Archiv der Kategorie: Rezension

Die kriminellste Stadt der Welt liegt in…

…unserem Wohnzimmer auf dem Tisch.

Manchmal erzählen Leute was über Spiele, die sie eigentlich mögen wollten, aber dann doch nicht mochten. Mir ging es kürzlich andersrum, und zwar mit MicroMacro: Crime City. Das coole Marketing (etliche Blogger*innen kriegten häppchenweise Postkarten mit Stadtplansegmenten zugeschickt) hatte ich amüsant gefunden, dann den Beispielfall im Netz gespielt und mich davon kurzzeitig unterhalten gefühlt, das Spiel aber hinterher in die „Belanglos“-Schublade einsortiert. Es hatte mich einfach nicht gepackt und ich wollte es nicht mögen. Aber dann sprach ich mit meinem Freund, der es fast durch hatte und mir anbot, mir sein durchgespieltes Exemplar anschließend zu schicken, und das habe ich dann doch angenommen, weil einige Leute schrieben, dass ihre Kinder so drauf abfahren würde. Und Kinder hab ich ja auch. Und dann…

Die kriminellste Stadt der Welt liegt in… weiterlesen

Alle kriminell! Außer dem Phantom.

Oink Games gehört zu diesen Verlagen, bei denen mich jedes Spiel neugierig macht. Das liegt am kleinen Format, an der oft spektakulären grafischen Gestaltung, aber vor allem daran, dass ich schon eine ganze Reihe von kleinen Perlen bei Oink entdeckt habe. Wie auch Tricks and the Phantom, das ich vor einer Weile netterweise von Oink Games zur Verfügung gestellt bekommen habe und Euch hier vorstellen möchte.

Tricks and the Phantom Alle kriminell! Außer dem Phantom. weiterlesen

KLASK – eine Liebeserklärung

Ich habe in meinem Spielerdasein mittlerweile tausende von Spielen ausprobiert, und dennoch viele davon sehr intensiv gespielt– 30, 50 oder über 100 Partien sind durchaus keine Seltenheit bei mir. Aber unter all diesen vielen Spielen gibt es nur drei, die ich für wirklich perfekt halte. Perfekt – was soll das eigentlich heißen? Dieses Prädikat vergebe ich nur, wenn mir auch nach intensiver Beschäftigung mit einem Spiel wirklich absolut gar nichts auffällt, was mich stören würde. Eins dieser drei Spiele ist KLASK von Mikkel Bertelsen.

KLASK
Die massive Schachtel – KLASK braucht schon einiges an Platz.

KLASK – eine Liebeserklärung weiterlesen

Lasst mich in Ruhe mit Euren blöden Geschenken!

In Quarantänezeiten fehlt mir ja die Möglichkeit, viel außer Haus zu spielen. Deshalb gibt es heute auch keine Rezension zu einem obskuren Spiel aus Lateinamerika zu lesen, sondern zu unserem aktuellen Familiendauerbrenner: Heul doch! Mau Mau von Leo Colovini. Nach über 50 Partien, meist in der Familie, habe ich jetzt das Bedürfnis, meiner Wertschätzung für dieses Spiel Ausdruck verleihen.

Heul doch! Mau MauWorum geht‘s?

Lasst mich in Ruhe mit Euren blöden Geschenken! weiterlesen

Katteni Shiyagare: Wenn Vornüberkippen die einzige Hoffnung ist

Eric Martin, ein von mir besonders geschätzter Spielejournalist, prägte 2015 in seinem Bericht über seinen Besuch auf dem Tokyo Games Market den Begriff „sexy games“, und dabei bezog er sich explizit auf Spiele des vierköpfigen japanischen Autor*innenkollektivs team SAIEN. Leider hat sich der Begriff nicht auf breiter Front durchgesetzt, aber ich gehöre immerhin zu den Leuten, die ihn noch hier und da benutzen. Gemeint sind Spiele, die einen durch ihr Spielmaterial einfach magisch anziehen, auch wenn man noch gar nicht weiß, worum es dabei geht. Das mag jede*r ein bisschen anders interpretieren, aber viele SAIEN-Spiele gehören allemal dazu. So auch Katteni Shiyagare, eigentlich ein Mikrospiel, das aus nur zehn Elementen besteht. Da das aber zehn massive Holzklötze sind, ist der Holzkasten, in dem es geliefert wird, nicht mehr unter Mikrospielen einzuordnen. Im Herzen ist es trotzdem eins.

