Sieben Siebener-Siebenecke

Die kleinen Oink-Games sind ja eigentlich immer einen Blick wert, nicht zuletzt deshalb, weil sie sehr attraktiv gestaltet sind. So war ich auch auf Troika wieder sehr gespannt, dessen Schachtel so aussieht, wie ich mir Spieleschachteln wünsche. Klare Linien, viel Atmosphäre, kein hektisches Überfrachten mit irgendwelchen heroisch aussehenden Figuren (was auf so kleinen Schachteln ohnehin nicht wirken würde). Ob sich meine Hoffnung auf ein tolles Spiel erfüllt hat, erfahrt Ihr in dieser Rezension.

Worum geht’s?

Die Spieler/innen befinden sich auf einem Planeten, um Rohstoffe einzusammeln. Leider haben sie keinen Treibstoff mehr, sodass sie auch diesen aufsammeln müssen, um nicht zu stranden. Die gute Nachricht: Man kann jeden Rohstoff auch als Treibstoff benutzen, wenn man genügend davon hat.
In der Tischmitte liegen 49 verdeckte Plättchen – je dreimal die Zahlen 1 bis 6 sowie 8 bis 15, dazu siebenmal die 7. Ein Plättchen wird zu Beginn aufgedeckt und jede/r Spieler/in nimmt sich ein Plättchen verdeckt auf die Hand. Wenn man dran ist, deckt man zunächst ein Plättchen auf und hat dann drei Möglichkeiten: Entweder nimmt man sich ein offenliegendes Plättchen und legt es offen vor sich, oder man nimmt sich ein verdecktes Plättchen auf die Hand (bei einem Handplättchenlimit 3), oder man wirft ein Plättchen ab (verdeckt, wenn es aus der Hand kommt; offen, wenn es auch vorher schon offen dalag). Das macht man solange, bis alle Plättchen aufgedeckt sind. Dann wird gewertet. Ein Drilling aus drei gleichen Plättchen zählt als Treibstoff. Der ist null Punkte wert, aber wer keinen Treibstoff hat, strandet und verliert die Runde auf jeden Fall. Ansonsten sammelt man aufsteigende Reihen aus genau drei Plättchen. Die sind soviele Punkte wert wie die letzte Ziffer der Reihe. 4-5-6 sind also 6 Punkte, 11-12-13 sind 3 Punkte und 8-9-10 ist gar nichts wert. Jedes nicht in eine Kombination eingebaute Plättchen zählt als Müll einen Minuspunkt. Wer die meisten Punkte gesammelt hat, bekommt einen Zweipunktechip, für den zweiten Platz gibt es einen Einpunktechip und wer ohne Treibstoff gestrandet ist, bekommt zwei Minuspunkte. Das spielt man drei Runden lang, um eine/n Gesamtsieger/in zu bestimmen.

Die Startauslage. Da kommt Weltraumstimmung auf.

Und was ist mit dem Titel Troika? Man kann Troika ansagen, sobald man mindestens fünf Plättchen offen vor sich liegen und Treibstoff, aber keinen Müll hat (auch nicht auf der Hand). Wer zuerst Troika sagt, bekommt fünf Extrapunkte bei der Rundenauswertung. Wichtiger noch kann sein, dass die Runde vorzeitig endet, wenn nur eine Person noch nicht Troika gesagt hat. So kann man also andere unter Druck setzen (in der Zweipersonenversion fällt das Ansagen weg).

12 Punkte. Je nach Zahl der Spieler/innen kann das schon ein ganz ordentliches Ergebnis sein.

Und? Macht das Spaß?

Hmnja. Eigentlich schon. Es ist ein simples Sammeln von Zahlen mit einem clever aufgebauten Wertungskonzept. Dadurch, dass man ein Dreierset sammeln muss, unterbricht man zwangsläufig irgendwo die Möglichkeit, aufeinanderfolgende Reihen zu sammeln. Da außerdem ein Teil des Sammelns verdeckt auf der Hand stattfindet, bleibt man in einem angemessenen Umfang darüber im Unklaren, was noch möglich ist und was vielleicht schon zum Scheitern verurteilt ist. Bei den Siebenern hat man die besten Chancen auf einen Dreier hat, daher reißen sich alle darum, und das macht wiederum das Sammeln der wertvollsten Kombination 7-8-9 schwierig. Das passt schon alles zusammen, Kompliment. Das Troika-Rufen ist hingegen relativ schwierig und funktioniert normalerweise nur, wenn man auch mal das eine oder andere Plättchen abwirft, was wiederum dafür sorgt, dass man Plättchen nicht gern nur deshalb nimmt, damit andere sie nicht kriegen können. Hier hat alles Hand und Fuß, da gibt es nichts zu meckern. Es gibt halt so ein leichtes Rommee-Gefühl, ist aber hinreichend anders, um unabhängig davon Spaß zu machen.

Aber.

Während ich noch bei jedem Oink-Spiel darüber gestaunt habe, wie perfekt genau das benötigte Material in die kleine Schachtel gepasst hat, habe ich bei Troika erstmals ein anderes Gefühl. Die Regeln sagen (genau wie beim neulich besprochenen Star Plus), man solle drei Runden in Folge spielen und dann die Punkte zusammenzählen. Die Punkte bekommt man in Form von kleinen Chips, die einen nicht unerheblichen Teil des Schachtelvolumens füllen. Aber wozu? Ich sehe wiederum keinerlei Grund, nicht einfach eine Runde als eine Partie zu betrachten. Damit brauche ich aber auch diese ganzen Chips nicht. Stattdessen hätte ich mich über mehr Atmosphäre unheimlich gefreut. Irgendein kleines Raumschiff, irgendwas, das mir das Gefühl gibt, tatsächlich auf einem Planeten Treibstoff und Resourcen einzusammeln. Stattdessen gibt es nur Plättchen mit Zahlen drauf. Atmosphärisch war das ein bisschen eine verschenkte Chance, finde ich, und dafür habe ich erstmals bei Oink das Gefühl, es sei zu viel in der Schachtel. Darüber können auch die originellen siebeneckigen Plättchen nicht hinwegtrösten.

Die Wertungsplättchen – in meinen Augen Ballast.

Und doch kommt Troika bei uns immer mal wieder auf den Tisch, nicht zuletzt, weil unsere Achtjährige es sehr mag und öfter danach verlangt, es zu spielen. Das ist mir natürlich wichtiger als all der Kleinkram, an dem ich eben herumgemeckert habe. Am Ende steckt doch einiges an Spielspaß in der kleinen Schachtel, und so wird es erstmal in der Sammlung bleiben.

Troika
für 2 bis 5 gestrandete Raumfahrer/innen
von Jun Sasaki, der auch die Illustrationen gemacht hat
Oink Games, 2017 (eine grafisch leicht aktualisierte deutsche Version erscheint 2018)

 

Vielen Dank an Oink Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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2 Kommentare zu Sieben Siebener-Siebenecke

  1. Anatol sagt:

    Naja, Maskman war auch grenzwertig was die Schachtelgroesse betrifft…

    • HilkMAN sagt:

      Maskmen gehört zu den wenigen Oinks, die ich noch nie in der Hand hatte – kann natürlich sein, dass das da auch so war.

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