Neue Spiele aus Lateinamerika – Oktober 2018

Argentinien

Das Autorenkollektiv Maldón ist für die oft ziemlich spektakuläre Gestaltung seiner Spiele bekannt, die es im gleichnamigen Verlag herausbringt. Also werde ich gleich hellhörig, wenn es bei Maldón was Neues gibt. Da wundert es mich fast, dass ich im Sommer das Erscheinen von El Camarero verpasst habe – das muss ich hier gleich mal nachreichen. In diesem Spiel hat jede*r Spieler*in einen Satz Karten und macht daraus mit lauter Stimme die Bestellung eines Fünf-Gänge-Menüs. In der Tischmitte liegen dann acht Karten aus, und reihum ist man Kellner und muss entweder Karten den Gästen zuordnen, die das Entsprechende bestellt haben, oder aber Dinge in die Küche zurücktragen, die niemand haben möchte. Allerdings steht da auch noch eine Tischklingel, und wer einen Fehler bemerkt, haut unerbittlich drauf, sodass der Kellner einen Beschwerdechip erhält. Am Ende gibt es Punkte, wenn die eigene Bestellung erfüllt wurde (wurde sie in die Küche gebracht, hätte man sich beschweren müssen) und Abzüge für unerfüllte Bestellungen und Beschwerdechips. Klingt nach einem stimmungsvollen Partyspiel. Hier gibt’s die Anleitung als Video. 

Ich weiß nicht recht, wie gefährlich eine Pogo-Umarmung sein kann. Falls ich es mal rausfinden möchte, sollte ich vielleicht Nació Popular von Leandro Bortolussi und Julieta Vega spielen, das bei La Jugandéra Magica erschienen ist. In diesem Zweierspiel geht es darum, Juwelen zu ergattern, was man durch das Ausspielen von Karten erreichen kann. Nach dem Schere-Stein-Papier-System werden dann die an verschiedenen Stellen ausgespielten Karten miteinander verglichen. Wer dann am Ende am meisten Punkte hat, gewinnt. Es gibt aber auch noch drei andere Spielmodi. Was das mit einer Pogo-Umarmung zu tun hat? Nun, wer die meisten Juwelen ergattert hat, darf mit einem Umarmungswürfel würfeln, der eine Umarmungsart vorgibt. Die Pogo-Umarmung ist nur eine der möglichen Varianten. Sowas habe ich auch noch nicht gesehen.

Kolumbien

Vom 11. bis zum 15. Oktober findet in Bogotá SOFA statt der „Salon del Ocio y la Fantasía“(etwa: „Salon der Freizeit und der Fantasie“). Auf einem riesigen Gelände gibt es Musik, Videospiele, Cosplay und so ziemlich alles andere, was man sich vorstellen kann. Mehr als 200.000 Leute waren in letztes Jahr dort! Da sind auch die Brettspielverlage zahlreich vertreten, und es gibt von einigen Neuerscheinungen zu berichten (auch im nächsten Artikel wahrscheinlich noch).

Asedio heißt auf Deutsch Belagerung und ist ein Kartenspiel von Manuel Jacobo Monroy, der es auch illustriert hat (Link zu seiner Illustratorenseite). Die Spieler*innen prügeln sich um den vakanten Kaiserthron des Reiches Draboria. Dazu bauen sie sich zunächst eine kleine Machtbasis in Form von Häusern, dann Dörfern, dann Städten, heuern Söldner an und schicken diese aus, um die anderen anzugreifen (wobei sie die Verteidigung ihrer eigenen Siedlung natürlich nicht vernachlässigen sollten). Da die Karten gleichzeitig das Geld darstellen, muss man sich immer überlegen, ob man sie für die eigenen Pläne braucht oder besser dafür benutzt, diese zu finanzieren. Wer das am erfolgreichsten tut und zuerst eine bestimmte Zahl von Punkten erreicht, gewinnt die Partie. Asedio ist im Selbstverlag erschienen.

Im Verlag Ludo BrandTeller erscheint neu Medieval Magic Market von Christhian Bedoya, ein Kartenspiel, bei dem verschiedene Fantasy-Figuren sich auf einen Markt begeben und versuchen, möglichst wertvolle Sachen zu ergattern… und sie dann auch festzuhalten, denn die anderen Leute haben ebenfalls Interesse daran. Die verschiedenen Charaktere haben natürlich verschiedene Fähigkeiten, und die Sachen, die man bekommt, kann man auch schnell wieder verlieren. Dazu kommt, dass man nicht genau weiß, wann der Markt schließt, und so muss man allzeit versuchen, obenauf zu bleiben. Die Illustrationen stammen ebenfalls von Christhian Bedoya. Der Verlagsname hat übrigens nichts mit entflammtem Essgeschirr zu tun, sondern das Brand heißt Marke und bei Teller geht es um das Erzählen von Geschichten.

Mexiko

Als Jugendlicher bin ich öfter mal ins Fußballstadion gegangen – das war billiger als Kino und leicht zugängliche Unterhaltung. Heute ist der moderne Fußball da… mit all seinem kommerziellen Überbau. Bundesliga habe ich seit zehn Jahren nicht mehr live gesehen und seit es keine kostenlosen Radio-Übertragungen mehr gibt, höre ich nicht mal mehr richtig hin. So ähnlich kommt es mir mit manchen Spielen vor. Als Jugendlicher habe ich nämlich auch hier und da Blood Bowl gespielt, aber dann gab es 27 verschiedene Editionen und einen gigantischen Überbau – das fühlt sich für mich fremd an. Trotzdem habe ich noch schöne Erinnerungen dran, wie ich damals mein Zwergenteam angepinselt und ein paar heiße Partien gespielt habe. Dass das seinen Reiz und seine Fans hat, kann ich also gut verstehen. Daher möchte ich hier mal auf Kings of the Pitch, eine Kickstarter-Kampagne von Juan Montaño aus Mexiko, aufmerksam machen, bei der Ihr die Gelegenheit habt, einen Satz Schiedsrichter*innen für Fantasy Football zu erwerben. Das ist schon ein Nischenprodukt, aber das Finanzierungsziel ist auch moderat, und ich finde es interessant, erneut zu sehen, dass Miniaturen nicht nur aus China kommen müssen (ich hatte ja hier schon über eine andere Figurenschmiede aus Mexiko berichtet). Vielleicht interessiert es ja die eine oder den anderen.

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung durch die Rechte-Inhaber*innen.

 

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