HilkMANs Taiwan-Seiten

Verkehr

Ankunft in Taiwan

Alles andere als eine Anreise nach Taiwan mit dem Flugzeug kann getrost als ausgesprochen exotisch betrachtet werden. Natürlich könnt Ihr theoretisch mit dem Frachtschiff ankommen, oder mit dem eigenen Segelboot oder so, aber wenn wir derlei spezielle Möglichkeiten mal außer Acht lassen, bleibt Euch nur das Flugzeug.

Von Frankfurt aus gibt es eine Reihe von Fluglinien, die Taiwan ansteuern, allerdings mit Ausnahme der nationalen Linie China Airlines alle nur mit Zwischenlandung. Das dauert dann gern mal so 18 Stunden, bis Ihr da seid. China Airlines schafft es in 12 (gut 13 in der Gegenrichtung). Derlei paradiesische Flugzeiten sind noch recht neu - endlich dürfen sie über Südchina fliegen, was bis vor Kurzem noch undenkbar war. Nebenbei ist sie die billigste Linie auf dieser Strecke. Gegen China Airlines spricht, dass sie weltweit die Linie mit den meisten Todesopfern sind. Das müsst Ihr selbst abwägen; ich habe mich nicht unsicher gefühlt.

Ihr landet dann normalerweise auf dem Flughafen in Taoyuan, etwa 35 Kilometer südwestlich von Taipei. Bis vor Kurzem hieß der Flughafen noch Chiang-Kai-Shek-Flughafen, aber dessen Name wird jetzt von vielen Stellen getilgt, so auch hier. Der Flughafen ist nichts Besonderes. Leider ist er nur per Bus oder Auto zu erreichen und nicht an das Zugnetz angebunden. Die Buslinien sind teilweise auch etwas seltsam. So gibt es vom nahegelegenen Hsinchu zum Beispiel aus keine direkten Busse; man muss erst ins entgegengesetzt liegende Taipei fahren und von dort aus zurück zum Flughafen.

Anders als bei der Ankunft gibt es bei der Fortbewegung in Taiwan selbst durchaus verschiedene Möglichkeiten, die ich hier mal ausbreiten will.

Fernverkehr

Fliegen

Manchen Leuten kann keine Insel klein genug sein, um sich in die Lüfte zu schwingen. Ich gehöre nicht zu denen, die halbstündige Flüge von Stadt zu Stadt für eine sinnvolle Einrichtung halten und habe daher wenig dazu zu sagen. Allerdings würde ich bei Gelegenheit gern mal nach Jinmen, das ist eine außerhalb liegende Insel, die mit dem Schiff nur alle paar Wochen angelaufen werden kann. Wenn ich den daher vertretbaren Flug hinter mir habe, kann ich das ja noch ergänzen.

Bahnfahren

Bahnfahren ist eine Leidenschaft von mir. In vielen Ländern gehört das Bahnfahren einfach unbedingt dazu, wenn Ihr die Kultur kennenlernen wollt. So auch in Taiwan. Aber ich fange wohl am Besten von vorne an.

Wenn Ihr eine längere Bahnfahrt vorhabt, habt Ihr im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Entweder Ihr geht einfach zum Bahnhof, kauft eine Karte für den nächstbesten Zug und steigt ein. Auf den Hauptrouten ist die Zugfolge recht dicht, alle halbe bis ganze Stunde ein Zug. Oder aber Ihr wollt sparen oder schnell reisen oder habt sonstige Sonderwünsche. Dann solltet Ihr einige Dinge wissen.

Erst einmal gibt es verschiedene Zugarten (wie in Deutschland Regionalbahn, IC, ICE etc.). Jede davon hat einen eigenen Preis. Die wichtigsten: Die schnellste und teuerste ist der Ziqiang, dann folgt der Juguang, danach kommen der Fuxing und der Dianche (gleicher Preis) und schliesslich der Pingkuai. Erstere drei haben numerierte Sitze. Solange Sitzplätze erhältlich sind, bekommt Ihr automatisch eine Reservierung. Gibt es keine Plätze mehr, erfahrt Ihr das am Schalter und könnt Euch entscheiden, ob Ihr stehen wollt oder auf einen Bus oder einen späteren Zug ausweichen wollt (sehr gutes Konzept).

