Indonesische Spiele auf der Messe in Essen

Auf der Messe in Essen wächst seit einigen Jahren die Präsenz asiatischer Verlage. Der koreanische Pavillon ist mittlerweile gut etabliert, Japon Brand ist schon eine veritable Legende (ich hatte hier berichtet), und Taiwan Boardgame Design (TBD) hat ebenfalls einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. An den drei Ständen versammeln sich jeweils eine Menge kleinerer Verlage, für die eine eigene Essen-Präsenz ansonsten wohl kaum zu stemmen wäre. Zumindest Japon Brand und TBD haben je ein zentrales Vorbestellungssystem und helfen den kleinen Verlagen dabei, bekannt zu werden (bei dem koreanischen Stand läuft es wohl ähnlich, aber da kenne ich mich ehrlich gesagt selbst nicht so gut aus). Ab und zu wird einer dieser Verlage dann mal groß und/oder bekannt genug, um sich sozusagen selbstständig zu machen, so wie zum Beispiel EmperorS4 aus Taiwan, die in diesem Jahr ihren eigenen Stand betreiben werden. Die Sammelstände als Sprungbrett für eine weitere Präsenz auf dem europäischen Markt haben sich also allemal bewährt.

APIBGI

Das Logo der APIBGI. Siehe Anmerkung am Ende dieses Artikels.

In diesem Jahr gibt es ein weiteres Land, das diesen Weg beschreiten will, und zwar Indonesien. Die Vorgehensweise dort war teilweise vergleichbar mit der der anderen asiatischen Länder, enthält aber durchaus auch Neuerungen. 2014 war wohl erstmals ein indonesischer Verlag in Essen vertreten, und das führte zu einem regelrechten Boom, einer landesweiten Veranstaltungsreihe, an der sich rund 300 Autor*innen beteiligten und schließlich zu vier Spielen, die von einer der größten Medienfirmen in Indonesien veröffentlicht wurden. Auch andere eingereichte Spiele fanden Verlage oder die Autor*innen veröffentlichten sie selbst.
Im letzten Jahr war dann wieder ein kleiner indonesischer Stand dabei, ganz hinten in Halle 8. Dort hatte ich einen Prototypen spielen können, der einer der absoluten Highlights der Messe für mich darstellte, und so habe ich immer mal wieder versucht, herauszufinden, ob der schon veröffentlicht worden ist (bisher nicht). Die beiden dort anwesenden Verlage hatten anschließend einen Bericht an die Indonesische Kreativwirtschaftsagentur (BEKRAF) geschickt und den Indonesischen Brettspielindustrieverband (APIBGI) gegründet. Die BEKRAF hat nun einen massiven Stand für APIBGI finanziert, und zwar satte 66 Quadratmeter in Halle 3.

Dafür gab es so eine Art Ausschreibung, an der sich 46 Spiele beteiligt haben. Davon wurden 24 ausgewählt, die nun in Essen präsentiert werden, und zwar in mehreren Varianten. 12 Spiele sind bereits veröffentlicht, die wird man in Essen auch kaufen können. Die anderen 12 sind fertige Prototypen, die gespielt werden können und auf Kontakte zu Verlagen auch im Ausland hoffen. 8 Spiele werden besonders hervorgehoben, das sind sozusagen die Hauptgewinner*innen des Auswahlprozesses, und zwar vier veröffentlichte und vier unveröffentlichte Spiele.

Ich möchte hier die Spiele kurz vorstellen, die man schon kaufen kann. Angesichts der Fülle des Angebots fasse ich mich kurz – Ihr sollt ja auch selbst noch was zu entdecken haben.

In Acaraki: The Java Herbalist treten die Spieler*innen in einen Wettstreit darum, wer am besten mit Kräutern umgehen kann. Sie sammeln dabei Kräuter und versuchen, damit die kranke Dorfbevölkerung zu heilen kann. Wenn ein Dorf komplett gesundet ist, wird Oberkräutermensch, wer am meisten Leute heilen konnte. Acaraki stammt von Erwin Skripsiadi und ist bei Hompimpa Games erschienen. (€20)

Aquatico ist das einzige der angebotenen Spiele, das ich schon mal spielen konnte. Darin geht es darum, ein Ökosystem aufzubauen, das aus verschiedenen Landschaftstypen besteht. Man versucht, von den einzelnen Landschaften mehr auszulegen als die anderen, um damit punkten zu können. Leider spuckt einem manchmal die Umweltverschmutzung in die Suppe – ein ausgelaufenes Ölfass und die gesamte Landschaft wird mit Null gewertet. Da muss man sich jeweils entscheiden, ob man neue Karten auslegt oder erstmal versucht, die Schäden zu reparieren. Aquatico ist nicht so ganz meine Art von Spiel, ist aber mit seiner spektakulären Grafik von Rezza Rainaldy ein echter Hingucker. Der Autor heißt Brendan Satria und der Verlag ist Manikmaya Games. (€24)

