Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 1/2021

Willkommen im Jahr 2021. Es scheint ja eine gewisse Hoffnung zu geben, dass jetzt alles besser wird, aber ob sich das wirklich an so einem Jahreswechsel festmachen lässt, wage ich eher zu bezweifeln. Naja, ein bisschen Optimistismus schadet ja nicht. Und so gucke ich auch in diesem Jahr wieder auf die Spieleszenen in Lateinamerika. Wenn nichts dazwischenkommt, wieder jeweils am ersten und dritten Montag im Monat. Je nachdem, wie viel Zeit ich zum Recherchieren habe, wird das mal mehr und mal weniger umfangreich ausfallen. Heute eher weniger, denn ich habe über Weihnachten und Neujahr Pause gemacht. Muss auch mal sein.

Argentinien

Silvina Fontenla war schon in meinem ersten Artikel über argentinische Spiele gemeinsam mit Joel Pellegrino Hotham als Autorin aufgetreten. Jetzt ist ihr (meines Wissens) erstes allein entwickeltes Spiel auf den Markt gekommen, nämlich Candyshop. Es ist ein simples Spiel, bei dem es darum geht, die meisten Süßigkeiten einzusammeln. Auf dem Tisch liegen verdeckte quadratische Plättchen, deren Seiten jeweils den bis zu vier Spieler*innen zugeordnet sind. Wer dran ist, kann eins davon aufdecken und nach Belieben drehen, anschließend nehmen sich alle die Süßigkeitenchips, die auf der ihnen zugewandten Seite abgebildet sind (das sind unterschiedlich viele und in unterschiedlichen Farben, sodass man sich durch geschicktes Drehen Vorteile verschaffen kann). Die Chips kann man im Laufe des Spiels gegen Siegpunktkarten eintauschen, die außerdem noch beim Erwerb weiterer Karten hilfreich sind; wer das allerdings tut, kann kein Plättchen aufdecken. Candyshop ist bei juegosdemesa.com.ar erschienen und von der Autorin selbst illustriert worden.

Brasilien

Trickster (von Fabiana Prando und Eliana Athié) ist ein Kartensatz mit hübschen Illustrationen, anhand derer die Spieler*innen gemeinsam eine Geschichte erzählt. Es gibt dafür verschiedene Spielmodi, denen gemeinsam ist, dass es nicht ums Gewinnen sondern um die Entwicklung der Geschichte gehört. Für Purist*innen mag das in die Kategorie Spielzeug gehören, aber man kann es auch als Spielsystem verstehen, das zum Entwickeln neuer Regeln anregt (in den Regeln wird auch ganz explizit dazu aufgefordert, eigene Spielideen einzuschicken, ähnlich wie vor vier Jahrzehnten bei Reinhold Wittigs „Spiel“). Interessant ist außerdem, dass Trickster aus Prandos Masterarbeit im Fach Portugiesische Literatur hervorgegangen ist

Chile

Fractal Juegos verfolgt mit Crónicas del Estallido weiter seinen Plan, das moderne Zeitgeschehen Chiles in spielbarer Form aufzubereiten. Das Spielkonzept ist mit Anno Domini vergleichbar, man bringt Ereignisse in eine chronologische Reihenfolge. Alle paar Monate gibt es neue Karten mit aktuellen Ereignissen, abhängig davon, was sich in Chile so tut. Das Ganze steht als Print & Play zum Download bereit und ist ein Gemeinschaftsprodukt von vielen Leuten, die oft nur eine einzige Karte illustriert haben. Das stellt das Spiel auf eine breite Basis, aber natürlich ist es heute schwer abzusehen, welche Ereignisse man in einem oder zwei Jahren wirklich noch als relevant betrachtet. Aber man kann ja bei Gelegenheit Karten aussortieren. Inzwischen ist die dritte Erweiterung erschienen, die man (wie die anderen Teile auch) hier herunterladen kann.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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