Am Wochenende (Freitags abends bis Sonntag abends) sind grundsätzlich alle Plätze auf den Hauptrouten ausgebucht! Wenn Ihr freitags einen Sitzplatz haben wollt, müsst Ihr spätestens Mittwoch (lieber früher) Eure Karten kaufen (am Bahnhof, eine andere Möglichkeit ist mir nicht bekannt).

Eine Alternative ist die Fahrt mit dem Dianche. Hier gibt es keine reservierten Plätze - diese Züge sind hauptsächlich für den Berufsverkehr, und zu anderen Zeiten findet Ihr fast immer einen Platz. Der Pingkuai schließlich ist das untere Komfortende (kostet allerdings auch nichtmal halbsoviel wie die schnellsten Züge). Keine Klimaanlage und hält an jedem Mülleimer (in größeren Ortschaften hält er manchmal ne Stunde). Für längere Strecken kriegt Ihr in der Regel diese Karten am Schalter nicht mal angeboten (Ihr müsst also extra nachfragen). Empfehlen kann ich diese Züge wirklich nur, wenn Ihr total pleite seid.

Die anderen Züge sind recht in Ordnung, und manche haben sogar ein paar Extra-Gimmicks, die ich für fast revolutionär halte: Zum Beispiel lassen sich die Bänke (zwei zusammenhängende Sitze) in den Großraumwagen (Abteile gibt es nicht) oft rumdrehen! Wer also nicht gern mit dem Rücken zur Fahrtrichtung unterwegs ist, betätigt einen Hebel und dreht die Bank einfach um. Das ist schon toll (wenngleich es mir persönlich echt unwichtig ist - neulich erwischte ich mal eine Bank mit einem kaputten Hebel und saß als einziger verkehrtrum - da ich für Taiwan recht groß bin, schaute ich also allen anderen Reisenden in meinem Wagen ins Gesicht. :-). Die Ziqiang-Züge haben innen große Digitalanzeigen zum Thema "nächster Halt" etc. Chinesischkenntnisse sind hier klar von Vorteil. Größere Städte werden allerdings in den teuren Zügen neben Chinesisch, Taiwanesisch und Hakka auch auf Englisch angesagt (der einzige Satz, den ich auf Hakka einigermaßen fehlerfrei sagen kann, ist "Bitte fertigmachen zum Aussteigen").

Aber es gibt auch Nachteile: Die Waggons haben meist nur zwei winzige Ausgänge. Mit der hierzulande üblichen Rücksichtslosigkeit beim Ein- und Aussteigen sind lange Bahnhofsaufenthalte unvermeidlich. Den Fuhrpark kann ich also nur bedingt empfehlen.

Gut sind die Bahnsteige. Wir erinnern uns: Ihr habt in der Regel Platzkarten. Schon in den Tunneln oder Überführungen gibt es Wegweiser zu den einzelnen Waggonnummern. Auch an den Bahnsteigen stehen unmissverständliche Schilder, wo welcher Waggon zum Stehen kommt. Eine Stufe praktischer als unsere Wagenstandsanzeiger.

Wichtig noch: Die Fahrkarte wird beim Betreten des Bahnsteiges gelocht und am Zielbahnhof wieder abgegeben. Wer eine zu billige Karte hatte (also doch einen teureren Zug benutzt hat oder weiter gefahren ist als geplant), muss nachzahlen, sonst wird er/sie nicht rausgelassen. In den Zügen selbst wird nur stichprobenartig kontrolliert.

Noch ein paar Fakten: Erste-Klasse-Wagen habe ich noch nirgends gesehen (aber auch nicht danach gesucht). Speisewagen gibt es auch nicht, aber in den besseren Zügen kommen kleine Wagen vorbei (mit richtigen warmen Gerichten). An den Bahnhöfen (zumindest den größeren) gibt es recht effektive Anzeigen über die nächsten Züge, deren Routen (einschliesslich aller Zwischenhalte) und deren Verspätung (exakt in Minuten, auch zwei Minuten Verspätung werden angezeigt, allerdings nicht immer völlig verlässlich). Im Großen und ganzen sind die Züge auch nicht unpünktlicher als bei uns. Gedruckte Fahrpläne sind kaum verständlich - ich halte mich echt nicht für blöd, aber kann das mal jemand ein wenig übersichtlicher machen? Jedenfalls sind auch hier Chinesisch-Kenntnisse hilfreich - zumindest die Zeichen für Euren Zielbahnhof solltet Ihr erkennen können (oder Ihr lasst sie Euch aufschreiben und Euch dann von den SchaffnerInnen helfen).

