Dörfer und Spieltische drohen zu veröden.

Ein Spiel, in dem man ein Fischereidorf wieder attraktiv machen soll, damit nicht die ganze Bevölkerung wegzieht? Das ist doch mal ein schönes Thema, dachte ich mir, als ich das Spiel „Come to Fishing Village“ entdeckte. Kooperative Sachen spiele ich auch noch ganz gern, also her damit.

Come to Fishing Village

Worum geht’s?
In einem kleinen Küstendorf leben gerade noch 20 Leute, und diese drohen auch noch wegzuziehen. Was kann man gegen das Sterben des Dorfes tun? Mit Arbeitsplätzen ein attraktives Umfeld schaffen. Landwirtschaft, Fischerei, Industrie und Handel sollen die Standbeine sein. Indem man Aufträge in diesen vier Sektoren erfüllt, lockt man neue Leute an oder verhindert zumindest, dass die alten wegziehen.

In der Mitte liegt jeweils einer (von insgesamt 8) Aufträgen aus. Um ihn zu erfüllen, muss man eine bestimmte Anzahl von Dingen dadurch bereitstellen, dass man Karten mit den entsprechenden Symbolen vor sich auslegt. Die Symbole befinden sich jeweils links, in der Mitte oder rechts auf den Karten, wobei manche Karten auch zwei Positionen abdecken. Hat man genügend Karten mit den entsprechenden Symbolen vor sich, kann man einen Auftrag erfüllen und dafür neue Karten ziehen. Das kann aber immer nur eine Person tun; wenn bei mehreren Spieler/innen zusammen genügend Karten liegen, hilft das nicht weiter. Leider sind auch noch fiese Spekulanten unterwegs, die jeweils eine der drei Positionen blockieren, denn sie hoffen, dass die Aufträge nicht erfüllt werden können. Von diesen Spekulanten hat man drei vor sich liegen. Im Extremfall blockieren sie alle drei Positionen, meistens zwei und manchmal sogar nur eine. Das Problem ist: Wenn ich einen Auftrag erfüllen will, muss ich zuvor alle Karten abwerfen, bei denen ein Symbol an einer blockierten Position ist. Das tue ich natürlich ungern.

In meinem Zug kann ich entweder eine Karte vor mich ausspielen, einen Auftrag erfüllen (wenn die Spekulanten das nicht verhindern), einen Spekulanten verjagen (indem ich eine Karte mit einem Symbol an der gleichen Position aus der Hand abwerfe), oder eine Karte nachziehen (dann verliert das Dorf allerdings zwei Einwohner/innen).
Spekulanten verjagen oder Karten ausspielen kann ich auch bei einem/einer anderen Spieler/in, aber das kostet das Dorf jeweils eine/n Einwohner/in. Und bei den Spekulanten ist das Problem, dass sie nach jedem erfüllten Auftrag wiederkommen (dann lege ich drei neue Spekulantenkarten vor mir aus).

Eine günstige Ausgangslage, um einen Auftrag im Handel zu erfüllen – nur der oberste Spekulant blockiert mit seinem mittleren Feld alle drei Arbeiterinnen. Wird er vertrieben, tun die anderen beiden nichts mehr zur Sache (weil sie nur das linke Feld blockieren).

Insgesamt spielt man die acht Aufträge dreimal durch. Nach jedem Durchgang bekommt man Bonuseinwohner/innen, wenn man die Vorgaben einer Zielkarte (die man sich zu Spielbeginn aussucht) erfüllt hat. Dafür werden die Aufträge auch in jedem Durchgang schwieriger (man braucht mehr Symbole, um einen zu erfüllen). Wenn das Dorf die letzten Einwohner/innen verliert, verlieren alle Spieler/innen. Hält man dagegen drei Runden lang durch, haben alle gewonnen.

Zielkarten. Mit neun Fischen und drei Handel kann ich in der dritten Runde vier Einwohner/innen anlocken (mittlere Karte).

Kooperation ist also wichtig. Einerseits muss man anderen helfen, Aufträge zu erfüllen, andererseits muss man sie zum Zuge kommen lassen, damit sie nicht gezwungen sind, ständig Karten nachzuziehen.

