Messevorschau 2019: Indonesien – Archipelageek

Der indonesische Pavillon am Ende von Halle 3 war letztes Jahr ja recht auffällig gewesen, und dieses Jahr wird es wieder einen geben (3-Q106). Allerdings ist das Konzept diesmal ein anderes, denn es sollen keine Spiele verkauft werden. Der Pavillon Archipelageek dient mehr dem Ziel, ausländische Partnerverlage zu finden. Unter Umständen könnt ihr von dem einen oder anderen Spiel das eine oder andere Exemplar auch kaufen, aber das ist jedenfalls nicht das Hauptziel der Präsentation.

INDONESIEN

Sechs Spiele sind ausgewählt worden, um Indonesien besonders zu repräsentieren, 14 weitere werden ebenfalls präsentiert. Gucken wir uns erstmal die sechs an:

Cine Write and Trade von Nomas Kurnia und Arif Prima ist im Verlag Shuffle Boardgame Community erschienen und ist ein wirklich ungewöhnliches Wort-Deduktionsspiel, das ich gern mal ausprobieren möchte. Jede*r Spieler*in bekommt nämlich ein paar geheime Wörter aus einer Auslage und muss dafür sorgen, dass die anderen diese erraten. Um das zu erreichen, legt man nach und nach Karten mit Hinweiswörtern aus. So weit, so Archipelageekkonventionell. Der Clou ist aber, dass man diese Hinweiswörter kaufen muss, und zwar von anderen Spieler*innen, die sie zuvor auf Karten geschrieben haben, wobei sie dabei natürlich möglichst große Erlöse aus den Karten erhoffen, also versuchen, möglichst sinnvolle Tipps für andere aufzuschreiben.

Korowai hat gleich vier Autoren: Martin Ang, David Santoso, Wikan Prabowo und Aditya Pradana. Es ist bei TableToys erschienen und spielt in Westpapua. Die Spieler*innen versuchen, ihren Stamm durchzubringen. Dafür müssen sie jagen sowie Ackerbau und Holzwirtschaft betreiben, möglichst ohne dabei von wilden Tieren oder sonstigen Schwierigkeiten heimgesucht zu werden. Mit einem Deckbaumechanismus stärkt man seinen Stamm, um Archipelageekden Überlebenskampf zu gewinnen.

Ebenfalls von Tabletoys und Martin Ang stammt SEN – Save the Queen. In diesem Zweierspiel schlüpfen die beiden Spieler*innen in die Rolle zweier verfeindeter Königinnen, die versuchen, das Land der jeweils anderen zu erobern. Das Spiel findet in einer Auslage von nur 3×3 Feldern statt, in der die einzelnen Figuren (also Karten) von weiteren Karten von außerhalb gesteuert werden, die man im richtigen Moment an sich bringen muss.

Das Autorentrio Nata, Darwin und Desyanto war letztes Jahr schon mit Bluffing Billionaires in Erscheinung getreten. Dieses Jahr kommen sie mit Mindblowon (erscheint bei Msbr), Archipelageekeinem Spiel, das offenbar Exploding Kittens ähnelt. Die Spieler*innen ziehen Karten von einem der zwei Stapel und führen die Anweisung darauf auf. Sie wollen jeweils am längsten überleben – dazu müssen sie Bomben und den Angriffen der Mitspieler*innen ausweichen. Wer seinen Spielzug überlebt, nimmt alle offen ausliegenden Karten auf die Hand und darf sie in künftigen Runden einsetzen.

Von der gleichen Autoren-/Verlagscombo stammt The Forbidden Ritual (vorher schon mal als Santet angekündigt). Man schlüpft hier in die Rolle eines*einer mehr oder weniger finsteren Schaman*in. Im ArchipelageekZentrum des Spiels steht ein Würfelmechanismus, mit dem man versucht, bestimmte Symbole zusammenzubekommen. Mit diesen kann man dann Rituale vollführen, um die lieben Kolleg*innen zu Kleinholz zu machen.

Das größte der sechs hervorgehobenen Spiele heißt Nusa Rasa und ist ein Worker-Placement-Spiel, bei dem man versucht, sein Restaurant erfolgreicher als die anderen zu betreiben. Serviert werden indonesische Spezialitäten aus allen Winkeln des Landes. Man muss Zutaten zusammenkriegen und Bestellungen bringen, was in den beiden enthaltenen Spielmodi unterschiedlich kompliziert ist. Nusa Rasa stammt von Kevin Hendranata und Kris Ardianto und ist in Indonesien bei Ketchup ArchipelageekGames erschienen.

Zu diesen sechs Spielen kommen 14 weitere, die ich hier leider nicht mehr alle im Detail vorstellen kann, daher nur ein Kurzdurchlauf: Auch in Luwenaki von Maurice Dechanda geht es um das erfolgreiche Führen eines gastronomischen Betriebs. Der Koch ist erkrankt und nun versuchen seine Kinder, den Betrieb weiterzuführen und sich für das Erbe als Archipelageekwürdig zu erweisen. Erschienen ist das Ganze bei UMN.

