HilkMANs Taiwan-Seiten

Tainan

Pagode mit Wassertank

In Taiwans viertgrößter Stadt hatte ich immer den Eindruck, sie sei besonders geschichtsträchtig. Das liegt wohl unter anderem an einem kleinen Museum, in dem der Vertreibung der europäischen Kolonialmächte (in diesem Fall der holländischen Garnison, die Taiwan einige Jahrzehnte lang kontrolliert hatte) im Jahre 1662 gedacht wird. Draußen steht eine nette kleine Statue, die einen Europäer zeigt, der mit gesenktem Kopf eine Kapitulationsurkunde an die siegreichen Chinesen übergibt. Die dazugehörende Geschichte ist von den Regierungen aller Couleur ausgiebig ausgeschlachtet worden, und ich denke, für viele TaiwanerInnen war zumindest damals die chinesische auch nur eine Kolonialherrschaft. Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall.

Sehr schön ist auch der Konfuzius-Tempel, der (fast noch mehr als andere derartige Tempel in Taiwan) mit seiner parkähnlichen Gestaltung eine Oase der Ruhe in der Hektik der Stadt darstellt. Außerdem gibt es hier den oft sehnsüchtig vermissten Schatten (richtig kühl wird es natürlich trotzdem nicht) und idyllische Eichhörnchen springen überall herum. Ich habe es sehr genossen. Aber Ihr werdet in Tainan an vielen Stellen noch historische Gebäude wie Tempel, Stadttore und so weiter finden, die sich hier in größerer Zahl als anderswo erhalten haben.

Interessant finde ich dabei immer wieder, wie gerade die Tempel in das Stadtbild eingebunden sind. Angesichts der erschlagenden Menge an Betonklötzen in den Städten drängt sich Außenstehenden wohl unweigerlich der Eindruck auf, die dazwischen eingepferchten Tempel seien wohl sehr alt. Das ist aber mitnichten immer der Fall; vielmehr wird für das Außenbild der Tempel einfach viel mehr Aufwand betrieben. Schon dadurch erscheinen sie als einladende Orte. Beim Anblick des Wassertanks auf der kleinen Pagode habe ich mich aber schon gefragt, ob das die ErbauerInnen bewusst war. Ich empfinde dieses Bild aber als sehr typisch für Taiwan: Pragmatismus geht vor Ästhetik. Das ist nicht unbedingt tourismusfreundlich, aber es funktioniert.

Besiegter Europäer unterwirft sich dem übermächtigen chinesischen Feldherren.
Der Konfuziustempel liegt wie so oft in einem schönen Park.