Was hat der Atlas der bedrohten Alphabete mit Spielen zu tun?

Mal ganz kurz was zwischendurch: Tim Brookes, dessen letzte Crowdfunding-Kampagne (über die ich hier berichtet hatte) erfolgreich war, braucht dringend Unterstützung, um seine Webseite Atlas of Endangered Alphabets betreiben zu können. Es geht dabei darum, wenig bekannte Alphabete präsenter zu machen und auch dazu beizutragen, dass sie in ihrem Verbreitungsgebiet nicht in Vergessenheit geraten. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie nützlich ich persönlich sowas finden würde – Sprache und Schrift sind ein gewaltiger Teil der Identität, und ihr Verlust immer ein Verlust für die gesamte Menschheit.

Atlas of Endangered Alphabets

Mit Spielen hat das erst mal nur am Rande zu tun. Aber eine der Belohnungen, die man sich aussuchen kann, ist ein Alphabet-Kartenspiel (die Sprache ist aus einer Auswahl aus 12 Alphabeten wählbar), also poste ich das hier einfach noch mal. Auch einige der anderen Belohnungen haben es in sich. Falls jemand von Euch sich bemüßigt fühlen würde, das Projekt zu unterstützen, wäre ich Euch sehr dankbar. Ansonsten lohnt sich aber auch jederzeit ein Blick auf Tims Webseite.

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Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 1)

Auch in diesem Jahr will ich einen kleinen Überblick darüber geben, was mich auf der Messe in Essen besonders reizt. Natürlich liegt mein Schwerpunkt dabei nicht auf den großen deutschen Verlagen, sondern auf den kleineren, meist aus fernen Ländern (obwohl ich hier und da auch mal eine Ausnahme mache). Das liegt nicht etwa daran, dass mich andere Spiele überhaupt nicht interessieren würden, sondern eher daran, dass ich dafür keine Messe brauche, denn die meisten deutschen Spiele kriege ich hinterher problemlos noch zu sehen, dafür brauche ich nicht nach Essen zu fahren. Und da ich dieses Jahr leider, leider nur von Mittwoch bis Freitag dort sein kann, muss ich mir meine Zeit gut einteilen. Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, September 2018 (Teil 2)

Brasilien

An diesem Wochenende steht in Rio de Janeiro Diversão Offline an, eine Veranstaltung, die gelegentlich mal als „Brasilianisches Essen“ bezeichnet wird. Mit rund 5000 Besucher*innen an jedem der beiden Tage ist es natürlich in seiner Größe nicht vergleichbar, aber es ist sicherlich zumindest eine der größten Spieleveranstaltungen in Lateinamerika. Viele Verlage stellen dort ihre mehr oder weniger neuen Spiele vor. Einige Sachen hatte ich ja in den letzten Wochen schon hier angekündigt, aber es ist auch noch Einiges übrig. Leider geben einige Verlage ihre Neuheiten auch erst vor Ort bekannt. Immerhin habe ich das hier gefunden:

Sehr viel charmanter als so kann man eine Fusion wohl kaum ankündigen… der neue Verlag Diceberry Editora von Iaggo Piffero, der sich gerade angeschickt hatte, sein erstes Microspiel auf den Markt zu bringen, wurde noch vorher von Potato Cat (von denen hier schon mal die Rede war) übernommen. Das sieht man auch nicht alle Tage. Diceberry bleibt aber als eigenständiges Studio erhalten und wird wohl erstmal für Mikrospiele zuständig sein. Los geht es mit drei Veröffentlichungen: Weiterlesen

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Indonesische Spiele auf der Messe in Essen

Auf der Messe in Essen wächst seit einigen Jahren die Präsenz asiatischer Verlage. Der koreanische Pavillon ist mittlerweile gut etabliert, Japon Brand ist schon eine veritable Legende (ich hatte hier berichtet), und Taiwan Boardgame Design (TBD) hat ebenfalls einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. An den drei Ständen versammeln sich jeweils eine Menge kleinerer Verlage, für die eine eigene Essen-Präsenz ansonsten wohl kaum zu stemmen wäre. Zumindest Japon Brand und TBD haben je ein zentrales Vorbestellungssystem und helfen den kleinen Verlagen dabei, bekannt zu werden (bei dem koreanischen Stand läuft es wohl ähnlich, aber da kenne ich mich ehrlich gesagt selbst nicht so gut aus). Ab und zu wird einer dieser Verlage dann mal groß und/oder bekannt genug, um sich sozusagen selbstständig zu machen, so wie zum Beispiel EmperorS4 aus Taiwan, die in diesem Jahr ihren eigenen Stand betreiben werden. Die Sammelstände als Sprungbrett für eine weitere Präsenz auf dem europäischen Markt haben sich also allemal bewährt.

APIBGI

Das Logo der APIBGI. Siehe Anmerkung am Ende dieses Artikels.

