Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 4/2021

Argentinien

Hierzulande scheinen Sammelkartenspiele ja eher der Vergangenheit anzugehören – zumindest habe ich länger nichts davon gehört, dass da neue Sachen erschienen wären. In Lateinamerika ist das anders, wie man am Beispiel von Indommus: Reyes Destronados aus Argentinien sehen kann. Immerhin geht es einen eigenen Weg; die Karten sind in den Boostern gleich häufig enthalten. Die „Seltenheit“ verschiedener Karten wird nur dadurch ausgedrückt, wie oft man sie in sein Deck mischen darf. Indommus ist ein Spiel für zwei Leute. Mit Ressourcenkarten (die von einem separaten Deck kommen) bringt man andere Karten ins Spiel, bekämpft einander und verliert, wenn man entweder keine Lebenspunkte mehr hat, oder wenn man eine Karte vom eigenen Deck ziehen muss und keine mehr hat. Von Indommus gibt es bisher ein Grundspiel und zwei Boosterserien. Die Autoren sind Adrián Carnevale und Santiago Grinblat.

Brasilien

Sehr traurige Nachrichten gibt es aus Brasilien zu vermelden. Iaggo Pifferos Verlag Diceberry Editora schließt. Diceberry war für mich als Mikrospielfan immer einer der interessantesten Verlage in Brasilien gewesen. Pifferos Spiele deckten eine enorme Bandbreite an Mechanismen und thematischen Ideen ab und ließen sich nie auf einen besonderen Stil festlegen, nur dass es halt alles Mikrospiele waren. Für die Schließung des Verlags gibt es verschiedene Gründe, von denen die Pandemie nur einer ist. Ein anderer ist, dass Piffero in Brasilia lebt, fernab vom Zentrum der Spieleszene in São Paulo. Was für den deutschen Markt eher unwichtig klingt, ist in einem Land mit weniger ausgeprägtem Vertriebssystem ein echter Standortnachteil. Ich hoffe und glaube trotzdem, dass Iaggo Piffero der Spielewelt in irgendeiner Funktion erhalten bleiben wird. A Todo Vapor, Iaggo!

Mexiko

Omar Benitez heißt der Autor von Fotozoo, das dieser Tage bei Ludens Games erscheint. Es ist ein Hektikspiel, bei dem die Spieler:innen versuchen, bestimmte Tierkombinationen zu fotografieren. Dazu liegen Auftragskarten auf dem Tisch und man hat Karten auf der Hand. Gleichzeitig und in Echtzeit können nun alle ihre Handkarten tauschen: Mit Karten auf dem Tisch, oder nach bestimmten Tauschregeln auch mit anderen Spieler:innen. Wer alle Tiere auf der Hand hat, die eine Auftragskarte erfordert, legt die Tiere unter den entsprechenden Auftrag und deckt einen neuen auf. Nach Ablauf der Sanduhr zählt man die erfüllten Aufträge aus; wer damit am meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Zusätzliches Material für etwas komplexere Regeln ist auch enthalten. Gestaltet wurde Fotozoo von Alexz Martinez und Mirlangel Castro.

Uruguay

Vital Lacerda gehört sicherlich zu den bekanntesten Autor:innen von komplexen Spielen, sein Name verkauft Spiele. Weniger bekannt ist vielleicht der Name Julián Pombo, der für Mercado de Lisboa (letztes Jahr auf Kickstarter finanziert) als Lacerdas Co-Autor im Einsatz war. Es war nicht seine erste Kooperation mit Lacerda, denn er hat zum Beispiel für CO2: Second Chance und Lisboa die Solomodi erschaffen. Aber wie kommt jemand aus einem 400-Seelen-Dorf in Uruguay dazu, mit einem weltberühmten Autor aus Portugal zusammenzuarbeiten? Das ist die Magie des Internets. Pombo hatte sich auf einen Aufruf Lacerdas als Online-Spieletester gemeldet, und dabei hatte sich herausgestellt, dass ihre Fähgkeiten gut zueinander passten. So können wir nicht nur vermuten, dass es weitere Gemeinschaftsprojekte der beiden geben könnte, sondern uns auch auf eigene Projekte Pombos freuen. Übrigens hofft er, Mercado de Lisboa auch in einer Version herausbringen zu können, die auf einem Markt in Montevideo spielt. Wer des Spanischen mächtig ist, findet hier ein längeres Interview auf Spanisch.

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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