HilkMANs Taiwan-Seiten

Erdbeben und Taifune

Hier geht es um Dinge, die die meisten von Euch hoffentlich nie am eigenen Leib erfahren müssen, zumindest nicht in extremer Form: Erdbeben und Taifune. Als wohlgenährte MitteleuropäerInnen kennen wir so etwas ja vor allem aus dem Fernsehen oder aus der Zeitung. In fernen Ländern rumpelt es ein bisschen, ein paar Kleinstädte werden in Schutt und Asche gelegt, und wir finden das schon furchtbar. Nach drei Tagen wird dann doch noch jemand lebend aus den Trümmern gezogen, und wir danken dem Schicksal dafür, denn einige Tausend andere Menschen haben nicht so viel Glück gehabt. Hohe Leichenzahlen geben unserem rekordlüsternen Gemüt nur noch zusätzlichen Nervenkitzel. Wenn wir gleichzeitig reich und sozial genug sind, dann spenden wir ein paar Euro an die Katastrophenhilfe, aber noch drei Tage später tritt ein Provinzpolitiker wegen Korruption zurück oder ein Popstar wird auf unerklärliche Weise schwanger, und dann vergessen wir wieder, dass es Länder wie Mexiko, Iran oder Taiwan überhaupt gibt. Vor Ort allerdings werden derlei Katastrophen nicht so schnell vergessen.

ERDBEBEN

Als ich Anfang 2000 erstmals nach Taiwan zog, waren gerade gut vier Monate vergangen, seit das verheerende 921-Erdbeben (benannt nach seinem Datum, dem 21. 9. 1999) Zentraltaiwan verwüstet hatte. Obwohl ich einige Jahre zuvor in Südchina bereits mit Erdbebenschäden konfrontiert worden war (und nachts gelegentlich mit starkem Herzklopfen erwachte, weil die Erde ganz leicht zitterte), war ich kaum auf das gefasst, was mich nun erwartete. Natürlich erinnerte ich mich an die Nachrichten vom 921-Beben, denn ich interessierte mich ja schon länger für Taiwan, aber es war kein ständiger Begleiter mehr für mich. Das änderte sich schlagartig, als ich in der zentraltaiwanesischen Provinzstadt Fengyuan mein Zimmer bezog.

Die Häser am rechten Bildrand
waren vor dem 921-Erdbeben noch
mit denen links auf einer Höhe.

Unmittelbar hinter dem Haus begannen die Berge, ich wohnte also sozusagen am Fuß des Hanges. Die Häuser auf der anderen Straßenseite standen etwa fünf Meter höher als das, in dem ich wohnte. Die schuttübersäten Baulücken fielen mir in Taiwan nicht als etwas Besonderes auf, bis ich dann erfuhr, dass der gesamte Hang erst durch das Erdbeben hochgekommen war, die Häuser gegenüber also im Vorjahr noch ebenerdig gestanden hatten! Dieser Hang am Fuß der Berge zog sich kilometerweit durch die Landschaft, an den meisten Stellen eher noch höher als in meiner Nachbarschaft (die höchste Stelle geschätzt gut 15 Meter hoch). An einer Stelle lief er mitten durch einen grösseren Fluss und hatte dort einen imposanten Wasserfall hervorgerufen (neben den Trümmern der alten Brücke wurde gerade eine neue gebaut).

Langsam dämmerte es mir, wie Erdbebenschäden aussehen. Häuser, die direkt auf einer solchen Falte stehen, können niemals erdbebensicher gebaut sein, ausgeschlossen. Andere, wenige Meter daneben (so wie das, in dem ich lebte) waren nahezu unbeschädigt geblieben (selbst schäbige Hütten manchmal. Na ja, unbeschädigt heisst aber auch nicht, dass es hinterher nicht ein bisschen reinregnet).

Manche Leute hatten also Glück, andere Pech, so einfach und so hart. In Fengyuan allein (ähnlich groß wie etwa Osnabrück) waren an die 100 Menschen ums Leben gekommen.

