Neunzehn Jahre in Göttingen, und noch nie hatte ich einen Ausflug nach Witzenhausen gemacht. Klar, auf der Fahrt nach Kassel fährt man jedes Mal durch, aber das war es dann auch schon gewesen. Da nun Elissa danach lechzte, endlich mal wieder aus Göttingen herauszukommen (für sie war das letzte Mal wirklich auch schon lange her), und wir auch meiner Schwiegermutter kurz vor ihrer Rückreise nach Taiwan (nächste Woche) noch mal was Nettes bieten wollten, haben wir dann die Gelegenheit, die der freie Tag bot, genutzt und sind mal ins nahe Witzenhausen gezuckelt, welches sich vor allem seiner Kirschen rühmt. Die dazugehörigen Bäume stehen in voller Blüte, da sollte sich das doch lohnen.
Wir hatten den Fahrradanhänger dabei, was erstaunlich wenig Probleme in Bus und Bahn machte. Allerdings war die Bahn nach Witzenhausen derartig mit Fahrrädern vollgestopft, dass wir froh waren, sehr früh am Bahnsteig gewesen zu sein.
In Witzenhausen selbst seien lohnende Wanderwege ausgeschildert, hatte ich mir versichern lassen. Allerdings landeten wir dann auf einem Bahnhof, der offenbar gerade modernisiert wird. Soll heißen: Keine Fahrstuhlbenutzung (wäre ziemlich unpraktisch gewesen, wenn ich allein mit dem Anhänger unterwegs gewesen wäre, von einem Rollstuhl oder sowas ganz zu schweigen). Um den Leuten, die es trotzdem wagten, sich schwer bepackt auf den Weg durch den Tunnel zu machen, ein besonderes Gefühl des Nichtwillkommenseins zu verschaffen, hatte die Bahn auch die Ausgänge versperrt und nur ungefähr dreißig Zentimeter breite Durchgänge zwischen Bauzäunen freigelassen (auch vor dem Bahnhof tobte eine Baustelle). Zum Glück konnte man über ein paar Schotterhaufen auf der anderen Bahnhofsseite das Gelände verlassen, auch wenn Schilder dies explizit untersagten. Aber wen schreckt das schon?
Vom Bahnhof aus, der außerhalb der eigentlichen Stadt auf einem Hügel liegt, gibt es immerhin nur eine einzige Straße in eine einzige Richtung, so dass wir trotz des völligen Fehlens jeglicher Beschilderung einigermaßen sicher gen Innenstadt wanderten. Zwar dann letztlich nicht auf dem kürzesten oder schönsten Weg, aber doch erfolgreich. Der erste winzige Übersichtsplan fand sich interessanterweise in einem Schaukasten des lokalen Weltladens, der strategisch günstig aufgehängt war und uns tatsächlich weiterhalf.

(Aus diesem Stadtplan besteht die komplette Ausschilderung zwischen Bahnhof und Stadtzentrum)
Nach dem Überqueren der Werra stellten wir anhand eines größeren Willkommenstransparents dann gleich fest, dass wir zufällig in die sogenannte Witzenhäuser Woche (vier Tage lang – ist vielleicht gewerkschaftlich organisiert?) geraten waren, eine größere Volksbelustigung mit Musik, vielen Info- und Verkaufsständen sowie allerhand kulturellen Aktivitäten. Ich habe mich dann gleich todesmutig mal an ein Kirschbier herangewagt. Nach dem ersten Schluck sah ich ungefähr so

aus, aber nach einem Weilchen war es dann gar nicht mehr so schlecht. Erst langsam dämmerte es mir, dass in Witzenhausen ja die Schinkel-Brauerei angesiedelt ist, deren ganz vorzügliches Öko-Pils (die anderen Sorten sind nicht so spektakulär) man sehr gelegentlich auch in einem Göttinger Bioladen finden kann. Von dieser Brauerei scheint auch das Kirschbier gestammt zu haben.
Mitten im Getümmel fanden wir dann auch den Augangspunkt zweier Kirschwanderungen, einer stadtinternen und einer Überlandroute. Angesichts des Anhängers entschieden wir uns dann für die innerstädtische Route. Diese zu finden, war allerdings alles andere als einfach. Die Stadt war nämlich pickepackevoll, und die einzelnen Stationen waren dadurch auch recht leicht zu übersehen. Die Einheimischen wussten auch nicht, wo es weiterging, was uns nur so lange wunderte, bis wir herausfanden, dass die Route überhaupt erst gestern um 14:30 eröffnet werden sollte (eine halbe Stunde nach unserer Rundtour). Wir haben uns die Route also nur teilweise gegeben, was aber auch schon recht nett war. Dafür sind wir dann tatsächlich auch noch in der Schinkelschen Brauerei vorbeigekommen, wo eine Flasche Bier zwar teurer ist als hier im Bioladen, dafür aber vorrätig. Gut, dass wir den Anhänger dabei hatten…

Aufgefallen ist uns ansonsten, dass Witzenhausen zwar eine große Bio-Szene hat (wohl auch wegen der dortigen Uni), aber die Hälfte der Stände zur Witzenhäuser Woche Wurst zu servieren schien. Vegetarisches Essen war eher die Ausnahme, aber verhungert sind wir trotzdem nicht. Blühende Kirschbäume haben wir eher wenige gesehen, aber aus dem Zugfenster wurde auch der Anblick noch nachgereicht. Also haben wir immerhin endlich mal was anderes gemacht als unseren Alltagstrott, und das war ziemlich wichtig für uns.

Zwischen den Witzenhäuser Kirschprinzessinnen hat sich meine Schwiegermutter versteckt. Könnt Ihr sie finden?
Miriam macht das jedenfalls alles wunderbar mit. Wenn sie im Wagen sitzt, zieht sie sich zwar manchmal die Maske runter, aber im Wagen finde ich das auch nicht so schlimm. Und auf dem Arm oder sonstwie außerhalb lässt sie die Maske meistens auf. Sie hat dafür schon einen ganz guten Instinkt, finde ich.

Am Wochenende bin ich wahrscheinlich mit dem Tichu-Turnier hinreichend ausgelastet, da werde ich eher an dem Teil der Webseite herumdoktern, wenn ich überhaupt Zeit dazu habe. Ich melde mich dann wieder, wenn es was zu erzählen gibt.
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We took a little trip to a small town named Witzenhausen, twenty minutes to the southwest by train. Since Elissa’s mom is leaving soon, we wanted to give her a chance to see some of Göttingen’s surroundings (she always visits when traveling is inconvenient for us…).
Witzenhausen is famous for its many cherry trees which are now blossoming, and also (locally) for some rather fine beer. We took our bicycle trailer with us (no bikes though), which was more convenient than expected. What we also hadn’t expected was that there was some local festivities going on in Witzenhausen, so the town was packed with people. We took a lengthy walk through the rather small town, learning a bit about cherries without actually seeing too many cherry trees (not suprisingly. I guess they are mostly outside the town). I actually tasted cherry beer, too, which is probably weirder for Germans than for people from countries without ancient beer purity laws. After a few sips, it wasn’t so bad, actually.
Miriam was mostly easy to handle during the trip. She occasionally pulls down her mask when she is in the trailer, but rarely outside. So that is not a real problem. We are definitely looking forward to some more trips in the future.
Tomorrow I will be busy hosting another Tichu tournament, and, after that, updating another part of this website. I will blog again when there is something to tell.