Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 17/2020

Hier kommen noch ein paar Neuerscheinungen aus Südamerika, bevor ich mich dann auf die Messevorberichte konzentriere.

Argentinien

Von Elías Fortunato stammt Tu Letra (Dein Buchstabe), ein simples Wortspiel, das ich durchaus auch mal im Sprachunterricht ausprobieren sollte. Ein*e Direktor*in der Runde bekommt einen verdeckten Buchstaben, die anderen Spieler*innen jeweils drei. Dann wird ein Thema der Runde festgelegt (zum Beispiel Tiere). Reihum sagt man nun ein Tier und fragt den*die Direktor*in, ob der verdeckte Buchstabe darin vorkommt. Falls ja, darf man eine Karte ziehen, falls nein, wird eine Karte vom Stapel aufgedeckt. Wer den gesuchten Buchstaben errät, erhält einen Punkt. Es geht also darum, Wörter zu finden, bei denen man den anderen möglichst wenig Hinweise auf den gesuchten Buchstaben preisgibt. Die Illustrationen stammen von Gabriel Pintueles, und erschienen ist das Ganze bei El Dragón Azul.

Trok ist ein Living Card Game mit Horrorthema. Vor sich haben die Spieler*innen einen Auslagebereich, der in eine Angriffs- und eine Verteidigungszone aufgeteilt ist. Nun versuchen sie, ihre Karten dort so hineinzuspielen, dass sie möglichst viel Schaden auf der Gegenseite anrichten und sich selbst zu schützen. Wer aller seiner Lebenspunkte beraubt wird, verliert das Spiel. Es gibt neben dem Grundspiel, das bereits 2019 erschienen war, mittlerweile mehrere Erweiterungen, mit denen man sein Deck aufpumpen kann. Autor und Eigenverleger Agustin Farias empfiehlt, nachts zu spielen und Spiegel und Porträts abzudecken. Die Illustrationen stammen von Nahuel Aranda Yañes.

Vier Elemente befinden sich seit undenklichen Zeiten im Streit miteinander – zumindest wenn man der Geschichte von Balance Elemental folgt, einem Spiel von Julián Vecchione, das dieser unter dem Label Pulga Escapista herausbringt (von Google Translate sehr schön als Fluchtfloh übersetzt). Das Spiel besteht aus Markern, auf denen jeweils ein oder mehrere Elemente abgebildet sind. In jeder Runde wirft jemand einige davon auf den Tisch, und die anderen haben nun fünf Sekunden Zeit, sich zu merken, welches Element wie oft dabei ist. Dann werden die Marker wieder verdeckt und alle schreiben ihre Beobachtungen auf. Je näher man an der tatsächlichen Zahl für ein Element liegt, desto mehr Punkte bekommt man (aber nicht überbieten!). Die Illustrationen stammen von Agustín Castro.

Brasilien

Marcos Macris Spiel Dogs ist eines der bekannteren Spiele aus Brasilien, das es nicht nur zu vier portugiesischsprachen Ausgaben, sondern auch zu einer englischsprachigen (bei Gray Mass Games) gebracht hat, und außerdem eine Erweiterung bekommen hat, über die ich hier schon mal berichtet hatte. Nun wird das Ganze durch die Kartenspielvariante Dogs: Card Game ergänzt, die derzeit auf Catarse im Crowdfunding ist und ihr Finanzierungsziel bereits vielfach übertroffen hat. Wie im Originalspiel läuft man durch eine Stadt und versorgt streunende Hunde. Dazu muss man sein Hundeasyl ausbauen, Angestellte anheuern und vieles mehr, wobei das Kartenspiel aber mit rund 30 Minuten deutlich zügiger abläuft als das Brettspiel. Für die Veröffentlichung hat Macris Eigenverlag MS Jogos sich mit Ludens Spirit zusammengetan.

Eine weitere erfolgreiche Catarse-Kampagne läuft für Cosmos von Diego de Moraes, das bereits seit diversen Jahren bei Dijon Jogos in Vorbereitung ist und jetzt endlich auf den Markt kommen soll. Hier überschlagen sich die brasilianischen Blog- und Verlagsgrößen geradezu mit Lob, das lange Warten scheint sich also gelohnt zu haben. Cosmos ist ein Deckbauspiel mit einem ungewöhnliches Thema, man spielt einen Protoplaneten während der Entstehung eines Sonnensystems und versucht, eine Atmosphäre und sonstige gute Lebensbedingungen aufzubauen. Es dauert sieben Milliarden Jahre – äh, sieben Runden, also 60 bis 90 Minuten. Die Illustrationen kommen von Tiago Sousa.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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3 Antworten zu Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 17/2020

  1. Peer sagt:

    Die Idee mit dem Protoplaneten ist ja schon mal sehr cool. Schade, dass DEckbauspiele doch recht sprachabhängig sind 🙂

    Dogs hatte ich tatsächlich mal. Ist ein ganz ordentliches WP-Spiel, dass vom Thema her lebt. Mich hats damals nicht wirklich umgehauen (auch weil sich die Partien sehr ähneln), aber es ist solide designed.

    • HilkMAN sagt:

      So ging mir das mit Dogs auch – aber ein bisschen lag’s vielleicht auch daran, dass es mir zu lange gedauert hat, also wäre da so ein Kartenspiel vielleicht die richtige Antwort. Bei Cosmos könnte ich mir auch eine internationale Ausgabe vorstellen.

      • Peer sagt:

        Ich hatte Dogs damals auch deswegen gekauft, weil ich dachte, ich könnte es mit meinen Kindern spielen (wegen des Themas), aber dazu war es viel zu kompliziert (wobei die Regeln sich nicht unbedingt in strategiscxher Vielfalt niederschlugen). Stimmt schon- Ein Kartenspiel könnte das Spiel geschickt auf den Kern eindampfen.

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