Noch ein ganz starker Punkt: Die Fahrkartenautomaten! Wenn Ihr exakt wisst, was Ihr wollt, und das auch lesen könnt, dann meidet die Schlangen und nutzt die Automaten, vor allem für kurze Strecken. Die Dinger sind sowas von idiotInnensicher, dass ich mich immer wieder frage, warum bei uns so absurde Dinger herumstehen müssen, die nur farblich überzeugen.

Fazit Züge: Bequem, aber die Kapazitäten reichen am Wochenende hinten und vorne nicht aus. Quer über die Insel gibt es keine Bahnlinie, Ihr müsst also immer außenrum fahren. Insgesamt ist das Preis-Leistungsverhältnis gut, und die Züge allemal billiger sind als bei uns.

Hochgeschwindigkeitszüge (HSR)

2006 wurde eine Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Taipei und Kaohsiung eingerichtet. Als ich erstmals von derlei Plänen hörte, war ich begeistert - genau das, was Taiwan braucht, um die notorisch überfüllten Züge und Straßen zu entlasten. Die Vorfreude wich allerdings Ernüchterung, als ich sah, wie das Projekt ausgeführt worden war.

Für die Züge wurde eine eigene Strecke gebaut, die auf Stelzen durch die Landschaft schneidet und die an keiner Stelle das bisherige Bahnnetz berührt. Die Bahnhöfe liegen weit außerhalb der angefahrenen Großstädte, damit entstehen bei der Anfahrt erhebliche Kosten und ein ziemlicher Zeitaufwand, der die Geschwindigkeitsvorteile gleich wieder auffrisst. Besonders unklar ist mir, warum die Chance nicht genutzt wurde, den Flughafen in Taoyuan anzuschließen. Da lag der Bedarf eigentlich auf der Hand. Jedenfalls wird die Bahn von einer anderen Gesellschaft betrieben als die restlichen; und offensichtlich besteht wenig Interesse an einer Kooperation. Taiwanische FreundInnen sagten mir, dass der Grund für die seltsame Streckenführung Interessen einzelner PolitikerInnen waren. Damit hätten sie Taiwan einen Bärendienst erwiesen.

Nachtrag Februar 2009:

Mittlerweile bin ich selbst mit den Zügen unterwegs gewesen und meine Skepsis hat sich ein bisschen verkleinert. Zumindest in Taichung gibt es eine Lokalbahnverbindung zum Bahnhof, und vom Flughafen zum HSR-Bahnhof verkehren ständig Shuttle-Busse, die etwa eine Viertelstunde brauchen und 30 NT$ kosten. Das ist also durchaus akzeptabel. Und die HSR selbst ist eher klasse. Zwar werden japanische Züge eingesetzt, die den Nachteil haben, dass sich in einer Sitzreihe fünf Sitze befinden, was den Platz eher einschränkt. Aber dafür fahren die Dinger bis 300 km/h und sind ratzfatz da, wo man hin will, also eine echte Alternative zu innertaiwanischen Flügen und zeitlich den normalen Zügen um einiges voraus (von Taichung bis zum Flughafen gerade mal eine gute halbe Stunde - mit dem Bus auch ohne Verkehrsstaus ungefähr zwei Stunden), und das für 540 NT$. Das ist für taiwanische ÖPNV-Verhältnisse zwar ein stolzer Preis, aber eben letztlich auch nur etwa 13 Euro.

Die Bahnhöfe sind, wie in Taiwan zu erwarten war, ein Musterbeispiel an Effizienz. Wer durch die Schranke (in die man wie in der U-Bahn in Taipei das Ticket einsteckt) geht, wird auf der anderen Seite empfangen und beraten, auf welchen Bahnsteig er oder sie muss (keine Ahnung, ob das nur passiert, wenn man als Langnase dort unterwegs ist, aber wer halbwegs den Zielort aussprechen kann, dürfte kaum Gefahr laufen, in den falschen Zug einzusteigen). Viel verbessern kann man da gar nicht mehr. Allerdings war ich nicht selbst in der Verlegenheit, mir Fahrkarten zu kaufen, daher kann ich nichts darüber sagen, ob am Schalter vielleicht gar Leute eingesetzt sind, die des Englischen mächtig sind.