In diesem Jahr gibt es ein weiteres Land, das diesen Weg beschreiten will, und zwar Indonesien. Die Vorgehensweise dort war teilweise vergleichbar mit der der anderen asiatischen Länder, enthält aber durchaus auch Neuerungen. 2014 war wohl erstmals ein indonesischer Verlag in Essen vertreten, und das führte zu einem regelrechten Boom, einer landesweiten Veranstaltungsreihe, an der sich rund 300 Autor*innen beteiligten und schließlich zu vier Spielen, die von einer der größten Medienfirmen in Indonesien veröffentlicht wurden. Auch andere eingereichte Spiele fanden Verlage oder die Autor*innen veröffentlichten sie selbst.
Im letzten Jahr war dann wieder ein kleiner indonesischer Stand dabei, ganz hinten in Halle 8. Dort hatte ich einen Prototypen spielen können, der einer der absoluten Highlights der Messe für mich darstellte, und so habe ich immer mal wieder versucht, herauszufinden, ob der schon veröffentlicht worden ist (bisher nicht). Die beiden dort anwesenden Verlage hatten anschließend einen Bericht an die Indonesische Kreativwirtschaftsagentur (BEKRAF) geschickt und den Indonesischen Brettspielindustrieverband (APIBGI) gegründet. Die BEKRAF hat nun einen massiven Stand für APIBGI finanziert, und zwar satte 66 Quadratmeter in Halle 3. Weiterlesen

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Neue Spiele aus Lateinamerika, September 2018

Argentinien

BallotageAuch in Argentinien sind Politikspiele offenbar beliebt, wie man am Beispiel von Ballotage („Stichwahl“) von Diego Barderi und Francisco Rossetto sehen kann. In Ballotage stellen die Spieler*innen eine Liste für die vier Kandidat*innen ihrer Partei auf. Dann wirft jede*r ein paar Wahlzettel in eine Urne. Mit einer bestimmten Zahl von Stimmen kommt jeweils ein*e Kandidat*in von einer Liste auf dem Spielfeld um einen Rang nach oben. Wer das zum dritten Mal schafft, wird Präsident*in. Das bedeutet allerdings nicht, dass wer die entsprechende Partei führt, punktet. Vielmehr hängt das von geheimen Zielen ab, die man hat – man versucht also gar nicht unbedingt immer, die eigenen Leute zu pushen. Außerdem kann man seine Stimmen immer nur für eine Liste abgeben, nie für eine Person, was ein ziemliches Taktieren erfordern dürfte, damit aus der Liste auch die richtigen Leute nach oben kommen. Ein nettes Gimmick ist die tatsächliche Abstimmung per Wahlurne, was für ein Politikspiel ja sehr stilecht ist. Ballotage ist von Guillermo Taylor (TAY) illustriert worden. Wer des Spanischen mächtig ist, kann sich hier ein Video ansehen (das man auch mit wenig Spanischkenntnissen einigermaßen verstehen dürfte. Das Spiel selbst ist sprachunabhängig).

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Von der Kunst, sich nicht in die Zange nehmen zu lassen

Manchmal beeindrucken mich Spieleautor*innen durch spektakuläre, ungewöhnliche Einfälle. In anderen Fällen aber auch mal dadurch, dass sie Altbekanntes miteinander kombinieren oder mit kleinen Variationen bekannte Ideen weiter ausreizen, als das bisher der Fall war. Auch das ist ein tolles Talent. Ein solches Spiel, das Bekanntes neu kombiniert und das Ergebnis mit einer schönen Neuerung variiert, ist KUAN, das ich in diesem Jahr für Japon Brand ins Deutsche übersetzt habe. Viel Arbeit war das nicht, denn die Regeln sind geradezu spektakulär kurz.

KUAN

Worum geht’s?

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Neue Spiele aus Lateinamerika, August 2018 (Teil 2)

In Brasilien ist der September ein wichtiger Erscheinungsmonat für neue Spiele. Darauf bewege ich mich gerade zu – diesmal gibt es hauptsächlich Neuigkeiten aus Brasilien zu entdecken. Am Ende habe ich aber auch noch eine Kleinigkeit aus Peru für Euch. Viel Spaß beim Lesen.

Brasilien

ChicagoMarcos Macri ist mit zwölf veröffentlichten Spielen seit 2011 einer der erfolgreicheren brasilianischen Autoren. Sein Spiel Dogs dürften ja auch hierzulande einige Leute kennen. Nun erscheint von ihm in seinem Verlag MS Jogos ein Kartenspiel namens Chicago (mit Illustrationen von Diego Sanchez), in dem die Spieler*innen als Oberhäupter von Mafiabanden um die Macht in Naratetmalwo kämpfen. Man baut Geschäfte in der Stadt auf, hält sich die Polizei vom Leib und setzt die speziellen Fähigkeiten der Generationen (Großvater, Vater und Sohn) ein, um seine Macht zu konsolidieren. Obwohl Macri das Spiel als „klein“ angekündigt hat, sind als Spieldauer 90 Minuten angegeben, und das in einem sprachunabhänigen Kartenspiel. Da bin ich allemal gespannt. Weiterlesen