Und? Macht das Spaß?
Es geht. Eigentlich ist es nicht schlecht, und ich finde die einzelnen Ideen auch recht clever. Aber es ist leider nicht sonderlich gut ausbalanciert. Während es im Solospiel eher locker von der Hand geht (da bin ich mal auf 42 Einwohner/innen gekommen, wobei alles über der Ausgangssituation von 20 Leuten als unglaublich gutes Ergebnis gelten soll), ist es zu zweit fast unbezwingbar schwierig. Das Problem ist, dass niemand alle Handkarten loswerden sollte, denn dann hat man jeweils keine andere Wahl, als eine Karte zu kaufen, was mit zwei Einwohner/innen recht teuer ist. Man kann also nicht einfach Karten bei einem oder einer Spieler/in horten und dann alle Bücher von dort aus schließen – der/die andere Spieler/in muss ja auch etwas tun, und das bedeutet dann entweder neue Karten zu kaufen oder jeweils bei dem/der Partner/in mitzuhelfen (was pro Spielzug ebenfalls eine Einwohner/innenkarte kostet). Da ist man dann schnell am Ende der Fahnenstange angelangt, und das Dorf stirbt irgendwann in der zweiten Phase aus. Ich rede hier von der einfachsten Schwierigkeitsstufe. Natürlich kann man die auch von Hand anpassen, aber am Anfang einfach ein paar Karten mehr zu verteilen, ist wahrscheinlich nicht mal genug. Um jetzt immer wieder spielen zu wollen, waren wir nicht mal ansatzweise nahe genug dran, zu gewinnen, und auch die Vorstellung, es mal mit mehr Leuten zu versuchen, reizt mich nicht. Für ein lockeres Solo-Spiel wiederum, das man dann auch mal in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausprobieren könnte, dauert es mit einer guten halben Stunde (wenn man die Mechanismen verinnerlicht hat) eher zu lange. Am Ende ist der Spieltisch dann leerer als das Dorf.

Also frage ich mich ein bisschen, wer die Zielgruppe für solch ein Spiel ist. Die Grafik, die mir persönlich wenig sagt, wird sicherlich ihre Fans haben, aber zum Suchtspiel wird das Ganze eher nicht. Trotzdem gefallen mir einige Dinge gut: Der Zufallsmechanismus beim Auslegen der Spekulanten ist schön gemacht und leuchtet gut ein, das Thema, ein Dorf vor der Bedeutungslosigkeit zu retten, ist mal was anderes, als irgendeine Mega-Stadt hochzuziehen, und die Art, wie das Spiel Kooperation erfordert, ist auch interessant. Ich werde daher das Gefühl nicht los, dass Come to Fishing Village mit ein bisschen mehr redaktioneller Feinarbeit und vielleicht einfach ein paar zusätzlichen Balancierungstests wesentlich besser hätte werden können.

Gesamteindruck: 6/10

Come to Fishing Village
für 1 bis 8 Leute
von Hiroaki Fujiwara (藤原洋明)
Illustriert von Motono (もとの)
Erschienen bei Tohoku Wisteria (トーホクウィステリア), 2015

Ein Gedanke zu „Dörfer und Spieltische drohen zu veröden.

  1. Ging uns ähnlich. Wir habens einmal fast geschafft, aber letztlich hängt sehr viel davon ab, wer welche Spekulanten und welche Karten bekommt. Passen die zu schließenden Bücher zu den Karten, die man aus den vorheriegen Runden noch aufgespart hat, ist es bedeutend einfach, als wenn man ständig alles sammeln muss. Dadurch hängt für meinen Geschmack zu viel vom Zufall ab. Kann aber auch mangelnde Erfahrung sein 😉

    (Für alle die das Spiel spielen wollen: Zuerst hatten wir den Fehler gemacht, alle Karten abzuräumen, wenn ein Auftrag erfüllt wurde – das ist falsch, man entfernt nur die Karten, die durch Spekulanten blockiert sind, der Rest bleibt liegen. Sonst ist es unmöglich! Nur damit niemand denselben Fehler macht…)

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