Gone Fishing – ein Angelspiel im 21. Jahrhundert

Magnetische Angelspiele, bei denen man mit seiner Angel hinter einem Sichtschirm versteckte, mehr oder weniger wertvolle Fische herausholt, gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Spielerisch sind sie langweilig, ihr Spannungslevel ist nicht höher, als wenn man Lose zieht. Sie leben allein von ihrem Spielmaterial. Das sich aus dieser Grundidee auch noch wesentlich mehr herausholen lässt, beweist Gone Fishing von Happy Baobab, und das ganz ohne Magnete. Der Verlag hatte mir im letzten Jahr in Essen netterweise ein Rezensionsexemplar überlassen. Der (koreanische) Autor von Gone Fishing nennt sich Ehail und ist zuvor nur durch zwei Sportspiele in Erscheinung gestreten.

Gone Fishing

Worum geht’s?

Jede*r Spieler*in hat ein Schiff mit fünf Lagerräumen für fünf verschiedene Fischarten. Die Kunststofffische werden zu Spielbeginn durch eine durchlöcherte Pappe ungefähr gleichmäßig auf der Spielfläche verstreut. Der oder die Startspieler*in wählt eines der vier Netze und befestigt es an einer Angel. Dann senkt man das Netz vorsichtig so ab, dass möglichst viele Fische darin eingeschlossen werden. Allerdings darf der Rand des Netzes dabei keinesfalls einen Fisch berühren, sonst ist der Zug sofort verloren.

Gone Fishing

Die vier verschiedenen Netze, die nacheinander ins Spiel kommen.


Das Netz mit den Fischen zieht man dann zu seinem Schiff. Einen der gefangenen Fische legt man auf eine Markttafel, den Rest in seine Lagerräume. Je mehr Fische einer Sorte auf der Markttafel liegen, desto wertvoller wird jeder Fisch dieser Sorte in der Endabrechnung (und entsprechend wird es umso attraktiver, weitere davon zu fangen).

Gone FishingWenn alle mit der ersten Netzform gefischt haben, sucht der oder die nächste Spieler*in das nächste Netz aus. Nach dem vierten Netz folgt die Auswertung und jeder Fisch bringt entsprechend seiner Position auf der Markttafel Punkte ein. Vorher wird allerdings noch geprüft, ob die Fische auch frisch sind. Dazu würfelt man sie einfach – aufrecht liegenbleibende Fische sind besonders frisch und geben jeweils einen Extrapunkt. Wer danach am meisten Punkte eingesackt hat, gewinnt das Spiel.

Gone Fishing

Tintenfische bringen in dieser Runde am meisten ein.

Und? Macht das Spaß?

Ja, das auf jeden Fall. Gone Fishing ist eine gelungene Mischung aus schrägem Geschicklichkeitsspiel und genügend Taktik, um es nicht beliebig zu machen. Natürlich ist es grundsätzlich gut, möglichst viele Fische einzusammeln – erst im Laufe des Spiels werden die Werte der Farben klarer, und man laviert um die Wertung herum. Das Würfeln am Ende ist dann noch ein kleines und originelles Zufallselement, das in der Regel keine völlig überzogenen Aufholjagden mehr ermöglicht, aber zumindest noch mal ein bisschen Hoffnung aufkommen lässt. Wer Gone Fishing allerdings vor allem wegen der Punkte spielt, ist hier schlecht aufgehoben, denn Gone Fishing verzeiht keinerlei Fehler. Wenn ich bei einem Angelversuch einen Fisch berühre, verliere ich nicht nur meinen Zug, sondern die berührten Fische rücken meist auch noch weiter zusammen (wenn es innerhalb des Netzes war) oder weiter weg (wenn es außerhalb war). Das heißt, dass der oder die nächste Spieler*in oft genau meinen Plan ausführen kann, aber mit größeren Erfolgsaussichten. Das ist also eine Art Doppelbestrafung, die letztlich auch die anderen Spieler*innen betrifft, die daran nicht beteiligt sind und dem Geschehen hilflos zusehen müssen. Daher haben wir es mehrfach erlebt, dass Partien durch solch einen einzigen Fehler nahezu entschieden waren.

Nur ein Fisch steht aufrecht und ist frisch genug für den Bonus (der hinterste).

Trotzdem macht die Angelei gehörig Spaß, und dazu gehören natürlich auch die Versuche, andere dabei nervös zu machen. Da wird am Tisch ordentlich gelacht. Ich kann daher über die gelegentlich fehlende Balance hinwegsehen – langweilig wird es eher nicht, insbesondere nicht, wenn Kinder beteiligt sind. Überhaupt ist das Spiel in unseren Partien ohnehin vor allem bei Kindern gut angekommen. Da wurde dann auch nach der Wertung noch mit dem herrlichen Spielmaterial herumgespielt. Für reine Erwachsenenrunden, die Spiele sehr ernst nehmen, kann ich Gone Fishing daher nicht so richtig empfehlen. Für Familien mit Kindern dafür umso mehr.

Gone Fishing
für 2 bis 4 Personen
von Ehail
Illustriert von Sylvain Aublin
Happy Baobab, 2019

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