Wie wohl selbst den Leuten im Fernen Westen nicht entgangen ist, hat vor wenigen Tagen das Jahr des Ochsen begonnen (seltsamerweise uebersetzt das niemand als Kuh, was wohl einfach zu profan klingt). Es war mein drittes Neujahr in Taiwan, wenn ich mich nicht taeusche, und ich habe es wohl typischer erlebt als die ersten beiden. Beim ersten Mal war ich gerade angekommen und kannte noch niemanden ausser einer Handvoll auslaendischer Lehrkraefte, die fuer die gleiche Agentur arbeiteten wie ich. Das zweite Mal war 2007 und fiel mit dem Geburtstag von Elissas Grossvater zusammen, so dass wir bei den Grosseltern auf dem Lalashan gefeiert haben, relativ ruhig und unspektakulaer. Dieses Mal haben wir mehr Dinge gemacht, die man eben zum Neujahr hierzulande so macht (Elissas Bruder und seine Frau kamen uebrigens auch angereist). Das heisst, dass wir am Silvesterabend zuerst mal Feuertopf gegessen haben. Fuer diejenigen, die noch nichts von diesem typisch ostasiatischen Konzept gehoert haben: Ein Feuertopf ist ein Topf, der auf dem Tisch auf einer Kochplatte steht und in dem eine Art Suppe vor sich hinkoechelt. Man tut dann so fondue-aehnlich verschiedene Sachen hinein, kocht sie mit, fischt sie nach einer Weile wieder heraus und isst sie auf. Die Suppe veraendert dabei im Laufe der Zeit ihren Geschmack, weil eben so viele Sachen darin gekocht werden. Das ist ein typisches Winteressen, von dem es lauter verschiedene Varianten gibt, chinesisch, mongolisch, japanisch, Hongkong-Stil, taiwanisch und so weiter. Ich bin von “normalem” Feuertopf mehr so mittelbegeistert, aber es gibt Varianten, die ich ausgesprochen schaetze. Ein Video zu diesem Thema werde ich ein andermal posten, das muss ich erst noch bearbeiten.
Spannender fuer mich war dann das Mah-Jongg-Spielen (erneut ein Hinweis fuer die Nichteingeweihten: Das hat nichts mit diesem Abbauspiel zu tun, das auf vielen Computern als Solitaerspiel vorhanden ist, sondern benutzt zwar die gleichen Steine, aehnelt aber eher dem Rommee oder sowas, das heisst, dass man verschiedene Kombinationen von Steinen bilden muss und als erste/r alle eigenen Steine verbrauchen muss). Aehnlich wie in Deutschland gibt es Familien, die nur zu Silvester spielen, und dann eben in der Regel Mah Jongg, oft um Geld. Bei uns ging es natuerlich nicht um Geld, sondern einfach nur so drauf los. Elissas Eltern haben einen sehr coolen Mah-Jongg-Tisch, mit ausklappbaren Getraenke- und Aschenbecherhaltern, Geldschubladen, mehrschichtiger Filzauflage und so weiter. Am Silvesterabend musste ich noch etwas Lehrgeld zahlen (also im uebertragenen Sinne jetzt), aber wir haben dann durchaus bis nach Mitternacht durchgehalten, also so um die sechs Stunden.

Mitternacht selbst verlief eher unspektakulaer. Fuer seine Knallerei ist die chinesische Kultur zwar beruehmt, aber es ist zeitlich nicht so koordiniert. Wer also Boeller in die Luft jagt, veranstaltet dabei einen Laerm, der in Goettingen allenfalls direkt am Gaenseliesel denkbar ist, aber es machen eben nicht alle gleichzeitig, so dass es sich etwas verliert. Manche Leute boellern schon am fruehen Abend, andere erst zwei Tage spaeter, andere (wir zum Beispiel) gar nicht. Ich weiss nicht, wie das in der Volksrepublik heutzutage so ist, aber ich habe hier in Taiwan jedenfalls nie vergleichbares gehoert wie einst in Amsterdam, wo ich mal in ein chinesisches Neujahr hineingeriet und um die Stabilitaet der umstehenden Haeuser geradezu Angste hatte.