The Art of Batik stammt von Adithya W. Purnama und ist ebenfalls bei Hompimpa Games erschienen. Die Spieler*innen assistieren der Besitzerin einer Batik-Werkstatt bei ihrer Arbeit, und versuchen natürlich, dabei besonders hervorzustechen. Die Batikarbeiten werden offenbar in der Regel von mehreren Leuten gemeinsam durchgeführt, und bringen ihnen jeweils nach Anteil ihrer Beteiligung Punkte ein. (€22)

Ein Schüler von mir hat auf die Frage, wann man arm ist, mal leidlich weise geantwortet: „Arm ist man, wenn man weniger hat als die Nachbarn.“ Im Umkehrschluss ist man vielleicht auch reicht, wenn man mehr hat als die Leute um einen herum. Das wird in Bluffing Billionaires von Darwin, Desyanto Lie, und Nata Chen (im Eigenverlag) auf die Probe gestellt. Die Spieler*innen sind Milliardär*innen und wollen zeigen, dass sie die Reichsten unter den Reichen sind. Dazu legen sie aus ihrem Satz an Startkarten je eine verdeckt hin und versuchen, zu erraten, wer kleinere Karten als sie gelegt hat. Wer so eine Herausforderung gewinnt, bekommt je eine zufällig gezogene Karte der Unterlegenen. Wer am Ende am überreichsten ist, gewinnt. (€20)

The Festivals von Isa R. Akbar ist ebenfalls bei Manikmaya erschienen. Die Spieler*innen versuchen, an den diversen Festen, die auf den verschiedenen indonesischen Inseln stattfinden, teilzunehmen. Wer ein bestimmtes Fest zuerst erreicht, bekommt Erfahrungspunkte, die man nachher zum Siegen braucht. Enthält schicke Reisenden-Meeple. (€24)

Flipeek: Medieval ist ein Memory-basiertes Spiel, bei dem man Gegenstände suchen muss, um Missionen zu erfüllen. In der Solo-Variante muss man möglichst viele Missionen in fünf Minuten erfüllen (was ja für mich immer eine schöne Länge für ein Spiel ist – obwohl ich nicht recht der Solo-Spieler bin). Das Ganze findet vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung zwischen Drachenkönig und Menschenkönig statt. Flipeek: Medieval stammt von Lovita Darwin und Febndy Kwik und ist bei Coralis Entertainment erschienen. (€20)

Math Cat ist ein kleines Kartenspiel, bei dem man süße Kätzchen adoptieren möchte. Dazu muss man allerdings erstmal ihr Vertrauen gewinnen, und dazu muss man rechnen. Die Katzen haben Nummern, und man muss aus den ausliegenden Karten eine Rechnung aufstellen, bei der die Katzennummer herauskommt. Wer am Ende die meisten Kätzchen adoptiert hat, gewinnt. Math Cat ist von Senno Adi und Ergiena Tria Siani; erschienen ist es bei Hompimpa Games. (€10)

Oktet ist offenbar ein schräges Partyspiel für 3 bis 9 Leute. Mehr konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen – außer, dass es von Elbert Santosa und Sammael Chandra Setiawan erschaffen und bei Morfosic Studios erschienen ist. (€10)

In Orang Rimba – The Forest Keeper müssen die Spieler*innen den Urwald vor der Zerstörung durch skrupellosen Raubbau schützen. Leider weiß ich noch nicht viel mehr als das über das Spiel. Entwickelt haben es Anggreini Pratiwi und Alvian CB. Es ist bei Hompimpa Games erschienen. (€46)

Man muss nicht Indonesisch studiert haben, um hinter dem Titel Roket Raket ein Zusammenspiel von Rakete und Schläger zu erkennen – und zwar handelt es sich um Badmintonschläger. Roket Raket ist nämlich eine Badminton-Simulation. Wie sehr es dafür einen Markt gibt, muss man mal sehen. Aber das Spiel kommt in einer kleinen Kartenspielschachtel daher, da kann man das schon mal ausprobieren. Es stammt von Dio Al Sabah Akbar Zain, Kamal Ikmal, Ara Kurniawan und Brendan Satria und ist bei Manikmaya Games erschienen. (€10)

