MOZI – ein Verlag aus Taiwan

Ich war mit meinem Taiwan-Bericht ja noch nicht ganz fertig gewesen. Neben den diversen Spielecafés hatte ich nämlich auch versucht, ein paar Verlage zu besuchen und von innen kennen zu lernen. Das erwies sich als schwieriger, als ich erwartet hatte. Es gab vor allem zwei Probleme: Erstens arbeiten viele Verleger*innen überwiegend von zu Hause, wo es nicht so viel zu sehen gegeben hätte. Außerdem hatte ich nur ein langes Wochenende in der Hauptstadt Taipei, wo sich die meisten Verlage konzentrieren. Und da ergab sich zunächst einfach kein passender Termin. Also wandte ich mich an einen der wenigen Verlage in Taichung (wo ich den größten Teil meines Urlaubs verbringen wollte), nämlich an MOZI (eine Erklärung des Namens liefere ich Euch am Ende dieses Artikels), den einige von Euch vielleicht in Essen kennenlernen konnten. Dieser verlegt nicht nur eigene Spiele, sondern ist auch eine Art Vertrieb für kleinere Verlage und betreibt in einem Kaufhaus in Taichung einen kleinen Laden, in dem ausschließlich taiwanische Spiele verkauft werden. Dort traf ich mich dann mit Kiko Hsu und Shin Lin und konnte ein paar Fragen loswerden, die die beiden geduldig beantwortet haben. Danke dafür!

MOZI ist in den letzten Jahren schon in Essen in Erscheinung getreten, dieses Jahr vor allem mit einer Serie von kleinen, preisgünstigen Spielen (€8), die aber keine reinen Kartenspiele sind (also etwa äquivalent zum hiesigen Konzept des Mitbringspiels). Nun erfuhr ich, dass die acht Spiele dieser Serie aus einem Autor*innenwettbewerb hervorgegangen waren, dessen Kriterien hauptsächlich darin bestanden, dass die Regeln auf einem einzigen Blatt Papier beschrieben sein mussten. Von den rund 60 Einsendungen wurden dann auch satte 8 veröffentlicht, alle in einem handlichen Schachtelformat und mit cartoonartigen Illustrationen, alle mit Tieren als Thema. Mit der Serie verfolgt der Verlag zwei Ziele. Einmal soll mit dem niedrigen Preis und der kleinen Schachtel eine Marktlücke gefüllt werden, andererseits sollen taiwanische (oder zumindest chinesischsprachige) Autor*innen gefördert werden. Wer sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligen möchte, hat noch bis zum 21. Februar Zeit, aber da alle Informationen auf Chinesisch sind und auch die Einsendung auf Chinesisch sein muss, ist das hierzulande wohl nur für wenige Leute relevant. Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 2/2020

Der zweite Teil meines Taiwan-Berichtes braucht noch einen Moment, darum sind heute wieder die Lateinamerika-Nachrichten dran.

Brasilien

Azzelij, Dodos Riding DinosDas Plättchenlegespiel Azzelij war schon in einer kleinen Auflage bei Zuzu Board Games erschienen, und von dieser Ausgabe hatte mir der Autor Rodrigo Sampaio Rodriguez netterweise ein Exemplar zukommen lassen. Mir hatte daran insbesondere der Erweiterungsmodus mit den Zusatzregeln gefallen (und ich fand es am besten zu dritt). Entsprechend habe ich mich über die Nachricht gefreut, dass Azzelij jetzt noch mal in einer etwas größeren Auflage bei K&M Jogos erschienen ist, die die Erweiterung gleich mit Weiterlesen

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Spielecafés in Taiwan

Einige von Euch wissen vielleicht schon, dass ich rund zwei Jahre lang in Taiwan gearbeitet habe. Allerdings war das von 2000 bis 2002, also ein paar Jahre, bevor Taiwan zu einer ganz heißen Adresse für Spiele wurde. Ich hatte zwar in meinem zweiten Jahr ein paar Spiele dabei, aber zu meinen leidlich regelmäßigen Spieleabenden kamen meist Ausländer*innen, und nur selten verirrten sich Einheimische dazu. Aktuelle taiwanische Spiele hatte ich damals überhaupt nicht kennen gelernt. Aber umso mehr habe ich mich dann gefreut, als ich hörte, dass sich dort in den darauffolgenden Jahren so eine rege Spieleszene entwickelt hatte. Als ich 2012 noch einmal dort war, schaffte ich es immerhin in zwei Spielecafés und lernte ein paar Autoren und Verleger kennen, von denen ich viele dann in Essen wiedergetroffen habe. Meine Hoffnung, so eine Reise nochmal zu wiederholen, erfüllte sich aus verschiedenen Gründen erst kurz vor Weihnachten 2019, als wir unseren Familienurlaub in Taiwan verbracht haben. Ich habe mich dort zwar eher unsystematisch in der Spieleszene umgetan, aber ich glaube, es lohnt sich doch, mal ein paar Eindrücke in diesem Blog festzuhalten.