Natürlich gab es auch abseits der Hauptfalte schwere Verwüstungen. Ganze Wohnblocks mit zwanzig oder mehr Stockwerken waren einfach eingeknickt und schräg über die Straße gekippt, so dass sie auf dem Dach anderer Häuser auflagen. Solche Blocks waren natürlich längst abgerissen worden, und nur gruselige Fotosammlungen und leere Grundstücke zeugten noch davon. Bei manchen dieser Zusammenbrüche hatte Pfusch am Bau eine maßgebliche Rolle gespielt: In die Betonwände waren leere Ölkanister und ähnliches eingelassen worden, um Beton und damit Kosten zu sparen. Im Alltag kein Problem - aber bei einem schweren Erdbeben natürlich fatal. Ironischerweise ist einer der Gründe dafür, warum in den letzten Jahrzehnte soviel Bausubstanz abgerissen und durch neue Betonbauten ersetzt wurde (wodurch dieses Land architektonisch auf dem allerallerletzten Platz der von mir bisher bereisten ca. 40 Länder liegt), dass die neuen Gebäude erdbebensicherer sein sollten. Da die Sicherheit anderer Menschen in Taiwan als ähnlich unwichtig eingestuft wird wie die eigene (wovon beim Thema Verkehr noch die Rede sein wird), verwundern solche Fälle kaum - was scheren mich die Leute, die in dem Haus wohnen werden, das ich gerade baue?

Beim Beben entstandener Wasserfall

Das soll es mal zur Vorgeschichte gewesen sein. Was ist aber nun so ein Beben, wie fühlt es sich an und wie solltet Ihr Euch verhalten, wenn Ihr tatsächlich mal eins miterleben solltet?

Zunächst ein paar Worte zur Richter-Skala. Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, die Stärke von Erdbeben auszudrücken. Einige von Euch wissen vielleicht, dass es sich nicht um eine lineare, sondern um eine exponentielle Skala handelt. Ein Beben der Stärke sieben ist beispielsweise zehn mal so stark wie eins der Stärke sechs. Im Fernsehen werden diese ominösen Zahlen immer wieder genannt, und nur aufmerksame ZuschauerInnen mögen sich wundern, warum ein Erdbeben der Stärke sieben manchmal nur ein paar Bäume umlegt, während eines der Stärke sechs eine mittlere Großstadt dem Erdboden gleichmachen kann. Der praktische Aussagewert der Richterskala ist für uns LaiInnen denn auch sehr gering. Ich habe schon Beben der Stärke 5,9 locker verschlafen, während andere der Stärke 4,5 mich in ziemliche Panik versetzt haben. Was sagt diese Skala also aus?

Die Richter-Skala misst die Stärke eines Bebens in seinem Zentrum. Wie stark ich persönlich es empfinde (bzw. ob mein Haus umfällt), hängt vor allem davon ab, wie weit entfernt ich mich von diesem Zentrum befinde. Damit ist nicht nur die horizontale, sondern vor allem auch die vertikale Entfernung gemeint. Ein potentiell verheerendes Beben der Stärke siebenkommanochwas, das viele Kilometer unterhalb der Erdoberfläche stattfindet, kann also in seinen Auswirkungen harmlos sein, während ein oberflächennahes, viel schwächeres Beben wesentlich schlimmere Verwüstungen anrichtet. Die bloße Angabe der Erdbebenstärke in der Tagesschau ist also eher wertlos. Alles klar?

Für die Opfer eines Bebens ist dessen akademische Auswertung aber eh uninteressant. Deren Hauptaugenmerk gilt vor allem den Fragen "Komme ich rechtzeitig raus oder nicht? Und bleibt mein Haus stehen oder nicht?" Und in zweiter Linie: "Wenn es nicht stehenbleibt, kann ich dann meine Kreditkarten, meinen Lieblingsteddy und meine CD-Sammlung rechtzeitig in Sicherheit bringen?" An diesem zweiten Augenmerk sind schon viele Menschen zugrunde gegangen. Denn merke: Ein schweres Erdbeben kommt niemals allein. Es gibt immer Nachbeben. Und oft ist es so, dass Gebäude den ersten Schlag schwer beschädigt überstehen - um dann, wenn es einige Minuten später wieder rumst, in sich zusammenzufallen. Dabei werden dann häufig Leute verschüttet, die beim ersten Beben im Nachthemd aus den Betten gesprungen und nach draußen gelaufen sind, dann aber kurz darauf wieder reingehen, um sich was Richtiges zum Anziehen zu holen.

