Vor gut einem halben Jahr habe ich schon mal einen Artikel mit dieser Überschrift beginnen lassen. Damals hatte ich darauf hingewiesen, dass sich so ein Titel gar nicht verleihen ließe – obwohl ich bemerkt habe, dass das Bedürfnis nach derlei Vergleichen groß zu sein scheint, denn ich habe ständig Google-Treffer für „bestes Krankenhaus der Welt“, „bestes Krankenhaus in Berlin“ und so.
Und heute war es dann tatsächlich so weit. Nach dem Mittagessen sind wir wieder auf Station gekommen, wo es gerade ein bisschen hektisch war. Aber schließlich war dann doch Zeit für unser Abschlussgespräch, und wir konnten uns durchaus auch Ruhe dafür nehmen. Wir sind noch mal den Medikamentenplan durchgegangen, der für die ersten Wochen noch ziemlich krass ist, aber dann wohl nach und nach reduziert werden kann. Diese und jene Kleinigkeit war auch noch zu klären, und dann floss doch das eine oder andere Tränchen, als wir uns verabschiedeten. Auf der Rückfahrt fragte der Taxifahrer, was Miriam denn gehabt hätte, und da habe ich zum ersten Mal nicht drüber sprechen mögen, sondern mich auf „herzkrank“ beschränkt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass die Heimfahrt auch ein Schritt in die Normalität sein sollte. Zu Hause lief es dann aber natürlich noch nicht alles völlig glatt. Miriam hat sich sehr neugierig umgesehen, war dann aber doch relativ zufrieden mit dem Angucken von einigen Büchern. Ich bin noch in die Stadt gefahren, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, dann wurde es recht spät mit dem Essen, und als ich dann erstmals unbeaufsichtigt die Medikamente zusammengemixt habe, war ich doch ganz schön nervös und musste eins nochmal wegtun und neu abfüllen.
Beim anschließenden Abendessen fing Miriam dann ein bisschen an zu zittern, und ich dachte schon, na prima, gleich sitzen wir wieder im Taxi. Aber dann merkten wir, dass ihr einfach nur kalt war, und mit einem zusätzlichen Pulli war die Sache erledigt. Dafür müssen wir erstmal wieder ein Gefühl entwickeln.
Miriam hat dann auch recht spät geschlafen (das ersehnte Bad haben wir deshalb doch noch mal auf morgen verschoben) und ist eben noch mal kurz wachgeworden. Zwar piept kein Monitor mehr, aber immerhin gibt es ja ein Babyfon… Um 12 müssen wir sie dann noch mal für ein Medikament wecken, aber das kriegen wir auch irgendwie hin. Ich würde sagen, der erste halbe Tag zu Hause läuft einigermaßen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sie ihre Gewohnheit, morgens um fünf nach Vorlesestunden zu verlangen, im Klinikum zurückgelassen hat…
Und damit komme ich wieder zum Ausgangspunkt zurück. Es ist für Außenstehende vielleicht seltsam, aber wenn ich an die 290 Tage auf Station 0133/0134 zurückdenke, überwiegen im Moment ganz eindeutig die positiven Erinnerungen, und ich habe das Gefühl, dass wir großes Glück gehabt haben. Nicht nur, dass Miriam hier eine optimale medizinische Versorgung gehabt hat (im Gespräch mit einem Gastwissenschaftler aus Nepal, dessen Tochter mit uns auf der Station war, wurde ich daran wieder mal erinnert, als er sagte, dass diese in Nepal keinerlei Überlebenschance gehabt hätte), sondern es ging einfach sehr weit darüber hinaus. Wie Miriam gehegt und gepflegt wurde, geht ganz weit über das Notwendige hinaus. Es fühlt sich so an, als sei sie nicht ihren Eltern entrissen worden, um in einem tristen Krankenhaus vor sich hinzusiechen, sondern als habe sie vielmehr eine große Familie dazugewonnen. Ich bin ganz sicher, dass das erheblich zu ihren guten Fortschritten beigetragen hat, die ja nicht nur von Operationen und Medikamenten beeinflusst sind. Und deshalb kann ich nur sagen: Ja! Für Miriam wart Ihr einfach das beste Krankenhaus der Welt.
Aber natürlich waren es nicht nur die lieben Leute auf der Station, die uns geholfen haben, dieses verrückte Dreivierteljahr einigermaßen zu überstehen. Ich kann einfach nicht oft genug betonen, welch Glück es war, dass wir in Göttingen wohnen und am Abend den Krankenhausalltag auch mal hinter uns lassen konnten (und dass ich, wenn auch teilweise in reduzierter Intensität, weiter arbeiten konnte). Familie, Freunde und Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen, natürlich auch die SpieleautorInnengruppe, die mir in den letzten Tagen viel Auftrieb gegeben hat – Ihr wart immer da, wenn wir Euch brauchten. Ohne Euch hätten wir bestimmt nicht so gut durchgehalten. Ich bin froh und dankbar, Euch alle zu haben!
