Mazescape: Verloren im gläsernen Labyrinth

In Pandemiezeiten habe ich vielleicht mehr Solospiele gespielt als in meinem restlichen Leben zusammen. Ich mache sowas eigentlich nur, wenn mir derlei Spiele mehr oder weniger zufällig in die Hände fallen, da Interaktion für mich zu den wichtigsten Qualitäten von Spielen gehört. Andererseits bin ich ein neugieriger Mensch und probiere gern neue Sachen aus. In den letzten Monaten, in denen meine gewohnten Spielerunden nahezu gar nicht stattfinden konnten und meine Familie das nicht völlig auffangen konnte, trug es sich nun zu, dass mir einige Solospiele zukamen. Zuletzt waren das die ersten beiden Ausgaben von Mazescape von Pablo Céspedes und Victor Hugo Cisternas. Die beiden sind in der chilenischen Spieleszene ziemlich sichtbar, ich hatte schon ein paar ihrer Spiele ausprobieren und sie vor einigen Jahren auch in Essen kennenlernen können. Victor war so freundlich, mir die Spiele frisch aus der Druckerpresse zuzuschicken. Was ich damit erlebt habe, erzähle ich Euch jetzt.

Worum geht‘s?

Mazescape sind Solospiele, bei denen ich einen Weg durch ein Labyrinth suchen muss. Jede Schachtel enthält sieben solche Labyrinthe (sowie ein Holzstäbchen und Regeln in diversen Sprachen). Jedes Labyrinth ist in acht Segmente unterteilt, von denen sechs beidseitig bedruckt sind. Die anderen beiden lege ich so vor mich hin, dass ich die Labyrinthseite sehen kann (die beiden Rückseiten müssen jederzeit Tischkontakt behalten). Dann sehe ich einen Startpunkt und meist auch schon einen Endpunkt. Mit Hilfe des Stäbchens laufe ich nun die Gänge entlang (geht auch mit dem Finger) und versuche, eine Verbindung zwischen den beiden Punkten zu finden. Das ist schwerer, als es klingt, denn ich muss den Plan dafür immer wieder ein- und ausfalten, wobei das Segment, auf dem das Stäbchen gerade ist, grundsätzlich nicht bewegt werden darf. Nebenbei kann ich versuchen, Aufgaben zu erfüllen. Ein Plan kann zum Beispiel sieben Schatztruhen enthalten, und ich kann dann versuchen, sie alle zu finden, bevor ich den Ausgang suche. In den einfachen Leveln ist das schon alles. Aber die sieben Pläne haben eine langsam ansteigende Schwierigkeit. In manchen gibt es zum Beispiel Tore, die den Weg versperren, bis ich den entsprechenden Schlüssel irgendwo gefunden habe, oder andere Ziele, bei denen es auf die Reihenfolge ankommt. Außerdem haben nicht alle Labyrinthe die gleiche Faltung, und auch dadurch steigt der Schwierigkeitsgrad. Wie lange ich an einem Labyrinth sitze, ist ganz unterschiedlich. Das eine oder andere hatte ich wohl in zehn Minuten durch, an anderen habe ich erheblich länger gesessen.
Gefundene Schätze und sonstige Nebenaufgaben kann ich auf der Rückseite der Regeln (oder einer Kopie davon) notieren, ebenso die Zeit, die ich gebraucht habe. So kann ich später auch versuchen, das Ergebnis noch mal zu verbessern. Ich habe nichts notiert, das war mir nicht so wichtig.

Am Ende von Labyrinthos gibt es dann noch mal eine Super-Aufgabe, bei der man durch alle sieben Labyrinthe geht und Laternen anzündet. Die habe ich allerdings nicht mehr ausprobiert.

Auf der Tabelle rechts kann ich eintragen, wo ich schon war und ob ich die fünf Amphoren schon gefunden habe (die Aufgaben seht Ihr links). Das hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

Und? Macht das Spaß?

