Würd’s gern empfehlen – kann ich aber nicht recht.

Letzte Woche kam hier ja ein anonymes Spiel namens Doppelt und Dreifach mit der Post an. Ich hatte dann ein bisschen herumgefragt und von einem guten Dutzend anderer Leute erfahren, die ebenfalls eins gekriegt hatten. Und natürlich muss ich gestehen, dass ich dann durchaus Lust kriegte, das Spiel auch mal auszuprobieren.

Doppelt und Dreifach ist ein simples Kartenspiel mit Zahlenkarten im Wert von 2 bis 15, wobei die Häufigkeit mit steigendem Wert abnimmt (es gibt zum Beispiel nur eine 15, zwei 13er und viele 2er). Wer dran ist, spielt eine von zunächst sechs Handkarten offen vor sich aus. Wer eine kleinere Karte vor sich liegen hat, muss diese abwerfen und eine neue ziehen. Kommt man an die Reihe und die Karte aus der letzten Runde liegt noch vor einem, darf man sie ersatzlos abwerfen. Wer zuerst keine Karten mehr hat, gewinnt.
Der Name des Spiels stammt von der entscheidenden Regel, dass mehrere Karten mit dem gleichen Wert kumuliert werden. Liegt also eine eigentlich unschlagbare 15 auf dem Tisch, kann ich eine 8 spielen und hoffen, dass jemand anders ebenfalls eine 8 hat. Zusammen sind das dann 16 und die 15 wird abgeworfen und dafür eine neue Karte gezogen. Die Spannung lebt von diesem Element, dass man gelegentlich auch mit kleineren Karten durchkommen kann, wobei man aber ja nicht weiß, was die anderen auf der Hand haben.

Bis Dienstag musste ich mich gedulden, bis ich das Spiel endlich ausprobieren konnte. Die erste Runde war in der Familie, da fiel es eher durch, unseren Kindern war es wohl zu abstrakt und spannungsarm. Jedenfalls wollten sie anschließend was anderes spielen (eine Altersangabe gibt es in der Anleitung nicht, aber die Regeln sind so simpel, dass auch jüngere Kinder problemlos mitspielen können). Am Abend habe ich es dann aber in eine Erwachsenenspielgruppe mitgenommen, und da haben wir es gleich mehrfach hintereinander gespielt. Nach den ersten Runden fanden wir, dass es eher zu wenig Überraschungen gab, die Versuche, hohe Zahlen mit dem Anspielen kleinerer Karten zu schlagen (in der Hoffnung, dass jemand mitzieht), scheiterten meist, und wirkliche Aufholjagden fanden auch nicht unbedingt statt (weil natürlich gerade gegen Ende die Wahrscheinlichkeit, dass jemand doppeln kann, sinkt, weil jede/r nur noch wenige Karten hat). Dann kam die Idee auf, dass man auch selbst mehrere Karten mit dem gleichen Wert spielen könnte, und mit dieser kleinen Änderung kam mehr Schwung rein, weil die Grundidee des Spiels, dass man unterschiedlich schnell seine Karten loswird, nun deutlich radikaler zum Tragen kam. Das ohnehin schon recht kurze Spiel wurde dadurch noch ein klein wenig schneller. Uns hat es so erheblich besser gefallen als mit den Originalregeln. Die Regeländerung ist dabei so naheliegend, dass ich fast vermuten möchte, dass der/die Autor/in so etwas auch mal ausprobiert haben muss. Vielleicht gab es dann auch gute Gründe, das wieder zu verwerfen, aber für uns war es so eben besser.

Doppelt und Dreifach

Noch immer wissen wir nicht, wer hinter diesem Spiel steckt, also kann ich es auch nicht recht weiterempfehlen, man kann es ja (noch?) nicht irgendwo kaufen. Aber gefallen hat es uns schon, es spielt sich flüssig und passt gut mal irgendwo zwischendurch. Mit steigender Spieler/innenzahl steigt auch der Spielspaß, weil das Doppeln einfach wahrscheinlicher ist als zum Beispiel zu dritt oder viert. Die Grafik ist simpel und funktioniert, ohne zu begeistern.

Letztlich gebe ich das größte Kompliment für die gelungene Aktionsform, das Spiel anonym an einen Haufen Leute aus der Spieleszene zu verschicken. Das hat neugierig gemacht und natürlich auch dazu geführt, dass man drüber spricht. Und ich bin gespannt, wie es weitergeht, ob sich da noch mal jemand outet (es würde mich nicht wundern, weil ich angesichts des Produktionsstandards vermute, dass es zumindest eine dreistellige Anzahl von Exemplaren geben dürfte. Die wollen ja noch irgendwie unters Volk gebracht werden.

Gesamteindruck: 7/10 (mit unserer zusätzlichen Regel)

Doppelt und Dreifach
Autor: Der Bruder von Christian Anders
Verlag: Spielherberge – Anstalt für Spielvergnügen 2016

P.S.: Nächste Woche ist Ostern, da gibt es eine Blogpause. Hinterher geht’s weiter.

Update vom 11.Juli:
Der Urheber hat sich geoutet. Die Fortsetzung gibt es hier.

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