Busse

Wenn Ihr keinen Sitzplatz kriegen könnt oder sparen wollt, dann nehmt am besten einen Bus. Die Dinger sind bequem und leidlich effektiv. Aber auch hier gibt es Vor- und Nachteile. Ich beginne mit den Vorzügen: Busse fahren in Taiwan von überall hin nach überall hin. Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Auch hier gibt es Stoßzeiten, die aber durch simples Anstehen überwunden werden können (wundert Euch halt nicht darüber, wenn Ihr Sonntags abends am Bahnhof in Taipei Schlangen seht, die mehrere Hundert Meter lang sind). Auf den Hauptstrecken (etwa Taichung-Taipei) fahren die Busse dann alle paar Minuten und werden einfach mit den Wartenden aufgefüllt. Auch hier gilt: Die Fahrkarte muss sowohl beim Ein- wie auch beim Aussteigen vorgezeigt werden.

Die Sitze der Überlandbusse sind recht großzügig und bequem, und Busfahren ist billiger als alle Züge, die schneller fahren. Was spricht also gegen Busfahrten?

Erst einmal der Verkehr. Die TaiwanesInnen sind ganz versessen darauf, im Stau zu stehen (noch mehr als die Deutschen). Anders kann ich mir die Zustände auf den Straßen nicht erklären. Am schlimmsten sind Ein- und Ausfahrten in oder aus Großstädte(n). Die können schon mal eine halbe bis ganze Stunde in Anspruch nehmen, bis der Bus dann endlich im Autobahnstau angekommen ist. Macht keinen Spaß. Noch schlimmer für mich als Fernsehhasser ist, dass in den Bussen fast grundsätzlich die Flimmerkiste rauscht (zugucken tut eigentlich niemand). Kaum auszuhalten. Schlafen oder Lesen ist dabei für mich sehr schwierig. Aber Lärm hat hier einfach einen anderen Stellenwert als bei uns.

Grundsätzlich ist bei den Bussen die Lage noch weniger durchschaubar als bei den Zügen. Das liegt daran, dass es völlig unabhängig voneinander operierende Busgesellschaften gibt. Ich kann keine Empfehlungen aussprechen, nehmt einfach eine, denen Eure taiwanesischen Bekannten vertrauen. Bei Bussen ist es aber sinnvoll, Rückfahrten gleich mitzubuchen, dann kriegt Ihr (anders als bei den Zügen) Rabatt.

Fazit Busse: Billiger und langsamer als die Züge. Gutes Streckennetz (quer über die Insel und in den Bergen kommt es allerdings nach Taifunen oft zu Ausfällen, weil die Straßen verschüttet sind), einigermaßen guter Komfort (manche Straßen sind aber auch recht holprig. Brauchbare Alternative zur Bahn.

Eigenes Fahrzeug

Wenn Ihr ein Motorrad oder Auto zur Verfügung habt, besteht der Unterschied zu den Bussen darin, dass Ihr aufgrund der geringeren Augenhöhe weniger Überblick über den Stau habt. Oder aber Ihr passt Euch den lokalen Gepflogenheiten an und donnert mit Vollgas über die Standspur. Grundsätzlich solltet Ihr darauf gefasst sein, dass nicht irgendwie die Fahrzeuge auf der rechten Spur am langsamsten fahren. Überholt wird jederzeit und überall, und das für einen Spurwechsel bei hundert Sachen ein gewisser Abstand zu anderen Fahrzeugen eingehalten werden sollte, ist nur wenigen Eingeweihten bekannt. Bevor Ihr Euch selbst hinter das Steuer setzt, empfehle ich Euch dringend, erstmal bei jemand anderem mitzufahren, um Euch an die Verhältnisse zu gewöhnen. Dass ich keinerlei Vorteile in der Benutzung solcher Verkehrsmittel sehe, sei hiermit ausgedrückt - es sei denn, Ihr wollt wirklich in irgendwelche Kleinstkaffs, die nicht recht an die Öffis angeschlossen sind. Die Autobahnen sind übrigens mautpflichtig, dafür ist Benzin sehr viel billiger als bei uns.