Zusammengefasst hier ein paar Verhaltensregeln: Wenn es richtig schlimm bebt, dann raus aus dem Haus und auf die freieste Fläche, die Ihr finden könnt (also nicht neben Häuser, Bäume, Strommasten (!!!) oder ähnliches). Diese Fläche solltet Ihr vorher (!) kennenlernen, wenn Ihr in ein erdbebengefährdetes Gebiet zieht. Wenn Ihr sehr weit oben wohnt oder der Weg nach draußen aus anderen Gründen zu weit ist, versucht einen stabilen Ort im Haus zu finden (einen Türrahmen zum Beispiel oder einen massiven Tisch). Sowie es aufgehört hat zu schütteln (das kann zwei Minuten dauern oder nur ein paar Sekunden - kommt Euch aber länger vor), dann raus. Besonders im Erdgeschoss nicht lange aufhalten! Ich habe Fotos von vielen höheren Gebäuden gesehen, die das große Beben um ein Stockwerk kürzer gemacht hat (das unterste). Wieder rein geht Ihr bitte erst nach einer Entwarnung, und die kommt vielleicht erst nach Tagen. Wenn Ihr merkt, dass Ihr allein auf der Strasse steht, habt Ihr allerdings wohl ein kleines Beben zu ernst genommen oder es ist lediglich ein Güterzug vorbeigefahren.

Schwere Beben suchen eine Gegend nur alle paar Jahrzehnte heim. In Zentraltaiwan war gerade eins, damit ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren schweren Bebens deutlich gesunken. Erdbeben finden nämlich statt, weil sich tektonische Platten gegeneinander verschieben. Dabei bauen sich Spannungen auf, die sich irgendwann entladen müssen. Wenn sie das getan haben, ist erstmal Ruhe. Ein paar Jahre lang gibt es immer mal Nachbeben, aber die werden dann mit der Zeit seltener und schwächer. Während es 2000 in Taiwan noch mehrere Hundert Mal gebebt hat (viele dieser Beben waren deutlich spürbar), habe ich 2002 kaum noch etwas gemerkt. Allerdings gibt es in Osttaiwan noch so eine Erdfalte, die beunruhigend ruhig ist (das Ausbleiben kleinerer Beben heißt, dass sich Spannung aufbaut). Die Stadt Hualien etwa bewegt sich jährlich etwa fünf Zentimeter auf Taipei zu. Brrr.

Jetzt wird's mal ein bisschen esoterisch: Wie fühlt sich so ein kleines Beben an, selbst wenn Ihr wisst, dass es kein gefährliches ist? Da habe ich schon Seltsames erlebt. Das erste Beben in Taiwan, einige Tage nach meiner Ankunft, bekam ich nur mit, weil ich anschließend aufwachte - mit dem gleichen Herzklopfen wie damals in China. Ein Blick in die Zeitung am übernächsten Tag bestätigte meinen Verdacht - um die entsprechende Uhrzeit hatte es ein leichtes Beben gegeben. Später geschah es dann des öfteren, dass ich nachts plötzlich aufwachte (ist für mich sonst ungewöhnlich) - und eine Sekunde später fing es an zu rütteln. Tiere sollen ja so Vorahnungen haben, und vielleicht ist das dem Menschen noch nicht ganz verloren gegangen (die gleiche Beobachtung machten FreundInnen von mir nämlich auch).

Einmal wurde es gar noch unheimlicher: Ich saß spät abends im Arbeitszimmer meines damaligen Hauses, als plötzlich die hölzernen Fensterrahmen laut zu knarren anfingen. Wiederum erst einen kurzen Moment später spürte ich das Beben.

