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Taichung

Dass ich aus Taichung so wenig Sehenswürdigkeiten zu empfehlen habe, ist mir schon fast unangenehm. Durch meine Familienverbindungen in diese Stadt habe ich hier sehr viel Zeit verbracht und die Stadt durchaus schätzen gelernt. Allerdings kenne ich vor allem eher unspektakuläre Teile wie Restaurants, kleine Parks, Teehäuser und so weiter, die KurzzeitbesucherInnen vielleicht wenig spannend vorkommen mögen.

Eine Lanze möchte ich allerdings für das Wissenschaftsmuseum brechen, in das ich nach langer Zeit in der Region endlich mal reinging. Es ist ein nettes Mitmachmuseum mit mehreren Stockwerken, von denen mir meiner Erinnerung nach der Keller am besten gefiel. Hier werden (anders etwa als im so berühmten Nationalmuseum in Taipei) alle Sinne angesprochen, wenn etwa die Entstehung von Lauten im Mund simuliert wird oder ihr Eure Hand mal in einen Mini-Tornado hineinstecken könnt. Das rechtfertigt vielleicht nicht unbedingt eine weite Anreise, aber wenn Ihr in der Gegend seid, schaut ruhig mal rein. Das imposante Kunstmuseum war leider fast die ganze Zeit, in der ich in Taichung war, wegen der Nachwirkungen des 921-Erdbebens geschlossen. Mittlerweile ist es wohl wieder geöffnet, aber ich habe es noch nicht hinein geschafft.

Nahe des Bahnhofs liegt der Taichung-Park, der mir recht gut gefallen hat. Es mag zwar schönere Parks geben, aber dieser ist meist sehr lebendig. Mein persönlicher Höhepunkt dort war das Laternenfest, als es nicht nur eine Ausstellung fantasievoll gestalteter Laternen gab, sondern der ganze Park voll mit, äh, erleuchteten Leuten war. Dieses Fest gibt es zwar wohl überall in Taiwan, aber der Taichung-Park ist kein schlechter Ort, um es zu begehen.

Ein Ausflug zum Taichung-Hafen, der keineswegs in der Stadt, sondern einige Dutzend Kilometer außerhalb an der Küste liegt, lohnt sich weniger für Leute, die sich für Schiffe begeistern können, sondern ist (keine Überraschung in Taiwan) vor allem für Leute interessant, die gern Fisch essen. Der Teil des Hafens, der Endpunkt der meisten Ausflüge ist, besteht hauptsächlich aus Restaurants und ein paar Läden - nebenbei lässt sich gelegentlich mal ein Fischerboot sehen. Es gibt auch Ausflugsboote, aber da ich mit keinem gefahren bin, kann ich dazu nichts weiter sagen.

Taichung ist nach Taipei und Kaohsiung die drittgrößte Stadt Taiwans, mit etwa einer Million Menschen. Der Kern ist recht übersichtlich, weil es Straßen fast nur in Nord-Süd- beziehungsweise in Ost-West-Ausrichtung gibt, mit einer Diagonalverbindung, die vom Bahnhof aus etwa nach Nordosten verläuft. Der Verkehr in Taichung ist scheußlich, öffentliche Verkehrsmittel zwar in Form von Bussen vorhanden, allerdings ist es mir nie gelungen, so etwas wie einen Liniennetzplan oder sowas in die Finger zu kriegen. Damit sind die Busse nur für Eingeweihte interessant, und meistens bleiben sie sowieso im Verkehr stecken. Der Bau eines U-Bahn-Netzes wäre ein riesiger Fortschritt für die Stadt, aber bisher tut sich da leider noch nichts.

Für AusländerInnen, die in Taichung leben, kann ich übrigens einen gelegentlichen Besuch in der Kneipe PJ's empfehlen. In diesem bekannten Treffpunkt für WestlerInnen gibt es eine Büchertauschbörse. Was Ihr ausgelesen habt, könnt Ihr dort hinbringen und/oder Euch aus dem dortigen Regal was Neues mitnehmen. Da englischsprachige (oder gar sonstige ausländische) Bücher in normalen Buchläden nicht unbedingt in reichhaltiger Auswahl vorhanden sind, ist das eine wirklich tolle Sache.