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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 7/2021

Der zweite Teil meines Kamerun-Berichts lässt leider noch ein wenig auf sich warten. Aber aus Lateinamerika habe ich wegen der Osterpause auch länger nicht berichtet, und da hat sich so einiges angesammelt.

Argentinien

Gleich drei neue Spiele von Martin Oddino hat der Verlag mit dem schönen Namen RunDOS Studio für Mitte Juni angekündigt und nimmt ab sofort Vorbestellungen dafür an. El Valle Secreto, das erste der drei, führt uns in verborgenes Tal. Ein paar nomadische Stämme haben lange nach diesem gesucht und wollen sich dort nun ansiedeln. Das Tal wird auf aus Karten auf dem Tisch ausgelegt und mit Häuschen bestückt. Dafür gibt es dann je nach Zustand der Gesamtauslage und je nach Text auf der Karte Punkte. Wer am Ende das geheimnisvolle Tal am ertragreichsten besiedelt hat, gewinnt.

Um ebenso unbekanntes Land geht es in La isla perdida (Die Verlorene Insel). Diesmal geht es allerdings nicht um eine Ansiedlung, sondern darum, die beste Landkarte des Eilands anzufertigen. La isla perdida ist eine schickere Neuauflage von Kingdom Maps, einem äußerst hochgelobten Roll & Write, das letztes Jahr schon als Print-and-Play-Ausgabe erschienen ist. In jeder Partie werden zu Beginn mehrere verschiedene Ziele festgelegt, und die Spieler:innen versuchen nun, auf ihrer Landkarte möglichst lukrative Landschaften einzuzeichnen. Illustriert wurde das Ganze von Lucas Charra.

Ein ganz anderes Thema hat Sandwich Wars. Die Spieler:innen müssen hier Sandwichrezepte zubereiten. Dafür müssen sie die Zeit, ihr Geld und ihre Gehilfen im Auge behalten – und natürlich die Konkurrenz. Sandwich Wars ist ein Kartenspiel mit ausliegenden Auftragskarten, die man mit Zutatenkarten zu erfüllen versucht. Die Illustrationen stammen, ebenso wie bei El Valle Secreto, von María Luz Cantisani Rovasio.

Brasilien

Derzeit gibt es eine Catarse-Kampagne für eine Neuauflage von Jester. Dieses Eurogame von Marcos Macri war 2015 erstmals erschienen (in seinem eigenen Verlag MS Jogos) und damals sehr gut angekommen (ich hörte mehrfach, es sei sein bestes Spiel). Nun also eine Neuauflage, für die er sich mit Ludens Spirit zusammengetan hat. Diese Kombination sorgt schon fast automatisch für eine erfolgreiche Kampagne, und hat es auch keinen Tag gedauert, um das Finanzierungsziel zu erreichen. Es geht darum, dass verschiedene Künstler:innen darum wetteifern, einen begehrten Posten bei Hof zu ergattern. Dazu müssen sie Fähigkeiten in sieben Disziplinen erlernen, Ruhm und Geld sammeln und dann schließlich Einfluss am Hof gewinnen, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Die Illustrationen stammen wie bei der Erstauflage von Diego Sanchez.

Chile

Carteros ist letztes Jahr schon in Chile erschienen und hat für die spanische Ausgabe auch sein Finanzierungsziel auf Verkami schon erreicht. Carteros heißt auf Deutsch Briefträger, und um diese geht es auch. Auf dem Tisch liegt eine Auslage eines Stadtviertels, und die Spieler:innen versuchen, ihre Paket- und Briefkarten dort loszuwerden. Allerdings werden die Häuserkarten dabei aufgedeckt, und es kann jederzeit ein bissiger Hund die Tour unterbrechen. Aktionskarten helfen beim Abarbeiten der Tour oder beim Umgang mit Hundeangriffen. Carteros stammt von Eitel Saavedra Diaz und ist von Victor Arenas illustriert worden. Der Originalverlag heißt Caracol, der spanische Partnerverlag Enpeudejoc. Das ist Katalanisch, und es werden auch katalanische, baskische und galicische Regeln beiliegen. Ich weiß nicht, ob das in Spanien bei allen Spielen so gehandhabt wird, aber ich finde es toll.

