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Penghu-Archipel

Alltagskunst - ein Straßenschild in Makung.

Immer nur in den lauten und stickigen Großstädten zu sein - das war mir auf die Dauer zu anstrengend. Also bin ich des öfteren am Wochenende weggefahren. Für ein verlängertes Wochenende bietet sich dabei sehr ein Besuch auf den Penghu-Inseln (früher auch Pescadores genannt) an. Sie sind per Schiff (von Kaohsiung oder im Sommer auch von einem kleinen Hafen nahe Chiayi aus) oder Flugzeug (von den meisten größeren Städten) zu erreichen. Ich fand die Schiffsreise sehr schön, hinter uns sprangen munter Delphine aus dem Wasser - sehr malerisch. Die größeren Schiffe fahren alle nach Makung, der einzigen ernsthaften Stadt Penghus (ca. 60.000 Menschen). Hier findet sich ein Taiwan, wie es sonst fast verlorengegangen ist - kleine Häuser, weniger Beton, weniger ausländische Ketten, insgesamt eine viel ruhigere Atmosphäre. Lohnend ist hier ein Besuch auf dem kleinen Fischmarkt oder in einem der vielen Fischrestaurants (Achtung: Fisch kann SEHR teuer sein!).

In Makung befindet sich außerdem der älteste Tempel Taiwans (von 1592). Er ist Mazu, der Meeresgöttin, geweiht, die in Taiwan eine besondere Rolle spielt. Mir hat dieser Tempel tatsächlich besonders gut gefallen - er hat irgendwie elegante Linien und ist einen Abstecher wert. Versprecht Euch keine tagesfüllenden Besichtigungstouren, so richtig riesig ist er nicht. Aber es war eben auch keiner von diesen 08/15-Tempeln, und die Ehrfurcht vor dem Alter trägt natürlich auch ein wenig zu seiner Attraktivität bei.

Richtig nett wird es dann aber erst auf den kleineren Inseln. Davon gehören ca. 40 zum Archipel, von denen nur einige mit öffentlichen Booten zu erreichen sind. Tagesausflüge dorthin sind möglich und sehr empfehlenswert. Einige wenige der Inseln haben sogar einfache Herbergen, beispielsweise Wan'an. Wenn Ihr dort übernachten wollt, solltet Ihr unbedingt vorher reservieren - sonst gibt es wahrscheinlich nichts zu essen für Euch, denn es muss alles mit dem Boot herbeigeschafft werden. Wer sich von den allgegenwärtigen Angeboten nicht irre machen läßt und auf die Moped-Rundfahrt verzichtet, kann zu Fuß die herrliche Ruhe und Abgeschiedenheit genießen. Von einigen Hügeln aus ist die Insellage sehr präsent - in allen vier Blickrichtungen nur Wasser. Herrlich.

Fischerboot in Makung

Auf manchen der Inseln (beispielsweise wiederum Wan'an) gibt es auch nette Sandstrände, sicherlich weniger spektakulär als anderswo, dafür eben schön ruhig. Für den typischen Badeurlaub eignen sich die Inseln trotzdem nicht, weil es einfach keinerlei Service gibt - Ihr müßt Euch selbst um alles kümmern. Für mich sehr angenehm. Allerdings gibt es die Möglichkeit zu schnorcheln - fragt in Eurem Hotel/Eurer Herberge. Die Einheimischen sind meist ohnehin gut in der Lage, Euch weiterzuhelfen - wenn die Verständigung klappt...

Viele taiwanische Wochenend-TouristInnen chartern in größeren Gruppen ein Ausflugsboot und versuchen, möglichst viele der kleineren Inseln in möglichst wenig Zeit abzuklappern. Teilweise stoppen diese Boote nicht mal eine Stunde auf einer Insel. Das reicht dann eben nur, um mal dagewesen zu sein; Ihr könnt dann bestenfalls einmal mit dem Motorrad herumbrausen und vielleicht hastig was futtern (auf den Inseln, auf denen es Läden gibt). Wenn Ihr darauf keine Lust habt (und nicht so reich seid, um Euch allein ein Boot zu chartern), dann solltet Ihr die Fahrpläne der öffentlichen Boote genau studieren. Eine Abfahrtsmöglichkeit zu überspringen bringt Euch nälich nicht nur mehr Zeit, sondern auch Ruhe - wenn die Gruppen weg sind, kehrt eine herrliche Stille ein.

Für mich war Penghu ein Ort der Erholung, den ich in sehr guter Erinnerung behalten habe. Die beste Reisezeit ist wohl im Frühjahr oder Herbst, denn im Sommer kann es extrem heiß werden, und viel Schatten gibt es nicht. Ich empfehle, mindestens drei Tage einzuplanen, um nicht doch wieder in die allgemeine Hektik zu verfallen.

Kleiner Schrein auf QimeiHäuserruinen -
viele Leute ziehen auf's Festland.