Viele Deutsche meinen, es gehöre zum guten Ton, zumindest ein bisschen mit Essstäbchen essen zu können. Viele AsiatInnen meinen, dass man das AusländerInnen grundsätzlich nicht zumuten müsste, und legen ausreichend Löffel oder gar Gabeln bereit, wenn diese zu Besuch sind. Die Deutschen wollen sich aber keine Blöße geben und versuchen es trotzdem tapfer mit Stäbchen. Kaum lassen sie erstmals was fallen, ernten sie ein Lob dafür, wie gut sie schon mit Stäbchen essen können (was sie errötend zurückweisen sollten). Im Idealfall beobachten sie bald, dass den AsiatInnen hier und da auch mal was entgleitet, was ihre Selbstsicherheit stärkt. Soweit die blanke Theorie.
In der Praxis ist unterschiedliches asiatisches Essen unterschiedlich geeignet für den Essstäbcheneinsatz im Allgemeinen und dem von AusländerInnen im Besonderen. Erdnüsse mit Stäbchen aufzupicken ist am Anfang nicht ohne, stellt aber eine gute Übung dar. Wie TaiwanerInnen ganze gekochte Eier quasi ohne hinzugucken mit Stäbchen in handliche Stücke teilen, ist ein unerreichbarer Traum, an dem man sich sowieso nicht messen wird. Aber auch wenn wir alltäglicheres Essen betrachten, fallen uns einige fiese Fallen auf. Wieso zum Beispiel werden Möhren vor dem Kochen in keilförmige Stücke geschnitten? Keile sind ungefähr das Fieseste, was man mit Stäbchen aufpicken kann. Man versucht, sie zu fassen, und sie flutschen immer von der zugespitzten Seite weg. Das ist derartig frustrierend, dass man gar nicht darauf achtet, dass die Einheimischen ihre Essstäbchen schlicht und einfach in die gekochten Möhrenkeile hineinstechen und sie dann problemlos aufnehmen können.
Etwas anderes zum Thema asiatisches Essen fiel mir neulich auf, als wir zu Hause beim Abendessen saßen und Elissa scharfe Nudeln gekocht hatte. Für mich war die Schärfe noch zu bewältigen, aber eher gerade noch (bin in der Beziehung ein ziemliches Weichei). Miriam dagegen verlangte völlig unerschrocken danach, immer weitere dieser scharfen Nudeln in den Mund gestopft zu bekommen. Wie macht sie das? Ich fühlte mich irgendwie an diese Betäubungspflaster erinnert, die sich vor der Blutabnahme im Krankenhaus auf den Handrücken geklebt kriegt. Die Dinger sind sehr genial: Zehn Minuten vor dem Stechen auf die Hand, dann gibt es keinerlei Geschrei bei der Blutabnahme. Beim Verzehr jener erwähnten scharfen Nudeln fühlte ich mich versucht, mir sowas mal auf die Zunge zu kleben, um nicht vom Chili verbrannt zu werden. Muss ich mir mal merken für den nächsten Besuch in rücksichtlosen Thai-Restaurants oder so.
Bei der heutigen Nachuntersuchung stellten wir allerdings fest, dass es wieder andere Pflaster gab – diese richtig genialen Dinger waren nur eine Probepackung gewesen. Beim Versuch einer Bestellung stellte sich dann heraus, dass sie fünf mal so teuer sind wie die alten. Und die tun es im Prinzip auch; sie wirken zwar langsamer und nicht ganz so souverän, aber Miriam nimmt auch so die Blutabnahme einigermaßen locker hin. Und erfreulicherweise sind heute drei Medikamente abgesetzt worden, so dass das Zusammenmischen der Cocktails jetzt ein bisschen schneller geht.
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Many Germans (or maybe westerners in general) tend to believe that they should be able to eat with chopsticks at least somewhat successfully. Many Asians believe that foreigners shouldn’t be bothered with such hardships and supply forks and spoons when they have visitors. The Germans, of course, don’t want to admit how happy they are and will bravely use the chopsticks. As soon as they drop something for the first time, they will be praised for their amazing skill with chopsticks (which they should deny blushingly). Ideally, they will soon observe some Asians dropping food as well, which will strengthen their self confidence. So much for the theory.
In reality, not all foods are equally suitable to be eaten with chopsticks, for Asians in generals and Westerners in particular. Picking up peanuts by chopsticks is no simple task for beginners, but can be a good exercise. And hardly anyone can dream of cutting a hard-boiled egg as elegantly (without even looking much at it) as a Taiwanese. But when we take a look at more common foods, we will find some death traps. Why, for example, are carrots cut in a triangular shape? That means they will resist all attempts to hold on to them. That can be so frustrating that one hardly has the patience to observe that the Asians simply poke their chopsticks into the boiled carrots and then pick them up with ease.
I made another observation regarding Asian foods the other day when we were eating spicy noodles Elissa had cooked. Now I am a rather hopeless coward when it comes to spicy food, and to me it was just what I could bear. Miriam, however, fearlessly demanded to have more and more noodles stuffed into her mouth. How does she do that? I was reminded of those numbing plasters that she gets in the hospital before they draw blood from her hand. Those are ingenious: Put them on the skin ten minutes before drawing blood, and she won’t mind it at all. When eating those spica noodles, I felt tempted to put one of those on my tongue. I will have to remember for the next time I go for Thai food.
When we went to today’s checkup however, we saw that they were out of those really great numbing plasters. Those had only been a free sample from the producer. When trying to order them, the hospital found out that the price is five times that of the old brand. And the old ones work as well, although it takes longer for them to take effect and they might not be quite as strong, but Mirimam still doesn’t mind the poking much. And on the positive side, we can reduce the amount of drugs she has to take by three as of today – two of which are among the more annoying ones. Great!
Tags: Essen, spicy food, Thai food
deswegen esse ich jetzt gerade auch meinen gebratenen reis mit der gabel.
))))
hab ja nur ´ne kurze pause
Bei Miriam wurden schon 3 Medikamente abgesetzt, klasse!
Meine Anti-Rejection drugs wurden von 4 auf 3 gesetzt.
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag.