Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 13/2020

Ich bin die Tage nicht so recht zum Recherchieren gekommen, daher fällt meine heutige Übersicht sehr dünn aus. Nächstes Mal wird es hoffentlich wieder besser.

Brasilien

Voriges Jahr war bei Dijon Jogos Eduardo Guerras Heróis de San Villano erschienen, ein recht erfolgreiches Spiel, in dem die Spieler*innen Teams von Superheld*innen anführen, die die Stadt San Villano gegen das Böse verteidigen sollen. In der gleichen Stadt ist nun ein neues Spiel angesiedelt, nämlich Revolta em San Villano, ein Roll-and-Write-Spiel, das Guerra und Diego de Moraes gemeinsam entwickelt haben und das von de Moraes und João Pachêco illustriert wurde. In der Stadt ist wieder einmal Chaos ausgebrochen, denn neben den etablierten Superheld*innen nehmen immer mehr Amateur*innen den Kampf gegen das Verbrechen in die eigenen Hände – und sind dabei manchmal schlimmer als die Kriminellen, gegen die sie kämpfen. Aus der Masse der Roll-and-Write-Spiele sticht das Spiel zum einen dadurch heraus, dass alle auf dem gleichen Stadtplan zeichnen, zum anderen durch eine Art Würfelschlange, bei der man eine Weile im Voraus sehen kann, welche Würfel als nächstes zur Verfügung stehen werden. Weiterlesen

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Du bist dran ist jetzt bei Beeple.

Neulich trudelte hier eine Einladung ein. Ob ich mich mit meinem Blog nicht dem Beeple-Netzwerk anschließen wolle? Nun, wer sich in der deutschen Spielemedienszene ein bisschen auskennt, sollte davon schon gehört haben. Es ist ein Zusammenschluss von einem guten Dutzend Spielemedien (Blogs/Youtube-Kanälen/Podcasts, beziehungsweise zum Teil einzelner Leute daraus), die zwar jeweils ihr eigenes Ding drehen, aber auch regelmäßig was zusammen auf die Beine stellen. Da gibt es zum Beispiel den Beeple-Award, Beeple – Im Rampenlicht und die Beeple-Kolumne, außerdem das eine oder andere Event. Einigen der beteiligten Medien folge ich ohnehin, bei anderen schaue ich zumindest sporadisch rein, einige waren mir auch noch neu. Eine Liste gibt es hier

Ich habe dann mit einigen der Beteiligten ein längeres und sehr nettes Gespräch über Zoom geführt, und ich glaube, es fiel ihnen nicht so sehr schwer, mich zu überzeugen. Seit heute ist Du bist dran! also ein Mitglied des Beeple-Netzwerks. Schön!

Ich bin jetzt Mitglied beim Beeple-Netzwerk

Was bedeutet das nun konkret? Na ja, das muss ich auch erstmal sehen. Es gibt einen einigermaßen regen Austausch hinter den Kulissen, das finde ich schon mal spannend, und da kann ich bestimmt auch noch was lernen. Und ich hoffe, ich finde auch was, wo ich mich aktiv einbringen kann. Vor allem freue ich mich aber darauf, ein paar neue Leute und Arbeitsweisen kennenzulernen.

Ansonsten ändert sich bei mir im Blog aber erstmal nichts. Ich werde weiterhin meine Nische beackern und überwiegend Spiele aus fernen Ländern vorstellen. Denn Diversität tut gut.

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Was “Black Lives Matter” mit der Spieleszene zu tun hat

Es ist gerade mal etwas mehr als einen Monat her, dass George Floyd bei einem extrem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet wurde. Nun ist das leider kein Einzelfall; jedes Jahr sterben in den USA rund 1000 Menschen bei Polizeieinsätzen (etwa hundert mal so viele wie in Deutschland, bei vierfacher Bevölkerung). Entsprechend ist das Thema in Deutschland schon wieder etwas unter Fleischfabriken, Wirecard und Philip Amthor begraben worden. In den USA scheint die Lage aber ein bisschen anders zu sein. Dort hat dieser Fall mehr ausgelöst als vergleichbare frühere. Das mag an dem Video liegen, das kursiert (ich gucke mir sowas nicht an, das halte ich nicht aus), aber warum auch immer, es hat etwas angestoßen, das weit in die Spieleszene hineinreicht (sonst würde ich hier auch nicht darüber schreiben). Meine Kontakte in die USA kommen zu einem erheblichen Teil durch Spielefreundschaften zustande, und ich bewege mich auch auf Boardgamegeek und in diversen englischsprachigen (meist amerikanischen) Facebookgruppen. Dort gibt es zum Teil beachtliche Verschiebungen, die hierzulande vielleicht weniger wahrgenommen wurden, die ihre Wellen über kurz oder lang aber auch hier schlagen werden.

Die Situation in den USA

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Katteni Shiyagare: Wenn Vornüberkippen die einzige Hoffnung ist

Eric Martin, ein von mir besonders geschätzter Spielejournalist, prägte 2015 in seinem Bericht über seinen Besuch auf dem Tokyo Games Market den Begriff „sexy games“, und dabei bezog er sich explizit auf Spiele des vierköpfigen japanischen Autor*innenkollektivs team SAIEN. Leider hat sich der Begriff nicht auf breiter Front durchgesetzt, aber ich gehöre immerhin zu den Leuten, die ihn noch hier und da benutzen. Gemeint sind Spiele, die einen durch ihr Spielmaterial einfach magisch anziehen, auch wenn man noch gar nicht weiß, worum es dabei geht. Das mag jede*r ein bisschen anders interpretieren, aber viele SAIEN-Spiele gehören allemal dazu. So auch Katteni Shiyagare, eigentlich ein Mikrospiel, das aus nur zehn Elementen besteht. Da das aber zehn massive Holzklötze sind, ist der Holzkasten, in dem es geliefert wird, nicht mehr unter Mikrospielen einzuordnen. Im Herzen ist es trotzdem eins.

Katteni Shiyagare

Abgesehen von der Anleitung ist alles aus Holz.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 12/2020

Argentinien

Amigos Espaciales bedeutet so viel wie Weltraumfreunde. Worum könnte es also in einem Print-and-Play-Kartenspiel mit diesem Namen gehen? Klar, man sammelt Resscourcen auf und kämpft gegen seine Nachbar*innen. Amigos Espaciales von Anibal Santangelo steht hier zum Download bereit. Die Völker, die man spielen kann, reichen von Steampunk bis zu Gartenzwergen (ja, wirklich). Jedes Volk hat einen umfangreichen Kartensatz. Wer alles nutzen will, hat also einiges an Bastelarbeit vor sich. Für eine finale Version sucht Santangelo noch eine*n Illustrator*in. Ich hoffe, dass die Gartenzwerge dann bleiben dürfen. Weiterlesen

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Gefangen in der Endlosschleife

Ich hatte mich hier ja neulich recht angetan von Loup Garou gezeigt, einem Abenteuerbuch im Graphic-Novel-Format. In der Reihe, in der das erschienen ist, gibt es eine ganze Menge solcher Bücher, von verschiedenen Autor*innen und mit verschiedenen Themen. Nach der positiven Erfahrung habe ich mich dann mal an eine deutsche Ausgabe eines solchen Buches gewagt, nämlich an Gefangen!, das mir allenthalben sehr empfohlen worden war. Ob ich die Begeisterung teilen konnte, erfahrt Ihr sogleich.

Spiele-Comic Noir: Gefangen! Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 11/2020

Für ein Blog wie Du bist dran! war es eine spannende letzte Woche. In den letzten Jahren habe ich über Spiele aus zehn lateinamerikanischen Ländern berichtet, und jetzt habe ich innerhalb von einer einzigen Woche Spieleautoren aus drei weiteren Ländern aufgetan. Deren Spiele befinden sich in unterschiedlichen Phasen der Fertigstellung, aber wenn man einmal jemanden kennt, hat man zumindest schon mal einen Fuß in der Tür. Eins der entsprechenden Spiele stelle ich heute schon mal vor, und ich freue mich auf das, was ich da noch entdecken mag.

Chile

Derribando – los mitos tienen muchas formas (auf Deutsch ungefähr: Niederstrecken – es gibt viele Arten von Mythen) ist eine Art Aufklärungsspiel um moderne Mythen. Die Spieler*innen haben Karten mit Mythen auf der Hand und müssen versuchen, die Mythen der anderen zu besiegen. Dafür bekommt man Punkte – wenn allerdings der oder die Sieger*in noch mehr eigene Mythenpunkte übrig hat, als er oder si besiegt hat, verlieren alle. Derribando ist bei Momento Cero erschienen – Autor*innen oder Illustrator*innen sind nicht angegeben.

Guatemala

Leider ist die Kickstarter-Kampagne für Mecha Riders schon erfolglos beendet, was wenig überrascht, denn auch wenn Kickstarter recht international ist, ist es für Leute aus „neuen“ Ländern eben schwierig, dort Fuß zu fassen. Das Spiel ist ein Zweierspiel, in dem man eine Armee aus vier Mech(a)s losschickt, um den gegnerischen Energieturm zu zerstören (und dabei natürlich tunlichst drauf achten muss, den eigenen Turm vor dem gleichen Schicksal zu schützen). Die Bewegung wird kontrolliert durch Bewegungs- und Angriffskarten auf einer Art Armaturenbrett, das man vor sich liegen hat. Mecha Riders stammt von Manuel López und soll von Daniel Monroy illustriert werden. Was nun aus dem Projekt wird, weiß ich noch nicht. Ich hoffe aber natürlich darauf, dass bald auch aus Guatemala veröffentlichte Spiele kommen.

Kolumbien

TuristeandIn Vorbereitung ist Turisteando von Jhon Edison Páez. Es soll im Sommer im Eigenverlag in Zusammenarbeit mit Creo mi Juego erscheinen, ein Szenario steht aber bereits auf Tabletopia bereit, wo man es ausprobieren kann, wenn man sich durch die spanischen Regeln lesen mag. Turisteando ist ein lustiges Wort, das man im Deutschen vielleicht mit „touristieren“ oder sowas übersetzen könnte. Es geht darum, verschiedene Städte in Südamerika als erste*r zu bereisen, um dort Marker einzusammeln. Dazu benutzt man verschiedene Verkehrsmittel, nämlich Busse, Schiffe und gelegentlich auch Flugzeuge. Beim Planen der Route versucht man, möglichst effizient vorzugehen, um sich Kettenzüge zu ermöglichen, sodass man in einem Zug gleich diverse Marker einsammeln kann. Gegen Ende, wenn nur noch wenige Marker übrig sind, beginnt ein ziemliches Hauen und Stechen um die letzten Punkte. Wir haben‘s auf Tabletopia ausprobiert und uns hat‘s Spaß gemacht. Ob ich da weitere Spielelemente brauche, weiß ich nicht (ich stehe ja auf kurze Spiele mit simplen Regeln), aber das Spielfeld verrät auf jeden Fall schon mal, dass Turisteando noch einige weitere Möglichkeiten bieten wird.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen. 

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 10/2020

Diesmal muss ich mich auf zwei Länder beschränken, aber es gibt trotzdem ein paar ganz interessante Sachen zu berichten.

Brasilien

Vorweg natürlich die brandheiße Nachricht, dass erstmals ein brasilianisches Spiel eine Nominierung der SdJ-Jury eingeheimst hat. Die Rede ist natürlich von Jordy Adans Der Kartograph. Herzlichen Glückwunsch!

Beim letzten Mal hatte ich über die Preisträger vom Prêmio Ludopedia berichtet, dabei hatten mir aber noch Informationen über Agarra Dino gefehlt, den Preisträger in der Publikumsgunst im Kinderspielbereich. Das möchte ich jetzt nachreichen. Agarra Dino (Schnapp den Dino) ist ein einfaches Reaktionsspiel, das schon kleine Kinder spielen können. Das Spiel besteht aus Karten mit verschiedenen Dinosauriern drauf, Dinosaurierfiguren und Farbwürfeln. Auf jeder Karte sind außer dem Dino auch Farbpunkte und ein Nahrungssymbol abgebildet. Eine*r würfelt, und dann müssen alle schnellstmöglich den Dino in der gewürfelten Farbe schnappen, aber nur, wenn die Farbe auch auf der Karte zu sehen ist. Es gibt insgesamt vier Spielmodi mit steigendem Schwierigkeitsgrad, bei denen zum Beispiel auch ein Nahrungswürfel ins Spiel kommen kann. Die charmanten Illustrationen stammen von Jersey Giuliano und das Spiel ist bei Idea Jogos Pedagógicos erschienen. Ein*e Autor*in ist nicht angegeben. Weiterlesen

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Noch eine taiwanische Perle: Guess Club

Wie kann man diesen Zeiten, in denen jährlich tausende von Neuheiten erscheinen, auch nur die Hoffnung haben, das Richtige für sich zu finden? Es gibt so viele Rezensionen auf allen Kanälen – auch das sind mehr, als ein Mensch auch nur ansatzweise sichten kann. Ich tue (gerade vor der Messe) mein Bestes, um mich umfassend zu informieren. Aber mein Budget ist sehr begrenzt, sodass ich nicht auf jede Empfehlung reagieren kann. Zum Glück gibt es eine kleine Handvoll Leute, deren Tipps ich fast blind vertraue, weil unser Geschmack doch große Überschneidungen aufweist. Aus einer solchen Quelle erfuhr ich vor der Messe 2019 von einem Spiel namens Guess Club von Sky Huang, das bei Broadway Toys in Hongkong erschienen war. Das klang so attraktiv, dass ich dann in Essen zugeschlagen habe, was eine gute Wahl war – Guess Club ist eins unserer Highlights von der Messe geworden.

Guess Club

Worum geht‘s?

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Neue Spiele aus Lateinamerika, Teil 9/2020

Argentinien

Kingdom Maps ist ein kostenloses Print-and-Play-Spiel von Martin Oddino, das bei runDOS Studios erschienen ist und hier in Englisch und Spanisch zum Download zur Verfügung steht. Es ist ein Roll-and-Write-Spiel, bei dem man eine Landkarte seines Königreichs mit verschiedenen Landschaftsarten füllt. Dabei würfelt man mit einer Anzahl Würfel und sucht sich einen davon aus, mit dem man dann die Landschaftsart definiert, während die lieben Mitspieler*innen sich für einen beliebigen der verbleibenden Würfel entscheiden können. Es gibt auch einen Solomodus (von Carolina Hernandez). Die Grafik stammt von Lucas Charra. Weiterlesen

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