Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 4)

Vielleicht habe ich mich mit meinem Plan, zumindest die Spiele vorzustellen, die aus Asien und Lateinamerika kommen, ein bisschen übernommen. Jedes Mal, wenn ich denke, jetzt sollte ich alles erwischt haben, finde ich weitere Verlage. Ich komme kaum noch hinterher. Ich werde auf jeden Fall noch einen fünften Teil nachschieben müssen… der kommt dann irgendwann nächste Woche, mit den noch fehlenden Verlagen aus der offiziellen Ausstellerliste (zumindest denen, bei denen mir eine Kontaktaufnahme gelingt).

Über einen brasilianischen Stand hatte ich ja schon berichtet, aber es wird noch einen weiteren geben, nämlich den von Conclave Editora (4-I103). Die kommen vor allem mit dem Spiel Gnomopolis von Igor Knop and Patrick Matheus (€40). Hier bauen die Spieler*innen eine Gnom-Siedlung. Die Gnome ziehen sie in Form von Gnomeeples aus einer Tasse und setzen sie ein, um Gebäude zu aktivieren, neue Gebäude zu errichten oder die Zusammensetzung des Tasseninhalts zu verändern. Wer am Ende die am besten funktionierende Siedlung errichtet hat, gewinnt das Spiel, das von Marcelo Bastos und Patrick Matheus illustriert wurde. Vorbestellen könnt Ihr es hierNeben Gnomopolis bringt Conclave noch mindestens drei weitere Spiele als Demo-Exemplare mit, nämlich das von mir schon mal angekündigte A Fuga da Torre von Daniel Alves und Eurico Cunha Neto, Soberano von Lincoln Castro, ein minimalistisches Deckbauspiel, bei dem man Einfluss auf zwei mächtige Familien zu erlangen sucht, um den vakanten Königsthron besteigen zu können, sowie die erfrischend kurze Fußballsimulation Revanche von Ron Halliday, die dieser in Brasilien schon in Kleinstauflage im Selbstverlag herausgebracht hat und die nun endlich in einem größeren Rahmen erscheinen soll. Ich habe von einer Reihe Leute viel Lob darüber gehört, darum bin ich darauf sehr neugierig. Das Bild stammt noch von der Erstauflage, ein neues Cover gibt es noch nicht.

Und wo wir gerade bei Brasilien sind: Ich hatte ja hier schon verschiedentlich Leandro Maciel erwähnt, der im Juni in Göttingen auf dem Spieleautorentreffen war. Jetzt ist sein erstes Spiel (das er zusammen mit Pedro de la Reyna entwickelt hat) in Deutschland erschienen, und zwar Carta Nostra (€11) beim Sphinx Spieleverlag (3-J100). Ich habe hier einen Prototypen und ihn ein Dutzend Mal in der Familie gespielt, das kam ganz gut an. Es ist ein sehr simples Spiel, bei dem man versucht, eine komplette Mafiabande auszulegen. Man kann dabei eine Karte jeweils auslegen oder ihre Fähigkeit einsetzen. Meist fehlen die Karten an allen Ecken und Enden. Wer kurze, knackige Spiele mag, bei denen es gleich zur Sache geht, macht hier nichts falsch. Sphinx hat übrigens auch noch Mosquitozzz (€15) von Stephan Bürger und Christopher Mann dabei, bei dem man -kompetitiv oder kooperativ- einen Mückschwarm abwehren muss. Der Mückenschwarm wird von einer Lampe angezogen, die um den Tisch wandert – und man kann den Nachbar*innen beim Abwehren helfen oder ihnen weitere Probleme auf den Hals hetzen. Zwischendurch schlägt man um sich und hofft, ein paar von den Plagegeistern zu erlegen.

Bei meiner Taiwan-Vorschau letzte Woche war mir leider auch noch einiges durchgerutscht. Unter anderem der Verlag Shepherd Kit, der sich mit dem schon besprochenen deutsch-taiwanischen Verlag The Wood Games den Stand 5-E112 teilt. Neben ein paar älteren Spielen gibt es da zum Beispiel Adventurer’s Kit: Expedition für €18 zu erstehen. Dieses Spiel stammt von Chih-Fan Chen, der letztes Jahr mit Harvest Island schon einen guten Eindruck hinterlassen hat (und ohnehin zu den fleißigeren taiwanischen Autor*innen zählt). Die Spieler*innen schicken Expeditionen aus und sammeln Artefakte ein. Es gibt einen gut für Kinder geeigneten Einstiegsmodus und ein aggressiveres Spiel für Fortgeschrittene. Paleolithic ist ein Worker-Placement-Spiel mit ausgesprochen entzückenden Meeples, das Chih-Fan Chen und Chi Wei Lin gemeinsam entwickelt haben. Man besiedelt dabei das vorzeitliche Taiwan und versucht, seinem Stamm zu Wohlstand zu verhelfen. Das Grundspiel kostet €35, und wer möchte, kann auch gleich noch zwei Erweiterungen zu je €16 dazukaufen- keine schlechte Idee, wenn man mal einen tollen Mammut-Meeple sein eigen nennen möchte. Die Vorbestellungsfrist endet übermorgen, also hurtig.