Letztlich ist es aber so: Wenn Ihr erst einmal ein paar von diesen leichteren Beben miterlebt habt, gewöhnt Ihr Euch dran. Wenn ich etwa im Bett liege und es bebt etwas, dann läuft mir zwar nach wie vor ein kleiner Schauer den Rücken herunter, aber aufstehen tu ich dafür nicht mehr. Nächtliche Beben scheinen subjektiv häufiger zu sein als Beben am hellichten Tage, aber das liegt wohl vor allem daran, dass sie im Ruhezustand (also liegend etwa) stärker wahrgenommen werden. Wenn Ihr dagegen gerade mit dem Fahrrad eine Kopfsteinpflasterstraße bereist und es dabei ein wenig bebt, werdet Ihr das gar nicht mitbekommen. Einmal war ich gerade mit einem Massagegerät zugange (nein, nicht was Ihr denkt! Ich habe mir die Beine massiert!) und habe dabei ein Beben verpasst. Ein andermal "tanzte" ich mit meinen Kindergartenkindern einen ziemlich wüsten Ringelreihen und wunderte mich, dass eine Viertelstunde später beim Mittagessen die KollegInnen alle ganz erschreckt über eines der stärksten Beben seit Monaten redeten. Hatte ich nix von mitgekriegt (zum Glück. Die Kinder wären vielleicht etwas in Panik geraten).

Wie sich so ein Beben genau anfühlt, lasst sich schwer beschreiben. Es ist weniger ein Zittern als ein ruckartiges Schaukeln. Ein Bekannter von mir beschrieb es mal als "pure Energie, die das ganze Zimmer anfüllt". Na ja.

Natürlich kann ich das schwere Beben von '99 nicht wirklich nachvollziehen. Da TaiwanesInnen auf uns immer völlig unemotional wirken, resultieren Nachfragen danach, wie es denn nun wirklich war, damals, meist in einer völlig gelangweilt klingenden Anwort wie "Das war echt total furchtbar, Du." Die meisten Leute, die nicht selbst Haus und Hof oder liebe Menschen verloren haben, sind mittlerweile zwangsläufig wieder zur Tagesordnung übergegangen. Zumindest versuchen sie es - denn manches ist einfach nicht mehr so, wie es vorher einmal war. Ein Beispiel für einen langfristigen Schaden ist die einzige Autobahn, die quer über die Insel führt. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis sie wieder geöffnet war (das ist etwa vergleichbar mit der Vorstellung, dass die Schweiz nicht mehr durchquerbar wäre, sondern Ihr nur noch an ihren Grenzen entlangfahren könntet). In manchen Landkreisen musste man 400 km Umweg fahren, um einen 100 km entfernten Ort zu erreichen. Das Problem dabei war nicht, dass das Straßenpflaster kaputtgegangen wäre oder so (das hätte sich schnell reparieren lassen). Das Problem waren vielmehr die ständigen Erdrutsche, die die Straße verschütteten. Durch das Beben waren nämlich viele Berghänge destabilisiert worden, und bei jedem klitzekleinen Taifun rutschten ein paar davon ab. Grundsätzlich ist von Bergtouren (selbst auf gut ausgebauten Straßen) bei oder nach starkem Regen daher dringend abzuraten, ebenso vom Wohnen an steilen Hängen.

Und das war auch schon die Überleitung zum zweiten Teil des Berichts:

TAIFUNE

Die hören sich schlimm an und sind es auch (im August 2001 forderte einer allein in Taiwan mehr als 200 Menschenleben), aber immerhin nicht zu vergleichen mit grossen Beben. Einen großen Vorteil haben sie vor allem: Sie kommen nicht so unerwartet.

Taifune (von Chinesisch tai feng - extremer Wind) sind tropische Wirbelstürme, die sich auf dem Pazifik bilden. Sie wandern dann westwärts und landen irgendwann (nach ein bis zwei Tagen Vorwarnzeit vielleicht) an Küsten, die nicht rechtzeitig ausweichen können. Taiwan gehört zu ihren Lieblingsopfern, aber auch Südostasien, China, Korea und Japan sind in Reichweite. Taifune gibt es nur innerhalb eines begrenzten Zeitraumes, etwa von Juli bis September. Um mich wieder auf Taiwan zu konzentrieren: Innerhalb einer solchen Taifunsaison landen etwa zwischen null und acht dieser fiesen Stürme an, und zwar fast grundsätzlich an der Ostküste. Das ist weniger erfreulich für die Menschen, die dort wohnen, und gut für den Rest der Insel. Meist werden die Biester nämlich durch die hohen Gebirgsketten im Osten (bis fast 4000 m) so weit abgeschwächt, dass es anderswo nur noch stark regnet. Allerdings sind Taifune durchaus trickreich und wechseln manchmal abrupt die Richtung, so dass sie dann von Norden oder Süden einfallen.