Sonstige Kniffe

Dort, wo die öffentlichen Verkehrsmittel am dünnsten gesät sind, entwickeln die Einheimischen die größte Kreativität. Es gibt dann oft KleinunternehmerInnen, die mit ihren VW-Bussen bestimmte Routen auf- und abfahren. Sie haben ein Handy dabei und holen/setzen Euch so ab, wie Ihr ihnen telefonisch mitteilt, solange es einigermaßen an der Strecke liegt. Hierzu braucht Ihr allerdings unbedingt Chinesischkenntnisse oder die Hilfe von Einheimischen. Sonst kommt Ihr gar nicht an die Telefonnummern heran, die meist nur in Form von Visitenkarten herumgegeben werden.

Stadtverkehr

U-Bahn und Bus

Über die U-Bahn habe ich mich in meinem Artikel über Taipei ja schon ausgelassen. Auch wenn für Taichung und Kaohsiung U-Bahnen in Planung sind, glaube ich nicht an eine rasche Fertigstellung. Die lokalen Busse sind völlig kryptisch, und so etwas wie einen Liniennetzplan gibt es nirgends. Kleingeld muss beim Einsteigen bereitgehalten werden. Die Busse sind zu Recht unbeliebt.

Mofa

Hauptverkehrsmittel der Einheimischen ist der Motorroller. Auf so einem Ding haben ungefähr zwei Erwachsene und drei Kinder und ein Hund Platz (was nicht heisst, dass es nicht auch Motorroller gibt, die voller besetzt sind). In Taiwan existieren auf etwa 23 Millionen Menschen etwa 10 Millionen Motorroller. Im Schnitt also 2,3 Personen pro Stück - das deckt sich etwa mit meinen Beobachtungen über die durchschnittliche Auslastung - frage mich nur, wofür dann die ganzen Autos noch da sind? In Taiwan herrscht übrigens Helmpflicht. Nicht alle halten sich dran, aber das wird durchaus mal kontrolliert. Es gibt die lustigsten Helme in Taiwan - Bauarbeiter-Helme, alte Wehrmachtshelme (der Typ mit dem Original-Hakenkreuz drauf hat leider nicht angehalten, um sich von mir anpöbeln zu lassen) oder so schicke orange, wo hinten Kenny aus South Park rausguckt, die kosten etwa 2 Euro fünfzig und schützen sicher super. Coole Leute machen übrigens nicht nur den Kinngurt nicht zu, sondern schnallen ihn über dem Helm zusammen. So bietet der Helm optimalen Schutz (gegen zufällig herabfallende Blumentöpfe etwa). Bei Unfällen, die Ihr hier reichlich beobachten könnt (Taiwan ist ein Paradies für Schaulustige) fliegen die Helme oft in hohem Bogen durch die Luft.

Taxi

Wer will, kann sich TaxifahrerInnen anvertrauen. Ich winke gern eins heran, das alt und unverbeult aussieht, das finde ich vertrauenserweckend. Allerdings kommen viele Taxifahrer direkt aus der Hölle und fahren noch durchgeknallter als die anderen Leute. Immerhin gibt es mittlerweile eine Gurtpflicht, und ich habe den Eindruck, als würde da bei den Taxis auch drauf geachtet. Noch vor wenigen Jahren galt Anschnallen als eine persönliche Beleidigung des Fahrers. Mittlerweile gibt es sogar auf dem Rücksitz Gurte und man wird unter Umständen sogar extra darum gebeten, sich anzuschnallen.

Taxifahren ist allemal billiger als in Deutschland, und es gibt auch viel mehr Taxis. Zumindest tagsüber könnt Ihr Euch in großen Städten jederzeit an größere Straßen stellen und innerhalb weniger Minuten eins heranwinken. Winkt Ihr nicht, sondern geht einfach nur an einer Straße entlang, hupen sie, um Euch anzulocken. Die Vorstellung, dass jemand freiwillig zu Fuß gehen könnte, ist in Taiwan noch nicht sehr weit verbreitet.

Fahrrad

Persönlich gehöre ich zu den Leuten, die das Fahrrad in der Stadt bevorzugen (habe mir allerdings einen Helm zugelegt). Geht gar nicht so schlecht, allerdings ist ständige Aufmerksamkeit noch essentieller als in Deutschland. Es gibt einfach sehr viele Irre hier.