Und dann sind da auch noch die vielen Leserinnen und Leser dieses Blogs, die so eifrig mitgefiebert haben und immer ein nettes Wort für uns übrig hatten. Ich hatte ja ursprünglich nur über Miriams Situation schreiben wollen, um mich ein bisschen zu entlasten (weil ich nicht immer alles hundertmal neu erzählen wollte) und um mir ein paar Sachen auch von der Seele schreiben wollte. Aber dann war das Interesse doch deutlich größer, als ich vermutet hatte, und von denen, die sich zufällig hierher verirrt hatten, sind einige geblieben und haben mitgekämpft. Danke an Euch, auch an die, die ich gar nicht kenne.
Am meisten Dank gebührt aber natürlich Miriam und Elissa. Miriam war so unglaublich stark, wenn wir durchhingen, und hat uns immer wieder unmissverständlich klargemacht, warum wir all dies durchmachen. Mit einem Lächeln von ihr waren alle Zweifel wie weggefegt, und die Angst vor dem, was wir noch vor uns haben ist völlig überdeckt von der Freude darüber, wie sie sich an kleinsten Dingen freuen kann, wie sie ihrem und unserem Leben selbst an den tiefsten Punkten noch eine wahnsinnige Qualität gibt. Ich hoffe, dass ich Dir, Miriam, das eines Tages richtig klar machen kann.
All das wäre nichts ohne Elissa. Wahrscheinlich wissen nicht alle von Euch, dass heute auch noch unser fünfter Hochzeitstag ist. Ein schöneres Geschenk als Miriams Rückkehr konnten wir uns da wirklich nicht machen (und im Melange waren wir gestern vorsichtshalber auch noch mal – wer weiß, wann wir dazu mal wieder kommen). Ich freue mich besonders darauf, wieder mehr Zeit mit Dir zusammen zu haben, meine Liebe! Aber das sage ich Dir auch noch mal selber.
Wenn man also das beste Krankenhaus, die beste Familie, die besten FreundInnen, die besten KollegInnen, die beste Tochter und dann auch noch die beste Ehefrau der Welt hinter sich hat – dann gehen auch 290 Tage irgendwann mal zu Ende!
(Fotos hoffentlich morgen oder so.)
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Today we finally went home. After lunch, we had an extensive wrap-up talk with the doctor, going through the instructions for the medication once again. And the farewell wasn’t totally free of tears, I can tell you that. When entering our home, Miriam was very curious, but she seemed to get into it rather well. We weren’t all too organized, I went to town to buy some stuff we hadn’t got, then dinner was delayed, Miriam was hungry (and cold, as we noticed from her shivering – got to develop a feeling for that again). When I mixed the drugs, I was quite nervous and had to redo one thing because I didn’t do it right the first time. Eventually, Miriam slept. She woke up once around 10:30, but easily fell asleep again. In a little while, we will have to wake her for some medication again, but I am sure that will work out as well. I guess we aren’t doing too bad for the first day at home. Now I just hope she left her habit of demanding story telling at five in the morning behind at the hospital…
A while ago I discussed the question of whether there actually is a „best hospital in the world“. Well, looking back at those last 290 days, I can only say: For Miriam’s case, there couldn’t have been anything better than Göttingen University hospital. She was taken care of so much better than necessary that I am deeply moved. It feels like her family really extended in the time there – thank you all!
But obviously it wasn’t just the staff at the hospital which helped us through this time. Family, friends, colleagues – you also are the best there are. Always around when we needed you, unobtrusive yet passionate. I am happy and grateful to have you around! And all you readers of this blog have also been great. Many of you ended up here unexpectedly, but still you have been great at supporting us. Feel free to share your thoughts, always.
All this, however, wouldn’t have been possible without Miriam’s strength. With a smile, she wiped out all doubts about whether we did the right thing. Our insecurity about the future is completely countered by her happiness about the smallest things and her ability to find a deep quality of life even in the times of the greatest worries. I hope that one day I will be able to really tell you that, Miriam.
My greatest thanks, however, go to Elissa. Most of you are probably unaware that today is our 5th wedding anniversary. I guess we got the greatest gift we could think of. And I am really looking forward to be able to spend more time with you in the days to come, my love. But I will tell you that directly, too.
So if one has the best hospital, the best family, the best friends, the best colleagues, the best daughter and the best wife in the world around, even 290 days in an ICU eventually pass – thank you!
(Photos tomorrow. Or so. I hope.)