Asienreise 1994-1995

Hier findet Ihr einen längeren Reisebericht von einer Asienreise, die ich mit meiner Freundin Janni 1994/1995 unternommen habe. Die Vorgeschichte war ungefähr so: Nach dem Abi war ich mit meinem Freund Jähling drei Monate mehr oder weniger ohne Geld durch Nordamerika getrampt. Diese Reise enthielt unter anderem eine viertägige Zugfahrt von Mexico City an die kalifornische Grenze, die ziemlich an meine physische Belastbarkeitsgrenze heranging. Es war scheußlich anstrengend, aber nach der ersten Dusche und der ersten Mahlzeit fängt man ja schon langsam an zu idealisieren. Und da ich gehört hatte, dass man in Indien gar auf den Dächern von Zügen fährt, war meine Neugier geweckt. Asien rief. Dann begann ich auch noch, Tibetologie und Sinologie zu studieren, und dachte mir, nach der Zwischenprüfung sollte ich vielleicht mal ein bisschen Zeit in Asien zubringen, um herauszufinden, ob das überhaupt das Richtige für mich wäre. Also fing ich an zu sparen.

1993 kam ich mit Janni zusammen, und wir diskutierten lange darüber, wie wir damit umgehen sollten. Sollte ich allein fahren, sollte ich sie mitschleifen oder was? Am Ende stand dann unser Entschluss, die Reise gemeinsam zu machen und sozusagen in zwei Hälften zu teilen: Im ersten Teil würden wir uns die Länder ansehen, die mich am meisten interessierten (China und Tibet), im zweiten Teil die, auf die Janni scharf war (Indien und Iran). Das Ganze sollte auf alle Fälle eine reine Landreise werden. Das erwies sich als eine großartige Idee, denn es ist toll, sich langsam an etwas so exotisches wie Asien heranzutasten.

Auf der Reise, die sechseinhalb Monate dauerte, habe ich insgesamt acht Reiseberichte geschrieben und nach Hause geschickt, wo nette Leute sie in meiner Familie und in meinem Bekanntenkreis verteilt haben. Für die Jüngeren unter Euch: Das war eine Zeit, in der so gut wie niemand Email-Adressen hatte. Handys waren erst recht noch exotisch, und in Asien war es schwer, überhaupt mal ein Telefon zu finden, von dem aus man Europa anrufen konnte. Unsere einzige Verbindung nach Hause waren Briefe, und wer uns schreiben wollte, tat dies postlagernd (und schickte die Bundesliga-Ergebnisse der letzten Wochen sowie Zusammenfassungen der aktuellen Ereignisse in der Lindenstraße mit), in der Hoffnung, dass sich unsere Reiseroute nicht überraschend ändern würde.

Zu Hause in meiner WG tippten Sönke Gäthke und Nicole Jarvis (und vielleicht auch noch andere liebe Leute) meine in kleiner und manchmal flüchtiger Handschrift verfassten Reiseberichte in den Computer ein, druckten das Ergebnis aus, fotokopierten es und schickten es rum. So dauerte es oft viele Wochen, bis alle Interessierten informiert waren, und ich war in dieser Zeit oft gar nicht im Bilde, ob alles angekommen war. Zum Glück ist aber nichts verloren gegangen. Mein Dank gilt den fleißigen TipperInnen, ohne die dieser Bericht nicht für die Nachwelt erhalten geblieben wäre. Besonders aber danke ich natürlich Janni, ohne die diese Reise öd und leer gewesen wäre. Trotz einiger Auseinandersetzungen (besonders in den ersten Wochen) haben wir uns prima zusammengerauft, und je länger die Reise dauerte, desto besser haben wir sie bewältigt.

Während ich keine Kamera dabei hatte, hat Janni fleißig fotografiert. Die Fotos sind Dias geworden, und es ist recht aufwendig, diese einzuscannen und den Berichten hinzuzufügen. Das hole ich eines Tages nach, wenn ich pensioniert bin oder so. Es lohnt sich nämlich, denn viele der Bilder sind sehr toll. Ein paar Bilder könnt Ihr schon in den ersten beiden Teilen sehen; leider hat die Qualität durch das Scannen ziemlich gelitten. Ich hoffe, man kann was erkennen.

Der Bericht selbst ist abgesehen von einigen orthographischen und grammatischen Korrekturen so ziemlich so, wie ich ihn 1994/1995 geschrieben habe. Ich wollte daran nicht nachträglich großartige Veränderungen vornehmen, die vielleicht die Authentizität verfälschen würden. Manche Passagen klingen für mich aus heutiger Sicht selbst seltsam, oft auch sehr hart gegenüber den Leuten, denen wir begegnet sind. Aber das Schreiben des Berichts war für mich eben auch ein “therapeutisches” Ventil, durch das ich Dampf ablassen konnte. Auch wenn mir vieles auf der Reise gestunken hat, möchte ich außer der Amöbenruhr eigentlich nichts missen. Nehmt mir also bitte gelegentlich harte Polemik nicht übel, ok? Die Reise war ein absoluter Glücksfall für mich, der mein Leben seither nicht unwesentlich geprägt hat, und ich bin dankbar, dass ich sie gemacht habe. Insbesondere auch deshalb, weil ich heute nicht mehr unbedingt nach Pakistan reisen würde, und auch in Tibet und im Iran haben wir Phasen der relativen Entspannung erlebt, von denen wir nicht unbedingt erwarten können, dass sie in gleicher Form noch mal wiederkehren.

Beim Umwandeln der alten Word-Dokumente in .pdf-Dateien konnte ich mir trotz des Vorhabens, das Original einigermaßen unverändert zu belassen, nicht verkneifen, ein paar Fußnoten einzufügen. In denen konnte ich meine Sicht auf das Geschehen mit gut 12 Jahren Abstand darlegen, zumal mir noch ein paar Sachen einfielen, die damals aus irgendwelchen Gründen keinen Eingang in die Reiseberichte gefunden hatten. Diese Fußnoten sind also im Jahre 2015 auch schon ganz schön alt.

Wer Anmerkungen oder Fragen hat, kann mich natürlich gern kontaktieren (am besten über theHilkMAN-1 /at/ yahoo /dot/ com). Aber bitte keine Beschwerden darüber, dass sich irgendwelche Zugabfahrtszeiten oder Eintrittspreise geändert haben, ok? Das sind Berichte aus grauer Vorzeit, keine Reiseführer. Vielen Dank für Euer Verständnis.

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