Wenn so ein Taifun da entlangkommt, wo Ihr Euch aufhaltet, dann könnt Ihr Eure Reisepläne allemal vergessen. Für einen oder zwei Tage liegt das öffentliche Leben still. Schulen, Banken, Behörden und die meisten Läden schliessen. Für Euch sollte das egal sein, denn vom Rausgehen wird durch Regierung und HilkMAN ohnehin abgeraten - es sei denn, Ihr wohnt im Erdgeschoss, aber dazu später mehr. Jedenfalls ist es empfehlenswert, sich ein paar Lebensmittel zuzulegen (zumal die nach den Taifunen wegen Ernteschäden signifikant teurer werden können), und eine Taschenlampe schadet auch nicht, denn der Strom kann schon mal ausfallen. Abgesehen davon: Falls Ihr in Taiwan arbeitet und nicht nach tatsächlich gearbeiteten Stunden bezahlt werdet: Genießt den freien Extratag (oder auch zwei). Da Taifunwarnungen immer landkreisweise ausgesprochen werden und die Landkreise teilweise sehr langgezogen sind, kann es vorkommen, dass Ihr arbeitsfrei habt, obwohl es bei Euch nur ein bisschen regnet.

Klingt alles ziemlich harmlos - was ist denn nun das Schlimme an Taifunen? Na, die ersten, die davon betroffen sind, sind die Seeleute. Immer mal wieder verschwinden kleinere Schiffe auf Nimmerwiedersehen in den fiesen Wirbelstürmen. Ebenso verheerend sind sie für BewohnerInnen steiler Berghänge, denn durch die sintflutartigen Regenfälle sind (wie schon erwähnt) Schlammlawinen häufig, besonders seit dem grossen Beben, das viele Bäume entwurzelt und die Erde gelockert hat. Sie verschütten Strassen und reissen ganze Häuser mit hinab. Wer sich dagegen, wie die meisten AusländerInnen in Taiwan, in den grossen Städten des Flachlandes aufhält, hat von Taifunen nicht allzuviel zu befürchten.

Schlecht ist es nur, wenn Ihr im Erdgeschoss wohnen solltet. Das Konzept "Regen" gewinnt bei Taifunen nämlich eine ganz neue Dimension. Binnen weniger Stunden schwellen Flüsse und Bäche auf ein Mehrfaches ihres ursprünglichen Volumens an, und oft werden eine oder mehrere grössere Städte mit überschwemmt. Fahrräder vorher in die Wohnung schaffen, und Mopeds... na ja, hoffen halt. Vielleicht findet Ihr Eures ja wieder.

Nach dem Vorbeiziehen des Taifuns und dem Ende des Regens geht es ans Aufräumen. Die Flüsse und Bäche sind meist völlig verstopft mit Steinen (und gegebenenfalls anderen Trümmern), die aus den Bergen mit herabgekommen sind. Ich rede jetzt nicht von ein paar Kieseln, sondern von vielen Lastwagenladungen voll faust- bis fußballgroßen Brocken. Wenn die Gewässer wieder ihr normales Niveau erreicht haben, kommen sie daran kaum noch vorbei, daher muss das Zeug abtransportiert werden. Es kann also Wochen dauern, bis wieder ein "Normalzustand" erreicht ist - und bei bis zu acht Taifunen in drei Monaten... na ja so richtig viel lässt sich da gar nicht machen. Also gewöhnt Euch am Besten an solche Folgen, so wie die Einheimischen, oder sucht Euch eine andere Reisezeit aus.

So mittlerweile haben die taiwanesischen Tourismusbehörden vermutlich schon eine Horde Kopfjäger auf mich angesetzt, weil ich hier unnötig Panik verbreite :-). Daher jetzt noch mal die Erinnerung daran, dass sich hier Millionen von Menschen an solche Vorkommnisse gewöhnt haben, darunter auch viele wie ich, die so etwas bis vor kurzem noch nicht kannten. Statistisch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Euch bei Eurem Taiwan-Urlaub ein Erdbeben oder ein Taifun dahinrafft, geradezu verschwindend gering - also los, Koffer gepackt und auf geht's.