Ich staune selbst, wie viel Zeit ich in diesen vermeintlich simplen Labyrinthen verbracht habe. Es gibt einen definitiven Suchtfaktor, und ich war auf Unterbrechungen oft gar nicht gut zu sprechen. Ich bin losgelaufen, habe jeweils versucht, alle Nebenziele zu erfüllen, und merkte irgendwann, dass ich im Kreis lief. Und da manchmal minutenlang nicht wieder rauskam, obwohl ich ja von irgendwo reingekommen war. Klar, auf den Plänen, auf denen ich viel Zeit verbracht habe, wusste ich irgendwann ein paar Standardwege von A nach B, aber das waren immer nur kleinere Ausschnitte. Durch die sich ständig wandelnde Form der Labyrinthe habe ich mich eben wahrhaftig verirrt. Auf diese Weise entstand das Gefühl eines gläsernen Labyrinths – ich konnte sehen, wo es weitergeht, aber nicht, wie ich da hinkomme.

Die Labyrinthe sehen auf den ersten Blick ziemlich klein aus, und ich dachte erst, da sei ja nicht so viel dran. Aber wer wirklich alle Schätze einsammeln will und dafür auch bereit ist, noch mal zurückzulaufen, wenn der Ausgang schon in Sicht ist, kann sich mit Mazescape schon recht lange Zeit beschäftigen. Und anders als andere Solitärpuzzle mit eindeutigen Lösungen sehe ich auch keine Gefahr, mir da irgendwelche Abkürzungen zu merken. Wenn ich jetzt noch mal beim ersten Labyrinth anfange, wird mir das zwar vage bekannt vorkommen, aber den Weg muss ich mir trotzdem wieder ganz neu suchen.
Wer völlig steckenbleibt, kann einen QR-Code scannen und sich die Lösung verraten lassen, allerdings nur für den Hauptweg vom Start zum Ziel.

So sieht es am Anfang aus – unten links der Startpunkt, oben rechts der Ausgang. Aber wie komme ich dahin?
So schon mal nicht.
Holt mich hier raus! Zu Hülfe!

Nicht so gut funktioniert hat ein Versuch, es mit meiner Tochter zusammen anzugehen. Die Person, die das Holzstäbchen führt, folgt dem Weg, die andere guckt dabei nur zu, es ist schwer, die Wege gemeinsam zu besprechen. Aber das soll keine Kritik sein, Mazescape ist eben ein reines Solitärspiel und wird ja auch nur als solches angepriesen.

Ich halte es für sicher, dass Mazescape ein großer Erfolg wird. Für zukünftige Ausgaben wird es drauf ankommen, ob die beiden Autoren genügend neue Ideen haben, damit nicht alle Ausgaben nach dem gleichen Schema ablaufen. Außerdem würde ich mir noch ein paar Verbesserungen wünschen:
– Eine bessere Möglichkeit, die weiteren Aufgaben wie Schatzkisten und so weiter zu dokumentieren (zum Beispiel, indem sie durchnummeriert oder einfach jeweils individuell verschieden gestaltet werden). Oft genug wusste ich nicht mehr sicher, ob ich an einem bestimmten Schatz schon vorbeigekommen war, weil sie halt alle gleich aussehen und auch die Räume und Gänge des Labyrinths sich stark ähneln.
– Eine Lösung, bei der nicht nur der Weg vom Start zum Ziel, sondern auch die weiteren Aufgaben enthalten sind. Ich war auf dem einen Plan überzeugt, dass ein Schatz sich gar nicht erreichen ließe – wahrscheinlich liege ich damit falsch, aber ich hätte eben gern gewusst, wie ich da hinkommen soll.
Damit meckere ich aber schon auf ziemlich hohem Niveau herum, denn Mazescape ist eine wunderbare Idee, die schon jetzt ziemlich überzeugend ausgeführt ist und die ich gern weiterempfehle.

Mazescape: Labyrinthos
für 1 Person ab 8 Jahren
von Pablo Céspedes und Victor Hugo Cisternas
Illustriert von Ivana Gahona
Devir, 2021

Mazescape: Ariadne (kam mir einen Hauch schwieriger vor als Labyrinthos, aber das kann auch an mir liegen – dafür hat Labyrinthos die Zusatzaufgabe)
für 1 Person ab 8 Jahren
von Pablo Céspedes und Victor Hugo Cisternas
Illustriert von Joan Guardiet und Alex Santaló
Devir, 2021

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