Stichspiel mit Überraschungen

Vor ein paar Monaten bekam ich von einem jungen Würzburger Verlag namens SpielMr ein Spiel namens Partout zugeschickt, das ich seitdem ein halbes Dutzend Mal zu dritt und zu viert ausprobieren konnte (ich hatte es hier schon kurz erwähnt).

Worum geht‘s?

Partout ist eins dieser Stichspiele, bei denen man vorher ansagt, wie viele Stiche man gern erreichen möchte. Allerdings ist das nicht so ganz einfach, denn Partout spielt man mit Teams zu je zwei Personen, und man sagt getrennt voneinander an. Die Summe der Ansagen des eigenen Teams will man dann gemeinsam erreichen. Außerdem werden vor Beginn einer Runde eine Trumpfzahl und eine Trumpffarbe angesagt, und zwar von Leuten aus verschiedenen Teams.

Neben den „normalen“ Zahlenkarten in vier Farben gibt es sechs Sonderkarten: Zwei höchste Trümpfe, eine Karte, die allerhöchster Trumpf ist, aber nur, wenn einer der höchsten Trümpfe gespielt wurde, eine, die die Trumpffarbe und eine, die die Trumpfzahl wechselt (mit sofortiger Wirkung mitten im Stich), und eine, die eine beliebige andere Karte neutralisiert. Diese Karten sorgen einerseits für zusätzliche Unberechenbarkeit, andererseits kann man sie natürlich in die Planung der eigenen Stichvorhersage mit einbeziehen.

Partout

Das Spiel selbst ist ansonsten ein normales Stichspiel, wobei es keinen Bedienzwang gibt und nicht ganz alle Karten ausgeteilt werden, also eine gewisse Unsicherheit darüber bestehen bleibt, was noch im Spiel ist.

Hat ein Team seine Vorhersage erreicht oder liegt darüber, winken fette Bonuspunkte, bleibt man darunter, geht man leer aus. Da die Bonuspunkte nicht linear, sondern exponentiell ansteigen, versucht man, möglichst hoch anzusagen.

Partout

Wer nicht zu viert oder zu sechst ist, kann Partout auch zu dritt spielen. Dann geht jeder Stich zweimal rum, man legt also zwei Karten hinein. Das braucht auch ein wenig Gewöhnung, funktioniert aber überraschend gut.

Und? Macht das Spaß?

Damit Partout Spaß macht, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Man muss Stichspiele mögen und sich auf Neues einlassen können. Das Fehlen des Bedienzwanges löst bei vielen sicherlich erstmal ein bisschen Verwirrung aus. Daher liegt man beim Vorhersagen der Stiche leicht daneben, zumal sich ja auch Trumpfzahl und -farbe bereits im ersten Stich ändern können. Das ist gewöhnungsbedürftig und kann Leuten, die puristischer drauf sind als ich, vielleicht erstmal missfallen. Aber letztlich bedeutet es nur, dass man sich auf etwas Neues einstellen muss. Mit ein bisschen Übung liegt man in vielen Runden nur bis zu einen Stich daneben, obwohl es auch schon mal eine richtig unerwartete Klatsche geben kann. Partout ist ein Spiel, in dem man sich nie zu sicher sein kann, zumal ja auch jeweils einige Karten aus dem Spiel sind. Die Sonderkarten sollte man schon nachhalten können; bei den anderen Karten ist es nicht so zentral, weil man ja zumindest am Anfang noch nicht weiß, was später mal die Trümpfe sein werden.

Damit ist Partout immer noch ein Spiel, das für Stichspielfans sehr leicht zu erlernen ist (es gibt ja Stichspiele, die tollkühn die Grenzen des Genres ausloten, so etwas haben wir hier nicht vor uns), trotzdem aber Neues bieten. Die gemeinsame Stichvorhersage war mir noch ganz neu, und das Teamspiel ist durch die ja recht drastisch ins Spielgeschehen eingreifenden Sonderkarten für mich auch sehr interessant. Wirklich innovativ finde ich das Spiel zu dritt, wo man sozusagen ein Team mit sich selbst bildet, was ganz neue Möglichkeiten bietet. Trotzdem hat mir Partout zu viert noch mehr Spaß gemacht, weil die Zusammenarbeit die Kommunikation am Tisch befördert und die Stimmung hebt. Überhaupt gibt es durch die vielen Situationswechsel im Spiel viel zu lachen. Zu sechst kann ich es in Zeiten der Pandemie leider nicht recht ausprobieren. Das ist vielleicht auch cool, aber ich lege mich mal drauf fest, das Partout besonders zu viert glänzt. Klare Empfehlung aber in jedem Fall für Stichspielfans.

Partout
für 3, 4 oder 6 Personen
von Adrian Dußler
Illustrationen: Hrach Hovhannissyan und Janna Heimer
SpielMr, 2020

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