Am naechsten Tag, also dem ersten Tag des neuen Jahres, ging es dann zu zwei Tempeln. Das ist fuer Leute, die das noch nicht erlebt haben, gar nicht so einfach zu beschreiben. Es draengen sich enorme Menschenmassen in die Tempelraeume, die meisten mit Opfergaben (Obst zum Beispiel) und Raeucherstaebchen bewaffnet. Die Tempel, bei denen wir waren, waren taoistisch, aber auch eine Buddha-Statue war zu sehen (Taiwan hat ja eine fuer Aussenstehende schwer zu durchschauende Religionsmixtur). Erbeten wird dann ein glueckliches neues Jahr, zum Beispiel auch Erfolg in wichtigen Pruefungen und so weiter. Das Ganze ist sehr spannend zu beobachten; es gibt erwartungsgemaess viele Regeln, die zu beachten sind, aber ich bin von der ganzen Sache ja inhaltlich eher unberuehrt. Jedenfalls habe ich mich mit Miriam dann nach einer Weile aus dem dichtesten Gedraenge entfernt, weil sie sich beschwerte, dass es zu laut sei. Damit hatte sie voellig recht, denn aus Lautsprechern ertoente Musik, die fuer die Qualitaet der Lautsprecher klar zu laut (und fuer westliche Ohren auch ziemlich quaekig) war. Zwischen verschiedenen Stuecken kam (kein Witz) Feuerwerk vom Band. Das wurde auf die Dauer dann wirklich ziemlich anstrengend. Aber auf der Strasse neben den Tempeln gab es allerhand Staende mit verschiedenen Leckereien, und das sollte man als Taiwanreisende/r keinesfalls auslassen. Ich staune immer wieder darueber, was es auch fuer mich noch alles neu zu entdecken gibt.
Am Nachmittag haben wir dann schon wieder Mah Jongg gespielt, diesmal glatte acht Stunden lang oder so (in gelegentlich wechselnder Besetzung, das heisst, dass mal jemand Pause machte und durch jemand anderen ersetzt wurde. Keine Frage, ich habe mir natuerlich keine ernsthaften Pausen geleistet – wenn ich in Taiwan schon mal Gelegenheit zum Spielen habe, nutze ich das aus). Aehnlich wie beim Feuertopf gibt es einen Haufen regionaler Unterschiede bei den Mah-Jongg-Regeln, besonders beim Zaehlen der Punkte. Ich kann nicht behaupten, dass ich da schon alles durchschaut haette, aber beim Spielen selbst werde ich allmaehlich etwas besser. Man muss dazu sagen, dass die Variante, die wir in Taiwan spielen (keine Ahnung, ob die in ganz Taiwan verbreitet ist oder ob es sich nur um lokale Hausregeln handelt, jedenfalls ist es eine Siebzehn-Stein-Variante), noch gluecksabhaengiger ist als andere, die ich schon kennen gelernt hatte. Hier geht es insbesondere darum, nicht zu verlieren, was zu sehr defensivem Spiel fuehrt, was ich nicht immer besonders spannend fand. Aber ich habe natuerlich auch andere Strategien ausprobiert, und da war dann am Ende doch mehr moeglich, als ich der hier gespielten Variante zugetraut haette.
Ansonsten waren wir zwischendurch immer mal wieder spazieren (waehrend sich die Autobahnen in endloser Verstopfung befinden, weil es genau festgelegte Tage in der Ferienzeit gibt, an denen man bestimmte Leute besuchen muss, wie zum Beispiel verheiratete Toechter ihre Eltern oder so, waren die Strassen in der Stadt so leer, wie man sie sonst nie sieht), haben natuerlich viel gegessen und getrunken und auch ein bisschen Besuch bekommen. Unter anderem waren wir in einem riesigen vegetarischen Buffet-Restaurant mit einer schier unfassbaren Auswahl. Zwar war nicht alles voellig ueberzeugend, aber man konnte ja sowieso nicht von allem probieren, dafuer war es einfach zu viel.