Kolumbien

So sehr oft finden wir lateinamerikanische Spiele nach wie vor nicht auf Kickstarter. Derzeit aber könntet Ihr Space Plague von Juan Álvarez und Iván Botero unterstützen, das noch etwas mehr Aufmerksamkeit gebrauchen könnte. In diesem Weltraumstrategiespiel versuchen vier Alienvölker, das All zu dominieren, indem sie Truppen ausheben und ausrüsten und sich dann putzigerweise ein Wettrennen zum Kern eines Planeten liefern (bemerkenswert nicht zuletzt im Angesicht der Tatsache, dass eins der spielbaren Völker die „Flat-Earthers“ sind. Es gibt verschiedene Planeten mit verschiedenen Herausforderungen, und man muss seine Bewegungen so planen, dass man nicht zur falschen Zeit am falschen Ort ist, sonst können eigene Figuren gebremst oder zerstört werden. Die Aktionen macht man mit einem persönlichen Kartendeck, das man mit einem Deckbaumechanismus modifizieren kann. Die Ereignisse kündigen sich immer im Voraus an, sodass man sich darauf einstellen sollte, zumindest, wenn man die richtigen Karten dafür auf der Hand hat. Die Illustrationen stammen von Co-Autor Iván Botero, und die Kampagne wird von Bamboo Studio geführt.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber:innen.

Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 1/2019

Willkommen im neuen Jahr. Ich habe mir vorgenommen, die regelmäßigen Übersichtsartikel jeden ersten und dritten Montag im Monat beizubehalten. Aber ich nummeriere jetzt einfach durch, das ist einfacher für mich. Los geht’s!

Argentinien

Nachdem ich jahrzehntelang kein Schachspiel mehr in der Hand gehabt hatte, bat mich neulich aus heiterem Himmel jemand darum, ihr das Spiel beizubringen. Im Wesentlichen konnte ich das noch, und ich kann eine gewisse Faszination für Schach nicht verhehlen, obwohl ich doch im Allgemeinen eher ganz andere Spiele bevorzuge. Aber an Schach ist eine Sache doch toll: Auf der ganzen Welt gibt es eine Menge Fans, und so hat Schach auch eine Art völkerverbindende Funktion, ähnlich wie zum Beispiel Fußball. Aber Schach ist eben nur für zwei Leute, was dann doch ein großer Unterschied ist. Und so gibt es immer wieder Versuche, Schachvarianten für mehr Leute herauszubringen. Alex „Vikingoviejo“ Schmidt aus Buenos Aires ist nicht der erste, der sich an Schach für vier Leute versucht, aber er stellt erstens schöne Spiele her und hat zweitens in seinem Spiel Der Hügelkönig ein zusätzliches Element eingebaut. In der Mitte des Spielfeldes befindet sich ein Hügel, und das Spielziel ist es, den eigenen König auf diesen Hügel zu ziehen. Das Spiel ist aus variablen Elementen zusammengesetzt und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, das Spielfeld aufzubauen. Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 1/2019 weiterlesen

Neue Spiele aus Lateinamerika, August 2018 (Teil 2)

In Brasilien ist der September ein wichtiger Erscheinungsmonat für neue Spiele. Darauf bewege ich mich gerade zu – diesmal gibt es hauptsächlich Neuigkeiten aus Brasilien zu entdecken. Am Ende habe ich aber auch noch eine Kleinigkeit aus Peru für Euch. Viel Spaß beim Lesen.

Brasilien

ChicagoMarcos Macri ist mit zwölf veröffentlichten Spielen seit 2011 einer der erfolgreicheren brasilianischen Autoren. Sein Spiel Dogs dürften ja auch hierzulande einige Leute kennen. Nun erscheint von ihm in seinem Verlag MS Jogos ein Kartenspiel namens Chicago (mit Illustrationen von Diego Sanchez), in dem die Spieler*innen als Oberhäupter von Mafiabanden um die Macht in Naratetmalwo kämpfen. Man baut Geschäfte in der Stadt auf, hält sich die Polizei vom Leib und setzt die speziellen Fähigkeiten der Generationen (Großvater, Vater und Sohn) ein, um seine Macht zu konsolidieren. Obwohl Macri das Spiel als „klein“ angekündigt hat, sind als Spieldauer 90 Minuten angegeben, und das in einem sprachunabhänigen Kartenspiel. Da bin ich allemal gespannt. Neue Spiele aus Lateinamerika, August 2018 (Teil 2) weiterlesen