Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 4/2019

So langsam kommen wieder mehr Meldungen rein, und auch wenn ich zeitlich immer noch etwas unter Druck bin, möchte ich Euch ein paar Neuheiten nicht vorenthalten. Wie so oft in meinen alphabetisch sortierten Artikeln beginne ich in

Argentinien.

Dort stehen mittlerweile die Kandidatenspiele für den Premio Alfonso X fest. Wer mein Blog seit längerem kennt, weiß, dass meine erste Recherche zu diesem Preis so eine Art Initialzündung war, die mein Interesse an lateinamerikanischen Spielen erst so richtig entfacht hat. Während 2017 und 2018 jeweils 9 Spiele angetreten waren, sind es dieses Jahr nur acht, aber ich freue mich, dass ich mittlerweile so viel Überblick habe, dass ich sieben davon schon hier im Blog erwähnt habe und das achte schon auf der Liste für einen der nächsten Artikel stand. Und zwei habe ich auch schon gespielt. Ich mache hier deshalb diesmal nur eine ganz kurze Vorstellung und verweise ansonsten auf die entsprechenden älteren Artikel.

BallotageBallotage von Diego Barderi und Francisco Rossetto ist eins der beiden Spiele, die ich schon gespielt habe, aber leider bisher nur einmal, und mit der nicht ganz idealen Zahl von drei Spieler*innen. Ich hoffe auf mehr, denn mir hat es durchaus Spaß gemacht. Es ist ein Wahlspiel mit einer echten Urne, ein paar eingängigen, aber nicht trivialen Mechanismen, mithilfe derer man versucht, die eigenen Politiker*innen an die Spitze zu bringen.
In Bariesus von Marcos Mignola bekämpfen sich mächtige Magier*innen, indem sie Elementararmeen beschwören und aufeinanderhetzen, und dann den von ihnen eroberten Landstrichen Steuern abpressen.
Auch El Camarero vom Autor*innenkollektiv Maldón habe ich schon mit Vergnügen spielen können. Hier bestellt man sich jeweils ein Fünf-Gänge-Menü, und dann muss der Kellner sich das alles merken. Leider übernimmt man reihum die Rolle dieses armen Kellners und muss Gerichte auf die richtigen Plätze stellen – oder sie in die Küche zurücktragen, falls sie nicht bestellt worden waren. Eine Tischklingel, mit der man auf Fehler aufmerksam macht, sorgt für zusätzliches Chaos.
Wo wir gerade beim Essen und bei Hektik sind, kommen wir gleich zu Joel Pellegrino Hotham und seinem Spiel Fast Food! Bei diesem wird gewürfelt, und man muss schnellstmöglich einen hölzernen Salzstreuer auf den Teller stellen, auf dem genau die gewürfelte Kombination aus Lebensmitteln zu sehen ist. Ob die Erweiterung mit antritt, weiß ich nicht.
Las Divas von Mariano Medina Gouguet fällt durch sein ungewöhnliches Thema auf. Es geht nämlich um Drag Queens. Trotz des eher moderaten Zuspruchs für die Crowdfunding-Kampagne ist das Spiel im Dezember erschienen und darf sich jetzt im Wettbewerb beweisen, so wie die Drag Queens im Spiel, die in einer großen Show gegeneinander antreten und versuchen, ihre verdeckten Ziele zu erreichen.
Ob der historische König Alfonso schon unter Montagen gelitten hat? Darauf baut das Solospiel Lunes von Aibel Nassif und Julián Tunni, bei dem man sich montags aus dem Büro zu verkrümeln bemüht, was natürlich nur mit ausreichender Kaffeezufuhr zu schaffen ist.
Nom Noms ist das einzige Spiel im Rennen, über das ich hier noch nicht berichtet hatte. Es ist ein Push-your-luck-Spiel für Kinder, das von Joaquin Reymundo entwickelt und illustriert worden ist. Erschienen ist es bei AA Lúdica. In diesem Spiel versuchen niedliche Tierchen, wie Häschen oder Hamster, möglichst viel Futter zu erhaschen. Nacheinander werden Karten von einem Stapel aufgedeckt, und man muss sich entscheiden, seine Tierkarte auf den Stapel zu legen, bevor eine Sorte Essen zum zweiten Mal auftaucht.
Zu guter Letzt gibt es noch Pegó el Zonda Ancestral von Munir Ots, in dem man die Gunst der Götter zu erlangen sucht. Dabei spielt vor allem die Beherrschung der Winde eine Rolle, mit denen man den Gegenspieler*innen den KO versetzen muss.
Wer das Rennen machen wird? Das ist wie üblich von hier aus sehr schwer zu beurteilen, zumal ich ja nur zwei der Spiele selbst ausprobiert habe. Die Bandbreite erscheint hoch, sowohl thematisch als auch mechanisch. Da wird es nicht einfach sein, die Spiele miteinander zu vergleichen. Die Jury besteht vor allem aus den Angehörigen verschiedener Spieleclubs in ganz Argentinien. Auf dem Geek Out Fest (22./23. Juni) dürfte dann feststehen, wer den begehrten Preis erhält.

Mexiko

Aus Mexiko hatte ich kürzlich von der Kickstarter-Kampagne für die Neuauflage von Tierra y Libertad von Saúl Sánchez berichtet. Da diese Kampagne trotz monatelanger unermüdlicher Vorarbeit nicht so richtig durchgestartet war, hat der Verlag Malinche Games einen Relaunch durchgeführt. Und diesmal hat die Kampagne das Finanzierungsziel erreicht. Wer sich noch daran beteiligen möchte, Mexiko von seinem finsteren Diktator Porfirio Díaz zu befreien, hat noch zehn Tage lang Gelegenheit dazu.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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