Nebenbei: Miriams Interesse an anderen Kindern ist endlich erwacht. Sie findet Babys unheimlich spannend, und auch anderen Kindern naehert sie sich mittlerweile furchtlos von selbst. Das ist zum Schreien schoen und geht mir warm runter. Sie trennt jetzt auch sehr souveraen Deutsch von Chinesisch und spricht die Leute hier in Taiwan automatisch auf Chinesisch an, C. und mich aber weiterhin auf Deutsch. Einfach toll. Wer meine frueheren Reiseberichte kennt, wird aber wahrscheinlich kaum erstaunt sein, zu erfahren, dass sie von Taiwaner/innen oft auf Englisch angesprochen wird, was natuerlich nicht recht funktioniert. Ich hatte mich ja immer schon gefragt, ob Auslaender/innen, die fliessend Chinesisch, aber keinerlei Englisch koennen, in der Lage waeren, sich in Taiwan zu verstaendigen. Das kann ich jetzt ein bisschen beobachten, aber bei Miriam laeuft natuerlich noch vieles ueber Charme und nonverbale Kommunikation ab. In ein paar Jahren werde ich mir das hoffentlich noch mal angucken koennen.
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Most of you should have noticed that the latest year of the ox has started a few days ago (strangely, it is rarely called year of the cow, or is it?). This is my third New Year in Taiwan, and probably my most typical one so far. The first time, I had just arrived in the country a few days earlier and didn’t really know anyone except a few fellow foreign teachers.The second time was in 2007 and coincided with Elissa’s granddad’s birthday, so we spend it with her grandparents on Lala mountain, rather quietly. This time, we did more things considered typical (Elissa’s brother and his wife also joined us, by the way). That means that first of all, we were eating hotpot. Hotpot is a dish that exists all over eastern Asia, in many variants. It typically consists of a pot with soup cooking on a heater on the dining table. Everyone dumps stuff inside and fishes it out after a while. In the meantime, the soup changes in taste as more stuff is dumped into it. I will post a related video after my return, but I need to work on it first.
For me, playing Mah Jongg was more exciting, which we did from about seven till way after midnight. Mah Jongg is a game which, like hotpot, has many variants throughout East Asia (mainly differing on the scoring system). The variant we played was a 17 brick variant, more dependent on luck than others I had previously tried out. As in Germany, many families play games during New Year’s eve, often playing for money (which we didn’t). I wasn’t very successful on the first night, but more followed during the next few days and our performances improved significantly (despite the very high luck factor). All in all, we played for more than 20 hours, some of us taking breaks and being replaced by others (not me, of course…).
Midnight was rather unspectacular. Chinese people are famous for their firecrackers, but they don’t light them all at the same time here. Each family that does fireworks (we didn’t) makes a lot of noise, but it is spread out over the course of several days, so I found it rather quiet. I once was caught in a Chinese New Year’s celebration in Amsterdam and found it somewhat scary.
On the first day of the ox year, we went to some temples, too. It is customary to bring some offerings and light incense in the temples on this day, and to ask for blessings, in general and for specific events, such as exams, for example. Predictably, the crowd was huge, and C. and I kept to the sidelines with Miriam. There were loudspeakers on the temples, playing music that was a bit too loud for the sound system and, yes, recorded firework sounds. We tried to stay out of the mayhem as well as we could, which gave us the opportunity to sample the various culinary delights from the nearby food stalls. I am always surprised how many new things I still find here in Taiwan.
Miriam has developed a certain interest in other kids by now, which I am very happy about. It is great to see her interact with others, often taking charge of communication. She immediately seems to know which of her two languages to use. When I lived in Taiwan, I always wondered whether a westerner with perfect command of Chinese who doesn’t speak a word of English would be able to communicate with anyone over here, as anyone who can say “how are you” without turning red usually refuses to speak Chinese to foreigners. I guess I will find out in a few years, when Miriam comes back the next time.