Asteroiden britzeln in der Rushhour

Wenn Spiele ein Geschwindigkeitselement beinhalten, ist das für mich erstmal ein klarer Abschreckungspunkt. Ich habe einfach viel zu viele Spiele gespielt, bei denen ich möglichst schnell irgendwelche Sachen vom Tisch raffen musste oder meine Hand irgendwo draufhauen. Nicht alle dieser Spiele sind schlecht, aber ich habe sie ein bisschen über. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Über Hand Made Wonders hatte ich schon mal lobend berichtet, und es gibt auch noch mehr Spiele in dem Segment, die ich gut finde. Heute geht es gar um ein Spiel, dass die Geschwindigkeit schon im Namen trägt: Light Speed von James Ernest und Tom Jolly.

Für Light Speed braucht man Karten, ein paar Marker, eine Schnur und eine Tischdecke (oder einen entsprechend bespannten Spieltisch).

In der Mitte des Tisches liegen eine oder zwei Asteroidenkarten mit ein paar Rohstoffmarkern drauf. Pro Spieler/in gibt es außerdem einen Kartensatz mit zehn durchnummerierten Raumschiffkarten, und dazu braucht man noch Marker in den Spieler/innenfarben für die Schadenspunkte.

Seinen eigenen Kartenstapel mischt man und nimmt ihn verdeckt in die eine Hand. Auf Kommando ziehen alle ihre erste Karte und platzieren sie irgendwo auf dem Tisch, dann die zweite, und so weiter, bis jemand fertig ist und „Stop!“ ruft. Dann legt man eventuell verbliebene Karten weg und die Wertung beginnt.

Jedes Raumschiff hat einen bis vier Laser, die in irgendeine Richtung schießen. Beginnend mit allen Raumschiffen der Nummer 1 kontrolliert man nun alle Laserstrahlen, indem man die Schnur dranhält und sie so fortsetzt, bis sie auf eine andere Karte (oder die Tischkante) treffen. Trifft man ein anderes Raumschiff (das kann auch ein eigenes sein), legt man so viele Schadenspunkte drauf, wie die Laserstärke angibt (1-3 Punkte). Wer den Asteroiden trifft, legt entsprechend viele Rohstoffmarker auf das schießende Raumschiff. Nachdem alle Schiffe mit der Nummer 1 ausgewertet sind, guckt man, ob ein Schiff so viele Schadenspunkte erhalten hat, wie es aushalten kann. Dann ist es zerstört und wird vom Tisch entfernt. Wer am meisten dieser Schäden verursacht hat, bekommt es als Trophäe. Dann werden die Schiffe mit der Nummer 2 ausgewertet, und so weiter, bis zur Nummer 10. Überlebende Raumschiffe, die Rohstoffmarker auf sich liegen haben, liefern diese ab, es sind Siegpunkte. Zu diesen zählt man noch die Lebenspunkte aller erlegten Raumschiffe hinzu (und zieht die der eigenen Raumschiffe ab, die man womöglich selbst abgeschossen hat). Wer dann am meisten Punkte erzielt hat, gewinnt dass Spiel.

Die Tischdecke braucht man übrigens, damit die Karten absolut nicht verrutschen können. Oft ist die Auswertung Millimeterarbeit, da sollte es keine Zweifelsfälle geben.

Light Speed

Lockere Zweierpartie mit zwei Asteroiden

Und? Macht das Spaß?

Ja, reichlich. Das Besondere an Light Speed ist wahrscheinlich, dass man schnell, gleichzeitig und interaktiv etwas aufbaut. Schnell etwas aufbauen muss man in einigen Spielen, aber hier nehmen alle die gleiche Tischfläche ein und können auf einander reagieren, trotzdem ist schnelles Spielen wirklich von Vorteil (auch wenn es oft auf Kosten der Genauigkeit geht).

Schon bei zwei Spieler/innen ist es unmöglich, alle Schüsse vorherzuplanen. Es ist einfach zu viel Interaktion auf dem Tisch. Wenn ich meinen Laser auf ein Ziel richte, ist dieses Ziel womöglich schon zerstört worden, wenn ich den Schuss abfeuere, und dieser geht dann eben auf das, was ursprünglich mal dahinter lag. Das kann durchaus auch mein eigenes Schiff sein. Hier könnte man sehr sorgfältig planen, aber dann sind die anderen bestimmt schneller beim Auslegen und ich habe nachher nur die Hälfte meiner Schiffe im Einsatz, was auch wieder ein großer Nachteil ist. Also mutig drauflos. Das Spiel wäre nämlich nur halb so lustig, wenn man nicht gelegentlich auch mal seine eigenen Schiffe unter Feuer nehmen würde.

Ihr merkt schon: Wer taktischen Tiefgang sucht, ist hier fehl am Platze. Light Speed ist ein schnelles, chaotisches Spiel, das nach zehn Minuten auch schon wieder vorbei ist (wobei wir selten nur eine Partie spielen – wenn die Tischdecke schon mal aufgezogen ist…). Daran muss man schon Spaß haben, dann findet man hier ein tolles Spielerlebnis.

Light Speed ist bei Cheapass Games erschienen, einem Verlag, der dafür bekannt ist, Spiele mit minimaler Ausstattung herauszugeben. Würfel, Spielsteine und sowas fehlen in der Regel, weil man die ja doch zu Hause hat. Dafür kosten die Spiele auch nur ein paar Dollar. Light Speed gibt es sogar kostenlos, wenn man die Muße hat, sich Karten und Regeln hier herunterzuladen, auszudrucken und zurechtzuschneiden. Wer das zu aufwendig findet, kann sich den Kartensatz aber auch fertig bestellen. Ich habe mein eigenes Exemplar eingetauscht und vermute, dass es eine gekaufte Version war. Aber das muss jede/r für sich selbst entscheiden, ob die Ersparnis an Zeit oder an Geld wichtiger ist.

Übrigens ist Light Speed zwar umso chaotischer, je mehr Leute mitspielen, macht aber fast erstaunlicherweise auch zu zweit schon ordentlich Laune. In meiner Familie ist es jedenfalls in jeder Besetzung sehr gut angekommen, und es füllt eine schöne Lücke bei den schnellen, knackigen Spielen. Ausprobieren!

Gesamteindruck: 7/10

Light Speed
von Tom Jolly und James Ernest
für 2 bis 4 Leute
Illustrationen von Eduardo Muller
Cheapass Games, 2003

Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.