Unser Spiel Nummer 1 von der Messe

Von der Messe in Essen bin ich mit rund 35 neuen Spielen zurückgekommen. Dabei waren einige, auf die ich besonders heiß war und bin, die ich aber noch nicht spielen konnte; andere, die nicht ganz oben auf meiner Liste standen, die ich aber ausprobiert und für gut befunden habe. Und dann war da noch Match Me! What Color is That? Dieses Spiel hatte ich kaum auf der Rechnung, ich hatte es sozusagen als Dreingabe für die Übersetzung von Realm of Sand bekommen und ich hatte das Gefühl, dass EmperorS4 es selbst ein bisschen stiefmütterlich angepriesen hat – kein Wunder angesichts der von vielen heiß erwarteten Zugpferde Realm of Sand und Walking in Burano.
Und jetzt, rund einen Monat später, ist Match Me! mit derzeit 44 Partien mit Abstand mein meistgespieltes Spiel von der Messe, und nach The Mind auf dem zweiten Platz meiner meistgespielten Spiele des 2018er-Jahrgangs. Wie kam es nur dazu?

Worum geht’s?

Match Me! besteht aus zwei Arten von Karten. Jede*r bekommt einen identischen Satz von 15 Farbenkarten, außerdem gibt es Themenkarten. Zu Beginn des Spiels werden fünf zufällige Farbenkarten aussortiert, aber bei jedem Kartensatz die gleichen. Dann deckt jemand eine Themenkarte auf und sagt zu dem Thema ein einziges Wort. Alle suchen nun die Farbkarte aus, die ihrer Meinung nach am besten zu diesem Thema passt, und legen sie verdeckt neben die Themenkarte. Dann ist der oder die Nächste dran, deckt eine neue Themenkarte auf und gibt ein Wort vor.
Nachdem fünf Themenkarten durchgespielt sind, folgt die Auswertung. Die gespielten Farbkarten werden aufgedeckt, und wenn bei jeder Themenkarte nur eine Farbe liegt, gewinnt die Gruppe. Sonst nicht (da gibt es keine Abstufungen). Bei den Wörtern gilt als Vorgabe nur, dass sie selbst keine Farbe enthalten dürfen. Beim Thema „Stadt“ darf man also nicht „Braunschweig“ sagen oder sowas. Ansonsten ist man einigermaßen frei darin, die Vorgaben zu interpretieren.

Von diesen 15 Farben sind jeweils 10 im Spiel.

Und? Macht das Spaß?

Ein guter Gradmesser für ein Spiel ist ja immer, ob man es nach einer Partie sofort noch einmal spielen möchte. Dazu kann ich nur sagen: Oh ja, Match Me! spielt man eigentlich nie nur einmal. An einem Nachmittag haben wir es zu viert achtmal gespielt und immer verloren… was uns so gefuchst hat, dass wir es abends nochmal rausgeholt haben. Bis wir es endlich geknackt hatten, waren weitere fünf Partien nötig, was zu richtigem Jubelgeschrei geführt hat.
Woran könnte es liegen, dass das so gut ankommt? Ich wage mal eine Vermutung. Das Spiel wirkt so unglaublich einfach, dass es einem nicht recht in den Kopf will, dass es so schwierig ist und man immer wieder scheitert. Da will man es dem Spiel doch mal so richtig zeigen! Wobei die Schwierigkeit natürlich stark von der Anzahl der Mitspielenden abhängt. Zu zweit gewinnt man es noch relativ leicht, besonders, wenn man sich ein bisschen kennt. Zu dritt geht es auch mal daneben, und ab vier Personen wird es zur richtig harten Nuss. Zu sechst wiederum ist es nicht ideal, weil eine Person keine Vorgabe geben kann (es sei denn, man hängt einfach noch einen sechsten Durchgang an, das macht es dann auch nicht mehr fett. Oder man verlässt sich drauf, dass man reihum einmal nicht drankommt, weil man es so oft spielt).

Match Me

So wie im Bild könnte eine Runde ablaufen. Von links: 
Kategorie Berühmte Politiker: „Höcke“ – alle haben braun gelegt.
Kategorie Wasserfahrzeug: „Submarine“ – einer hat den Hinweis nicht richtig gedeutet und eine graue Karte gelegt. 
Kategorie Kampfsport: „Karate“ – eine hat statt an die weißen Klamotten an den schwarzen Gürtel gedacht.
Kategorie Gewürz: „Petersilie“ – alle haben dunkelgrün gelegt. 
Kategorie Wörter mit B: „Beton“ – alle haben grau gelegt, außer dem, der es schon beim zweiten Begriff verbraucht hatte und nun nur noch Silber als Notlösung hatte.
3 Fehler. Nicht schlecht. Aber das geht noch besser. 

In jedem Fall sind die Diskussionen nach einer Partie das Beste, wenn man völlig entgeistert feststellt, dass jemand einen nun wirklich idiotensicheren Hinweis völlig fehlinterpretiert und damit die ganze Gruppe ins Verderben gerissen hat. Und natürlich die echte Schwierigkeit, einen guten Hinweis zu formulieren. Das wird umso anspruchsvoller, je gemischter die Gruppe ist. Ich habe das Spiel in allen möglichen Konstellationen ausprobiert, und ich fand es am besten, wenn ich mit Leuten verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft gespielt habe. Dann stellt man plötzlich fest, dass die als selbstverständlich betrachteten Codes nicht mehr greifen. Dabei lernt man einander – so ganz nebenbei – auch noch ein bisschen besser kennen. Sollte man allerdings immer mit der gleichen Gruppe spielen, empfiehlt sich die Vereinbarung, Hinweise nicht zu wiederholen, wenn man der gleichen Kategorie noch einmal begegnet. Eine einmal ausgewertete Frage noch einmal zu spielen, macht wenig Spaß und es stellt sich kein Triumphgefühl ein, wenn man es dann schafft. Ansonsten regelt sich das aber ein Stück weit dadurch, dass ja sowieso jede Partie mit einem etwas unterschiedlichen Kartensatz gespielt wird. Der Hinweis „Apfel“ zum Beispiel ist dann eine Bank, wenn Rot, Gelb und einer der Grüntöne nicht (mehr) im Spiel sind, dann ist es eben das andere Grün. Sind die anderen Farben dagegen noch dabei, wird das wahrscheinlich scheitern. Irgendwann haben sich die Kategorien vielleicht auch mal totgespielt, aber wir haben noch nicht das Gefühl, in die Nähe von Langeweile zu kommen.
Ein bisschen was zu meckern habe ich allerdings auch noch. Match Me! ist leider ziemlich lieblos verlegt worden. Dass die Farbkarten die Farbe noch mal als Wort nennen, schränkt die Fantasie hier und da ein, obwohl ich den Wunsch, ein barrierefreies Spiel zu erschaffen, nachvollziehen kann. Aber viel zu kleine Schrift, reichlich Druckfehler und eine teilweise völlig unverständliche (englische) Anleitung machen das Erlernen zu einem Ratespiel. Zum Beispiel enthält die Schachtel eine Karte, auf deren einer Seite die Zahlen von 1 bis 4, auf deren anderer die von 5 bis 8 abgebildet ist. Wir haben wirklich versucht, zu verstehen, wozu die gut sein könnte, sind aber gescheitert. Mit den Spielregeln scheint sie aber nicht wirklich was zu tun zu haben, sondern eher damit, sich zu merken, wer der oder die wievielte Spieler*in ist. Warum das bei einem Spiel, das man mit 2 bis 6 Leuten spielen kann, bis 8 geht, bleibt das Geheimnis des Verlages. Auch die Beispiele in den englischen Regeln sind seltsam. Erst wird betont, dass man nur ein Wort sagen darf. Das Beispiel dafür ist dann „US Flag“. Von EmperorS4 bin ich eigentlich sehr sorgfältig bearbeitete Spiele gewohnt, aber in der englischen Regel der japanischen Originalausgabe finden sich solche Widersprüche nicht. Auch das Mindestalter von 6 Jahren wirkt auf mich bizarr. Natürlich kann man das Spiel mit Sechsjährigen spielen (sogar gut, wir haben’s ausprobiert, und unsere eigenen Kinder, 8 und aufwärts, lieben es ebenso), aber wie viele Sechsjährige können bitte schön zu Begriffen wie „Sternbilder“, „Berühmte Politiker“, „Nostalgie“ oder Ähnlichem einen sinnvollen Hinweis geben? Naja, dann nimmt man eben eine neue Karte, das muss man halt locker sehen.

Für uns ist Match Me! jedenfalls ein wirklicher Hit, der durch eine sorgfältige Neubearbeitung und vielleicht noch ein paar mehr Hinweiskarten noch mal gewinnen würde. Vielleicht kommt das ja sogar mal nach Europa – mich würde es allemal freuen. Bis dahin haben wir unseren Spaß an der taiwanischen Ausgabe.

Match Me! What Color is That? (色彩X麻吉)

für 2 bis 6 Personen
von Ohtani Tadashi
Gestaltet von Stephen Tsai und Yu-Chen Tseng
EmperorS4, 2018 (Originalausgabe: Colon Arc, 2017)

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13 Kommentare zu Unser Spiel Nummer 1 von der Messe

  1. Ulrich Roth sagt:

    Dixit für Arme (oder Unkreative)?

    • HilkMAN sagt:

      Hm. So ganz erschließt sich mir der Vergleich nicht, das Spielgefühl ist doch sehr anders, weil man hier ja eine einstimmige Lösung sucht. Aber ich habe Dixit auch nur einmal gespielt und stehe ihm seither völlig leidenschaftslos gegenüber. Es hat mich überhaupt nicht berührt.

  2. Stephy sagt:

    Mich hat das Spiel angesprochen! Hast Du einen Tipp, wo man es ausserhalb der Messe erwerben kann?

  3. Jen sagt:

    Wie ist denn die Kartengröße?

  4. Jen sagt:

    Danke schön!

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