Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 9/2019

Argentinien

Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 9/2019Wie jedes Jahr gibt es für den Premio Alfonso auch 2019 wieder eine Art Nominierungsliste, die nach wochenlangem Testen durch Spieleclubs und Jury gekürt und kürzlich bekanntgegeben wurde. Darauf stehen (in alphabetischer Reihenfolge):
El Camarero (Maldón)
Fast Food! (Joel Pellegrino Hotham, JuegosdeMesa.com.ar)
Lunes (Julián Tunni und Aibel Nassif, Super Noob Games)
Selbst gespielt habe ich davon bisher nur El Camarero, ein lustig-chaotisches Spiel mit Memory-Elementen ist, das umso mehr Spaß macht, je mehr man sich in die Spielsituation in einem Restaurant hineindenkt. Aber es ist wohl dieses Jahr schwer, einen Favoriten zu küren. Ende Juni wissen wir mehr.

Das Autor*innen- und Verlagskollektiv Maldón hat unterdessen bereits ein neues Spiel auf den Markt gebracht, nämlich das Quizspiel El Ilustrado, bei dem mehrere Teams gegeneinander antreten. Die Teams ziehen jeweils Karten aus Umschlägen. Diese haben auf einer Seite Bilder, auf der anderen Seite Lösungen. Dazu gibt es dann eine Aufgabe, zum Beispiel: Identifiziere diese Automarken und -modelle. Unter Zeitdruck müssen die Teams nun die Lösungen aufschreiben (die man auf der Rückseite nachschlagen kann). Für richtige Lösungen rückt man auf einer Punkteleiste vor. In den verschiedenen Runden gibt es dabei verschiedene Spielmodi, bei denen man zum Beispiel anderen Teams Themenkarten vorgeben kann oder aus dem eigenen Team eine Person für eine Frage auswählen muss.

Brasilien

Dass bei Angelgeschichten gern mal übertrieben wird, ist ja ein nicht auszurottendes Klischee. Damit spielt Lucas Melos História de Pescador, ein Kartenspiel, in dem man seine Karten ablegen muss. Auf den Karten sind normalerweise verschiedene Arten von Fischen abgebildet, auf einigen aber auch Müll, den man aus dem Wasser gezogen hat. Im Spiel legt man verdeckt Karten ab und gibt vor, dass diese alle von der gleichen Fischart wären. Man kann sich anderer Leute Aussage anschließen oder sie zu übertrumpfen versuchen. Aber ab und zu muss man eben auch mal eine Müllkarten hineinmischen, denn wer zuerst alle Karten los ist, gewinnt das Spiel. Natürlich kann man die anderen anzweifeln und ihnen, falls sie geflunkert haben sollten, weitere Karten aufs Auge drücken. Erschienen ist Histórias de Pescador beim noch neuen Verlag TGM Editora. Illustriert wurde es von Guilherme Marques und Diego Sá.

Marcos Macri ist mit seinem Selbstverlag MS Jogos seit Jahren eine verlässliche Größe unter den Spieleautor*innen in Brasilien. Sein hierzulande bekanntestes Spiel ist wahrscheinlich Dogs, von dem es auch eine englische Ausgabe gibt. Nun erscheint eine Erweiterung in einer Kleinauflage, deren vorbildliche Besonderheit ist, dass sie mit allen Ausgaben des Grundspiels (inzwischen vier, wenn ich mich nicht täusche) kompatibel ist. Dogs ist ja ein Spiel, in dem man ein Tierasyl für streunende Hunde führt. Neben neuen Hunderassen taucht in der Erweiterung O Sócio ein einflussreicher Freund auf, der das Tierasyl um ein Hundehotel erweitert. Außerdem können nun statt vier fünf Leute mitspielen. Die Illustrationen stammen von diesmal von Moacir P. Fraile. Wer eine der raren Erweiterungen haben möchte, sollte sich schnellstmöglich eine reservieren.

Chile

Eine schlicht sympathische Geschichte kommt aus Chile (und ein bisschen aus Brasilien). Neulich hatte ich nämlich ein interessantes Telefonat mit Carolina Baltra, der Autorin von La 11 Coffee & Tea Party. Sie hatte schon früher ein Spiel für ganz kleine Kinder entworfen, nämlich Juguemos +cerca („Spielen wir näher“), das eigentlich mehr eine Aktivität mit Karten und viel Bewegung für Eltern und Kinder ist. Mit diesem selbst veröffentlichen Spiel war sie in einen Devir-Laden gegangen, um Sleeves zu kaufen. Vielen Deutschen mag der Name Devir nicht so viel sagen, aber diese brasilianische Firma ist für Spiele der absolute Branchengigant in Lateinamerika, mit Zweigstellen in diversen Ländern. In besagtem Laden zeigte Carolina Baltra also ihre Karten und fragte nach passenden Sleeves. Die Mitarbeiterin, Mariela Arias, fragte dann, wo sie das Spiel gekauft hätte, und auf ihre Antwort, dass sie es im Selbstverlag veröffentlicht hätte, wollte Arias ein Exemplar haben und zeigte es ihrem Chef. Ergebnis: Das Spiel ist vor Kurzem bei Devir in Brasilien erschienen. Gelegenheiten tun sich eben manchmal dort auf, wo man sie nicht erwartet. Also, auch wenn Euch Eure Spielideen klein und unbedeutend vorkommen: Traut Euch! Kommt mit anderen ins Gespräch!

Mexiko

Für Chakkan, das ich Ende 2018 schon mal hier erwähnt hatte, läuft inzwischen eine Kickstarter-Kampagne. Chakkan ist ein Kartenspiel für zwei, in dem man sogenannte “Chakools” ausschalten muss, magische Wesen der Gegenpartei. Dafür macht man sich ein persönliches Deck aus zwei Farben, verstärkt seine Figuren mit speziellen Fähigkeiten und kämpft dann gegeneinander. Der Deckbaumechismus enthält ein originelles Push-Your-Luck-Element, das ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Der Comic-Stil gefällt mir gut, ich finde ja die Illustrationen vieler ähnlicher Spiele völlig überfrachtet und belanglos. Chakkan setzt dagegen auf klare Linien und Übersichtlichkeit. Obwohl das Finanzierungsziel der Kickstarter-Kampagne sehr bescheiden ist, fallen die Versandkosten nach Europa für ein kleines Kartenspiel leider recht heftig aus, sodass sich Autor und Illustrator Juan José Cabrera Fernandez wohl vor allem auf mexikanische Fans verlassen muss (und vielleicht auf ein paar aus den USA). Wer interessiert ist, sollte allerdings auf Updates achten, denn der Autor schrieb mir, dass die Versandkosten für Deutschland, Frankreich und Spanien noch deutlich sinken könnten. Der Verlag heißt Another B Game.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

Dieser Beitrag wurde unter Neues aus Lateinamerika abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Responses to Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 9/2019

  1. Peer sagt:

    Dogs habe ich, aber -weil es doch ein eher komplexer Euro ist und daher eher nichts für meine Ältere (für die cih das Spiel eigentlich gedacht hatte), noch nicht gespielt.

    • HilkMAN sagt:

      Dann ist es für Dich wahrscheinlich nicht so vordringlich, eine Erweiterung zu bekommen… ich hatte es mit meiner Tochter mal gespielt, die auch Hunde liebt, aber für die es damals auch eher ein bisschen lang war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.