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Machtlose Gottheiten

Dass ich mich für Spiele aus entfernten Weltgegenden interessiere, liegt unter anderem auch daran, dass dort manchmal Themen behandelt werden, auf die man hierzulande kaum kommen würde. Gerade aus Japan kommen immer mal wieder Sachen, die mich ungläubig staunen lassen, denn einige der kleineren Verlage scheinen dort nicht zuerst den Profit (und damit das Ansprechen einer möglichst großen Zielgruppe) im Auge zu haben, sondern einfach nur ihre Idee verwirklichen zu wollen. Das kann Vor- und Nachteile haben. Einerseits erweitert es den Horizont massiv, andererseits besteht natürlich die Gefahr, dass neben dem thematischen auch der spielerische Geschmack einer größeren Zielgruppe verfehlt wird. Aber ich bin ja experimentierfreudig, und so habe ich mich über den Auftrag gefreut, das Spiel Mayfly ins Deutsche zu übersetzen. Ein Spiel über das Leben einer Eintagsfliege? Was soll da schon schiefgehen?

Mayfly

Worum geht’s?

Die Spieler*innen übernehmen die Rolle von Flussgottheiten, die kooperativ eine Eintagsfliegenlarve aufpäppeln, damit sie stark genug ist, als Erwachsene eine Partnerin zu finden und Nachwuchs zu zeugen. Weiterlesen

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Die Japon-Brand-Liste für 2018 ist da!

Für mich läutet die Veröffentlichung der Japon-Brand-Liste für Essen immer ein bisschen die Vorfreude auf die Messe ein. Und die Liste ist nun online! Wie immer ist noch nicht völlig klar, ob nicht noch was dazukommen könnte, aber auch jetzt schon sind einige spannende Sachen zu sehen.

Für diejenigen, die Japon Brand noch nicht kennen: Japon Brand ist eine gemeinnützige Organisation, die jedes Jahr eine Reihe Spiele von japanischen Kleinverlagen nach Essen mitbringt, jeweils in begrenzter Anzahl zwischen ungefähr 10 und 300 Stück. Wer sichergehen will, ein bestimmtes Spiel zu bekommen, sollte es unbedingt vorbestellen und dann in Essen abholen. Auf gut Glück zum Japon-Brand-Stand zu gehen, hat allenfalls direkt zu Messebeginn am Donnerstagmorgen wirklich gute Aussichten auf Erfolg. Die Chancen, hinterher noch an die Spiele heranzukommen, sind nicht so sehr hoch, obwohl einige der Spiele von der Messe aus ihren Siegeszug um die Welt angetreten haben (wie zum Beispiel Love Letter und Machi Koro).

Da ich auch dieses Jahr wieder für Japon Brand als Übersetzer im Einsatz bin, habe ich die Spiele, für die ich eingeteilt bin, schon bekommen und auch einige ausprobieren können. Zu denen (und einigen anderen) möchte ich hier erste Kurzeinschätzungen geben. Wahrscheinlich werden zu dem einen oder anderen Spiel auch noch ausführlichere Rezensionen folgen.

Animale Tattica

Autor Susumu Kawasaki war hier vor einigen Jahren mit dem lockeren Ablegespiel R-Öko (erschienen bei Amigo) in Erscheinung getreten. Sein neues Spiel ist seiner eigenen Aussage nach von Der Große Dalmuti inspiriert. So sehr ähnlich finde ich die beiden Spiele allerdings nicht. Vier verschiedene Tierarten (Hund, Katze, Pinguin und Bär) treten in einen Wettbewerb ein. Jede*r Spieler*in kontrolliert eine Tierart und versucht, die Karten aus der Hand zuerst loszuwerden. Dabei kann man Einzelkarten oder Paare, Drillinge und so weiter legen – muss aber entweder gleich viele Karten legen, die höher sind, oder mehr Karten mit der gleichen Gesamtsumme. Uns hat es Spaß gemacht, obwohl es das Rad nicht neu erfindet. Meine Tochter fand es aber allein schon wegen der sehr japanischen Illustrationen klasse.

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Neue Spiele aus Lateinamerika, August 2018

Argentinien

Fast Food ist ein sehr einfaches Spiel von Joel Pellegrino Hotham, das er in seinem Verlag juegosdemesa.com.ar herausgegeben hat. Es besteht aus acht großen Karten mit jeweils sieben Tellern drauf. Auf jedem Teller ist eine andere Kombination aus Zutaten abgebildet. Ein*e Spieler*in würfelt mit drei Würfeln, und nun müssen alle den Teller finden, auf dem genau die Kombination aus Zutaten zu sehen ist. Wer ihn gefunden hat, greift schnell nach dem hölzernen Salzstreuer auf dem Tisch und stellt ihn auf den entsprechenden Teller. Dafür gibt es einen Hamburger-Chip. Wenn alle Hamburger-Chips verteilt sind, gewinnt, wer am meisten davon hat. Eine Erweiterung ist auch gleich mit auf den Markt gekommen, die neue Regeln und unter anderem einen vierten Würfel enthält. Die Illustrationen hat der Autor gemeinsam mit Silvina Fontenla beigesteuert. Erschienen ist das Ganze bei JuegosdeMesa.com.arWeiterlesen

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