Senggal Senggol Gang Damai von Erwin Skripsiadi ist ein kooperatives Spiel, in das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Menschen in einer Straße sichergestellt werden muss. Wenn irgendwo Probleme auftreten, müssen die Spieler*innen dort hineilen, um die Probleme zu lösen. Im günstigeren Fall gelingt das, im ungünstigeren Fall machen sie alles noch schlimmer und die Probleme eskalieren. Wie auch Acaraki vom gleichen Autor ist dieses Spiel bei Hompimpa Games erschienen. (€32)

Stockastic stammt vom gleichen Team wie Flipeek: Medieval, und es geht um den Aktienmarkt. Die Spieler*innen versuchen, möglichst erfolgreich an der Börse zu handeln, dabei aber auch zu versuchen, den anderen das Leben schwer zu machen. Im Fortgeschrittenenmodus kommen dann Charaktere ins Spiel, die die Börse mit individuellen Fähigkeiten zu beeinflussen versuchen. (€30)

So, damit habt Ihr schon mal einen ersten Überblick darüber, was Euch erwartet. Nicht vergessen, es werden noch satte 12 weitere Spiele präsentiert, die man nur noch nicht kaufen kann. Da gibt es sicherlich auch noch mal Spannendes zu entdecken – unter anderem geht es um Essen, Kaffee, Karneval und die Reisen des Ibn Battuta. Ich hoffe jedenfalls, dass sich unter den indonesischen Spielen ebensolche Perlen verstecken wie unter den japanischen, koreanischen und taiwanischen, die man in Essen so findet.

 

Anmerkung: Ich habe einfach mal nachgefragt, was das Logo der APIBGI darstellt. Die Antwort war viel umfangreicher als erwartet, sodass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte. Ich gebe das Ganze mal grob übersetzt wieder:

Wenn man sich das APIBGI-Logo genauer anguckt, sieht es so aus, als würden vier Leute (dargestellt durch diese Kreise) sich an den Händen fassen, und oben brennt ein Feuer. API bedeutet auf Indonesisch Feuer, und die vier Leute, die sich an den Händen fassen, stellen den typischen Anblick von Leuten dar, die zusammen an einem Tisch spielen. Das im Vergleich zu den Leuten relativ kleine Feuer zeigt Wärme an, denn durch Brettspiele versuchen wir, das Beste an der Spielkultur nach Indonesien zu bringen, besonders in seine Familien. Die Position des Feuers sieht so aus, als ob es wie eine Fackel benutzt würde, die den Weg erleuchtet, es zeigt das wir nur nach oben gehen wollen, wir sind entschlossen, die Branche wachsen zu lassen, uns auf großartige Dinge zu freuen und Gutes zu tun, besonders für die Branche selbst. API, das Feuer, ist das Werkzeug, das Fahrzeug, der Weg um ans Ziel zu kommen, denn es ist die Abkürzung für Asosiasi Pegiat Industri, also der Verband selbst. BGI dagegen sind die Leute, die Passagiere, die Objekte, die die API trägt, und es ist die Abkürzung für Board Game Indonesia (was sich wohl selbst erklärt). 

(Im Original: If you look closer to APIBGI’s logo it looks as if 4 people (indicated by those circles) holding hands and at the top lit/holding fire. API in Indonesian means fire, those 4 people holding hands represent the usual sight of people playing board game together in a table. The torch sized / relatively small fire (compared with the people in the logo) indicates warmth since we’re trying to bring the best thing in play culture to Indonesian people, especially to its families, through the board game. The position of fire looks like it’s being used like a torch to light the way, it indicates we’re trying to go nowhere but up, we are committed to grow the industry to always looking forward the great things and do good things especially to the industry itself. API, the fire, is the tools, the vehicle, the way to get to somewhere as it is shortened from Asosiasi Pegiat Industri which is translated as the association itself. BGI in the otherhand is the people, the passenger, the object being carried by the API, it is shortened from Board Game Indonesia (quite self explanatory)).

Ich glaube, solche Fragen sollte ich öfter mal stellen.

 

Alle Bilder © boardgame.id. Verwendung mit freundlicher Genehmigung durch den Fotografen Isa R Akbar. Vielen Dank außerdem an Andre Dubari, der mir ausführliche Informationen über die Vorgeschichte des indonesischen Standes gegeben hat.

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3 Kommentare zu Indonesische Spiele auf der Messe in Essen

  1. Pingback: Drei Tage im Oktober - die Messevorschau 2018 (Teil 3) - Du bist dran!Du bist dran!

  2. Pingback: Keren! Makna di Balik Logo APIBGI Bikin Boardgamer Luar Negeri Terpukau | APIBoardgame.id

    • HilkMAN sagt:

      Oh, sehr schön – es lohnt sich, diesem Link mal zu folgen und ihn sich gegebenenfalls auto-übersetzen zu lassen. Da hat mein Artikel ja einiges ausgelöst. 😀

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