Wer hier gelegentlich mitliest, wird wissen, dass ich eine Schwäche für Schriftsysteme habe. Deshalb spricht mich Aksara Jawa von Wikan Prabowo und Verra Palevita besonders an. Darin geht es um die vom Aussterben bedrohte einheimische Schrift Javas. Man bekommt Aufgabenkarten und muss sie in die einheimische Schrift „übersetzen“, auch ohne diese zu können – aber der eine oder andere Lerneffekt könnte sich einstellen. Ob Deutschland hierfür der richtige Markt ist, weiß ich nicht, aber wünschen würde ich es mir. Erschienen ist Aksara Jawa bei Bambam Kingdom. Ansonsten lohnt sich für Leute, die sich für seltene Alphabete interessieren, immer auch ein Blick auf die Kickstarter-Kampagnen von Tim Brookes.

ArchipelageekMit der indonesischen Geschichte hingegen befasst sich Belapati War von Rendya Adi Kurnawan, Machadz Abdul A., M. Farid Imadudin und Liliana Kitty Sozanolo Harefa, das vom Kampf der hinduistischen Königreiche Mahapajit und Sunda im 14. Jahrhundert handelt. Es ist allerdings ein abstraktes Zweierspiel, erschienen bei Logi Games.

In Cenayang von Arya Wirahadi und Yusak Arief geht es darum, vorauszusehen, wie die Spieler*innen auf eine bestimmte Aussage reagieren. Die Besonderheit ist, dass eine*r der Cenayang ist, der verdeckt eine Antwortenzahl besitzt und seine Aussage so formulieren muss, dass die gewünschte Antwortenverteilung eintrifft. Cenayang erscheint bei Memento Craft (Disclaimer: Die Regeln habe ich übersetzt).

ArchipelageekIn Coffee Crash von Rio Frederico (Manikmaya Games) sind übereifrige Barristas so damit beschäftigt, sich gegenseitig in die Quere zu kommen, dass sie schon mal die eine oder andere Bestellung vernachlässigen.

Pencak Silat ist ein Oberbegriff für Kampfsportarten aus Indonesien und einigen umgebenden Ländern. Wer sich dafür interessiert, sollte sich mal Laga Pendekar von Muhammad Saiful Imam (Makhluk Oranje Games) angucken, bei dem man solche Kämpfe simuliert. Dafür stehen verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten zur Verfügung, die man möglichst geschickt gegen die anderen Spieler*innen einzusetzen versucht.

ArchipelageekBunaken (Pebees Games) von Tyo Raga nimmt sich dagegen eher friedlich aus. Es geht darum, unter Einsatz von Tauchkarten in eine wunderbare Unterwasserwelt zu tauchen und die besten Fotos zu machen

In Prabumeru von Novia Dwiyanti Putri schlüpfen die Spieler*innen in die Rolle von Bergsteiger*innen (mit süßen Bergsteigemeeples) und wollen drei berühmte Berge erklimmen. Soweit ich es auf den veröffentlichten Fotos erkennen kann, befindet sich das Spielfeld im Deckel der sechseckigen Schachtel.

Toraja von Vicky Belladino und Hamzah Alfarabi ist Archipelageekbei Congkak erschienen. Man versucht, sein Land in eine Kaffeeplantage umzuwandeln. Dazu draftet man Kartet, bildet Sets und setzt diese dann in einer Art „Draft and Write“ möglichst gewinnbringend zum Ausbau seiner Plantage ein. Das klingt wie eine ganz spannende Kombination aus Mechanismen, finde ich.

Im kleinen Kartenspiel Two Kingdoms (Verlag: Dua Kerajaan) von M. Kamal Ikmal streiten mal wieder zwei Königreiche Archipelageekmiteinander um die Vorherrschaft. In vier Teilbereichen versucht man die Oberhand zu gewinnen, unter anderem, indem man die Bevölkerung der Gegenseite zu sich herüberzieht.

Noch ein letztes Mal geht es um Krieg, diesmal allerdings um einen War of the Words. Man muss möglichst viele Wörter aus den vorhandenen Buchstaben bilden, idealerweise, ohne Buchstaben übrig zu behalten. Nicht passende Buchstaben kann man gewinnbringend zu verkaufen versuchen, um Geld für neue eigene Buchstaben einzunehmen. War of the Words stammt von Wisnu Widiarta und erscheint bei Wishgame.

Über Jalan Jalan, Unmask! und Kancil hatte ich letztes Jahr schon berichtet, die sind auch wieder vor Ort.

Das war’s für dieses Jahr aus Indonesien – ich finde, da sind ein paar sehr interessante Ideen dabei. Schade, dass diese weitgehend unverkäuflich sein werden. Aber angucken kann man sie sich ja trotzdem mal – wer vorab schon mehr wissen möchte, findet einen etwas ausführlicheren Katalog hier.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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