Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 21/2020

Bolivien

Bolivien war bisher für mich ein nahezu weißer Fleck auf der Spiele-Landkarte gewesen. Aber das hat sich nun endlich geändert, weil ich auf Daniel Zeballos Olmos und seinen Verlag Lqpl gestoßen bin, der kürzlich seine beiden ersten Spiele veröffentlicht hat. In beiden geht es um Schlachten aus der Geschichte Boliviens. Da ist zum Beispiel Batalla de Calama, benannt nach der ersten Schlacht im Salpeterkrieg (1879 bis 1884) zwischen Chile auf der einen sowie Peru und Bolivien auf der anderen Seite. Von diesem Krieg konntet Ihr in diesem Blog ja sogar schon mal was lesen. In besagter Schlacht jedenfalls griff eine zahlenmäßig weit überlegene chilenische Streitmacht eine bolivianische Truppe nahe der Stadt Calama an. Nachspielen lässt es sich mit einem simplen, würfelbasierten Kampfsystem, das laut Verlag schon für Siebenjährige funktioniert. Es lässt sich in verschiedenen Schwierigkeitsstufen spielen, was durch die Kräfteverhältnisse ausgedrückt wird.

Der Name Rafael Pabón sagt hierzulande sicherlich so gut wie niemandem was. Er wurde bekannt dafür, 1932 den ersten Luftkampf zwischen zwei Nationen auf südamerikanischem Boden gewonnen zu haben, als Bolivien im Chacokrieg (1932 bis 1935) gegen Paraguay kämpfte und Pabón ein paraguayisches Flugzeug abschoss. Das Spiel dazu heißt Combate Aéreo: Pabón-Benítez und ist erheblich komplexer als Batalla de Calama. Man steuert seinen Flieger über einer Landkarte umher und programmiert Bewegungen, wobei es um Richtungen, Flughöhe, Geschwindigkeit und so weiter geht. Wenn man das gegnerische Flugzeug ins Schussfeld bekommt, versucht man entweder, eine bestimmte Sektion davon total zu zerstören oder einen solchen Gesamtschaden zu verursachen, dass es abstürzt. Combate Aéreo wurde von Carla Esther Díaz Jarandilla illustriert.

Spiele, die Wissen über die eigene nationale Geschichte vermitteln wollen, scheinen in Lateinamerika eine viel größere Rolle zu spielen als hierzulande, das war mir schon öfter aufgefallen. Vielleicht lässt sich in Ländern ohne ausgeprägte Spieleszene dadurch ein Markt erschließen.

Brasilien

Alexander Francisco setzt seine Beschäftigung mit altnordischen Themen fort, und zwar mit dem schon länger angekündigten und von ihm selbst illustrierten Spiel Kardnarök, das bei On the Table Jogos erscheinen soll und derzeit auf Catarse im Crowdfunding ist. Diesmal spielt man eine*n König*in und versucht, sich mit seinen Truppen im Ragnarök-Getümmel durchzusetzen, wobei man natürlich auch auf die Hilfe der zahlreichen Götter setzen muss. Das Spiel besteht aus einer Reihe von einzelnen Kämpfen jeweils zweier Spieler*innen gegeneinander. Wer es dabei schafft, die schlagkräftigere Truppe einzusetzen, kann Beute in Form von Münzen machen. Nachdem jede*r zweimal einen Kampf angezettelt hat, endet das Spiel, und wer dann die meisten Reichtümer vorweisen kann, erlangt die Weltherrschaft.

Eine andere Art von Endzeitszenario finden wir in Zurvivors: Cooperação von Fábio Arraes und Bruno Viana, das ebenfalls gerade auf Catarse läuft. Letztes Jahr gab es schon das kompetitive Zurvivors-Spiel, nun geht man zu zweit kooperativ auf die Flucht. Eigentlich klingt alles ganz einfach: Nach der Explosion in einem Labor muss man (durch Ausspielen geeigneter Kartenkombinationen) ein paar Beweismittel gegen die skrupellosen Verursacher*innen einsammeln und dann eine kurze Strecke zu einem herumstehenden Motorrad laufen, um damit davonzubrausen. Leider gibt es größere Zombie-Horden, die etwas dagegen haben, dass man das schafft, und so lautet der Slogan auch: Der längste kurze Weg, den ihr je zurücklegen musstet. Die Illustrationen stammen von Fábio Arraes, und Zurvivors: Cooperação erscheint wieder bei Gamehives.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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