Zu Fuß

Nur wenige Menschen in Taiwan gehen mehr als zweihundert Meter zu Fuß irgendwohin. In den Großstädten ist es auch kein uneingeschränktes Vergnügen, sich auf diese Weise fortzubewegen. Zwar befindet sich zwischen den Häusern und den Straßen so was Ähnliches wie ein Bürgersteig, doch der ist vor jedem Haus individuell gestaltet. Das heißt, es gibt eine Menge Stufen zu überwinden, auß stehen oft Blumentöpfe, Verkaufsstände, Autos, Motorroller und viels andere mehr darauf herum. Denen kann mal natürlich irgendwie ausweichen, aber wer beispielsweise einen Kinderwagen vor sich herschiebt, kann das normalerweise nur auf der Fahrbahn tun. Eine Ausnahme von dieser Beobachtung bietet Taipei, das irgendwie weiträmiger angelegt ist als andere Städte.

Und dann sind da noch...

...Verkehrsregeln...

Verkehrsregeln gibt es auch, aber die werden eher als lose Vorschläge angesehen. An den Ampeln wird losgefahren, wenn die Ampeln des Querverkehrs auf Gelb springen. Linksabbieger geben besonders Gas, um vor dem Gegenverkehr die Kurve zu kriegen. Hilfreich ist es dabei, sich etwa 100 Meter vor der Kreuzung schon mal auf die Gegenspur einzuordnen. Nett dafür die (wenigen) FußgängerInnenampeln: über dem gehenden grünen Männchen (das bewegt sich hier wirklich, echt putzig) ist die Zahl der Sekunden eingeblendet, die es noch grün ist (Ampelphasen sind hier wesentlich länger als in Deutschland, zwei Minuten sind keine Seltenheit). In den letzten fünf Sekunden fängt das Männchen an zu rennen, irgendwie sehr realistisch. Geparkt wird durch simples Anhalten auf der Straße, auf den "Fußwegen" oder in der Einfahrt oder sonstwo. Dafür ist Hupen hier nicht ganz so verbreitet, wie in vielen anderen asiatischen Ländern (asiatischer Hupkodex: an jedem Misthaufen einmal, an Misthaufen mit Hahn zweimal, an Misthaufen mit Hahn vor Kurve dreimal, sonst durchgehend). Sehr erholsam. Dafür plärren die Müllwagen laute "Musik" heraus, damit die Leute wissen, wann sie ihren Müll an die Straße bringen sollen. Für ausreichend Lärm ist also gesorgt.

...und Landkarten

Na, die taugen nun wirklich nicht viel. Es ist nämlich so, dass das Lesen einer Landkarte oder eines Stadtplans einfach nicht zu den allgemein verbreiteten Kenntnissen in Taiwan gehört. Einheimischen einen Stadtplan unter die Nase zu halten und "Entschuldigung, können Sie mir zeigen, wo ich bin?" führen meist höchstens zu einem verlegenen Kreisen mit dem Zeigefinger. Besser ist die Frage: "Wie komme ich nach XY?" Dann kriegt Ihr die Route beschrieben und könnt mit Glück Euren derzeitigen Standpunkt ergrübeln. Da die Karten aber niemand lesen kann, sind sie auch sehr schlampig gemacht. Leidvolle Erfahrungen habe ich vor allem mit Stadtplänen gemacht. Da fehlen schon mal ein paar Straßen (macht nichts, das gleicht sich an anderer Stelle wieder aus, da sind welche zuviel). Völlig nutzlos ist der gelegentliche Versuch, die Straßennamen in westlichen Buchstaben zu umschreiben. Dabei kommen eh nur wirre Buchstabenketten heraus, und damit lässt sich einfach nichts anfangen.

Ich komme mal zum Ende. Reisen in Taiwan ist aufregend und es gibt viele lohnende Ziele. Wer kein Chinesisch kann, hat kaum eine Chance, die besten Preise oder Verbindungen zu bekommen - liefert Euch Leuten aus, mit denen Ihr Euch verständigen könnt und denen Ihr vertraut. Anders geht es kaum. Noch ein Tip am Rande: Wenn Ihr mal wieder den Koller angesichts des vielen Gedränges bekommt und Euch jemand rüpelhaft zur Seite schubst, dann hilft ein kurzes Lächeln und ein "Hello". Schon hat der/die ÜbeltäterIn eine persönliche Beziehung zu Euch und ist die Höflichkeit in Person. Ohne diese Beziehung seid Ihr einfach nicht relevant. Das funktioniert wirklich, probiert es aus!