Frust for’m Feierabend

Neulich tauchte hier ein Briefumschlag auf, in dem sich Preview-Exemplare zweier neuer Spiele von Friedemann Friese befanden. Da habe ich mich gleich mal an die Arbeit gemacht und die durchgespielt. Zumindest beim einen muss ich das Arbeit nennen, denn es geht bei diesem darum, Akten zu sortieren (= Karten in die richtige Reihenfolge zu bringen). Es ist ein Solitärspiel namens „Fertig!“

Fertig!

Worum geht’s?

Fertig! besteht aus 48 durchnummerierten Karten, die einen verdeckten Stapel bilden. Die 48 liegt zuunterst, die anderen Karten sind gemischt (das ist am Anfang schon vorbereitet, in zukünftigen Partien kann man das dann selbst machen).

In einem Spielzug legt man zunächst mal drei Karten aus. Hat man schon Karten in der Auslage, wandern diese in frei wählbarer Reihenfolge in die Ablage, in der aber nur drei Karten liegen dürfen – die jeweils ältesten Karten steckt man wieder unter den Nachziehstapel, den man in der Hand hält. Zusätzlich bildet man einen nach Zahlen sortierten Stapel, der mit der 1 beginnt und auf den man immer dann die nächsthöhere Karte drauflegt, wenn diese in der Auslage auftaucht. Wenn man es schafft, alle Karten bis zur 48 sortiert draufzulegen, gewinnt man das Spiel.

Das ist aber natürlich noch nicht alles. Man hat nämlich zu Beginn einen Vorrat an Bonbons und Kaffeetassen. Zucker und Koffein sollen einen bei der monotonen Arbeit wachhalten. Mit den Bonbons kann man Karteneffekte aktivieren. Dazu legt man ein Bonbon auf die Karte und macht das, was (sprachunabhängig) draufsteht. Zum Beispiel kann man eine weitere Karte in die Auslage legen, Karten zwischen Auslage und Ablage verschieben oder gar eine komplette Auslage in die Zukunft verschieben. Dann darf man sozusagen eine Runde zwischendurch spielen, bevor die aufgeschobene Arbeit einen wieder einholt.

Wieder andere Karten bringen neue Bonbons ein, wenn man sie aufdeckt – auch das ist natürlich sehr willkommen, denn mit den Bonbons muss man gut haushalten. Ansonsten bekommt man Bonbons nur, wenn man mindestens drei direkt aufeinanderfolgende Karten in die Ablage verschiebt, und das passiert vor allem am Anfang noch nicht so oft. Die wohl mit Abstand mächtigste Karte ist aber die, mit der man die aktuelle Auslage ohne den Umweg über die Ablage unter den Nachziehstapel stecken kann. Es ist nämlich so, dass man jeweils eine Kaffeetasse ablegen muss, wenn man die 48 von der Auslage in die Ablage verschiebt. Und wenn man das machen will, aber keine mehr hat, ist man so müde, dass man bei der Arbeit einschläft und das Spiel verliert.

Und? Macht das Spaß?

Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass ich wenig Erfahrung mit Solitärspielen habe, und auch selten das Bedürfnis danach. Spielen ist für mich in erster Linie ein soziales Ereignis. Wer begeisterte/r Solospieler/in ist, mag hier durchaus eine ganz andere Meinung haben.

Wo soll ich anfangen? Meine erste Partie war noch von einer ziemlich wahllosen Neugier geprägt, ich nahm Extra-Karten, wo immer es möglich war und versuchte einfach, ein bisschen zu sortieren. Erst gegen Ende der ersten Partie setzte sich langsam die Erkenntnis bei mir durch, dass das Verschieben von Karten in die Zukunft durchaus eine mächtige Aktion sein kann und dass insbesondere die Kombination der Karte, bei der man die Auslage unter den Stapel steckt, mit der 48 eine idiotensichere Kombination ist – wenn die 48 nicht in der Ablage landet, braucht man auch keinen Kaffee zu trinken, und kann mehr oder weniger endlos weiterspielen, bis man fertig ist1. So bekommt man ein ziemlich gut zu gewinnendes Spiel, das man dann in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausprobieren kann. Hat man genügend Bonschen, kann man überhaupt sehr viel machen, aber die sind dann natürlich einfach irgendwann alle. Bis dahin sollte man schon ein paar Sequenzen gebildet haben, mit denen wieder ein Bonbonvorrat reinkommt. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn es nicht eine gewisse Verknappung gäbe.

Ich will hier nicht spoilern, daher zeige ich die Karten nur von der Rückseite.

Eigentlich finde ich Fertig! richtig gut designt. Die Aktionen greifen gut ineinander, man hat verschiedene Möglichkeiten, zum Ziel zu bekommen und man kann den Schwierigkeitsgrad gut justieren. So ergibt sich eine durchaus interessante Herausforderung. Leider dauert es aber für mein Empfinden fürchterlich lange, bis man dann tatsächlich fertig ist, und die letzten Durchgänge empfinde ich als zäh und repetitiv, denn es kommen ja keinerlei Überraschungen mehr. Das fühlt sich dann an wie… sagen wir Akten sortieren? Ich weiß, das ist Absicht, aber bei mir hat es als Spiel keine Begeisterung auslösen können. Beim Spielen will ich lachen, und das passiert bei „Fertig!“ eher nicht. Und vor allem brauche ich eben Überraschungen. Die können entweder daher kommen, dass andere Spieler/innen unerwartete Dinge tun, oder aus dem Spiel selbst. Überraschungen gibt es hier aber nur am Anfang, und die letzten sieben Achtel sind dann für mich zähflüssig. Ein schönes Schmankerl ist am Ende das Daumenkino – wenn die Karten einmal sortiert sind, kann man sich da einen kleinen Film über Büroarbeit angucken. Das ist allemal eine charmante Idee, aber vielleicht auch nichts, was einen nach der siebenundzwanzigsten Partie noch umhaut. Also, eine viel zu lange Patience mit schönen Mechanismen, die thematisch passen, und am Ende noch ein kleines Bonbon – das beschreibt es für mich ganz gut. Ich wäre aber nicht überrascht, wenn Leute, die ohnehin gern knifflige Solitärspiele spielen, an „Fertig!“ ihre Freude haben könnten.

Gesamteindruck: 4/10

Fertig!
für 1 Person
von Friedemann Friese
Illustrationen: Harald Lieske
2F-Spiele, 2017

1 Update, eine gute Stunde nach der Veröffentlichung: Von Friedemann Friese bekam ich gerade eine Mail, in der ich auf ein Regel-Update hingewiesen wurde. Die erwähnte Aktion, bei der man die 48 einfach unter den Stapel schieben kann, ohne einen Kaffee zu trinken, war nicht so gemeint gewesen. In der Version, die man dann in Essen und darüber hinaus bekommen kann, wird das korrigiert sein. Das macht das Spiel sicher spannender. 

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