Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 8/2020

Die Zeit eilt dahin, und mein Blog liegt weitgehend brach. Aber es gibt trotz aller Krisen weiterhin Berichtenswertes aus Lateinamerika. Bitte schön:

Argentinien

Wie so oft in lateinamerikanischen Spielen geht es auch in ¿Quién quiere ser presidente? (Wer möchte Präsident sein?) um Politik. Die Spieler*innen feilschen darin um die Macht, wobei im Spiel immer wieder neue Präsident*innen gewählt werden müssen. Man gibt dann bekannt, ob man zur Wahl kandidieren möchte und auf welcher Seite (links oder rechts). Anschließend geht ein Geschacher los, bei dem man den anderen Spieler*innen nach Herzenslust Macht, Gold und Geld anbieten kann, um ihre Unterstützung zu erbetteln. Wer einmal gewählt ist, übt dann natürlich seine Macht nach Herzenslust aus – bis zur nächsten völlig demokratischen Wahl. ¿Quién quiere ser presidente? stammt von Nicolás Martínez Sáez und ist im Selbstverlag erschienen. Die Illustrationen stammen von Rodrigo Campos.

Chile

Der umtriebige chilenische Verlag Fractal Juegos veröffentlicht die Erweiterungen zu seinem politisch-edukativen Print-and-Play-Spiel Crónicas del Estallido geradezu in Echtzeit – kein schlechtes Konzept. Auch diesmal gibt es wieder eine Menge Karten zu den aktuellen Ereignissen der Unruhen in Chile herunterzuladen. Ziel ist es dann, sie in die richtige Abfolge zu bringen, etwa wie bei Anno Domini. Hier ist der Link zur Downloadseite. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie sich die politische Situation in Chile in den nächsten Wochen weiter entwickeln wird, die aktuelle Krise überschattet ja so manches Andere. Aber die Welt steht nicht still, und so sind weitere Fortsetzungen nicht ausgeschlossen.

Aber das ist nicht das Einzige, womit sich Fractal Juegos zuletzt beschäftigt hat. Normalerweise führen die Links in diesem Blog zu spanisch- oder portugiesischsprachigen Quellen. In diesem Fall ist es allerdings anders, hier gibt es was auf Deutsch zu lesen. Fractal hat nämlich gemeinsam mit dem Goethe-Institut in Chile und dem Museo de la Memoria y los Derechos Humanos ein Spiel namens Memoria oculta herausgebracht. Es geht dabei um die Erinnerung an die Pinochet-Diktatur, die Chile zwischen 1973 und 1990 im Griff hatte, aufgezeigt an der Stadt Santiago und ihren einzelnen Schauplätzen. In drei Gruppen ziehen die Spieler*innen über einen Stadtplan, beantworten Fragen und diskutieren Audio-Dokumente aus der Diktatur. Bei Erfolg belegen sie die Originalschauplätze mit Markern, sodass die Stadt sich langsam verwandelt, was auch das Spielziel dieses kooperativen Spiels ist.

Peru

Während letztes Jahr in Deutschland zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt das Spiel Humboldt’s Great Voyage erschien, hatte das Jubiläum auch im fernen Peru jemanden dazu animiert, ein Spiel über den berühmten Forscher zu entwickeln, der in Südamerika bis heute von vielen verehrt wird. Das besagte Spiel heißt einfach Humboldt und ist bei einem Verlag namens Miscelánea erschienen. Man spielt darin einen von vier Entdeckern (Humboldt oder einen seiner Vertrauten) und reist durch Südamerika, um Entdeckungen zu machen und ein bekannter Wissenschaftler zu werden. Das Spiel ist eine Gemeinschaftsproduktion der Autor*innen Andrés del Carpio, Sebastián Ortiz, Cindy Paredes sowie Daniel and Diego Zúñiga. Die Illustrationen stammen von Diana Riesco Lind and Jorge Luis Noriega.

Alle Illustrationen mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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