Ich weiß zwar nicht, wo sich Jogu befindet, aber ich weiß wo sich Monsoon Publishing befindet: Dieses Jahr wird der taiwanische Verlag an Stand 4-K105 sein und dort Warriors of Jogu: Feint (€35) vorstellen. Autor Tony Chen war letztes Jahr schon mit Iberian Rails recht gut angekommen (das er auch dieses Jahr wieder dabei haben wird). Warriors of Jogu ist ein Zweierspiel, bei dem man Truppen(-karten) ausschickt, die am Ende jeder Runde an zweien der sechs möglichen Orte kämpfen, von denen jede*r Spieler*in allerdings nur einen kennt. Da heißt es taktieren und die Gegenseite richtig einschätzen.

Tja, und dann gibt es für Leute, die sich für ungewöhnliche Spiele interessieren, natürlich noch den Stand von Nicegameshop (4-E103). Die kommen tatsächlich mit ihrem gesamten Shop. Da einzelne Highlights herauszupicken, finde ich fast unmöglich, guckt einfach mal auf ihre Webseite. Zu erwähnen ist aber, dass sie einige erste lateinamerikanische Spiele ins Programm aufnehmen wollen, was mich natürlich besonders freut. Das wird in jedem Fall Corruptia von Feño Casals Caro und Cami Muñoz Villar sein, über das ich hier schon mal gesprochen hatte und das demnächst auch in Chile erscheint – in Essen könnt Ihr es also quasi vorab bekommen, und zwar für €35. Wie der Name vermuten lässt, geht es um, äh, saubere Politik. Ebenfalls aus Chile kommt voraussichtlich Los Tesoros del Rey Pirata, ein flottes Piratenspiel von Victor Hugo Cisternas und Pablo Cespedes, das ich hier rezensiert hatte (erschienen bei Ludoismo). Außerdem könnte es ein paar Exemplare von Sacrificio von Victor Duarte zu ergattern geben, das ja trotz der makabren Thematik (es geht um Menschenopfer in präkolumbianischer Zeit) in meiner persönlichen Top Ten der schönsten Schachteln aller Zeiten auftaucht. Und schließlich bietet Nicegameshop für €20 die Möglichkeit, an Dej, die iranische Ausgabe von Ohne Furcht und Adel, heranzukommen. Autor Bruno Faidutti und Verleger Alireza Lolagar werden Freitag und Samstag jeweils um 13 Uhr am Stand sein, sodass Ihr Euch das Spiel auch signieren lassen könnt. In diesem Fall lohnt allemal eine Vorbestellung. Ich werde über den Verlag und die Spieleszene im Iran bei Gelegenheit auch noch mal mehr schreiben, aber das muss wahrscheinlich bis nach der Messe warten. Wenn Ihr bestimmte andere Spiele haben wollt, lohnt es sich sicherlich, früh da zu sein, da die Stückzahlen für jedes Spiel oft gering sind.

Und ganz am Ende kommt noch eine Ankündigung, die mir besonders am Herzen liegt. Ungefähr 1996 hatte ich mit meinem alten Freund Till Teenck zusammen angefangen, an konkreteren Spielideen herumzubasteln. 2008 war dann mein erstes Spiel auf dem Markt, und ich freue mich unheimlich, dass es bei Till jetzt endlich auch bald so weit ist und eine seiner coolen Spielideen veröffentlicht wird. Der russische Verlag Hobby World zeigt an seinem Stand 1-E151 schon mal eine Demoversion von Artline, das ich seit einigen Jahren kenne und das einen langen Weg von der ersten Idee bis zum (fast) fertigen Spiel hinter sich hat. Bei Artline legt man ein Gitter aus Gemälden aus, indem man Gemeinsamkeiten zwischen den Bildern ansagt und damit jeweils eine bestimmte Galerie definiert. Es gibt dabei keine Icons oder irgendsowas, sondern man muss eben in den Bildern selbst was finden. Bei mir hat es dazu geführt, mir Bilder viel genauer anzugucken, als ich es normalerweise tun würde. Ziel ist es, seine Karten möglichst effektiv loszuwerden. Ich habe Prototypen mit verschiedenen Bildersammlungen gespielt und freue mich auf die kommende Ausgabe mit Bildern der Petersburger Eremitage.

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

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Ein Kommentar zu Drei Tage im Oktober – die Messevorschau 2018 (Teil 4)

  1. Me encanta el animo con que describes los juegos, muchos exitos.

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