, aber im Wesentlichen hole ich gern das raus, was sie gern spielen möchte.

Im Moment bittet sie mich öfter mal, Cairo Corridor zu spielen – diesem Wunsch komme ich gern nach. Es ist ein abstraktes Zweierspiel der sehr einfachen Sorte, schnell erklärt und schnell gespielt.

Das Besondere an Cairo Corridor ist, dass es mit Fünfecken gespielt wird. Fünfecke sind kein einfaches Spielmaterial. Schon beim Basteln von Prototypen stellen sie einen gewissen Aufwand dar, und damit gar eine Fläche zu füllen, ist eine Herausforderung. Kein Wunder, dass Quadrate und Sechsecke in der Spielewelt vorherrschen. Autor Markus Hagenauer hat sich bei seinem Fünfeckmuster an einem Straßenpflaster in Kairo orientiert. Wenn man so ein Straßenpflaster vor dem Haus hätte, könnte man mit ein bisschen Kreide sehr schön Cairo Corridor spielen… aber wie dem auch sei, mich hat das Spiel schon deshalb interessiert. Zweitens bin ich begeistert, wenn jemand ein schönes Spiel mit so einfachen Regeln erschafft. Die sind eine A5-Seite lang (wovon bestenfalls ein Drittel Text ist). Kurz gesagt:

Die beiden Spieler/innen legen abwechselnd solange je eins ihrer Fünfecke auf das Spielfeld, bis nur noch ein Korridor übrig ist, der die vier Spielfeldränder miteinander verbindet. Wer dann mehr Fünfecke an diesem Korridor anliegen hat, gewinnt.

Das ist alles – das wird in den Regeln noch ein klein bisschen bebildert. Sowas ist ganz nach meinem Geschmack.

Cairo Corridor
Eine heiß umkämpfte Partie, die Rot mit 13:11 für sich entscheidet. Ein am Ende doch verschlossener Korridor ist gut zu sehen.

Und? Macht das Spaß?

Ja, ich finde es spannend. Die Partien können sehr unterschiedlich verlaufen. Am Anfang kann alles passieren – ob man am Rand baut oder zentraler, immer kann es sein, dass der Korridor am Ende doch woanders langführt. Manchmal bauen auch beide im Wesentlichen an der gleichen Route entlang, dann kann es um Kleinigkeiten gehen. Man kann zwar ein paar Züge im Voraus planen, aber es gibt eben doch immer mal wieder überraschende Wendungen. Es bietet sich an, gleich mehrere Partien nacheinander zu spielen (eine dauert vielleicht zehn Minuten, wenn man nicht zu grüblerisch veranlagt ist) und verschiedene Vorgehensweisen auszuprobieren. Genau das, was ich mag.

Das Material ist aus lasergeschnittenem Kunststoff, gut verarbeitet, sodass die Fünfecke perfekt zusammenpassen. Dazu ein aufrollbarer Spielplan im Schlampermäppchen, wie von nestorgames gewohnt. Einzig die Regeln verknicken darin, die sollte man separat aufbewahren. Außerdem sollte man aufpassen, dass man das Mäppchen nicht zu stark belastet (eventuell aufrecht hinstellen), sonst hat der Spielplan irgendwann auch Knicke.

Cairo Corridor ist kein Spiel, das ich andauernd spiele, aber ich freue mich jedesmal, wenn ich es hervorkrame. Mich würde es also gar nicht stören, wenn meine Tochter auch in Zukunft öfter danach fragen würde.

Gesamtwertung: 7/10

Cairo Corridor
für 2 Personen
von Markus Hagenauer
Gestaltung: Néstor Romeral Andrés
Verlag: nestorgames, 2013