Katteni Shiyagare
Abgesehen von der Anleitung ist alles aus Holz.

Katteni Shiyagare: Wenn Vornüberkippen die einzige Hoffnung ist weiterlesen

Gefangen in der Endlosschleife

Ich hatte mich hier ja neulich recht angetan von Loup Garou gezeigt, einem Abenteuerbuch im Graphic-Novel-Format. In der Reihe, in der das erschienen ist, gibt es eine ganze Menge solcher Bücher, von verschiedenen Autor*innen und mit verschiedenen Themen. Nach der positiven Erfahrung habe ich mich dann mal an eine deutsche Ausgabe eines solchen Buches gewagt, nämlich an Gefangen!, das mir allenthalben sehr empfohlen worden war. Ob ich die Begeisterung teilen konnte, erfahrt Ihr sogleich.

Spiele-Comic Noir: Gefangen! Gefangen in der Endlosschleife weiterlesen

Noch eine taiwanische Perle: Guess Club

Wie kann man diesen Zeiten, in denen jährlich tausende von Neuheiten erscheinen, auch nur die Hoffnung haben, das Richtige für sich zu finden? Es gibt so viele Rezensionen auf allen Kanälen – auch das sind mehr, als ein Mensch auch nur ansatzweise sichten kann. Ich tue (gerade vor der Messe) mein Bestes, um mich umfassend zu informieren. Aber mein Budget ist sehr begrenzt, sodass ich nicht auf jede Empfehlung reagieren kann. Zum Glück gibt es eine kleine Handvoll Leute, deren Tipps ich fast blind vertraue, weil unser Geschmack doch große Überschneidungen aufweist. Aus einer solchen Quelle erfuhr ich vor der Messe 2019 von einem Spiel namens Guess Club von Sky Huang, das bei Broadway Toys in Hongkong erschienen war. Das klang so attraktiv, dass ich dann in Essen zugeschlagen habe, was eine gute Wahl war – Guess Club ist eins unserer Highlights von der Messe geworden.

Guess Club

Worum geht‘s?

Noch eine taiwanische Perle: Guess Club weiterlesen

Werwölfe in Nöten

Vor einer Weile hatte ich bei Boardgamegeek mal ein Spielebuch namens Loup Garou gewonnen. Es ist so ein Spielbuch, bei dem man von Szene zu Szene selbst entscheiden kann, wo man hin will. Allerdings in Form einer Graphic Novel. Ich muss dazu sagen, dass ich mir vor ein paar Jahren mal eine Handvoll solcher Fantasy-Spielbücher antiquarisch gekauft hatte, um zu sehen, ob die heute noch was taugen. Was ich da in die Finger kriegte, war allerdings (mit Ausnahme eines lustigeren Werks) nicht nur literarisch übel, sondern auch so strunzlangweilig, dass mir die Vorstellung, nach bestandenem „Abenteuer“ einen andere Weg ausprobieren zu wollen, völlig aberwitzig vorkam. Ich hatte mit dem Genre also schon ein bisschen abgeschlossen (ohne zu wissen, welche Highlights ich da möglicherweise noch verpasst haben könnte), als mir Loup Garou in die Hände fiel. Für diejenigen, deren Schulfranzösisch sich in anderen Themen erschöpft hat: Das ist die französische Bezeichnung für Werwolf. Und obwohl mir auch diese Thematik erstmal eher fremd ist: Das hat sich gelohnt.

Loup Garou

Worum geht’s?

Werwölfe in Nöten weiterlesen

Gone Fishing – ein Angelspiel im 21. Jahrhundert

Magnetische Angelspiele, bei denen man mit seiner Angel hinter einem Sichtschirm versteckte, mehr oder weniger wertvolle Fische herausholt, gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Spielerisch sind sie langweilig, ihr Spannungslevel ist nicht höher, als wenn man Lose zieht. Sie leben allein von ihrem Spielmaterial. Das sich aus dieser Grundidee auch noch wesentlich mehr herausholen lässt, beweist Gone Fishing von Happy Baobab, und das ganz ohne Magnete. Der Verlag hatte mir im letzten Jahr in Essen netterweise ein Rezensionsexemplar überlassen. Der (koreanische) Autor von Gone Fishing nennt sich Ehail und ist zuvor nur durch zwei Sportspiele in Erscheinung gestreten.

Gone Fishing Gone Fishing – ein Angelspiel im 21. Jahrhundert weiterlesen