Kamerunische Spieleautor:innen, Teil 1: Ivan Djossa und Bayamigo

© Gérard Ngan/Hugues Bertrand Biboum/Associacion Restart

Neulich stieß ich auf dieses Bild. Es handelt sich dabei um einen Entwurf für ein Verantstaltungsplakat, und zwar für das Festival Pousse-Pions (Pöppelschiebefestival), dessen dritte Ausgabe im Herbst in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé stattfinden soll. Letztes Jahr hatte es  bereits die doch beachtliche Zahl von fast 2000 Besucher:innen anlocken können. Wer ein paar Bilder und Videos sehen möchte, wird auf dieser Facebook-Seite fündig.

Ich habe dann Gérard Ngan angeschrieben, der das Festival organisiert (falls hier gerade Verlagsleute mitlesen und mal ein Paket hinschicken möchten, stelle ich auch gern den Kontakt her). Natürlich habe ich ihn auch gefragt, wie es mit einheimischen Autor:innen aussieht, denn aus Afrika hatte ich bis dahin überhaupt nur aus Nigeria etwas Diesbezügliches gehört. Und tatsächlich nannte er mir zwei Namen, und ich konnte mich mit beiden in Verbindung setzen. Die Geschichte und die Voraussetzungen der beiden könnte kaum unterschiedlicher sein, aber in jedem Fall verdienen beide ein bisschen mehr Aufmerksamkeit.

Bayamigo
Autor Ivan Djossa mit seinem Spiel

Ivan Djossa ist Professor an einer Universität in Yaoundé. Er unterrichtet dort Buchhaltung und Unternehmertum. So überrascht es vielleicht nicht, dass auch sein Spiel Bayamigo sich mit Wirtschaft beschäftigt. Konkret geht es um Wiederverkäufer:innen auf Obst- und Gemüsemärkten. Morgens kaufen sie im Großhandel Obst ein und mieten sich ein Fahrzeug für den Transport. Dann fahren sie damit zu einem oder mehreren Märkten und versuchen, die Ware gewinnbringend zu verkaufen. Allerdings haben sie mit schwankenden Preisen, verderblichen Waren, hohen Steuern und natürlich der Konkurrenz zu kämpfen. Wer diesen Schwierigkeiten am besten trotzt und mehr verdient als die Konkurrenz, gewinnt das Spiel.

Bayamigo

Der Titel Bayamigo setzt sich aus Bayam-Sellam und Amigo zusammen. Bayam-Sellam sind Frauen, die Obst und Gemüse weiterverkaufen, und Amigo steht für Stammkund:innen. Djossa weist darauf hin, dass es Lebensmittelmärkte wie in seinem Spiel auf der ganzen Welt gibt, das sei nicht spezifisch kamerunisch, aber in Kamerun hingen eben viele Familien vom Unternehmertum dieser Bayam-Sellam ab.

Bayamigo

Leider ist es nicht nur schwierig, mit Obst und Gemüse Geld zu verdienen, sondern auch mit Spielen. Ähnlich wie KC in Nigeria fand Djossa in Kamerun keinerlei Produktionsmöglichkeiten für ein Brettspiel vor. Sein Ziel war es aber nicht, eine florierende Spielekultur (und damit auch die entsprechende Infrastruktur) aufzubauen, sondern einfach, sein Spiel auf den Markt zu bringen. Er wandte sich dann schließlich an Art of Games in Belgien, ließ es dort gestalten (von Gaël De Meyere) und in China produzieren. Das allein war natürlich schon teuer, und auch der Import nach Kamerun wurde mit Überraschungszöllen belegt, sodass Djossa für das Spiel einen Kredit aufnehmen musste. Schließlich erwies es sich als schwierig, in Kamerun überhaupt Spiele zu verkaufen. Nicht nur kann sich nicht jede:r dort ein für einheimische Verhältnisse eher teures Brettspiel leisten, sondern es gibt auch keinen Spielegroßhandel oder sowas, über den man es vertreiben könnte. Und Djossa sagt auch, dass Spiele als Lernmittel in Kamerun nicht so sehr etabliert seien. Diese Mischung aus Schwierigkeiten führte dann dazu, dass er seit dem Erscheinen des Spiels 2018 mehr Exemplare in Europa verkauft hat als in Kamerun selbst, und auch noch auf einem größeren Teil der Auflage sitzt. Entsprechend plant er trotz einiger Ideen derzeit keine weiteren Spieleprojekte, denn ohne die entsprechende Infrastruktur ist das finanzielle Risiko einfach zu groß. Wer sich in Europa für Bayamigo interessiert, kann es bei Art of Games oder bei Afrikrea beziehen. Die Regeln sind zwar auf Französisch und es sind auch ein paar französische Ereigniskarten im Spiel, aber die werden nicht verdeckt gehalten, es reicht also, wenn eine Person am Tisch die versteht (oder Euch eine Übersetzung erstellt).

Im zweiten Teil geht es um Sandjock Likinè und ihr Spiel Bòg. Demnächst auf Du bist dran!

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber:innen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.