Im Laufe unseres Urlaubs hatte ich zum Beispiel dreimal Gelegenheit, in Spielecafés zu spielen. Der ganz große Boom ist in der Beziehung offenbar schon vorbei und einige mussten wieder schließen, aber es gibt dennoch im Vergleich zu Deutschland noch sehr viele davon.

Eins der ältesten, das Witch House in Taipei, gehört der Frau von Swan (Jojo), dem Gründer von Swan Panasia, das in Deutschland vielleicht besonders durch seine Sleeves bekannt ist, aber außerdem nicht nur ein beeindruckendes Portfolio an Spielen für den chinesischsprachigen Markt (und andere) lokalisiert, sondern auch ein paar Originalspiele herausgebracht hat (meine Leidenschaft für Bluff im Zoo hatte ich hier schon mal kundgetan). Das Café hat zwar nur Spiele von Swan Panasia im Regal, aber zu meiner Überraschung brachte Swan zu unserem Treffen ein Exemplar meines ersten Spieles Pari mit, das ich ihm bei meinem letzten Besuch 2012 gegeben hatte. Das haben wir dann neben anderen Sachen auch gespielt. Das Witch House ist schon fast ein Spielerestaurant, es gibt dort auch substanzielles Essen. Uns hat’s gefallen. Da wir im Witch House allerdings hauptsächlich zum Essen und Reden verabredet waren und die beiden gespielten Spiele jeweils jemandem von uns bekannt waren, wissen wir nicht, wie es dort mit dem Erklären von Spielen aussieht.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 1/2020

Frohes neues Jahr allerseits, ich hoffe, Ihr seid gut rübergekommen. Mir hat die kleine Auszeit gut getan, und ich habe sie natürlich auch gut zu nutzen versucht. Dazu schreibe ich vielleicht demnächst noch mal ein bisschen mehr. Aber jetzt ist erster Montag im Monat, und da kommt wie gewohnt meine Übersicht über neue Spiele aus Lateinamerika. Viel Spaß beim Lesen.

Argentinien

Neue Spiele aus Lateinamerika: Mazmorras de Puestosombrio, DeusastradosMazmorras de Puestosombrio (Verliese von Puestosombrio) ist ein kooperativer Dungeoncrawler von Fernando Luque, bei dem die Spieler*innen die in einem Dungeon herumlaufenden Monster besiegen müssen, um das Städtchen Puestosombrio vor dem Untergang zu bewahren. Der Schutzzauber, der die Monster dort einsperrt, wird nämlich langsam altersschwach und kann das geballte Böse nicht mehr lange aufhalten. Die Spieler*innen rüsten sich also aus, erkunden das Verlies und metzgen die bösen Viecher dahin. Das gibt zwar Schätze und bessere Fähigkeiten, doch je länger das Spiel andauert, desto stärker wird auch der Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 19/2019

Etwas verspätet kommt hier der letzte Nachrichtenüberblick zu lateinamerikanischen Spielen in diesem Jahr. Meine Weihnachtspause fällt diesmal etwas länger aus Ich brauche ein bisschen Erholung, hoffe aber zwischendurch auch ein paar Artikel fürs nächste Jahr vorbereiten zu können – lasst Euch überraschen. Nachbericht zur Roll A Game Expo in Guadalajara (Mexiko) muss ich nachreichen, da habe ich noch nicht genügend Informationen bekommen und im Moment zu wenig Zeit zum Nachhaken.

Brasilien

Senda ZenBei Ludens Spirit ist kürzlich Senda Zen (Der Zen-Pfad) erschienen, ein abstraktes Zweierspiel von Eduardo Caetano. Darin versucht man, in die schräg gegenüberliegende Ecke des Spielfelds zu gelangen. Das Spielfeld befindet sich in der Schachtel und besteht aus einzelnen Kunststoffsteinen, die sich in Reihen gegeneinander verschieben lassen (ein bisschen wie bei Das verrückte Labyrinth, aber unter anderem mit dem Unterschied, dass man Reihen auch nur teilweise bewegen kann). Auf diese Weise versucht man dann, einen möglichst guten Weg durch die Spieleschachtel zu Weiterlesen

