Weniger ist mehr.

Der koreanische Verlag Mandoo Games ist erst seit wenigen Jahren im Geschäft, hat aber seither eine beeindruckende Anzahl Spiele herausgebracht, darunter internationale Bestseller, aber auch einige Eigengewächse. Ich hatte hier im Februar schon über Spring Rally berichtet, was mir (immer noch) sehr gut gefällt. Nun schickte mir der Verlag ein Vorabexemplar eines neuen Spiels zu, das zur Messe in Essen erscheinen soll. Es handelt sich um Queenz von Bruno Cathala und Johannes Goupy. Wie es bei uns angekommen ist, will ich Euch hier berichten.

Queenz - To bee or not to bee

Worum geht’s?

Ein Imker geht um eine Blumenwiese und sammelt Blumen für die Felder, auf denen seine Bienenstöcke stehen. Besser gesagt, er sammelt Blumen für jede*n Spieler*in. Man nimmt sich jeweils eine bis drei Blumen aus der Reihe, an der der Imker steht, und legt sie auf eine Art persönliche Vorratstafel. Dann zieht man den Imker um so viele Schritte weiter, wie man Blumen genommen hat. Wenn man genügend Blumen gesammelt hat, nimmt man sich ein fünf Felder großes Plättchen aus einem Vorrat und legt die Blumen drauf. Liegen mehrere Blumen der gleichen Farbe beisammen, bekommt man Punkte, und zwar jedes Mal aufs Neue, wenn man an eine Farbe weitere passende Blumen anbaut. Das passiert dann, wenn man ein neues Fünferplättchen mit Blumen füllt und an seine Auslage anpuzzelt. Zwischen die Blumen kann man noch bis zu drei Bienenstöcke bauen. Auf manchen Blumen sind Bienen zu sehen. Diese Plättchen kann man nur einzeln nehmen, und am Ende zählt jeder Bienenstock so viele Bonuspunkte, wie angrenzende Bienen vorhanden sind. Noch wertvoller können die namensgebenden Bienenköniginnen sein: Nimmt man eine solche aus der Auslage, kann man sie sofort gegen eine andere Blume aus der eigenen Auslage tauschen.

Queenz

Beim Ziehen gibt es Einschränkungen: Drei Blumen kann man nur nehmen, wenn sie drei verschiedene Farben haben, Blumen mit Bienen drauf kann man nur einzeln nehmen. In dieser Reihe kann man also maximal zwei Blumen nehmen (zwei gelbe oder eine gelbe und eine blaue).

Genommene Blumen legt man zunächst auf eine persönliche Tafel. Dieses Beispiel stammt aber aus dem späteren Spielverlauf, denn ich habe hier schon mit allen fünf Farben gepunktet und entsprechend fünf Honigtöpfe gesammelt. Dafür gibt es am Ende noch Bonuspunkte.

Wer fünf Blumen gesammelt hat, nimmt sich ein Plättchen und legt die Blumen in beliebiger Anordnung drauf. Für Rot und Blau gibt es je zwei Punkte. Warum habe ich das so gelegt und nicht anders?

Weil ich mit der obigen Anordnung gute Möglichkeiten geschaffen habe, alle Felder fortzusetzen. Zu den vier Punkten vom ersten Plättchen kommen her noch 4+4+2=10 Punkte hinzu.

Die Plättchen haben verschiedene Formen, sind aber immer fünf Felder groß.

Wenn jemand fünf Plättchen gefüllt hat, haben alle anderen noch je einen Zug. Dann werden die Bonuspunkte berechnet, und wer am meisten hat, gewinnt das Spiel.
In der endgültigen Version des Spiels wird noch eine Variante „Schwarze Orchideen“ enthalten sein, diese fehlte in meinem Vorabexemplar aber noch.

Und? Macht das Spaß?

Queenz ist so ein Spiel, das man locker vor sich hinspielen kann. Die Regeln greifen gut ineinander und sind nachvollziehbar, sodass es nicht schwer fällt, sich auf das Spielen zu konzentrieren (anstatt ständig nachblättern zu müssen). Eine Ausnahme bilden die namensgebenden Bienenköniginnen, die so selten im perfekten Moment einsetzbar sind, dass man sie vielleicht ein bisschen aus den Augen verlieren kann (zumindest kamen zu dieser Regel die meisten „Wie war das noch mal?“-Fragen). Und so geht das Spiel recht flüssig voran, auch wenn man meist nicht sehr weit vorausplanen kann. Das ist allerdings auch kaum notwendig, denn meiner Meinung nach gibt es in Queenz oft einfach zu viele Möglichkeiten. Was eigentlich positiv klingen müsste, führt eher zu Beliebigkeit. Jemand hat sich das Gartenplättchen geschnappt, das ich haben wollte? Ach, ein anderes bringt mir nur einen Punkt weniger, das ist kein Problem. Jemand hat mir den Imker auf eine Reihe gestellt, in der meine beste Blumenfarbe nicht vertreten ist? Dann baue ich eben eine andere aus. Zwar ist es ideal, wenn man eine schon bestehende größere Farbgruppe noch mehrfach erweitern kann, aber wenn das nicht klappen sollte, gibt es genügend andere Möglichkeiten. Das führt dazu, dass man sich weder über verpasste Chancen ärgern, noch über gelungene Spielzüge sonderlich freuen kann. Die in Ansätzen vorhandene Interaktivität spielt daher kaum eine wirkliche Rolle, und es kommen kaum Emotionen ins Spiel. Man spielt einfach so vor sich hin, und irgendwann ist es halt vorbei.

Queenz

In der letzten Runde darf man auch unvollständig belegte Fünferplättchen anbauen. Für den linken Bienenstock gibt es noch mal vier Bonuspunkte, weil er an vier Bienen grenzt, für den rechten gibtes fünf.

Am besten hat uns Queenz noch zu zweit gefallen, weil man hier zumindest ein bisschen direkter aufeinander einwirken kann und das Spiel auch noch flotter vorangeht. Trotzdem hat nie jemand den Wunsch geäußert, gleich noch einmal zu spielen. Für Leute, die gern in Ruhe vor sich hinspielen und Punkte hier und Punkte da sammeln, ist das Spiel sicherlich einen näheren Blick wert (und es sieht auch hübsch aus – Illustrator Vincent Dutrait ist ja einer der Stars der Branche). Für mich gibt es zu wenig spannende Momente, sodass ich eher nicht zur Zielgruppe gehöre.

Queenz – To bee or not to bee?
für 2 bis 4 Leute
von Bruno Cathala und Johannes Goupy
Illustriert von Vincent Dutrait
Mandoo Games, 2019

Achtung: Bei dem von mir fotografierten Spiel handelt es sich um ein Vorabexemplar. Ob es noch Material- oder Farbabweichungen geben wird, weiß ich nicht. 

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