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Reist gemeinsam zum 50. Level

Ich hatte ja in meinem Messerückblick schon Die Crew erwähnt, das die Fairplay-Scoutwertung gewonnen hatte und sicherlich zu den aufsehenerregendsten Spielen des Jahrgangs gehört. Mittlerweile habe ich es so oft gespielt, dass ich mir eine Rezension zutraue, wenn auch mit einer Einschränkung: Ich habe es nicht zu fünft ausprobiert. Normalerweise versuche ich für eine Rezension, alle möglichen Besetzungen zumindest einmal zu spielen, aber für Die Crew mache ich eine Ausnahme: Ich erzähle hier fast ausschließlich etwas über das Spiel zu dritt, und vielleicht noch darüber, warum es mir ein bisschen egal ist, wie es sich zu mehr Leuten spielt.

Worum geht’s?

Die Crew ist ein kooperatives Stichspiel, bei dem man sich durch 50 Missionen Weiterlesen

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Keyforge-Verlosung: Die Gewinner*innen

Am Montag war ja der Einsendeschluss für die Verlosung der „Du bist dran!“-Keyforge-Decks. Es haben etwas mehr Leute mitgemacht, als ich erwartet hatte (und als ich von früheren Verlosungen gewohnt war). Das hat mich gefreut.

Keyforge

Die Gewinner*innen habe ich per random.org gezogen – gewonnen haben:
MF.H. aus J
T.S. aus W
A.W. aus J
Herzlichen Glückwunsch! Ich schicke die Decks dieser Tage auf die Reise.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 18/2019

Argentinien

Fast Food von Joel Pelegrino Hotham hatte es bis ins Finale der Premios Alfonso X geschafft und war allenthalben gelobt worden. Nun gibt es eine Neuausgabe namens Argentidados, mit mehr argentinischem Patriotismus. Statt Burgern mit Pommes heißt es nun, durch Würfel vorgegebene argentinische Nationalsymbole zu erkennen und schnell zuzugreifen. Eine internationale Zielgruppe dürfte diese Ausgabe wohl eher weniger ansprechen, aber Spiele mit Themen aus der nationalen Geschichte oder sonstigen nationalen Identität sind in Lateinamerika allemal häufiger zu finden als Weiterlesen

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Messerückblick 2019 mit Verlosung

Die Messe ist vorbei, aber die Nachwirkungen sind noch überall zu spüren. Damit meine ich nicht etwa die obligatorische Messe-Erkältung, die mich dieses Jahr erfreulicherweise verschont hat, sondern die vielen neuen Kontakte, die entstanden sind, und die alten, die wieder aufgelebt sind – ich bin voller Inspiration Wenn man seit langer Zeit jedes Jahr nach Essen fährt, sieht man ja trotz der 209000 Besucher*innen andauernd bekannte Gesichter. Es ist auch richtig schwierig, umfassend über die Messe zu berichten, weil das Gesamterlebnis aus so vielen kleinen Begegnungen und Gesprächen besteht. Aber ein paar Dinge möchte ich aus meiner Bloggerperspektive doch mal aufschreiben. Ich fasse mich möglichst kurz, damit Ihr bis zur Verlosung am Ende durchhaltet. 🙂

– Wenn man über ungewöhnliche Dinge bloggt, dann bedient man in Deutschland zwar eine Nische, aber dafür bleiben einem die Leute, die Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 17/2019

Die Messe in Essen hat die letzten Wochen für mich völlig dominiert, und ich werde vermutlich auch im Nachgang was drüber schreiben. Aber jetzt sind erstmal die zuletzt etwas vernachlässigten Neuheiten aus Lateinamerika dran. Bei aller Faszination für die asiatischen Spiele muss ich mir eingestehen, dass es mittlerweile viel zu viele gibt, um mir wirklich einen Überblick zu bewahren. In Lateinamerika kann mir das noch halbwegs gelingen. Also auf:

Brasilien

Seven BridgesErst in der letzten Ausgabe hatte ich über Seven Bridges von Ron Halliday berichtet, ein viel gelobtes „Stroll and Write“- Spiel, das sein ambitioniertes Finanzierungsziel dann letztlich leider verfehlt hatte. Nun gibt es einen neuen Anlauf mit einem niedrigeren Ziel, und es läuft inzwischen besser. Fans des Genres sollten sicherlich mal einen genaueren Blick drauf werfen – selten sahen Blöcke schicker aus als hier. Die Kampagne läuft unter dem Verlag Puzzling Pixel Games, in Brasilien soll es aber bei FunBox erscheinen. Weiterlesen

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